Perspektiven

Ertragsentwicklung

Die Kirchensteuer ist – insbesondere im Bistum Essen – die wichtigste Ertragsquelle zur Finanzierung des kirchlichen Handelns. Ihre künftige Entwicklung hängt vor allem von den folgenden Faktoren ab:
 

  1. Die Anzahl der (Kirchensteuer zahlenden) Mitglieder: Hier sind neben der demografischen Entwicklung insbesondere die Kirchenaustritte und die Zahl der Erwerbstätigen relevant.
  2. Die allgemeine Lohnentwicklung und ihre Auswirkungen auf die individuellenEinkommen der (Kirchensteuer zahlenden) Mitglieder und deren Besteuerungsgrundlagen
     

Mit Blick auf die demografische Entwicklung stehen der katholischen Kirche in Deutschland – wie der gesamten Gesellschaft – in den kommenden Jahren vor allem der Renteneintritt der „Babyboomer“-Generation und die damit verbundenen Steuerausfälle bevor. Die folgende Grafik lässt erahnen, mit welch deutlichem Rückgang an Kirchensteuereinnahmen das Bistum Essen voraussichtlich konfrontiert wird. Bildlich gesprochen entsteht eine „Kirchensteuerklippe“.

Natürlich werden die „Babyboomer“, also die Generation der zwischen Mitte der 1950er und Mitte der 1960er Jahre Geborenen, nicht alle gleichzeitig in Rente gehen. Schwerpunktmäßig wird dies zwischen Anfang der 2020er und Anfang der 2030er Jahre der Fall sein. Doch aufgrund ihrer großen Anzahl werden sie in der künftigen Kirchensteuerentwicklung eine Lücke hinterlassen, die weder durch die nachrückenden Katholikengenerationen noch durch die Einführung der nachgelagerten Besteuerung von Renteneinkünften geschlossen werden kann.

Verstärkt wird dieser Effekt durch das seit Jahren hohe Niveau an Kirchenaustritten, insbesondere von jungen, in das Berufsleben eintretenden Katholiken im Alter zwischen 20 und 35 Jahren. Während negative Einzelereignisse in der katholischen Kirche – wie das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen, der Fall Limburg oder die Verfahrensumstellung beim Einzug der Kirchensteuer auf Kapitalerträge – eher ältere Katholiken zur Austrittsentscheidung bewegen, ist bei der jüngeren Generation über die vergangenen Jahre hinweg ein stetig-systematischer Anstieg der Austrittsquoten zu beobachten.

Neben der zahlenmäßigen Entwicklung der kirchensteuerpflichtigen Katholiken insgesamt ist für die Kirchensteuer auch die Höhe ihres jeweiligen Einkommens von Bedeutung, da sich hieran die individuelle Zahlung bemisst. Neben der in den vergangenen Jahren vor allem aufgrund der guten Konjunktur gestiegenen Erwerbstätigenquote ist dies die wesentliche Erklärung für die bislang insgesamt relativ stabile Entwicklung der Kirchensteuereinnahmen: Die individuellen Einkommens- und damit Kirchensteuerzuwächse kompensieren derzeit noch den kontinuierlichen Rückgang der Mitgliederzahl im Bistum Essen.

Für die nähere Zukunft erwarten wir eine Fortsetzung dieses ausgleichenden Effekts, allerdings auch eine Dämpfung aus der von der Bundesregierung angekündigten Einkommensteuerreform. Zudem sind Veränderungen bei Einkommen und Gehältern bislang eng mit der volkswirtschaftlichen Gesamtentwicklung verknüpft, die im Ruhrgebiet bisher im Bundesvergleich regelmäßig unterdurchschnittlich ausfällt. Bundesweit betrachtet ist kurz- bis mittelfristig fraglich, wie lange die gute konjunkturelle Entwicklung noch anhält. Langfristig stellt sich außerdem die Frage, inwieweit menschliche Arbeit künftig durch künstliche Intelligenz, Robotik etc. ersetzt wird.

Mittel- bis langfristig wird in der Gesamtwirkung auf die Kirchensteuereinnahmen des Bistums Essen der erwartete Rückgang an kirchensteuerpflichtigen Mitgliedern voraussichtlich den Gegeneffekt grundsätzlich steigender Einkommen übertreffen.

Bei den für das Bistum Essen in der Höhe deutlich nachgelagerten Finanzerträgen erwarten wir aufgrund des anhaltenden Niedrigzinsumfeldes bis auf Weiteres keine nennenswerteErholung.

Aufwandsentwicklung

Da kirchliches Handeln ganz überwiegend Dienst des Menschen am Menschen bedeutet, sind ein wesentlicher Teil des kirchlichen Gesamtaufwandes Personalkosten. Dies gilt letztendlich auch für Zuweisungen an andere kirchliche Organisationen, obwohl diese auf Ebene der Körperschaft Bistum zunächst formell als Sachaufwand gebucht werden.

Daneben bildet der Bau- und Instandhaltungsaufwand einen auch für die Zukunft wesentlichen Ausgabeposten – mit Blick auf die zahlreichen pastoral genutzten Immobilien wie auch insbesondere für die Schul- und anderen Bildungsgebäude.

Insgesamt erwarten wir bei gleichbleibendem kirchlichen Betrieb aufgrund kontinuierlich steigender Kosten eine jährliche Erhöhung des Personal- und Sachaufwandes um rund 3%.

Fazit

Die Erträge werden mittelfristig voraussichtlich spürbar zurückgehen und die Ausgaben ohne entsprechende Gegenmaßnahmen gleichzeitig kontinuierlich steigen: Die aktuell noch relativ gute finanzielle Situation darf uns nicht dazu verleiten, die Augen vor den immensen künftigen Herausforderungen zu verschließen. Hier geht es vor allem um die demografischen, religionskulturellen und wirtschaftlichen Entwicklungen und die daraus folgenden Konsequenzen für die kirchliche Arbeit.

Deshalb müssen wir offen die zukunftsfähigen Handlungsfelder und Strukturen der Kirche erkennen und fördern. Hierzu haben wir in den Leitlinien unseres Zukunftsbildes zahlreiche Projekte aufgelegt. Beispielsweise zeigt die 2018 veröffentlichte und seitdem bundesweit diskutierte Kirchenaustrittsstudie des Bistums Essen zentrale Gründe auf, warum Katholiken die Kirche verlassen. Die Studie zeigt aber auch, warum Katholiken Kirchenmitglieder bleiben und was getan werden kann, um diese Bindung dauerhaft zu stärken. Um die Zahl der Austritte zu verringern, fordert sie die Kirche u.a. dazu auf, nicht nur die besonders aktiven Mitglieder der „Kerngemeinden“ in den Blick zu nehmen, sondern auch die Katholiken, die nur selten ihre Angebote nutzen.

Unterdessen wird die aufgezeigte finanzielle Entwicklung auch den konsequenten Abschied von Arbeits- und Themenfeldern bedeuten, die für das Bistum weniger relevant sind als andere. Dies gilt u.a. in den laufenden Pfarreientwicklungsprozessen. Die derzeit noch relativ entspannte finanzielle Lage kann uns helfen, die Folgen dieses Strukturwandels zu lindern.

Kontakt zum Autor

Leitung der Hauptabteilung

Dr. Daniel Beckmann (Dipl. Wirtsch.-Ing.)

Zwölfling 16
45127 Essen