Bistum-Essen RSS Feed https://www.bistum-essen.de de Copyright Mon, 30 Mar 2020 22:25:56 +0200 Mon, 30 Mar 2020 22:25:56 +0200 TYPO3 news-18759 Mon, 30 Mar 2020 14:49:15 +0200 School`s out wegen Corona? Von wegen! https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/schools-out-wegen-corona-von-wegen/ Vor zwei Wochen hat NRW seine Schulen wegen der Corona-Pandemie vorsorglich geschlossen. Schülerinnen und Schüler und auch die Schulen wurden mit dieser Entscheidung vor große Herausforderungen gestellt. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten scheinen sich aber alle mit der Situation arrangiert zu haben. Am Freitag den 13. kam die Nachricht – und platzte ein wie eine Bombe: Ab Montag bleibt die Schule zu. Bis zu den Osterferien. „Super, drei Wochen schulfrei“, freute sich Schülersprecher Moricz Hübinger vom Mariengymnasium in Essen-Werden, als er davon hörte. „Da war mir der Ernst der Lage noch nicht ganz klar.“ Nachdenklich blickt der 17-Jährige auf die Zeit, die erst 14 Tage zurückliegt – einer in Corona-Zeitrechnung mit sich überschlagenden Ereignissen gefühlten Ewigkeit. „Wie geht’s jetzt weiter? Was passiert jetzt?“, fragte sich dagegen Jonas Fußangel, Sprecher des 11. Jahrgangs. „Die Schule muss ja irgendwie weitergehen.“

Dieser Ansicht waren auch die Lehrerinnen und Lehrer und sahen sich mit der Herkules-Aufgabe konfrontiert, quasi über Nacht, Unterrichtsmaterialien „to go“ zusammen zu stellen, um ihrem Bildungsauftrag gerecht zu werden. Doch wie funktioniert das Lernen aus der Ferne? Welche Rolle spielt dabei das Internet? Und wie kommen die Schülerinnen und Schüler an die Lehrmaterialien?

„Da unsere IT-Neuausstattung und damit die Einrichtung einer schulinternen Cloud erst für die Osterferien geplant war, verfügen wir leider noch nicht über eine schulinterne Lösung“, erzählt Christiane Schmidt, Schulleiterin des Mariengymnasiums. „Daher lösen einige Kollegen dieses Defizit durch eigenes Engagement.“ So bekommen die Klassen fünf bis neun ihre Unterlagen von den Klassenlehrern zugemailt, die Klassen zehn bis zwölf von ihren jeweiligen Fachlehrern.  

Schüler nutzen Microsoft Office 365

Großes Glück hatte dagegen die Sekundarschule am Stoppenberg, „weil bei uns der digitale `Rollout´ bereits abgeschlossen ist“, freut sich Benedikt Bahrfeck, der stellvertretende Schulleiter. Der digitale Fortschritt hat bereits Einzug gehalten. „Das bedeutet in der Praxis, dass alle Schülerinnen und Schüler über eine eigene Schulmailadresse verfügen und darüber bereits Verteiler erstellt worden sind.“ Zusätzlich könne jeder Schüler Microsoft Office 365 auf seinem Rechner oder Tablet nutzen, „was ein Riesenvorteil ist, da wir so Informationen und Aufgaben einfach und unkompliziert weitergeben können“.

Doch Schule ist mehr als reine Informationsvermittlung. „Natürlich kann das beste digitale `Austauschsystem´ in keinem Fall einen adäquaten Ersatz für Unterricht im klassischen Sinne darstellen“, betont Bahrfeck. Sein Kollege Thomas Regenbrecht, Schulleiter des Bischöflichen Abtei-Gymnasiums, Duisburg ergänzt: „Wir als Schule haben neben dem Lehrauftrag auch den nicht minder wichtigen Erziehungsauftrag. Bildung als Entwicklung einer Haltung zum Sachwissen geschieht immer im Unterricht, also in der persönlichen Begegnung.“ Soziales Verhalten und die Erziehung zum mündigen Bürger können nicht im Fernstudium geschehen. Auch Schulleiterin Schmidt ist sich sicher, dass „bei aller Technikbegeisterung, der Unterricht von der direkten Kommunikation und Interaktion zwischen Schülerinnen und Schülern sowie mit dem Lehrer lebt. Die Persönlichkeiten der Einzelnen tragen zum individuellen Lernerfolgt bei.“ Die reale Atmosphäre eines Klassenzimmers sei nicht zu unterschätzen. Die ersten Wochen zeigen, dass die Technik und das digitale Lernen ein sinnvolles Unterstützungselement seien, die Schulatmosphäre und die Mitschüler aber nicht ersetzen können.

Digitale Bigband-Probe

Das kann Moricz Hübinger nur unterschreiben, dem der persönliche Kontakt in der Schule „schon abgeht.“ Deswegen freut er sich auch schon auf die digitale Bigband-Probe mit Hilfe einer Meeting-App. „Ich bin gespannt, wie das wird.“ Er ist als Klavierspieler am Start, Schulkollege Jonas Fußangel als Saxophonist. Die beiden Schüler haben sich mit der Situation arrangiert.

„Anfangs gab es ein paar Startschwierigkeiten“, erzählt der 17-jährige Jonas. „Aber jetzt läuft es gut. Die Zusammenarbeit mit den Lehrern, aber auch untereinander.“ Er und seine Schulkameraden nutzen rege die sozialen Medien: Stufenchat und Whatsapp-Gruppen werden zum Fragen stellen, diskutieren und für gegenseitige Unterstützung genutzt.

„Es war schon eine Umstellung“, berichtet Moricz. Statt Bespaßung von Seiten der Schule war plötzlich Selbstdisziplin angesagt. „Ich musste das Lernen lernen“, erzählt er lachend. In den ersten Tagen saß er von zehn Uhr vormittags bis abends um acht am Schreibtisch „und ich habe irgendwie nichts geschafft.“ Handy, Bücher und alles andere waren spannender. „Es hat sich aber eingespielt. Ich habe den Tag jetzt strukturiert mit Lern- und Freizeitphasen. Das hat echt was gebracht und ich lerne konsequenter.“ Gleichzeitig böten die Lehrer und Lehrerinnen Möglichkeiten der Lernkontrolle an. „So hat unter anderem mein Geschichtslehrer vorgeschlagen, über Skype Fragen zu klären und Ergebnisse zu besprechen“, freut er sich über die Chance, Rückmeldung zu bekommen. Das System Schule hat für sich Wege durch die Corona-Zeit gefunden. Ersetzbar ist es auf Dauer aber nicht.  

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news-18758 Mon, 30 Mar 2020 12:07:25 +0200 Der Essener Dom in der Corona-Krise https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/der-essener-dom-in-der-corona-krise/ Wie viele Kirchen im Ruhrbistum ist der Essener Dom auch in der Corona-Krise nach wie vor geöffnet. Nach der Absage aller Gottesdienste und Schließung umliegender Geschäften kommen nur noch wenige Menschen in die jahrhundertealte Kirche in der Essener Innenstadt – für sie aber vor allem jetzt ein wichtiger Ort des Glaubens und der Hoffnung. Trotz Sicherheitsabstand und Kerzen anzünden mit Gummihandschuhen. Ob sich der heilige Rochus wundert? Sonst brennt zu seinen Füßen im linken Seitenschiff eigentlich immer eine Kerze. „Hl. Rochus, bitte für uns!“ steht ein wenig verwittert auf dem Steinsockel. Aber heute ist der Kerzenständer dunkel. Dabei gilt Rochus unter den christlichen Heiligen als einer der Seuchenexperten schlechthin: Im Mittelalter soll er in Norditalien Pest-Kranke geheilt haben und selbst auf wundersame Weise von der Krankheit genesen sein. Seine Figur im Essener Dom ist kurz nach den Essener Pest-Epidemien im 15. Jahrhundert entstanden. Seitdem haben die Menschen hier um Gottes Beistand bei Pest, Cholera und allerlei anderen Epidemien gebetet. Doch in Corona-Zeiten herrscht nicht nur bei Rochus Ruhe. Während der Dom und die Anbetungskirche St. Johann nebenan nach wie vor täglich geöffnet sind, ebbt der Besucherstrom seit der Absage von Gottesdiensten, der Verhängung von Kontaktverboten und der Schließung der umliegenden Läden und Restaurants spürbar ab. Jetzt, mittags um 12 Uhr, ist kein einziger Besucher in dem jahrhundertealten Gotteshaus. Wo sonst ein leuchtender See aus Kerzen brennt, haben Gläubige zu Füßen der Goldenen Madonna gerade vier Lichter angezündet. Und wo in der Anbetungskirche sonst Betende und Beichtende ein- und ausgehen, ruht eine Obdachlose einen Moment in der letzten Bank.

Kerze anzünden mit Gummihandschuhen

Leise öffnet sich die Glastür. Eine Frau mit Winterjacke kommt herein und wendet sich gleich rechts zur Marienikone. Gemessen an der Kerzen-Zahl findet das goldene Bild gleich am Eingang im Dom noch den meisten Zuspruch. Die Frau trägt blaue Gummi-Handschuhe, wohl aus Hygiene-Gründen. Damit greift sie eine Kerze, zündet sie an und legt die blauen Hände zu einem kurzen Gebet zusammen, bevor sie wieder geht und die Stille in den Dom zurückkehrt. Andacht in Corona-Zeiten.

„Not lehrt beten“, sagt der Volksmund, der so viele Kriege und Krankheiten kennt, in denen sich die Menschen in die Kirchen geflüchtet haben, um Beistand und Trost zu erfahren. Doch bei der Corona-Not ist das anders. Wo „Bleibt zuhause!“ und „Zwei Meter Abstand!“ die Parolen der Stunde sind, verzichten viele selbst auf die Nähe der Kirche.

Das stellt auch Bernd Wolharn fest. Der Priester gehört mit den Küstern, Putzfrauen und dem Sicherheitsmann zu den wenigen Menschen, die noch täglich im Dom präsent sind. Wolharn leitet die Cityseelsorge „grüßgott“ am Essener Dom, doch viel zu grüßen hat er derzeit nicht. „Tag für Tag kommen weniger “, sagt er. Natürlich bedauert er diesen Verlust, aber weniger für seine Kirche als für die Menschen. „Gerade viele Ältere bleiben jetzt zuhause.“ Das sei nachvollziehbar und ja auch so empfohlen, „aber für viele ist das hier eine Heimat – und diese Sehnsucht nach Heimat, die kann man nicht einfach abstellen“. Oft sei der morgendliche Gottesdienst der einzige Kontakt des Tages – und der falle jetzt weg.

Gespräche über zwei Kirchbänke hinweg

Wer kommt jetzt überhaupt noch in den Dom? „Ein paar von denen, die immer kommen, die ganz gezielt eine Kerze bei der Goldenen Madonna, an der Ikone oder beim Hl. Rochus anzünden und wieder gehen“, sagt Wolharn; Stammkunden, die ihre Glaubens-Heimat pflegen. „Und es kommen die, die froh sind, dass bei allem, was in der Innenstadt geschlossen ist, zumindest die Kirche noch geöffnet hat.“ Ob mit „Stammkunden“ oder „Touristen“: Manchmal ergäben sich dann Gespräche, erzählt Wolharn über den Sicherheitsabstand von zwei Kirchenbänken hinweg. Die drehten sich natürlich immer um Corona, um praktische Probleme, Kontaktverbote und Einsamkeit – aber auch um ganz andere Dinge, schließlich geht das Leben auch in der Corona-Krise weiter.

Was das Beten angeht „gibt es Gott sei Dank ganz viele kreative Möglichkeiten, im Gebet anders miteinander verbunden zu bleiben“, sagt Wolharn. Anders, als nebeneinander in der Kirchbank zu sitzen. Stattdessen beten Menschen jetzt daheim am Küchentisch, abends mit einer Kerze im Fenster, in Videokonferenzen oder WhatsApp-Gruppen und schauen Gottesdienste im Fernsehen oder im Internet an. Das sei alles gut und wichtig, sagt Wolharn – und doch sei der Wert „dieses Ortes“, wie er sagt, nicht zu verachten.

Und wer weiß, vielleicht kommen ja nach der ersten Corona-Schockstarre in den kommenden Tagen wieder ein paar mehr Menschen in den Dom und die anderen geöffneten Kirchen und machen sich auf die Suche nach diesem „Wert“. Vielleicht suchen sie liebgewonnene Ritualen, Gebete und Gesänge der Kar- und Ostertage. „Die Älteren sagen mir: Selbst im Krieg und größter Not haben wir das gefeiert!“, berichtet Wolharn und erzählt von einzelnen Menschen, die jetzt lange in der Kirchbank sitzen und im Gebetbuch „Gotteslob“ lesen oder mit dem Buch den Kreuzweg beten. Wolharns Hoffnung: „So sehr die Menschen Abstand zu ihren Nachbarn halten müssen, so sehr erfahren sie hier womöglich, wie nah ihnen Gott ist.“

„Vieles erinnert im Moment an Karfreitag“

Am Ausgang blickt Wolharn auf das Weihwasserbecken, das nun schon seit zwei Wochen trocken ist – so wie sonst nur an Karfreitag. „Vieles erinnert im Moment an Karfreitag“, sagt Wolharn. Wichtig sei, „dass wir nicht am Karfreitag stehen bleiben, sondern dass wir Ostern feiern!“ Dabei geht es ihm weniger um bestimmte Gottesdienste als um die christliche Grundhaltung: „Dass wir Ostern das Leben feiern!“ Auferstehung eben, den Sieg über den Tod. Vielleicht ist das in diesen Corona-Tagen ja auch für manchen eine Perspektive, der eine Kirche wie den Essener Dom bislang nicht als seine Heimat bezeichnet hat.

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news-18756 Sun, 29 Mar 2020 09:42:21 +0200 Wort des Bischofs zum Sonntag | 29.03.2020 https://www.youtube.com/watch?v=Ccz9GeEWY_g news-18754 Sat, 28 Mar 2020 16:41:33 +0100 Einkaufshilfen, Seelsorge-Hotlines und digitale Nachtgebete https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/einkaufshilfen-seelsorge-hotlines-und-digitale-nachtgebete/ Übersicht stellt in der Corona-Krise die zahlreichen Initiativen und Hilfs-Angebote in den Pfarreien und Caritas-Verbänden der verschiedenen Städte und Kreise des Bistums Essen dar. Einkaufshilfen für Corona-Risikogruppen, Online-Beratungen und Gottesdienste per Videokonferenz – in den Pfarreien und Caritas-Verbänden des Bistums Essen sorgen haupt- und ehrenamtliche Mitarbeiter der Kirche mit Kreativität und hohem Engagement für Lösungen im Umgang mit der Corona-Krise. Trotz abgesagter Veranstaltungen und geschlossener Gemeindeheime gibt es jede Menge seelsorgerische Angebote und praktische Hilfen für die Menschen in der Nachbarschaft.

Eine eigene Internetseite stellt beispielhafte Angebote aus den verschiedenen Städten und Kreisen des Bistums Essen vor.

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news-18746 Sat, 28 Mar 2020 08:30:00 +0100 Zehn Tipps gegen den Lagerkoller https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/zehn-tipps-gegen-den-lagerkoller/ Im Essener Norden gibt es den Frauen-Orden „Maria in der Not“. Einen Schweigeorden, der in Abgeschiedenheit, Stille und Gebet ganz für Gott lebt. Priorin Schwester Renata, die Leiterin dieses Karmelitinnen-Klosters, erzählt, dass es in ihrem Leben „eine Zeit gegeben hat, in der bin ich zehn Jahre nicht vor die Klostertür gekommen“.  Wer könnte besser dazu geeignet sein, Tipps zu geben, wie der Lagerkoller in den eigenen vier Wänden verhindert werden kann, als die 81-jährige Nonne?

1. Strukturieren Sie Ihren Tag

  • Legen Sie fest, wann Sie aufstehen, wann Sie Mittagspause machen wollen, wann es Abendessen gibt
  • Sonst werden Sie träge und der Tag gleitet an Ihnen vorbei

2. Teilen Sie jedem eine Arbeit, eine Beschäftigung zu

  • Wer ist mit dem Tischdecken dran? Wer räumt auf?
  • Was gibt es zu Mittag? Wer kocht? Kochen alle gemeinsam?

3. Treiben Sie Sport – sofern das in den eigenen vier Wänden möglich ist

  • Gymnastik, Yoga
  • Spüren Sie Ihren Körper, nehmen Sie sich bewusst wahr

4. Legen Sie eine „Lernstunde“ fest

  • Für die Kinder die Zeit, in denen sie ihre Schulaufgaben machen können
  • Für die Erwachsenen: Überlegen Sie, was Sie schon immer einmal machen wollten, wie eine fremde Sprache zu lernen; kramen Sie das alte Musikinstrument wieder hervor. Tun Sie Dinge, an denen Sie Freude haben und für die sonst aber keine Zeit da ist

5. Gönnen Sie sich eine Stunde, die ganz allein Ihnen gehört

  • Eine Zeit, in der jeder bewusst für sich schaut, was er und sie gerade braucht 
  • Eine Zeit zum Lesen, zum Musik hören, zum Ausruhen

6. Kommen Sie danach als Familie wieder zusammen, trinken Sie bewusst einen Kaffee oder Tee, um wieder wach zu werden und reden Sie über die Dinge, die Ihnen durch den Kopf gehen

7. Machen Sie einen Spaziergang

  • Tanken Sie frische Luft und Sonnenenergie und toben Sie sich aus. Bewegung ist wichtig

8. Blicken Sie beim Abendessen gemeinsam auf den Tag zurück

  • Lassen Sie die anderen an Ihrem Tag, Ihren Gefühlen teilhaben.
  • Jeder erzählt: Wie geht es mir? Wie war der Tag? Was war gut, was ist noch ausbaufähig?

9. Spielen Sie miteinander

  • Gesellschaftsspiele wie 4-Gewinnt 
  • lesen Sie einander Geschichten vor

10. Nehmen Sie sich einmal bewusst Zeit für sich. Nutzen Sie die Zeit der Abgeschiedenheit, um Rückschau auf Ihr Leben zu halten

  • Notieren Sie, was alles in Ihrer Vergangenheit passiert ist, und, was Sie gerade bewegt
  • Legen Sie persönlich Rechenschaft über Ihr Leben ab, über Ihre Beziehungen
  • Was ist/war Ihnen wichtig, was hat sich verändert? 
  • Was haben Sie noch für Träume, Wünsche, Ziele?
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news-18753 Fri, 27 Mar 2020 14:30:34 +0100 „Unser täglich‘ Brot“: Bistum startet Rezepte-Service in Corona-Zeiten https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/unser-taeglich-brot-bistum-startet-rezepte-service-in-corona-zeiten/ Das neue, wöchentliche Online-Angebot des Bistums Essen dreht sich um schnelle Küche in Zeiten, in denen das Speisen daheim bestenfalls nicht nur notwendiges Übel ist, sondern gelegentlich auch Genuss für Leib und Seele sein darf. Zum Auftakt präsentiert das Ruhrbistum: die Currywurstpfanne. „Essen hält Leib und Seele zusammen“, sagt der Volksmund. Wenn dies schon in normalen Zeiten gilt, dann erst jetzt zwischen Ausgeh-Beschränkungen und Kontakt-Verboten: Für manchen Single ist eine warme Mahlzeit jetzt ein Höhepunkt des Tages, für Paare stiftet sie ein Stück Beziehung. Und in Familien ist sie der Versuch, zwischen gesunder Ernährung und gutem Geschmack alle(s) unter einen Hut und an einen Tisch zu bekommen. Wie damals bei Jesus, der zwischen Brotvermehrungen, Hochzeiten und dem letzten Abendmahl auch ziemlich viel beim Essen geklärt hat.

Grund genug für uns, Ihnen ab sofort jede Woche ein neues Rezept für eine schnelle, einfache, familientaugliche und vor allem leckere kulinarische Erfahrung zu präsentieren. Ausgesucht und erprobt von einer Hobbyköchin mit Mann und zwei kleinen Kindern, die Ihnen diese Ideen in diesen Corona-Zeiten sehr gerne zur Verfügung stellen.

Currywurstpfanne liefert, was im Home-Office fehlt

„Wenn der Zweijährige jederzeit aus dem Mittagsschlaf aufwachen könnte und der Kleine neben dem Schreibtisch auf dem Boden quäkt, hab ich keine Zeit zu kochen. Aber lecker muss es sein, halbwegs gesund und am besten auch irgendwie normal – damit es der ganzen Familie schmeckt.

Wenn dann am Ende nichts mehr übrig bleibt, grinse ich in mich hinein. Hier mein Highlight der vergangenen Woche: Bei der Currywurstpfanne kommt alles zusammen, was uns im Home Office, in Quarantäne oder einfach nur aufgrund der größtenteils geschlossenen Gastronomie derzeit fehlt: Ruhrgebiet, Grillwurst und Pommes – nur eben so, wie das in der normalen Küche möglich ist: mit knusprigen Bratkartoffeln statt Pommes und Bratwurst aus der Pfanne statt vom Grill.

Vorsicht mit den Mengen bei den Zutaten, wir sind bei uns zuhause ziemlich verfressen...

Los geht‘s:

  • 6-8 Kartoffeln und eine Zwiebel schälen, klein würfeln, zur Seite stellen.
  • Eine Packung Grillwürste (haben wir immer im Gefrierfach, sollte es derzeit aber auch trotz Mehl- und Klopapier-Knappheit in jedem Supermarkt geben), in Stücke schneiden.
  • Rund 0,5 Liter Tomatensauce (funktioniert auch mit Fertigpulver) anrühren und mit Currypulver (und wer mag mit Muskat, Kreuzkümmel und Koriander) würzen.
  • Fett in die Pfanne: Wurst-Stücke von allen Seiten knusprig anbraten, mit Currypulver bestreuen, umrühren, rausnehmen.
  • Neues Fett rein, Kartoffeln und Zwiebel schön knusprig anbraten und kräftig salzen und pfeffern.
  • Die Currytomatensauce angießen, 20 Minuten köcheln lassen, Wurst dazu, 3-6 Esslöffel Curryketchup drüber, alles noch mal gut umrühren, erhitzen.

Fertig – und ziemlich lecker... Und mit einer Wurst-Alternative ist das Ganze natürlich auch vegan umsetzbar.“

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Die Serie „Unser täglich' Brot“ präsentiert in den kommenden Wochen an jedem Freitag ein neues Rezept.

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news-18752 Thu, 26 Mar 2020 14:13:37 +0100 Gefragte Internet-Seelsorge von „Heaven on Line“ https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/gefragte-internet-seelsorge-von-heaven-on-line/ Bistums-Angebot mit täglichen E-Mail-Impulsen und der Möglichkeit zur persönlichen Begleitung in der Fastenzeit wird seit Beginn der Corona-Krise noch intensiver abgerufen. Auch geistliche Begleitung des „team exerzitia“ registriert wachsendes Interesse. Gottesdienste per Live-Übertragung, Gebete im Chat, Gespräche am Telefon oder Video statt bei einer gemeinsamen Tasse Tee – in Zeiten von Corona verlagert sich auch die Seelsorge ins Digitale. Das merken nicht nur Pfarr- und Gemeindebüros und die Telefonseelsorgen im Bistum Essen. Auch das Angebot „Heaven on Line“, das mit Exerzitien für junge Leute während der Fastenzeit schon seit zehn Jahren im Netz unterwegs ist, findet derzeit ein wachsendes Interesse. Zwischen Aschermittwoch und Ostern gibt es bei „heaven on Line“ eine tägliche E-Mail mit Texten, Videos und anderen Impulsen, die zum Nachdenken anregen. Dabei hat das diesjährige Motto „Schaffenspause“ durch Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbot eine ganz neue Deutung bekommen. „Wer hätte am Aschermittwoch damit gerechnet, dass es in unserer ,Schaffenspause‘ bei Heaven on Line zu einer Zwangspause für unsere Gesellschaft kommt?“, schreibt das Team auf seiner Internetseite. Prompt hat „heaven on Line“ seine Seite vergangene Woche direkt durch weitere Impulse, Gebete und Achtsamkeitsübungen rund um Themen der Corona-Krise ergänzt.

Mehr Kapazitäten für individuelle Begleitung

Seit der vergangenen Woche registriert das vom „team exercitia“ und weiteren haupt- und ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern im Ruhrbistum organsierte Projekt noch einmal eine deutlich gestiegene Nachfrage. „Es gibt viele neue Anmeldungen, sowohl für die Impulse als auch für die individuelle Begleitung“, sagt Pia Laurich vom „heaven on Line“-Team. Wer sich auf heaven-on-line.de kostenlos anmeldet, erhält die täglichen Impulse per E-Mail. Außerdem veröffentlicht das Team auch auf Facebook und Instagram täglich einen neuen Beitrag zum Thema des Tagesimpulses. Darüber hinaus vermittelt „heaven on Line“ auf Wunsch – ebenfalls kostenlos – Kontakt zu rund 100 Seelsorgerinnen und Seelsorgern, die eine persönliche Begleitung per E-Mail anbieten. 

Die gestiegene Nachfrage ist für das Team derzeit noch kein Problem: „Viele Wegbegleiter haben signalisiert, dass sie mehr Menschen begleiten können, als sie ursprünglich geplant hatten“, sagt Silvia Betinska, die mit den Seelsorgern in Kontakt steht. Zum einen sähen sie den wachsenden Bedarf. Zum anderen fielen derzeit gerade für hauptberufliche Seelsorgerinnen und Seelsorger in den Pfarreien derzeit auch Aufgaben weg: freie Kapazitäten für „heaven on Line“.

Erhöhter Redebedarf

Auch bei der längerfristig angelegten Geistlichen Begleitung, die Silvia Betinska und ihre Kollegen im „team exerzitia“ anbieten, registriert die Seelsorgerin seit dem Start der Corona-Krise eine wachsende Nachfrage: Zum einen gebe es auch hier neue Anmeldungen, zum anderen hätten die Menschen, die bereits begleitet würden, einen erhöhten Gesprächsbedarf. „Ich habe den Personen, die ich selbst begleite, als Alternative zu unseren persönlichen Treffen Gespräche am Telefon angeboten“, berichtet Betinska. Alle Klienten machten derzeit davon Gebrauch. Rund 50 Geistliche Begleiter stehen für dieses Angebot zur Verfügung.

Weitere Informationen zu diesem Angebot und unverbindliche Kontaktmöglichkeiten gibt es auf www.team-exercitia.de.

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news-18749 Wed, 25 Mar 2020 14:14:00 +0100 Erst der Mensch, dann der Täter https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/erst-der-mensch-dann-der-taeter/ Mörder, Vergewaltiger und Diebe gehören ins Gefängnis. Sie sind eine Gefahr für die Allgemeinheit. Und dennoch sind es Menschen. Menschen mit Gefühlen, Ängsten und Sehnsüchten. Die JVA Essen wird durch ihren Gefängnis-Seelsorger Klaus Schütz für Viele zum Hoffnungsort. Dieser Ort hat viele Namen: Gefängnis, Knast, Zuchthaus, Justizvollzugsanstalt. Er ist ein Ort für schwere Jungs, ein Ort für Verbrecher, die man weggesperrt. Als Bestrafung und zu unser aller Schutz. Diese Männer verschwinden hinter hohen Mauern und damit aus unserer Wahrnehmung. Weil die Gesellschaft sich draußen vor ihnen fürchtet. Und doch sind es Menschen. Mit Gefühlen, Hoffnungen, Sehnsüchten.   

Holger ist 47. Seit Januar 2019 bewohnt er eine Einzelzelle in der Krawehlstraße 59, dem Männerknast im Essener Süden. Ein sympathischer Mann, frisch rasiert, die dunklen Haare kurz geschnitten. Man sieht dem ehemaligen Besitzer eines Kurierdienstes seine kriminelle Energie nicht an. Und doch sitzt er noch bis Mitte Oktober eine Strafe wegen Drogenhandels ab, war selber heroinabhängig.

Patrick hat noch zehn Jahre vor sich. Er ist wegen eines Kapitalverbrechens verurteilt worden. Schwer zu glauben, dass er anderen Menschen Gewalt angetan hat, wenn man in die grau-blauen Augen des 29-Jährigen schaut, seinem offenen, wachen Blick begegnet. Und doch atmen beide Männer gesiebte Luft. Ihr Leben ist fremdbestimmt, ihr Alltag geprägt von Verzicht, Einsamkeit und Kontrolle. Sie sind angewiesen auf das Wohlwollen ihrer Wärter.

„Die Hoffnung ist hier allgegenwärtig.“

„Und gerade deswegen ist dies hier ein Ort der Hoffnung“, betont Klaus Schütz, der Gefängnis-Seelsorger. „Was bleibt ihnen denn sonst noch?“ Wer hier keine Hoffnung mehr habe, der habe sich aufgegeben. „Selbst lebenslänglich Verurteilte haben die Hoffnung, dass das hier nicht wirklich das Ende ist. Das danach noch was kommt“, erzählt der 52-Jährige. „Die Hoffnung ist hier allgegenwärtig.“ Darauf, wieder raus zu kommen, dass die Familie dann noch da ist, dass die Freundin treu bleibt, ein neues Leben gelingen kann.

„Und täglich grüßt das Murmeltier“, fasst Patrick den Knastalltag zusammen. Ein Tag gleicht dem anderen in dem 110 Jahre alten Bauwerk: Wecken um 5.40 Uhr, Frühstück um 6. Eine Stunde später geht es an die Arbeit, sofern man denn eine bekommt. „Im Knast herrscht Arbeitspflicht. Aber es gibt nicht so viele Jobs wie Leute, die arbeiten wollen“, weiß der ehemalige Controller zu berichten. Er war der Medienwart der JVA, hat Bücher und CDs auf die Zellen gebracht. Doch nach einem Vorfall ist er jetzt arbeitslos. Um 12 Uhr gibt’s Mittagessen, nachmittags um fünf Abendbrot. Dann schließen sich die Zellen-Türen wieder über Nacht.

Holger ist froh, dass er den Job als Putzmann hat. „Das erleichtert den Tag ungemein. Ich habe was zu tun. Und sitze nicht 23 Stunden in meiner neun Quadratmeter-Zelle rum.“ Und er verdient etwas Geld. Der Stundenlohn schwankt zwischen einem und drei Euro. „Ich lerne hier gerade, mit wenig Geld auszukommen“, erzählt er lachend. „Draußen habe ich auf sehr großem Fuß gelebt. Das ist Geschichte. Denn ich bin definitiv den Rest meines Lebens verschuldet.“ Neben der Haftstrafe wurde er auch zur Zahlung von einer Million Euro verurteilt. „Das macht mich fertig. Ich möchte gerne in einem vernünftigen Job arbeiten. Das ist aber ein zweischneidiges Schwert, denn alles, was ich über Summe X verdiene, wird gepfändet.“ Vermögensabschöpfungsgesetz nennt sich das in Beamtendeutsch. „Ich habe Mist gebaut und muss die Suppe auslöffeln.“

Papst Johannes Paul II hat seinem Attentäter vergeben

Im Büro von Klaus Schütz hängt ein Bild an der Wand, das Johannes Paul II zusammen mit Ali A?ca zeigt. Dem Mann, der im Mai 1982 auf dem Peterplatz in Rom einen Anschlag auf den Papst verübt hat. Dass der Papst noch im Krankenhaus seinem Attentäter vergeben hat, hat damals für einiges Aufsehen gesorgt. „Das Bild stammt von meinem Vorgänger“, erzählt der gebürtige Essener und streicht sich dabei über seinen weißen Vollbart. „Und ich habe es bewusst hängen gelassen. Denn es zeigt mir, dass da auch menschlich Vergebung möglich ist, wo man es nicht erwarten würde. Egal wie schlimm die Tat war, egal was der Mensch auch getan hat, Vergebung ist möglich. Was für ein starkes Zeichen.“

Wenn die Gefangenen dann sehen, dass selbst so eine Tat vergeben werde, könne es sie darin bestärken, dass auch ihnen vergeben werde. „Wenn der Mensch es nicht kann, Gott tut es auf jeden Fall. Dafür stehe ich“, betont Schütz. „Gefängnisseelsorger gibt es, weil Jesus sich denen zugewandt hat, die Fehler gemacht haben, in der Hoffnung, dass sie besser, anders werden. Denn der Mensch ist nicht statisch, er kann sich ändern“, ist er sich sicher.

Es sei aber wichtig, dass er zuerst den Menschen sehe, der zu ihm kommt. Nicht den Vergewaltiger, Dieb oder Mörder. „Die Straftat spielt in der Knasthierarchie eine Rolle, nicht bei mir. Ich will ihn nicht darauf reduzieren. Ich möchte dem Menschen begegnen, nicht dem Täter.“ Ein hehrer Anspruch, dem er selbst nicht immer gerecht wird. „Wenn ich dann mitbekomme, wozu Menschen fähig sind, ekelts mich an.“ Deswegen liest er im Vorfeld auch nicht die Akten der Männer.

„Bevor ich hierherkam, war ich nicht gläubig“, gesteht Holger. „Ich bin es geworden. Vielleicht durch die Hoffnungslosigkeit des Anfangs“, als er allein auf sich gestellt war, mit sich selbst und seiner Tat konfrontiert. Er habe von den Gottesdiensten gehört und sie besucht. „Da habe ich gehört, dass ich, auch wenn ich Mist gebaut habe, trotzdem ein toller Mensch sein kann. Dieser Zuspruch hat mir sehr geholfen.“

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Die Serie „SchattenLicht“ stellt an jedem Mittwoch in der Fastenzeit Orte im Bistum Essen vor, die auf den ersten Blick nichts mit Hoffnung zu tun haben.

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news-18751 Wed, 25 Mar 2020 12:41:25 +0100 Hamborner Abt Dölken: Multi-Kulti muss man auch leben https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/hamborner-abt-doelken-multi-kulti-muss-man-auch-leben/ Seit 25 Jahren leitet Albert Dölken die Abtei der Prämonstratenser in Duisburg-Hamborn. Bei seinem Start 1995 war er der jüngste Abt Deutschlands. Albert Dölken (59), der ehemals jüngste Abt Deutschlands, leitet seit 25 Jahren die Abtei Hamborn der Prämonstratenser in Duisburg. Am 25. März 1995 wurde der aus Hamborn stammende Dölken von Ruhrbischof Hubert Luthe in sein Amt eingeführt. Während die Gemeinschaft derzeit in Magdeburg ein neues Kloster baut, prägen im Duisburger Norden soziale Probleme, Abwanderung und ein Miteinander von Menschen aus verschiedensten Kulturen das Leben, berichtet der Abt im Interview. Aktuell zählt die Gemeinschaft, deren Abtei im vergangenen Oktober 60 Jahre alt geworden ist, 21 Mitglieder.

Während viele Orden in Deutschland schrumpfen und Gebäude aufgeben müssen, baut Ihre Gemeinschaft ein neues Kloster in Magdeburg. Woher nehmen Sie Ihre Zuversicht zu wachsen?

Abt Albert Dölken: Ich denke, es gibt einige Ordensgemeinschaften, die ihre zeitliche und gesellschaftliche Aufgabe erfüllt haben. Frauen müssen heute zum Beispiel nicht mehr Ordensschwester werden, um eine Krankenschwester zu sein. Da hat sich gesellschaftlich und kirchlich einiges geändert. Die Prämonstratenser leben in einer klösterlichen Gemeinschaft und erfüllen priesterliche Dienste. Diese Mischung hat etwas Zeitloses. Andererseits merken wir die Einschnitte in der Gesamt-Kirche. Da bleiben wir nicht unberührt.

Welche Einschnitte sind das?

Dölken: Die Zahl derer, die sich für den Priesterberuf interessieren, geht zurück. Da wir eine Gemeinschaft aus Priestern sind, macht sich das natürlich bei uns bemerkbar. Da spielen einerseits die großen Skandale in der Kirche und die öffentliche Diskussion darum eine Riesenrolle. Andererseits haben wir insgesamt einen Gläubigenrückgang. Mit kleiner werdenden Gemeinden geht die Zahl derjenigen, die in einen geistlichen Beruf gehen können, ebenfalls zurück.

Sie sind nicht nur Abt, sondern auch Pfarrer in der örtlichen Gemeinde. Wie versuchen Sie, die Menschen zu erreichen?

Dölken: Hier im Ruhrgebiet haben wir mit Abwanderung und Überalterung zu kämpfen. Auch unsere Pfarrei ist massiv überaltert. Dennoch versuchen wir, jegliche Art von Jugendarbeit zu fördern. Wir führen zum Beispiel immer noch viele Ferienlager durch. Wir unterstützen auch die katholische Jugendberufshilfe. Da werden Schulabbrecher begleitet, so dass sie doch noch einen Weg in die Arbeitswelt finden. Menschen für die Kirche zu gewinnen, bedeutet bei uns nicht unbedingt, dass sie zu bürgerlichen Kirchgängern werden. Sie sollen einfach eine gute Erfahrung mit uns machen und wissen: Mit Hilfe dieser Leute bin ich in ein vernünftiges Leben reingekommen. Hier im Ruhrgebiet spitzen sich bestimmte Phänomene zu.

Was sind das für Phänomene?

Dölken: Hohe Arbeitslosigkeit, hoher Anteil an Zuwanderern, starke Abwanderung der klassischen Bevölkerung, viele soziale Probleme.

Wo liegt da Ihre Aufgabe als Abteigemeinschaft?

Dölken: Unser verstorbener Pater Rainer zum Beispiel hat den ersten Mittagstisch in Duisburg, eine Tafel, eingeführt. Lebensmittelausgaben finden Sie hier heute an allen Ecken und Enden. Wir wollen helfen, das Leben der Menschen zu stabilisieren. Das ist nicht immer einfach, weil unsere Pfarreien ihre eigenen Probleme haben. Wenn Gemeinden überaltern, muss man sehen, wie die Aufgaben noch gestemmt werden. Im Bistum Essen werden ja viele Standorte geschlossen.

Frustriert Sie das manchmal?

Dölken: Das macht einen schon traurig, wenn Kirchen geschlossen werden müssen. Wenn man Pfarrheime und Standorte aufgibt, wo es früher viel Leben gab. Ich bin in Duisburg-Hamborn aufgewachsen und erinnere ich mich an die Zeiten mit mehr Gläubigen. Aber ich lasse mich nicht herunterziehen. Im Ruhrgebiet ist man auch pragmatisch. Die Situation, die da ist, muss man eben gestalten.

Wie wird sich die Lage der Kirche im Ruhrgebiet weiterentwickeln?

Dölken: Zum einen müssen wir einen Weg finden, mit den christlichen Zuwanderern umzugehen. Allein in unserer Pfarrei benutzen wir die Kirchen gemeinsam mit armenisch-altorientalischen Christen, Russisch-Orthodoxen und armenisch-freikirchlichen Christen. Es gibt in Duisburg noch viele andere Konfessionen. Zum anderen müssen wir deutlich machen, wie wir mit den unterschiedlichen Menschen – ob Muslime, Christen oder Konfessionslose – leben wollen und welches gesellschaftliche Modell wir uns als Katholiken vorstellen.

Welches Modell wünschen Sie sich?

Dölken: Ich möchte nicht, dass die Leute nur in ihren Bereichen, in ihren geschlossenen Milieus leben, so wie wir es früher hatten, sondern dass wir es schaffen, in dieser großen Verschiedenheit ein gutes Miteinander zu entwickeln. Dieses Miteinander könnte das Bild einer Ruhrgebietsstadt zeichnen, das nicht nur akzeptabel ist, sondern eine große Ausstrahlung hat.

Wie kann das gelingen?

Dölken: Nur dadurch, dass wir aufeinander zugehen. Man kann viel von Multi-Kulti reden, aber man muss es auch leben.

Was wünschen Sie sich für Ihre Abtei?

Dölken: Dass es gut weitergeht, dass alle zusammenhalten und dass sich junge Leute finden, die unseren Weg fortführen.

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news-18750 Wed, 25 Mar 2020 10:07:16 +0100 Papst Franziskus lädt zu weltweiten Gebeten gegen die Corona-Pandemie https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/papst-franziskus-laedt-zu-weltweiten-gebeten-gegen-die-corona-pandemie/ Am heutigen Mittwoch, 25. März, sollen alle Christen rund um den Globus jeweils um 12 Uhr ihrer Zeit ein Vaterunser sprechen. Am Freitag, 27. März, betet der Papst eine Andacht auf dem abgesperrten Petersplatz und spendet – ausnahmsweise schon in der Fastenzeit – den Segen „Urbi et Orbi“. Der Papst hat für diesen Mittwoch zu einem weltweiten Vaterunser-Gebet gegen die Coronavirus-Pandemie aufgerufen. Er lade alle Christen ein, am 25. März um 12 Uhr mittags Gott anzurufen, hatte Franziskus am vergangenen Wochenende gesagt. In diesen „Tagen der Prüfung“ sei es an der Zeit, „die Stimmen zum Himmel zu vereinen“, so der Papst. Mit der gleichen Intention kündigte er für kommenden Freitag, 27. März, um 18 Uhr eine Andacht auf dem leeren Vorplatz des Petersdoms an. Dabei wird das Kirchenoberhaupt auch den Segen „Urbi et orbi“ erteilen, der üblicherweise nur zu Ostern und Weihnachten sowie unmittelbar nach der Papstwahl gespendet wird. Domradio.de überträgt den Gottesdienst als Live-Stream im Internet.

Deutsche Bischofskonferenz ruft Katholiken zum Gebet auf

Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) ruft die Katholiken auf, sich am weltweiten Gebet mit Papst Franziskus zu beteiligen. „Es ist eine gute Gelegenheit, sich als Universalkirche mit dem Heiligen Vater vereint zu wissen und in dieser schweren, leidgeprüften Zeit das gemeinsame Gebet zu suchen“, erklärte der DBK-Vorsitzende Bischof Georg Bätzing aus Limburg. Der Papst zeige, wie sehr es ihm ein Anliegen sei, Kirche als betende Weltgemeinschaft in einer solchen Krise zu erfahren. Bätzing ermunterte die Katholiken, jeder solle sich auf seine eigene Weise an dem Gebet beteiligen. „Lassen wir so eine sichtbare Gebetskette entstehen, die Hoffnung vermittelt."

Gemeinsames Gebet mit christlichen Kirchen aus aller Welt

Dem Gebetsaufruf für Mittwochmittag haben sich christlichen Kirchen in aller Welt angeschlossen. Der ökumenische Weltkirchenrat in Genf unterstützt die Initiative. Das geeinte Gebet in schwerer Zeit erinnere daran, „dass wir eine menschliche Familie sind“, erklärte der Generalsekretär des Kirchenrats, Olav Fykse Tveit. Nach dem Aufruf von Papst Franziskus hatte der für ökumenische Beziehungen zuständige Kurienkardinal Kurt Koch sich mit einem Brief an Kirchen und christliche Gemeinschaften weltweit gewandt. Man wolle „im Vertrauen auf die Macht Gottes um ein Ende der Pandemie bitten“.

Generalsekretär Tveit betonte, während die Menschen rund um die Welt verstreut zu Hause an ihren Arbeitsplätzen säßen, sei das Vaterunser eine „Chance, unsere Stimmen im Gebet zu Gott zu vereinen mit den Worten, die uns unser Herr Jesus Christus gelehrt hat“. Der Idee zufolge sollen weltweit Gläubige am Mittwoch um 12 Uhr ihrer jeweiligen Zeitzone privat beten.

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news-18748 Tue, 24 Mar 2020 15:23:03 +0100 Domsingknaben singen „O Crux ave“ als Video-Collage https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/domsingknaben-singen-o-crux-ave-als-video-collage/ Da die gemeinsamen Proben gestrichen sind, üben die 130 Kinder und Jugendlichen des Chors nun jeder für sich zuhause – verbunden durch ein gemeinsames Internet-Forum. Für „O Crux ave“ hat jeder Sänger seine Stimme auf Video aufgenommen. Das digitale Chorerlebnis entsteht als Collage aller Einzelstimmen. Die gemeinsamen Proben sind bis zum Ende der Osterferien gestrichen – das hindert die Essener Domsingknaben aber nicht am gemeinsamen Singen. Als Video-Collage haben 58 Kinder und Jugendliche des Chors jeder für sich und doch alle zusammen jetzt das Stück „O Crux ave“ (Oh Kreuz, sei gegrüßt) des zeitgenössischen lettischen Komponisten Rihards Dubra eingesungen und am Dienstag, 24. März, veröffentlicht. 

Auf dieses und viele andere Stücke haben sich die Domsinknaben seit Wochen in ihren Proben für die Gottesdienste in den Kar- und Ostertagen vorbereitet. Nachdem nun einerseits die Proben und andererseits die Chor-Begleitung der Gottesdienste abgesagt wurde, hat Chorleiter Harald Martini die Probenarbeit in die „DDSS“, die „Digitale DomSingSchule“ verlegt: Jeder Sänger bekam eine Aufnahme des Stücks, die Noten und ein kurzes Video von Martini nach Hause geschickt und konnte so selbstständig proben. „Zwischendurch gab es zudem immer mal wieder Unterstützung per Telefon oder WhatsApp“, berichtet Martini.

Glanzvoller Musik-Genuss – und ein lebendiges optisches Bild

Am Ende der Proben stand dann der Auftritt – jedoch nicht im Gottesdienst oder Konzert wie sonst, sondern zuhause vor dem Handy als Videokamera und maximal mit Mama und Papa als Zuhörer. „Es gehört eine ganze Menge Mut dazu, solistisch zu singen, wo die Domsingknaben doch eigentlich ein Chor sind“, betont Martini die Leistung seiner Jungs. Knapp die Hälfte der insgesamt rund 130 Jungen und jungen Männer haben schließlich ihre Stimme als Video eingesandt: 58 Videos, aus denen Tenor Christian Dunker mit großem Spaß und vielen Stunden Arbeitszeit am Computer eine Video-Collage erstellt hat. Entstanden ist so nicht nur ein glanzvoller musikalischer Genuss, der Christen auf die Karwoche einstimmt, sondern auch ein buntes und sehr lebendiges optisches Bild. Schließlich schauen die Zuhörer in 58 Kinder-, Wohn- und Arbeitszimmer oder Gärten. Auch auf einheitliche Kleidung haben die Sänger verzichtet – nur die Domsingknaben-Plakette war für alle Pflicht.

Nach der gelungenen Premiere des digitalen Auftritts ist für Martini klar: „Wir wollen auch weiterhin in der Corona-Zwangspause zusammen singen!“ Für die Kar- und Ostertage stehen daher noch weitere digitale Musikprojekte auf der Agenda. Bei den Proben hilft ein eigens eingerichtetes Forum im Internet, eben die „Digitale DomSingSchule“, in der alle Sänger und deren Eltern auch weiterhin in Kontakt bleiben.

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news-18747 Tue, 24 Mar 2020 14:24:25 +0100 Bischof Overbeck bittet um Spenden für Misereor https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bischof-overbeck-bittet-um-spenden-fuer-misereor/ Hilfswerk musste wegen der Corona-Krise zahlreiche Veranstaltungen zur aktuellen Fastenaktion absagen – nun kann auch die jährliche Kollekte am kommenden Sonntag nicht stattfinden. Zugleich wachsen durch Corona die Aufgaben für das Hilfswerk in Afrika, Asien und Lateinamerika. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck bittet die Gläubigen im Bistum Essen gerade angesichts der Corona-Krise um großherzige Spenden für das kirchliche Hilfswerk Misereor. Unter der Überschrift „Gib Frieden!“ wollte das Hilfswerk in der aktuellen Fastenzeit mit vielfältigen Aktionen in den Kirchengemeinden, Schulen und den verschiedensten Gruppen über den Zusammenhang von Armut, Hunger und Gewalt informieren – und am kommenden Sonntag in den katholischen Gottesdiensten seine jährliche Kollekte für seine Hilfsprojekte zur Armutsbekämpfung in Afrika, Asien und Lateinamerika halten. Beides ist zu einem großen Teil der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen: Viele Solidaritätsaktionen vor Ort mussten ebenso abgesagt werden wie die Gottesdienste.

„Misereor ist jetzt auf jede Unterstützung angewiesen“

Umso mehr bittet Bischof Overbeck darum, nun auf anderen Wegen zu spenden: „Misereor ist jetzt auf jede Unterstützung angewiesen. Schließlich wächst durch die Corona-Krise gerade auch in den ohnehin von großer Armut getroffenen Ländern die Not noch weiter. Mehr denn je sind Menschen in Venezuela, im Nahen Osten und in vielen anderen Ländern jetzt auf unsere Solidarität angewiesen“, so Overbeck. „Wo das Leben bei uns durch Kontakt-Verbote zweifellos eingeschränkt ist, verhindern in anderen Ländern drastische Ausgangssperren derzeit jede Erwerbstätigkeit. Und wo hierzulande gottlob milliardenschwere staatliche Rettungsschirme für Unternehmen in Schwierigkeiten bereitstehen, stehen viele Unternehmen in anderen Regionen vor dem Nichts“, betont der Bischof. So drohe wachsende Armut in Ländern, die oft ohnehin schon durch Krieg, Vertreibung oder andere Krankheiten belastet seien. Overbeck appelliert: „Gerade die Corona-Krise zeigt uns, wie wichtig es ist, füreinander einzustehen. Seien wir solidarisch – hier in Deutschland, aber auch mit allen anderen Menschen auf der Welt, gerade mit denen in Armut und existenzieller Not. Spenden Sie bitte für Misereor, sei es per Bank-Überweisung, die vielen eigens gekennzeichneten Opferstöcke in unseren Kirchen oder per Einwurf in unseren Pfarr- und Gemeindebüros. Jeder Euro ist ein Beitrag, diese Welt ein Stück friedlicher zu machen.“

Spendenformular auf der Internetseite

Informationen zu Misereor gibt es online auf www.misereor.de. Dort gibt es auch ein Online-Spendenformular. Spenden per Bank-Überweisung gehen an das Misereor-Konto bei der Pax-Bank Aachen, IBAN: DE75 3706 0193 0000 1010 10, BIC: GENODED1PAX

Aufruf der Deutschen Bischofkonferenz zur Misereor-Kollekte:

Liebe Schwestern und Brüder,
„Gib Frieden!“ – dieser Aufruf prägt die diesjährige Fastenaktion von Misereor. In Deutschland leben wir seit 75 Jahren im Frieden. Gott sei Dank! Doch Friede hat keinen unbegrenzten Garantieanspruch. Wir Menschen müssen ihn immer wieder erstreben, neu erringen und mit Leben füllen. Das gilt in Europa wie in der Welt.
Der Krieg in Syrien, der schon mehr als acht Jahre andauert, hat bereits 500.000 Menschen das Leben gekostet. Auf der Suche nach Sicherheit und Zuflucht haben mehr als 5,5 Millionen Syrer ihr Land verlassen, weitere 6,5 Millionen sind zu Vertriebenen im eigenen Land geworden.
Misereor hilft in Syrien und den umliegenden Ländern Not zu lindern und leistet wichtige Beiträge, ein friedliches Miteinander in dieser Region wieder aufzubauen. Dafür sind Bildung, gesundheitliche Basisdienste und psychosoziale Begleitung wichtig. Viele traumatisierte Menschen müssen ihre Gewalterfahrungen verarbeiten, um wieder Kraft für die Bewältigung ihres Alltags zu schöpfen und den Blick in die Zukunft richten zu können. Versöhnungsbereitschaft und Vertrauen sollen wieder wachsen.
„Gib Frieden!“ Dieses Leitwort ruft uns alle zum Handeln auf. Wir Bischöfe bitten Sie: Tragen Sie die Friedensbotschaft der Fastenaktion in Ihre Gemeinde! Unterstützen Sie die Opfer der Kriege mit Ihrem Gebet und die Friedensarbeit der Kirche mit einer großherzigen Spende.

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news-18745 Mon, 23 Mar 2020 15:32:24 +0100 Telefonseelsorgen erleben Ansturm durch Corona-Krise https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/telefonseelsorgen-erleben-ansturm-durch-corona-krise/ 50 Prozent mehr Anrufe als an normalen Tagen, zudem deutlich mehr Anfragen per E-Mail und Chat. Die Schwierigkeiten, mit anderen Menschen Kontakt zu halten, machen aktuell auch ein derart öffentliches Thema wie das Corona-Virus zu einem Thema für die Telefonseelsorge. Rund 50 Prozent mehr Anrufe als an gewöhnlichen Tagen – und in fast jedem zweiten Gespräch geht es um das Virus. Ausgangsbeschränkungen und Kontaktverbote lassen in der Corona-Krise die Nachfrage bei der Telefonseelsorge und anderen telefonischen und digitalen Seelsorge-Angeboten derzeit deutlich in die Höhe schnellen. Das zeigt eine Umfrage bei den Telefonseelsorge-Stellen im Ruhrgebiet und dem märkischen Sauerland. Auch bei den Kontakten via E-Mail oder Chat nehme die Nachfrage insgesamt und konkret zum Thema Corona zu, heißt es bei den Telefonseelsorgern.

„Was wir jetzt gerade erleben, ist wirklich einmalig“, sagt Stefan Schumacher, Leiter der Telefonseelsorge in Hagen, die den Märkischen und den Ennepe-Ruhr-Kreis versorgt. Pausen gebe es für die vielen ehrenamtlichen Telefonseelsorgerinnen und -seelsorger derzeit kaum. Auf der anderen Seite höre er von seinem Team, „dass die Menschen sehr dankbar sind, weil das Reden wirklich hilft“. In Duisburg hat dies eine Anruferin so auf den Punkt gebracht: „Corona macht mutterseelenallein“. Und Elisabeth Hartmann, Leiterin der Essener Telefonseelsorge, beobachtet: „Für die Menschen zwischen 50 und 75 Jahren stehen oft Fragen zu Ängsten rund um die eigene Gesundheit im Mittelpunkt – während Anrufer über 80, aber auch unter 40 Jahren, vor allem das Thema Einsamkeit ansprechen.“

Anders als bei Loveparade-Katastrophe oder Schließung des Opel-Werks

Für die Telefonseelsorge ist das Thema Corona in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich: Nicht nur, dass die Telefonseelsorger nun ungewöhnlich viele praktische Tipps zu Ansteckungsgefahren und Einkaufsmöglichkeiten geben müssen und deutlich mehr Menschen anrufen als sonst – die Telefonseelsorge hat selten so intensiv mit einem Thema zu tun, das auch sonst im Alltag so präsent ist. „Die Loveparade-Katastrophe zum Beispiel, war bei uns kaum ein Thema, weil jeder auch beim Bäcker oder mit der Nachbarin darüber sprach“, sagt Olaf Meier, Leiter der Duisburger Telefonseelsorge. Ähnliches berichtet sein Bochumer Kollege Ludger Storch von der Schließung des dortigen Opel-Werks: „Wenn die Leute ein Thema in der Kneipe oder mit Freunden diskutieren, rufen sie dafür selten die Telefonseelsorge an.“ Dort drehten sich viele Kontakte sonst eher um nicht-öffentliche Themen wie Gewalt, sexuelle Orientierung oder Missbrauch. Doch angesichts der Kontakt-Verbote fehlen vielen Menschen derzeit Austauchmöglichkeiten über das öffentliche Thema Corona – und sie wenden sich an die Telefonseelsorge. „Jetzt rufen auch Leute an, die sonst nicht anrufen“, hat Olaf Meier in Duisburg festgestellt und in seinem Team die Devise ausgegeben: „Wir stellen uns auf einen Langstreckenlauf ein.“

„Viele Ältere berichten jetzt wieder von ihren Kriegs-Erfahrungen.“

„Ängste, familiäre Beziehungen und Einsamkeit“, seien in Essen die großen Themen bei Gesprächen über Corona, sagt Hartmann. Meier betont, dass die aktuelle Situation bei Menschen mit eigenen traumatischen Erfahrungen zu einer „Re-Traumatisierung“ führen könne. „Viele Ältere berichten jetzt wieder von ihren Kriegs-Erfahrungen.“ Zudem gebe es Menschen mit psychischen Erkrankungen, die zum einen konkrete Sorgen mit Blick auf die Fortführung von Therapien hätten. Zum anderen drohe die neue Situation Ängste auszulösen, „die sich aufblähen und neue Probleme verursachen“, so Meier. Hier bemühe sich die Telefonseelsorge soweit möglich, die Menschen im Gespräch zu stabilisieren.

Gestemmt bekommen die Telefonseelsorgen den Ansturm derzeit „nur dank unglaublich motivierter Ehrenamtlicher“, heißt es in allen vier Telefonseelsorge-Stellen im Bistum. Überall sei älteren oder durch Vorerkrankungen geschwächten Ehrenamtlichen angeboten worden, vorerst nicht zum Dienst zu kommen. Weil sich andere umso mehr engagierten, müsse derzeit noch kein Dienst ausfallen, so Meier. Allerdings kehre sich im Kontakt mit den Pfarreien vor Ort nun manchmal die Blickrichtung um: „Gewöhnlich entlasten wir die Gemeinden, weil sie bei bestimmten Anfragen und Themen direkt auf uns verweisen – jetzt verweisen wir gelegentlich auf die Seelsorger vor Ort und laden unsere Gesprächspartner zum Beispiel ein, in ihrer Nachbarschaft nach Hilfs- oder Kontaktangeboten zu suchen“, erläutert Meier. Fast überall sind die Pfarr- und Gemeindebüros nach wie vor telefonisch oder per E-Mail erreichbar. Zudem haben viele Seelsorgerinnen und Seelsorger feste Telefon-Sprechzeiten eingerichtet und vermitteln bei Bedarf an konkrete Hilfsangebote.

Rund um die Uhr kostenlos und anonym erreichbar

Die Telefonseelsorge ist bundesweit einheitlich rund um die Uhr über die Rufnummern 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222 erreichbar. Die Anrufe sind kostenlos und anonym. Telefonnummern der Anrufer werden nicht gespeichert oder im Einzelverbindungsnachweis des Anrufers aufgeführt. Ein Zugang zur – ebenfalls anonymen – Beratung per E-Mail oder Chat ist über die Internetseite www.telefonseelsorge.de möglich.

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news-18744 Mon, 23 Mar 2020 14:38:53 +0100 Werdener Propstei ehrt heiligen Ludgerus mit Glockengeläut https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/werdener-propstei-ehrt-heiligen-ludgerus-mit-glockengelaeut/ Festgottesdienst am Donnerstag, 26. März, dem Gedenktag des Bistums-Patrons, muss wegen der Corona-Pandemie ausfallen. Den heiligen Ludgerus, erster Bischof des Bistums Münster und zweiter Patron des Bistums Essen, ehrt die Propsteipfarrei St. Ludgerus in Essen-Werden am Donnerstag, 26. März, mit einem besonderen Glockenläuten. Statt eines wegen der Corona-Krise abgesagten feierlichen Gottesdienstes am Festtag des vor 1211 Jahren verstorbenen und in der Werdener Propsteikirche beigesetzten Missionars werden von 19 bis 19.15 Uhr die Glocken der Basilika läuten. Das jährliche Ludgerusfest mit einer feierlichen Prozession durch Essen-Werden ist für den 4. September geplant.

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news-18743 Sun, 22 Mar 2020 11:08:52 +0100 Worte des Bischofs zum Sonntag | 22.03.2020 https://www.youtube.com/watch?v=irg8mjTt3To Unser Bischof Franz-Josef ermuntert uns alle dazu, in diesen unsicheren Tagen, Zeichen der Solidarität zu setzen. Und gerade am heutigen Sonntag kann das Gebet - wenn auch getrennt - aber dennoch gemeinsam ein solches Zeichen sein, das Hoffnung gibt. news-18740 Fri, 20 Mar 2020 13:59:20 +0100 Bistum lädt ein, den Sonntags-Gottesdienst zuhause zu feiern https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bistum-laedt-ein-den-sonntags-gottesdienst-zuhause-zu-feiern/ Neben zahlreichen Übertragungen am Fernsehen, Radio oder per Internet-Stream bietet das Bistum jetzt wöchentlich neue Vorschläge für Sonntags-Gottesdienste, die auch Laien ohne Erfahrung als Gottesdienst-Leiter alleine oder gemeinsam mit der Familie feiern können. Während die Kirchen an diesem Wochenende landesweit geschlossen bleiben, lädt das Bistum Essen die katholischen Gläubigen ein, den 4. Sonntag der Fastenzeit zuhause zu feiern. „Auch wenn jede und jeder nur für sich alleine betet oder mit den Menschen, mit denen man unter einem gemeinsamen Dach lebt, sind doch alle Christen in diesem gemeinsamen Gebet miteinander verbunden“, sagt Bischof Franz-Josef Overbeck. Neben den vielen medialen Angeboten von Gottesdienst-Übertragungen per Fernsehen, Radio oder Internet-Stream, die das Bistum jeweils aktuell auf einer eigenen Internetseite zusammenstellt, gibt es nun auch wöchentlich wechselnde Hinweise, um in der Hausgemeinschaft selbst Gottesdienst zu feiern.

Gottesdienst-Vorschläge per pdf-Datei

Auf der Seite liturgie.bistum-essen.de erscheinen jeweils freitags mehrere pdf-Dateien mit Lied- und Textvorschlägen zu verschiedenen Gottesdiensten, die sich inhaltlich mit den für den kommenden Sonntag vorgesehenen Bibeltexten befassen. Neben zwei Gottesdienst-Vorschlägen – einer für Erwachsene, einer für eine Feier mit Kindern – gibt es weitere Vorschläge für Morgen- und Abendgebete. Dabei umfassen die Vorschläge nicht nur Gebete und Bibeltexte, sondern auch „Regie-Anweisungen“, die das Feiern der Gottesdienste auch Gläubigen ermöglichen, die bislang keine Erfahrung in der Vorbereitung und Leitung von Gottesdiensten haben. Zu den Vorschlägen von Liedern sind zudem nicht nur die entsprechenden Nummern aus dem Gesangbuch „Gotteslob“ angegeben, um selbst zu singen, sondern auch passende Links zu Videos mit Chören und Musikern.

Bochumer Gemeinde verschickt Gottesdienst-Plan per E-Mail

Ein weiteres Gottesdienst-Angebot bietet am kommenden Sonntag, 22. März, die Liebfrauen-Gemeinde aus Bochum Altenbochum-Laer an. Per E-Mail verschickt sie am Sonntag um 11 Uhr das Material für ihren monatlichen „Dialog-Gottesdienst“ und lädt so dazu ein, diesen Gottesdienst um 11.30 Uhr gemeinsam zu feiern – jeder dort, wo er ist. Die monatlichen „Dialog-Gottesdienste“ in der Liebfrauen-Gemeinde zeichnen sich dadurch aus, dass die Mess-Besucher aktiv mitmachen und im Gottesdienst über Fragen des Evangeliums und des Glaubens ins Gespräch kommen. Wer mitmachen möchte, schickt einfach eine E-Mail mit der „Bitte um die Datei zur Dialog-Messe“.

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news-18739 Thu, 19 Mar 2020 11:57:23 +0100 Kirchenglocken läuten zum Abendgebet https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/kirchenglocken-laeuten-zum-abendgebet/ Katholische und evangelische Gemeinden in Essen, Mülheim, Gladbeck und Schwelm übernehmen Idee aus St. Pankratius in Oberhausen-Osterfeld und laden jeden Abend dazu ein, eine Kerze zu entzünden und ein Vaterunser zu beten. St. Lamberti in Gladbeck verteilt sogar Kerzen. In ökumenischer Verbundenheit rufen in Essen der katholische Stadtdechant Jürgen Schmidt und die evangelische Superintendentin Marion Greve zu einem täglichen Zeichen der Solidarität und Ermutigung auf. Wie in der Oberhausener Pfarrei St. Pankratius sollen die Menschen auch in Essen täglich um 19 Uhr eine Kerze entzünden, ins Fenster stellen und ein Vaterunser sprechen. Dazu sollen möglichst alle Kirchenglocken der Stadt läuten.

„Wir freuen uns sehr über diese Initiative, die bereits von einer Oberhausener Pfarrei mit großem Zuspruch praktiziert wird und der sich auch andere Gemeinden im Ruhrgebiet anschließen wollen“, erklären Greve und Schmidt in ihrem gemeinsamen Aufruf. „Vielleicht kann dieses Symbol der Solidarität helfen, in Zeiten der Angst und Unsicherheit den Mut und die Zuversicht nicht zu verlieren“, schreiben die beiden Essener Seelsorger. Unter anderem haben sich auch die Propsteikirchen St. Marien in Schwelm und St. Lamberti in Gladbeck der Aktion bereits angeschlossen. St. Lamberti verteilt zudem am Samstag, 21. März, sowohl in Gladbeck-Mitte (Vorplatz der St. Lamberti-Kirche an der Horster Straße) als auch in Brauck (Parkplatz des REWE-Marktes Dick, Horster Straße 320) in der Zeit von 10 bis 12 Uhr kostenlos Kerzen für die Aktion. In Mülheim starten evangelische und katholische Christen zudem täglich um 19.30 Uhr mit dem Geläut aller Kirchen eine Gebetskette mit Lichtern in den Fenstern und einem Vaterunser auf den Lippen.

Auch Michael Dörnemann, Pastoraldezernent im Bistum Essen, freut sich über die wachsende Gebetskette, die sich nun jeden Abend versammelt. „Jede und jeder für sich beten doch alle gemeinsam und miteinander verbunden“, sagt Dörnemann. „Wie schön wäre es, wenn noch viele andere christliche Gemeinden diese Idee aufgreifen und von nun an Abend für Abend mit Glocken, Kerzen und Gebet einen Beitrag gegen Sorgen, Angst und Trübsinn in unserer Gesellschaft leisten.“

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news-18738 Wed, 18 Mar 2020 19:12:30 +0100 Bischöfliches Generalvikariat stellt fast komplett auf Heimarbeit um https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bischoefliches-generalvikariat-stellt-fast-komplett-auf-heimarbeit-um/ Um die Belegschaft vor dem Corona-Virus zu schützen arbeiten fast alle Beschäftigten der Verwaltung des Bistums Essen spätestens ab kommenden Montag von Zuhause aus. Angesichts der Corona-Krise wird die Verwaltung des Bistums Essen in den kommenden Tagen sukzessive auf Heimarbeit möglichst aller Beschäftigten umgestellt. „In dem die allermeisten unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dann von Zuhause aus arbeiten, bemühen wir uns, sie vorerst einer deutlich geringeren Ansteckungsgefahr mit dem Corona-Virus auszusetzen. Zugleich hoffen wir, so einen Beitrag zur Verlangsamung der Virus-Ausbreitung zu leisten“, sagte Generalvikar Klaus Pfeffer am Mittwoch, 18. März. Durch einen enormen Kraftakt vor allem in der IT-Abteilung und der innerbetrieblichen Organisation sei es gelungen, dass die Abteilungen des Bischöflichen Generalvikariats ihre Arbeit spätestens ab Montag, 23. März, in Heimarbeit ausüben können, so Pfeffer. Dennoch blieben die Abteilungen und die jeweiligen Ansprechpartner grundsätzlich über ihre dienstlichen Telefonnummern und E-Mail-Adressen erreichbar. Die Kontaktdaten der einzelnen Arbeitsbereiche sind zudem über die Homepage des Bistums abrufbar.

Zwar seien viele Arbeitsschritte Dank moderner Kommunikationstechnik heute tatsächlich unabhängig von der gewohnten Büro-Umgebung. „Dennoch ist absehbar, dass es gerade in den ersten Tagen der Umstellung sicherlich an vielen Stellen und in vielen Arbeitsabläufen nicht ganz glatt laufen wird“, so Pfeffer. Er bittet daher angesichts der ungewöhnlichen Situation alle Beteiligten um Geduld.

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news-18736 Wed, 18 Mar 2020 14:47:50 +0100 Bischof: „Neue Wege finden, die Kar- und Ostertage zu feiern“ https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bischof-neue-wege-finden-die-kar-und-ostertage-zu-feiern/ Angesichts der Corona-Krise wird es in diesem Jahr landesweit keine öffentlichen Kar- und Ostergottesdienste geben. Auch der Karfreitags-Kreuzweg auf der Halde Haniel in Bottrop ist abgesagt. Trotzdem „fällt Ostern natürlich nicht aus!“ betonte Bischof Overbeck. Angesichts der Corona-Krise und der landesweiten Absage aller Gottesdienste für die kommenden Wochen werden die Katholiken im Bistum Essen auch die Gottesdienste an den Kar- und Ostertagen nicht in ihren Kirchen feiern können. Auch der traditionelle „Kreuzweg auf der Halde“ am Karfreitag in Bottrop muss entfallen. „Dies ist ein tiefgreifender Einschnitt für jeden einzelnen Christen und das gemeinschaftliche Leben unserer Gemeinden“, sagte Bischof Franz-Josef Overbeck am Mittwoch, 18. März. Immerhin sei nach dem Gedächtnis des Leidens und Sterbens Jesu am Karfreitag die Feier seiner Auferstehung an Ostern das höchste und wichtigste Fest der Christenheit. „Zugleich zeigt uns die Absage dieser öffentlichen Feiern einmal mehr, wie ernst die Situation ist, die unsere Gesellschaft gerade durchlebt.“

Bischof wird sich mit Video-Botschaften an die Gläubigen wenden

Trotz abgesagter Gottesdienste „fällt Ostern natürlich nicht aus!“, betonte Overbeck. „Wir müssen vielmehr in diesem Jahr gemeinsam neue Wege finden, die Kar- und Ostertage zu feiern. Jeder für sich – allein oder im Kreis der Familie – und doch durch unseren Glauben und die frohe Botschaft miteinander verbunden“, so Overbeck. Er werde sich an Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag und Ostern jeweils in kurzen Video-Botschaften an die Gläubigen wenden. „Zugleich werden unsere Liturgie-Experten in den kommenden Tagen praxisnahe Vorschläge erarbeiten, um angesichts der aktuellen Einschränkungen auch zuhause die Kar- und Ostertage in einer guten Form feiern zu können“, kündigte der Bischof an. Auch das von einer brennenden Kerze begleitete tägliche Vaterunser-Gebet um 19 Uhr, das die Oberhausener Pfarrei St. Pankratius initiiert hat, sei eine gute Form, sich im persönlichen Gebet mit vielen anderen verbunden zu fühlen.

„Die Zeiten sind zweifellos schwierig und für manche tatsächlich hart.“

„Die Zeiten sind zweifellos schwierig und für manche tatsächlich hart“, sagte Overbeck. „Ich denke hier vor allem an die vielen, die sich Sorgen machen, die ernsthaft Erkrankten und die, die Angst um Leib und Leben haben, aber auch an die Pflegerinnen und Pfleger, Ärztinnen und Ärzte, Beschäftigte in Krisenstäben, Forschungseinrichtungen, bei Feuerwehr, Polizei und vielen anderen Bereichen, die in dieser Krise besonders gefordert sind.“ „Nehmen wir diese Menschen gerade in den kommenden Kar- und Ostertagen ganz besonders mit in unsere Gebete auf“, so Bischof Overbeck.

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news-18735 Wed, 18 Mar 2020 13:51:17 +0100 Ordensgemeinschaften im Bistum laden zum Gebet per E-Mail ein https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/ordensgemeinschaften-im-bistum-laden-zum-gebet-per-e-mail-ein/ Während alle Gottesdienste abgesagt sind, bieten Orden an, die Anliegen der Menschen mit in ihre Gebetszeiten aufzunehmen. Gläubige können Dank und Bitten per E-Mail oder über eine neue Internetseite zusenden. Trotz der Absage aller Gottesdienste im Zuge der Corona-Krise hören die Christen im Bistum Essen nicht auf zu beten. Dabei helfen in diesen Tagen neben Priestern, Diakonen, Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten gerade auch die Ordensgemeinschaften: Wer sich nicht nur allein oder im Kreis der Familie mit Bitten und Dank an Gott wenden möchte, kann seine Gebetsanliegen nun auch per E-Mail an gebet@bistum-essen.de oder über die Internetseite gebet.bistum-essen.de an die Ordensgemeinschaften senden – sie nehmen diese Anliegen dann mit in ihre regelmäßigen Gebetszeiten.

Bislang beteiligen sich vier Gemeinschaften an der Aktion:

  • die Franziskusschwestern in Essen-Bedingrade
  • die Elisabethschwestern in Essen-Schönebeck
  • die Franziskaner im Essener Südostviertel
  • die Sisters of the Adoration of the blessed sacrament in Gladbeck
  • die Zisterzienser in Bochum-Stiepel
  • die Congregation of Teresian Carmelites in Essen-Werden

Das Gebet per E-Mail ist eine Ergänzung zu der seit Jahren etablierten „Klosterfürbitte“ im Bistum Essen. Anders als im öffentlich einsehbaren Online-Buch der Klosterfürbitte werden die Bitten per E-Mail oder über die neue Seite gebet.bistum-essen.de direkt und vertraulich an die Ordensgemeinschaften versandt.

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news-18732 Wed, 18 Mar 2020 13:36:00 +0100 Beim Kaffeeklatsch Klamotten kaufen https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/beim-kaffeeklatsch-klamotten-kaufen/ Das Café Klamotte ist nicht irgendein Café. Seit Anfang März gibt es in Duisburg-Meiderich den nachhaltigen Second-Hand-Laden, der sozialer Anlaufpunkt zugleich ist. Eine Mischung aus Kleiderkammer und Heißgetränken. Wegen der Corona-Krise musste das Projekt von Caritas und Kirchengemeinden kurzfristig wieder schließen. Diese Reportage zeigt, was für ein Hoffnungsort mit diesem Café in Meiderich entstanden war und es wieder sein wird - in der Nach-Virus-Zeit. „Am zweiten Tag habe ich draußen einen alten Mann herumschleichen sehen. Er traute sich nicht herein. Da bin ich auf ihn los“, erzählt Marlene Komossa vom Café Klamotte mit einem Schmunzeln im Gesicht. Die grau-blauen Augen der ehemaligen Erzieherin leuchten auf. „Er hatte Schuhe an, die würde ich nicht mit der Kneifzange anfassen, so alt, ausgelatscht und stinkig waren die. Ich habe ihm dann zwei paar Rieker-Schuhe für sechs Euro rausgesucht. Er hat vor Freude geweint.“ Ein einschneidendes Erlebnis. „Ein Erlebnis, das mich bestätigt, dass ich hier richtig bin.“ Etwas gerührt fährt sich die rüstige Rentnerin durch ihre kurzen silber-weißen Haare: „Er nennt mich jetzt Mutter Marlene und kommt ab und an noch auf einen Kaffee vorbei.“

Das Café Klamotte ist nicht irgendein Café im Duisburger Stadtteil Meiderich. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt der Gemeinde-Caritas und den örtlichen katholischen und evangelischen Kirchengemeinden. Eine Mischung aus Kleiderkammer und Café. Am Laufen gehalten von über 50 Ehrenamtlichen wie Komossa. „Ich bin seit Oktober in Rente und habe etwas gesucht, um soziale Kontakte zu pflegen“, erklärt sie ihr Engagement. Nur zu Hause zu sitzen sei ihr zu langweilig.

Immer wieder bleiben Menschen vor den liebevoll dekorierten Schaufenstern stehen, schauen sich die Auslagen an: die kleine Puppe mit ihren braunen Haaren, die zu Füßen einer Schaufensterpuppe sitzt, die ein blass-rosa Kleid trägt, Preislisten zwischen zwei Paar schwarzen Schuhen.    

Soziale Probleme im Duisburger Norden

„Das Café Klamotte soll ein Ort der Begegnung sein“, erklärt Stefan Ricken von der Gemeindecaritas. Als die alte Kleiderkammer des Viertels geschlossen wurde kam die Frage auf, was tun? Dass etwas getan werden musste, stand außer Frage. Der Duisburger Norden habe viele soziale Probleme, geprägt von hoher Arbeitslosigkeit und einem großen Ausländeranteil. Schnell kam die Idee auf, Café mit Kleiderladen zu kombinieren. Gebrauchte Kleidung zum kleinen Preis, eine Hausratsabteilung. Dazu Kaffee oder Tee für 60 Cent und immer ein offenes Ohr: Auf dieses Konzept setzt die Caritas auf der anderen Rheinseite schon seit 2015 mit ähnlichen Läden in Rheinhausen und Homberg.

Der neue Standort direkt in der Meidericher Fußgängerzone ist bewusst gewählt. „Wir wollen jede Form von Stigmatisierung vermeiden“, erklärt Ricken. „Wir wollen nicht den Anschein erwecken, dass die, die hier reinkommen automatisch arm, bedürftig und hilflos sind. Wir sind für alle da.“ So stehen Menschen nebeneinander am Kleiderständer, die sich sonst nicht begegnen würden. „Es kann hier jeder einkaufen. Niemand wird nach seinem Einkommen befragt.“ Man soll dort so selbstverständlich reingehen, „wie ich auch in einen ganz normalen Klamottenladen gehe.“

Bluse für 1,50 Euro, Kaffeeservice für 5,60 Euro

Freudestrahlend bezahlt Dagmar Geiduhn an der Kasse ihre Schnäppchen: eine orange Bluse für eine Freundin für 1, 50 Euro und das sechsteilige Kaffeeservice aus den 1960ern für 5, 60 Euro – inklusive zweier vergoldeter Kerzenständer. „Der Preis ist einfach unschlagbar“, freut sich die 68-jährige Rentnerin aus Meiderich. „Die haben mit dem Café Klamotte den Nerv der Zeit getroffen. Es gibt so viele Armutsrentner. Da ist es schön, für kleines Geld so tolle Sachen kaufen zu können.“ Geiduhn lebt von 350 Euro im Monat, plus Grundsicherung.     

Der große, freundlich-helle Raum ist in zwei Bereiche aufgeteilt. Die rund 20 Stühle an den kleinen, runden Tischen im Eingangsbereich sind fast alle belegt. Frauen sitzen bei Kaffee oder Tee zusammen und unterhalten sich. Kleine Kinder beschäftigen sich in der Spielecke. Ein einzelner Mann liest seine Zeitung. Im hinteren Bereich des Ladens stehen die Kleiderständer und Schränke, ganze Familien schlendern umher, nehmen mal dieses, mal jenes in die Hand, halten es sich vor den Körper. Von Unterwäsche über Jacken und Hosen bis hin zu Tischdecken, Schuhen und Kinderspielzeug ist dort zu finden.

„Wir kanalisieren den Überfluss der Gesellschaft“

„Im Grunde kanalisieren wir den Überfluss der Gesellschaft“, ist sich Ricken sicher. „Wir brauchen das auf, was der Mensch nicht mehr braucht.“  Dass ungetragene Kleidung abgegebenen werde, sei keine Seltenheit. „Gleich am ersten Tag reichte uns jemand drei Hemden rein – noch original verpackt.“ Dabei spiele nicht nur der soziale Charakter eine Rolle, sondern auch der ökologisch-nachhaltige. „Und die Menschen freuen sich, die Sachen bei uns abgeben zu können, anstatt sie in den Kleidercontainer zur werfen. Bei uns sehen sie, was mit ihren Sachen passiert“, erklärt sich der Caritas-Mitarbeiter die mehr als gut gefüllten Kleiderständer.    

Ricken und seine Kollegin Alexandra Merten haben noch weitere Ziele: Reparieren statt wegwerfen ist angesagt. „Es gibt Überlegungen für ein Repair-Kaffee mit Socken-Stopfen, Knopf-Annähen und Hosen kürzen.“ Ganz wie zu Omas Zeiten. Und eine klare Kampfansage gegen die Wegwerfmentalität. Gleichzeitig soll das Café Klamotte zu einem Ort werden, an dem man sich zwanglos trifft und miteinander ins Gespräch kommt. „Menschen, deren Partner verstorben ist, können hier wieder Anschluss finden.“ Der Plan scheint aufzugehen. Es wird über die Tische hinweg miteinander geplaudert. Vom Wetter bis zum Todesfall ist alles dabei.

„Die Menschen müssen spüren: wir sind nicht vergessen, das ist ein Ort für uns. Mitten in der Stadt und nicht irgendwo abgeschoben am Rand“, so Ricken weiter. Das Café Klamotte, ein Hoffnungsort Ort für Meiderich. „Es ist toll zu sehen, wie wohl sich die Menschen hier fühlen, wie willkommen.“

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Die Serie „SchattenLicht“ stellt an jedem Mittwoch in der Fastenzeit Orte im Bistum Essen vor, die auf den ersten Blick nichts mit Hoffnung zu tun haben.

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news-18733 Tue, 17 Mar 2020 15:34:34 +0100 Pfarreien und Caritas helfen per Telefon, E-Mail – und vor Ort https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/pfarreien-und-caritas-helfen-per-telefon-e-mail-und-vor-ort/ In der Corona-Pandemie organisieren Pfarreien und Caritas ihre Hilfsangebote vor allem digital. Neben der Hilfe für Bedürftige steht auch der Schutz vor einer Ansteckung im Fokus. Telefon und Internet sind derzeit die Mittel der Wahl, mit denen Pfarrgemeinden und Caritasverbände Kontakt zu hilfsbedürftigen Menschen halten. Bei allen Einschränkungen und Sorgen, die die Corona-Pandemie derzeit mit sich bringt, setzt die Krise, der die Gesellschaft als Ganzes ausgesetzt ist, ein hohes Maß an Gemeinsinn frei.

Sabine Köther, Referentin für diakonische Pastoral und Pfarreibegleitung im Bistum Essen, vergleicht die enorme Bereitschaft in der Bevölkerung, für andere mitzudenken und anzupacken, mit dem Engagement für Flüchtlinge im Jahr 2015: „Derzeit sind als wichtigste Gruppe der Hilfesuchenden die älteren Menschen mit Unterstützungsbedarf identifiziert, die sich nicht mehr aus dem Haus trauen und nicht auf familiäre Hilfe zurückgreifen können. Wir erleben in den Pfarreien und in der Gemeindecaritas, dass sehr viele Menschen mobilisierbar sind und mithelfen wollen“, sagt Köther.

In einem ersten Schritt haben die Pfarreien und die Caritas im Bistum Essen Gottesdienste und Veranstaltungen abgesagt sowie öffentlich zugängliche Räume geschlossen, um gesundheitlich eingeschränkte Personen, Kinder und alte Menschen zu schützen und dem Virus den Weg der weiteren Verbreitung abzuschneiden.

Pfarreien richten Telefon-Hotlines ein

Um trotz geschlossener Pfarrbüros und Beratungsstellen und aller weiterer Schutzmaßnahmen für die Menschen da sein zu können, ist Phantasie gefragt. Die Pfarrei St. Dionysius in Essen-Borbeck etwa hat eine Telefon-Hotline mit einem festen Zeitfenster eingerichtet, über die eine Seelsorgerin oder ein Seelsorger täglich verbindlich erreichbar ist. In der Essen-Altenessener Pfarrei St. Johann Baptist hat die Katholische Öffentliche Bücherei in der Gemeinde Herz Jesu einen Lieferservice für ältere, einsame Menschen organisiert und bringt Lesestoff nach Hause, während sich in der Nachbargemeinde Herz Mariä die Jugend um die Unterstützung von Senioren bemüht. In der Bottroper Pfarrei St. Joseph laden die Seelsorgerinnen und Seelsorger dazu ein, sie telefonisch oder via E-Mail, WhatsApp, Facebook oder Instagram zu kontaktieren. St. Urbanus in Gelsenkirchen-Buer nutzt eine zweimal täglich besetzte Telefon-Hotline, damit Menschen um Alltagshilfe bitten können, wenn sie aufgrund des Corona-Virus ihr häusliches Umfeld nicht verlassen können. Auch freiwillige Helfer können sich über die Hotline bei Pastoralreferent Markus Zingel melden, der die Aktion koordiniert.

Christen engagieren sich in Nachbarschafts-Netzwerken

Während die einen auf die Vernetzung in der eigenen Pfarrei setzen, mobilisieren andere die Katholiken, sich in bereits bestehenden Netzwerken zu engagieren. Die Propsteipfarrei St. Clemens in Oberhausen-Sterkrade etwa empfiehlt auf Facebook das Nachbarschafts-Netzwerk nebenan.de, das ein nachbarschaftliches Hilfsprojekt für Bewohner der angrenzenden Stadtteile gestartet hat und dafür Mitstreiterinnen und Mitstreiter sucht. „Ob wir auf unsere eigenen Unterstützungssysteme zurückgreifen oder uns in bestehende Netzwerke in unseren Quartieren einbringen: Zu helfen, wo Hilfe nötig ist, gehört zu unserer Verantwortung als Christen“, sagt Sabine Köther.

Caritas: Bewohner und Mitarbeiter schützen, Telefonberatung ausbauen

Die Caritasverbände in den zehn Städten und Kreisen des Ruhrbistums sind derzeit im Dauereinsatz, um alte oder behinderte Menschen in ihren Einrichtungen trotz Corona-Gefahr gut zu versorgen und die eigenen Mitarbeitenden zu schützen, damit es möglichst keine Personal-Engpässe gibt. Auch für die Caritas gilt: Ohne Telefon und Internet geht derzeit nichts. Beratungstermine zum Beispiel von Erziehungs-, Schwangerschafts- oder Suchtberatung werden telefonisch wahrgenommen. Auch bei akuten Notlagen sind die Caritasverbände vor Ort über ihre zentralen Telefonnummern ansprechbar. Unter welchen geschützten Bedingungen Bahnhofsmissionen, Suppenküchen und Tafel-Läden den Betrieb aufrechterhalten können, ohne die Besucher einer Gefahr auszusetzen, wird derzeit geklärt.

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news-18728 Sun, 15 Mar 2020 15:01:48 +0100 Bistum Essen sagt alle Gottesdienste ab https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bistum-essen-sagt-alle-gottesdienste-ab/ Wegen des Coronavirus werden auch alle Erstkommunionfeiern mindestens bis in die zweite Jahreshälfte verschoben. Angesichts der verschärften Bedrohungslage und unterschiedlicher Vorgaben der Kommunen hat sich Bischof Overbeck zu diesem drastischen, aber nun bistumsweit einheitlichen Schritt entschlossen. Im Zuge der Corona-Krise sagt das Bistum Essen ab Montag, 16. März, alle öffentlichen Gottesdienste ab. Diese Regelung für die 42 Pfarreien und alle katholischen Einrichtungen im Ruhrbistum gilt auf unbestimmte Zeit. Die Absage gilt auch für alle Erstkommunion-Feiern in diesem Frühling. Sie müssen auf einen späteren Zeitpunkt verschoben werden und können nach derzeitigem Stand frühestens in der zweiten Jahreshälfte stattfinden. Auch  Trauungen und Taufen sind grundsätzlich zu verschieben. Beerdigungen finden weiterhin statt, Begräbnisämter können allerdings nicht mehr stattfinden. Die Seelsorgerinnen und Seelsorger werden sich im Gespräch mit den Angehörigen um Feiern in einem möglichst kleinen Kreis bemühen.

Im Blick auf die Kar- und Ostertage werde er die Gläubigen rechtzeitig informieren, wie diese besonderen Tage in der aktuellen Situation begangen werden könne, kündigte Bischof Franz-Josef Overbeck am Sonntag, 15. März, an und betonte: „Diese Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen. Unsere Gottesdienste – insbesondere die Feier der Eucharistie - sind die Mitte unseres Glaubens und des kirchlichen Lebens.“ Zugleich seien in viele Gemeinden und Familien die Planungen gerade für die Erstkommunion-Feste schon weit fortgeschritten. Dennoch führe angesichts der Bedrohung durch das Corona-Virus kein Weg an einer vorläufigen Absage aller Gottesdienste und der Verschiebung der großen Erstkommunion-Gottesdienste vorbei. „Wir müssen alles tun, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen und die alten und schwachen Menschen in unseren Gemeinden und in der ganzen Gesellschaft so gut es geht schützen“, hob Overbeck hervor.

Bereits am vergangenen Freitag hatte der Ruhrbischof alle Firmungen abgesagt und die Pfarreien aufgefordert, alle nicht zwingend erforderlichen Veranstaltungen abzusagen sowie im Blick auf Gottesdienste strikt die Verfügungen der jeweiligen kommunalen Behörden zu beachten. Overbeck dankte allen Verantwortlichen im Ruhrbistum, die in den letzten Tagen bereits sehr umsichtige Entscheidungen getroffen hätten, um das kirchliche Leben zu reduzieren. Inzwischen hätten aber viele Städte ihre Regelungen für Veranstaltungen erweitert, so dass vielerorts Gemeindegottesdienste ohnehin kaum noch möglich wären. „Hier ist es mir wichtig, einen einheitlichen Weg für unser Bistum zu gehen – zumal sich auch die Bedrohungslage in den kommenden Tagen noch verschärfen wird“, sagte Overbeck mit Blick auf weiter steigende Infizierten-Zahlen in den Bistums-Städten. Alle Maßnahmen erfolgten in enger Abstimmung mit den kommunalen Behörden im Ruhrbistum.

Overbeck betont: „Trotz der vorübergehenden Aussetzung unserer Gottesdienste hören wir nicht auf zu beten!“ Gerade in der aktuellen Situation sei jeder Christ eingeladen, sich allein, mit der Familie oder in einem kleinen Kreis von Freunden im vertrauensvollen Gebet an Gott zu wenden und so Kraft und Hoffnung zu schöpfen. „Unser Gesangbuch ,Gotteslob‘ bietet viele gute Anregungen für individuelle Gottesdienste, die jede und jeder Gläubige für sich feiern kann“, so Overbeck. Für das persönliche Gebet sollten die Pfarreien und Gemeinden auch weiterhin ihre Kirchen tagsüber geöffnet halten, appellierte der Bischof an die Pfarreien im Ruhrbistum. Zudem gebe es über Radio, Fernsehen und Internet mindestens an jedem Sonntag die Gelegenheit, eine Messe mitzufeiern. Von der eigentlichen Sonntagspflicht hatte Bischof Overbeck die Katholiken in seinem Bistum bereits am vergangenen Freitag entbunden.

Die Caritas arbeitet derzeit mit Hochdruck daran, ihre Beratungs- und Informationsangebote dort, wo es möglich ist, auf telefonische und Online-Kontakte zu erweitern und sichere Lösungen zum Beispiel für Lebensmittelausgaben und Wohnungslosen-Hilfen zu finden. Für die Fachkräfte in Pflege und Erziehung, die weiterhin in direktem Kontakt zu anderen Menschen stehen, gelten die Sicherheitsvorschriften der NRW-Landesregierung.

Aktuelle Informationen zum Umgang mit dem Coronas-Virus im Bistum Essen unter corona.bistum-essen.de

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news-18725 Thu, 12 Mar 2020 14:31:37 +0100 Bischof ehrt scheidenden Diözesanrats-Vorsitzenden Wolterhoff https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bischof-ehrt-scheidenden-dioezesanrats-vorsitzenden-wolterhoff/ Vollversammlung des höchsten Laiengremiums im Bistum Essen konnte mangels Beschlussfähigkeit keinen Nachfolger für den langjährigen Vorsitzenden wählen. Für den Herbst hat auch die Co-Vorsitzende Dorothé Möllenberg ihren Rückzug vom Vorstandsamt angekündigt. Dann möchte die Vollversammlung ein neues Führungsduo wählen. Mit dem Orden „Pro Ecclesia et Pontifice“ („für Kirche und Papst“) hat Bischof Franz-Josef Overbeck am Mittwochabend, 11. März, auf der Vollversammlung des Diözesanrats der katholischen Frauen und Männer im Bistum Essen den scheidenden Vorsitzenden Luidger Wolterhoff ausgezeichnet. Der Arbeits-, Sozial- und Gesundheitsdezernent der Stadt Gelsenkirchen hatte fast 34 Jahre nach Beginn seiner ersten Amtszeit und insgesamt 25 Jahren als Vorsitzender im vergangenen Herbst seinen Rückzug von der Spitze des höchsten Laiengremiums im Ruhrbistum angekündigt.

Wolterhoff sei immer „ein Mann der Kirche“ gewesen und der päpstliche Orden daher eine Anerkennung des „bedeutsamen Beitrags, den Sie für die Kirche geleistet haben“, sagte Overbeck. Er würdigte Wolterhoff als „lebendiges Beispiel“ für ein kirchliches Engagement für die sozialen Fragen. Wolterhoff sei in seiner Amtszeit „unermüdlich für die sozial Schwachen eingetreten“, nicht nur in seiner Heimatstadt Gelsenkirchen, sondern im ganzen Bistum.

Soziale und gesellschaftliche Fragen prägten Wolterhoffs Amtszeit

Auch Wolterhoffs Co-Vorsitzende Dorothé Möllenberg betonte, dass gerade soziale und gesellschaftliche Fragen Wolterhoffs Amtszeit geprägt hätten. Zudem habe er versucht, alle Katholiken im Blick zu behalten und wichtige Veränderungen angestoßen.

Domkapitular Michael Dörnemann, Pastoraldezernent des Bistums Essen und Geistlicher Assistent des Diözesanrats, erinnerte an Wolterhoffs Vergangenheit in der kirchlichen Jugendarbeit. Als Vorsitzender des Diözesanrats habe er sich „in die Pflicht nehmen lassen, als man ihn rief“. In seinem Amt habe er sich stets für die „soziale und gesellschaftliche Mitverantwortung“ eingesetzt. Er habe die „Sorge für die Entwicklung des Ruhrgebiets“ wachgehalten und so die Rolle des Ruhrbistums als „Sozialbistum“ mitgeprägt.

Zudem sei Wolterhoff die Stärkung der Laien in der Kirche ein besonderes Anliegen gewesen, erinnerte Dörnemann. So habe er sich für eine Satzungsänderung stark gemacht, nach der die Pfarrgemeinderäte nun in der Diözesanrats-Vollversammlung direkt als stimmberechtigte Mitglieder vertreten sind.

Unter seiner Führung habe der Diözesanrat das Laienapostulat im Bistum Essen verändert und weitere Veränderungen stünden an, sagte Bischof Overbeck. Dabei solle der Diözesanrat weiterhin mit seiner Energie auch seine missionarische Rolle ausüben und „nahe bei den Menschen sein“, betonte der Bischof.

Vollversammlung wählt im Herbst ein Vorsitzenden-Duo

Eigentlich wollte die Diözesanrats-Vollversammlung am Mittwoch einen Nachfolger als Vorsitzenden wählen, das Gremium war jedoch nicht beschlussfähig. Nachdem auch die verbliebene Vorsitzende Möllenberg aufgrund einer neuen beruflichen Tätigkeit im Bistum angekündigt hat, im Herbst vom Vorsitzenden-Amt zurücktreten wird, vereinbarte die Vollversammlung, dann zwei neue Vorsitzende zu wählen.

Inhaltlich tauschten sich die Delegierten über den „Synodalen Weg“ aus. Während der gemeinsamen Messe ging auch Bischof Overbeck auf diesen Reformdialog der katholischen Kirche ein. In seiner Predigt nannte er den „Synodalen Weg“ einen „Weg der Solidarität“, der sich an den Nöten der Menschen orientieren solle. Dies sei ein „Gradmesser für die Kirche“. Die Kirche solle dabei vor allem eine „dienende Kirche“ sein.

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news-18723 Thu, 12 Mar 2020 10:02:54 +0100 WDR5 überträgt Sonntagsmesse aus Gladbecker Herz-Jesu-Kirche https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/wdr5-uebertraegt-sonntagsmesse-aus-gladbecker-herz-jesu-kirche/ Gläubige können die Sonntagsmesse am 22. März ab 10 Uhr aus der Kirche in Gladbeck-Zweckel am Radio verfolgen. Der Radiosender WDR5 überträgt am 22. März ab 10 Uhr den Sonntagsgottesdienst aus der Herz-Jesu-Kirche in Gladbeck-Zweckel. Propst André Müller, Pfarrer der Gladbecker Pfarrei St. Lamberti, leitet die Messe und hält die Predigt. Darin beschäftigt sich Müller mit der Blindenheilung durch Jesus und schaut auf die Blindheit heutzutage.

Aufgrund der Corona-Krise muss der Radio-Gottesdienst in der Kirche jedoch ohne die Gemeinde gefeiert werden. Um so herzlicher lädt die Pfarrei zur Mitfeier des Gottesdienstes am Radio ein. WDR5 ist im Bereich des Bistums Essen über die UKW-Frequenzen 88,8 und 90,3 Mhz zu empfangen.

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news-18720 Wed, 11 Mar 2020 15:11:00 +0100 Beredtes Schweigen https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/beredtes-schweigen/ Noch nie standen die Menschen dank sozialer Netzwerke so intensiv in Kontakt miteinander wie heute. Und trotzdem fühlen sich Millionen in Deutschland einsam, weil ihnen niemand mehr wirklich zuhört. Das Essener Karmelitinnen-Kloster hat ein offenes Ohr für die Menschen und wird so für viele von ihnen zum Hoffnungsort. Die Kinder sind aus dem Haus, und trotzdem weiß jeder in der Familie, was der andere gerade macht. Der Whatsapp-Familiengruppe sei Dank. Längst vergessene Schulfreunde melden sich plötzlich bei Instagram, bei Tinder findet sich die wahre Liebe. Noch nie standen die Menschen so intensiv in Kontakt miteinander wie heute: überall sieht man Menschen wie wild auf Handys tippen und auf Tablets starren: Und trotzdem fühlen sich Millionen in Deutschland einsam.

„Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich gehöre nicht mehr zur Kirche. Aber ich habe niemanden, der mir zuhört“, wandte sich eine Frau hilfesuchend an Schwester Renata. Renata ist die Priorin, die Leiterin des Karmelitinnen-Klosters im Essener Norden. Eines Schweigeordens, der in Abgeschiedenheit, Stille und Gebet fern ab der Welt ganz für Gott lebt. Eigentlich. Denn so weltfremd wie es scheint, sind die zehn Schwestern zwischen 33 und 83 Jahren gar nicht. „Zu uns kommen fast täglich Menschen, die draußen niemanden finden, der ihnen zuhört. Wirklich zuhört und bereit ist, sich ihre Sorgen und Nöte anzuhören“, erzählt die 81-Jährige. „Das setzt mir schon zu.“ Mit traurigen Augen schaut sie durch die weißen Gitterstäbe, die den weltlichen Bereich von dem des Klosters trennt und das Besucherzimmer in zwei Sphären teilt.

Die Nonnen leben in Klausur: Ein Großteil des Klosters ist für die Außenwelt tabu. Ihr ganzes Leben spielt sich hinter den Klostermauern ab. Beten, arbeiten, essen und trinken und wieder beten. „Es hat eine Zeit gegeben, in der bin ich zehn Jahre nicht vor die Klostertür gekommen“, berichtet die Priorin schmunzelnd. „Ich brauchte nicht zum Zahnarzt. Und wählen kann man ja schließlich auch per Briefwahl.“ Dass mit der Abgeschiedenheit sei heute anders, etwas lockerer. Jetzt könne man auch mal zum Schuhe kaufen in die Stadt gehen. Und eigentlich dürfen auch keine Außenstehenden, keine  Männer, die Klausur betreten. Eigentlich. „Aber gerade haben wir zwei Handwerker im Haus. Die bauen uns ein neues Bad ein“, gesteht Renata mit einem Lächeln im Gesicht. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Die braune Holztür mit den schweren Eisenbeschlägen fällt hinter ihr krachend ins Schloss. Vor der Tür pulsiert das pralle Leben der Essener Ruhrmetropole. Straßenbahnen rauschen am Kapitelberg vorbei. Dahinter: himmlische Stille. Die dicken Kirchenmauern der Kirche im Essener Norden halten den Lärm und die Hektik der Großstadt draußen, die Dauerberieselung der Umgebung verkommt zu einem unterschwelligen Brummen.

Das Leben in Stille ist durchgetaktet: Um 5 Uhr morgens heißt es aufstehen, da um halb sechs Uhr das erste Gebet in der fast 1000-jährigen Klosterkirche ansteht. Nach dem Frühstück wird bis viertel nach elf gearbeitet – von Hostienbacken über Kerzen ziehen, bis hin zu kochen, putzen, waschen und bügeln ist allerlei zu erledigen. „Dinge, die die Familie am Laufen halten.“ Jede Schwester arbeite dabei für sich, „in Zwiesprache mit Gott.“ Gebetszeiten in Stille und ein Gottesdienst runden den Tag ab.

„Eine unserer Hauptaufgaben ist es, für die Menschen zu beten. Sie, ihre Anliegen, Sorgen und Nöte stellvertretend vor Gott zu bringen“, führt die gebürtige Osnabrückerin aus. Über Telefon, Mail und auch persönlich wenden sich die Menschen mit ihren Anliegen an die Schwestern. „Ihr Kloster heißt doch `Maria in der Not´. Ich bin in Not. Ich kann nicht mehr“, beginnen viele Telefonate. „Wir können nicht mehr tun, als zuzuhören.“ Aber das helfe meistens schon. „Es befreit, das, was einen bedrückt, einmal laut auszusprechen, es einfach mal loszuwerden. Und dabei die Gewissheit zu haben: das ist hier bei Gott gut aufgehoben und kommt hier nie wieder raus“, erklärt sich Renata die vielen Gesprächsanfragen – von Frauen und Männern. „Keiner muss Angst haben, dass in der Nachbarschaft drüber getratscht wird.“

Den Schwestern ist nichts Menschliches fremd. Die Gespräche behandeln Themen wie den Verlust eines geliebten Menschen, Ehebruch, das Gefühl des Verlassen werdens, Kündigung, aber auch Burnout, Probleme in der Familie und die einfache Feststellung: Ich kann nicht mehr. „Täglich erreichen uns solche Hilferufe.“ Die nicht spurlos an den Schwestern vorbei gehen. „Die Schicksale belasten mich. Aber ich gehe damit ins Gebet, erzähle Gott von den Menschen und übergebe ihm deren Anliegen und Nöte. In diesem Vertrauen auf Gott kann ich es ertragen und aushalten.“

Dieses Vertrauen ist es, dass das Klosterleben bestimmt. „Ein wirkliches Einkommen haben wir nicht“, erzählt Schwester Renata. Das Kloster lebt von Spenden. „Ohne die kommen wir nicht rum. – Und wir bekommen ein wenig Rente.“ So habe eine Schwester vor ihrem Eintritt ins Kloster als Ärztin gearbeitet, Renata als Hotelfachfrau und Auslandskorrespondentin, bevor sie in Münster Theologie studiert hat. „Wir leben im Vertrauen auf Gott. Er hat uns schließlich hierhin gestellt. Dann wird er sich auch schon um uns kümmern“, ist sich die Priorin sicher. So sicher, dass sie ihren gutbezahlten Job aufgegeben hat und ins Kloster eingetreten ist. „Gott hat mir die freie Wahl gelassen, seinem Ruf zu folgen.“ In einer Osternacht vor 50 Jahren wurde ihr klar: „Gott will mich.“

Schwester Renata strahlt Ruhe und Zufriedenheit aus. „Wir leben im Vertrauen auf Gott und setzen unsere ganze Hoffnung auf ihn. Dadurch, dass wir 100 Prozent auf ihn setzen, können wir auch ein Ort der Hoffnung für andere sein und den Menschen in Krisenzeiten ein offenes Ohr schenken und ihnen vorbehaltlos zuhören.“ Ein Ort, so fern der Welt und ihr doch so nah. Und das ganz ohne soziale Medien.

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Die Serie „SchattenLicht“ stellt an jedem Mittwoch in der Fastenzeit Orte im Bistum Essen vor, die auf den ersten Blick nichts mit Hoffnung zu tun haben.

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news-18722 Wed, 11 Mar 2020 13:35:58 +0100 Telefonseelsorge will mit kostenloser App Suiziden vorbeugen https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/telefonseelsorge-will-mit-kostenloser-app-suiziden-vorbeugen/ Smartphone-Angebot richtet sich sowohl an Menschen, die selbst Suizid-Gedanken haben als auch an Angehörige, Freunde und Kollegen, die Betroffenen helfen möchten oder die trauern, weil sie einen Menschen durch Suizid verloren haben. So möchte die Telefonseelsorge auch die Menschen erreichen, „die sich nicht trauen mit uns zu sprechen oder uns zu schreiben“ Mit ihrer neuen App „Krisen-Kompass“ möchte die Telefonseelsorge Menschen helfen, die akute Suizid-Gedanken haben, sowie Betroffene, die einen Menschen durch Suizid verloren haben. Auch wer einen Freund, Kollegen oder Angehörigen unterstützen möchte, weil dieser droht, sich umzubringen, findet in der App konkrete Hilfe.

Die Telefonseelsorge habe die App für alle jene entwickelt, „die sich nicht trauen mit uns zu sprechen oder uns zu schreiben“, erklärt Dorothee Herfurth-Rogge, Vorsitzende der Evangelischen Konferenz für Telefonseelsorge und Offene Tür. „Wir hoffen, dass dieses niederschwellige Angebot das Rüstzeug an die Hand gibt, einen Krisenfall besser zu meistern.“

Im „Krisen-Kompass“ stehen Funktionen bereit, die auch in der Psychotherapie genutzt werden, zum Beispiel die Aufzeichnung von Stimmungen als Tagebuchfunktion oder das Anlegen eines sogenannten Safety-Plans. Dieser könne „in stabilen Momenten angelegt werden und ist sehr hilfreich, wenn man weiß, in der Krisensituation kann ich darauf zurückgreifen“, beschreibt Stefan Schumacher, Leiter der Hagener Telefonseelsorge und des bundesweiten Projekts „Krisen-Kompass“. Als Erste-Hilfe-Koffer für den Notfall könnten Nutzer in der App zudem persönliche Archive anlegen, um aufbauende Gedanken oder persönliche Fotos, Erinnerungen oder Lieder zu speichern. Erläuterungen von Entspannungstechniken sowie Kontakte für den Notfall wie die Telefonseelsorge und andere professionelle Anlaufstellen, geben konkrete Hilfestellungen in einer Krise.

Kostenlose App für Android- und iOS-Smartphones

Die App ist kostenlos in den App-Stores für Android- und iOS-Smartphones verfügbar. Weitere Informationen und direkte Download-Links gibt es online unter https://krisen-kompass.app/

In der Arbeit der Telefonseelsorge spielt das Thema Suizidalität (Suizidabsicht, -versuch, -gedanken oder der Suizid eines anderen) eine große Rolle. In rund zehn Prozent der gut eine Million Gespräche der Telefonseelsorge (Telefon, Mail, Chat und vor Ort) ging es im vergangenen Jahr um diesen Themenkreis. Davon waren mehr als 23% der Gespräche mit Jugendlichen und Kindern bis 29 Jahren. Besonders die digitalen Wege werden genutzt: konkret waren 68,2% aller Chatgespräche und 61,4% Mails zum Thema Suizidalität mit dieser Altersgruppe. Ein Grund, weshalb unter anderem die Caritas Gelsenkirchen mit dem Projekt „[U25]“ ein eigenes Angebot betreibt, bei dem sich Jugendliche und junge Erwachsene online, anonym und kostenlos bei Bedarf Hilfe von speziell ausgebildeten Gleichaltrigen erhalten.

Jährlich sterben etwa 10.000 Menschen durch Suizid

Jedes Jahr nehmen sich etwa 10.000 Menschen das Leben, dreimal mehr als Opfer von Verkehrsunfällen werden. Bei Unter-25-Jährigen ist Suizid die zweithäufigste Todesursache.

Um diesen und vielen anderen Hilfesuchenden einen unkomplizierten Zugang zu ermöglichen, wurde 1956 die Telefonseelsorge gegründet. Rund um Uhr ist sie an 365 Tagen im Jahr auf mittlerweile vier Wegen erreichbar: Per E-Mail und Chat über die Internetseite www.telefonseelsorge.de, in einigen Städten vor Ort sowie per Telefon. Dank der Unterstützung durch die Deutsche Telekom sind die Telefonnummern 0800/111 0 111 und  0800/111 0 222 gebührenfrei und erscheinen zudem nicht auf den Einzelverbindungsnachweisen der Anrufer.

Im Video stellt Stefan Schumacher die App "Krisen-Kompass" vor

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news-18721 Wed, 11 Mar 2020 12:52:39 +0100 Europa und Staatskirchenrecht – Essener Gespräche in der „Wolfsburg“ https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/europa-und-staatskirchenrecht-essener-gespraeche-in-der-wolfsburg/ Die Auswirkungen europäischer Rechtsprechung auf das deutsche Staatskirchenrecht waren Thema der Essener Gespräche in diesem Jahr. Rund 120 Experten aus Wissenschaft, Kirche, Politik und Verwaltung diskutierten bei der renommierten Fachtagung in der katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim. Die Spannungen zwischen Europa und deutschem Staatskirchenrecht standen am Montag und Dienstag im Fokus der 55. Essener Gespräche zum Verhältnis von Staat und Kirche, die in Verantwortung der katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim durchgeführt wurden.

Rund 120 Experten aus Wissenschaft, Politik, Kirche und Verwaltung – unter ihnen auch Nachwuchswissenschaftler – diskutierten die zentrale Frage: Droht eine Überformung des institutionellen Staatskirchenrechts durch das auf Funktionalität ausgerichtete Europarecht?

„Funktionalität und Institutionalität stehen beim Thema Staat und Kirche in einem Spannungsverhältnis, das nicht zu einer Seite hin aufgelöst werden darf“, sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. „Wer sich auf diesem Gebiet als gesprächsfähig erweisen möchte, der braucht einen Sinn für die Säkularität des Rechts und für die Eigenheit des Religiösen.“ Ähnlich wie das deutsche Staatskirchenrecht, das durch das Europarecht unter Druck gerate, stehe auch die Kirche in der Gesellschaft unter Druck. Die Kirche befinde sich in einer „Zeitenwende“, die sie gestalten und in der sie sich neu positionieren müsse.

Bei den 55. Essener Gesprächen unter dem Titel „Institutionen unter Druck – Europarechtliche Überformung des Staatskirchenrechts?“ referierten der Göttinger Europarechtler Prof. Frank Schorkopf, die Vizepräsidentin am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg, Prof. Angelika Nußberger, der Freiburger Staatsrechtler Prof. Matthias Jestaedt, der Bonner Arbeitsrechtler Prof. Stefan Greiner, der Göttinger Staatskirchenrechtler Prof. Hans Michael Heinig und der Bonner Kultursoziologe Prof. Clemens Albrecht. Der Leipziger Staats- und Verfassungsrechtler Prof. Arnd Uhle leitete die Tagung.

Die Essener Gespräche zum Thema Staat und Kirche haben sich seit ihren Anfängen 1966 zu einem europaweit anerkannten überkonfessionell und interdisziplinär ausgerichteten wissenschaftlichen Fachkongress entwickelt, bei dem aktuelle Fragen zum Verhältnis von Staat und Kirche erörtert werden. Die Dokumentationsbände finden seit Jahren in Rechtsprechung und Fachliteratur Beachtung und werden in Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts zitiert.

Immer im Frühjahr lädt der Ruhrbischof zu den Essener Gesprächen in „Die Wolfsburg“ ein. Die nächste Tagung am 15. und 16. März 2021 wird sich mit dem Thema „Autonomie am Lebensende“ beschäftigen. Ende Februar hatte das Bundesverfassungsgericht entschieden, das Verbot der geschäftsmäßigen Sterbehilfe als verfassungswidrig mit der Begründung aufzuheben, es gebe ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben.

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news-18719 Tue, 10 Mar 2020 15:04:36 +0100 Meinung schützen, Meinungsvielfalt aushalten https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/meinung-schuetzen-meinungsvielfalt-aushalten/ Digitalisierung und Globalisierung verändern den professionellen Journalismus: Wenn es gut läuft, wird er besser denn je. Bei aller Kritik an Populismus, Häme und Empörungswellen im Netz: Auf die demokratischen Errungenschaften digitaler Medien kann und will heute niemand mehr verzichten. Also gilt es, Meinung zu schützen, Meinungsvielfalt auszuhalten und den Online-Journalismus fit zu machen für den öffentlichen Diskurs. Auf diese Position konnten sich die Publizisten auf dem Podium eines Diskussionsabends der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“, der Gesellschaft katholischer Publizisten und der Stabsabteilung Kommunikation im Bistum Essen zur „Zukunft des Journalismus“ verständigen. Jedoch lagen die Einschätzungen darüber auseinander, wie weit man Falschinformation und Hassparolen hinnehmen müsse, um andererseits den raschen Umschlag von Informationen auf Facebook, Twitter und Instagram für guten Journalismus nutzen zu können.

Jürgen Domian: Nicht alles lässt sich in 15 Sekunden beantworten

„Es ist ja auch eine coole Entwicklung, aber manche Fragen kann man einfach nicht in 15 Sekunden beantworten“, sagte der Moderator Jürgen Domian. In seiner nächtlichen WDR-Talkshow hat Domian rund 20.000 sensible Telefonate live geführt. In der Nachbesprechung seiner Sendung lese er allerdings regelmäßig auf Twitter, dass die Menschen aufgrund der Anonymität im Netz allen Anstand verlören „und herausrotzen, was sie im normalen Leben niemals sagen würden“. Hoher Druck laste deshalb auf den Machern sozialer Medien, aber auch auf Politikern. Die Folge: Angst davor, sich klar zu positionieren wie früher streitbare Politiker wie Herbert Wehner, Willy Brandt und Franz-Josef Strauß.

Daniela Sprung: Wer im Netz dabei ist, muss auch mitspielen

Anders sieht das die Profi-Bloggerin und Kommunikationswissenschaftlerin Daniela Sprung: „Wer im Netz dabei ist, muss auch mitspielen.“ Die AfD etwa habe das Spiel verstanden, haue bei Facebook und Twitter ihre Positionen auf den Tisch und gebe dort die Themen vor, während die Medienberater der Alt-Parteien diese Kanäle immer noch vor allem für Verlautbarungen nutzten. Solidaritätswellen gegen AfD-Positionen formierten sich online eher auf basisdemokratischem Weg unter Hashtags wie #wirsindmehr oder #ichbinhier. Alles gehe blitzschnell im Netz: Twitter-Austausch innerhalb von Sekunden; Instagram-Storys, die in 15 bis 60 Sekunden vollständig erzählt seien. Die CDU habe sich dagegen im Mai 2019 für eine Antwort auf die Polit-Kritik des Bloggers Rezo eine Woche Zeit genommen, bevor sie eine erste pdf-Datei online veröffentlichte, kritisierte Sprung.

Joachim Frank: Den digitalen Wandel nicht ein drittes Mal verschlafen

Viel Zeit könne man aber nicht mehr verstreichen lassen, sagte der Kölner Journalist, Buchautor und Korrespondent Joachim Frank. Denn der Journalismus könne es sich nicht leisten, den digitalen Wandel „ein drittes Mal zu verschlafen“. Um die Jahrtausendwende hätten die Tageszeitungs-Verleger sich den Kleinanzeigenmarkt von Netzanbietern abjagen lassen. Kurz darauf habe das Web 2.0 die Nutzer daran gewöhnt, sich Informationen gratis zu holen – auch wenn die sogenannten Prosumer, die auf eigene Verantwortung Informationen ins Netz stellten, nicht immer seriös seien. Allerdings, so Frank, habe sich trotz dramatischer Einbrüche der Print-Abos die Reichweite seriöser Medien online beträchtlich vergrößert: „Die Leute lesen. Jetzt müssen wir nur noch dafür sorgen, dass sie bereit sind, für Qualität und Analyse zu zahlen.“

Marlis Prinzing: Rundfunkgebühren sind Solidarabgabe für gute Information

„Demokratie kann ohne Journalismus nicht funktionieren“, ist Medienwissenschaftlerin Marlis Prinzing von der Kölner Hochschule Macromedia überzeugt. Die Rundfunkgebühren seien eine „Solidarabgabe“, die die Bürger für den Zugang zu reeller Information entrichteten, auf deren Grundlage sie zum Beispiel ihre Wahlentscheidung fällen könnten. Prinzing erkennt viele digitale Möglichkeiten, die den Journalismus heute besser als zu Print-Zeiten machen: Die große Fachkundigkeit des Publikums, multimediales Geschichtenerzählen, animierte Graphiken und die Arbeitsleistung großer Recherche-Bündnisse gehörten dazu.

Andreas Püttmann: Sinkendes Niveau bei steigendem Selbstbewusstsein

Kritisch beobachtet dagegen der Politikwissenschaftler und Publizist Andreas Püttmann die „Verrohung und Entprofessionalisierung“ der öffentlichen Meinungsbildung: „Bei vielen Menschen führt Social Media zu sinkendem Niveau bei steigendem Selbstbewusstsein.“ Angesichts dessen sei es kein Zufall, dass überall auf der Welt Populisten an die Macht kämen.   

Vom Rechtsstaat erwartet Püttmann, der selbst bereits Morddrohungen per Email erhielt, mehr Schutz. Der Datenschutz mache den Rechtsstaat derzeit zahnlos, stattdessen müsse man über Vorratsdatenspeicherung nachdenken und über mehr Personal, um Rechtsbrüche im Netz verfolgen zu können. Kanäle wie Facebook und Twitter dürften keine anonymen Anmeldungen akzeptieren, auch wenn ein öffentliches Profil weiterhin anonym bleiben könne. Allerdings, so Püttmann, wolle er selbst seine morgendliche Presseschau auf Twitter nicht mehr missen.

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news-18718 Tue, 10 Mar 2020 09:25:03 +0100 Wolterhoff: Kirche muss „wieder zu einer wichtigen Stimme in sozialen Fragen werden“ https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/wolterhoff-kirche-muss-wieder-zu-einer-wichtigen-stimme-in-sozialen-fragen-werden/ Nach fast 34 Jahren im Amt verabschiedet sich der Diözesanrats-Vorsitzende Luidger Wolterhoff am Mittwoch von seinem Amt an der Spitze des höchsten Laiengremiums. Seit 1986 steht der Gelsenkirchener Luidger Wolterhoff an der Spitze des Diözesanrats der katholischen Frauen und Männer im Bistum Essen. Im Herbst hatte der 58-jährige Arbeits-, Sozial- und Gesundheitsdezernent der Stadt Gelsenkirchen angekündigt, nun aus dem Amt auszuscheiden. „Nach Jahrzehnten im Vorstand ist es Zeit für einen Wechsel an der Spitze“, sagt Wolterhoff, der das höchste Laiengremium im Ruhrbistum zuletzt gemeinsam mit Dorothé Möllenberg führte. Am Mittwochabend wird die Vollversammlung aus Delegierten der 42 Pfarreien im Bistum Essen, der Stadt- und Kreiskatholikenräte sowie der katholischen Verbände bei ihrer Tagung in Essen Wolterhoff als Vorsitzenden verabschieden. Auch Bischof Franz-Josef Overbeck wird dann dabei sein und mit dem Diözesanrat gemeinsam Messe feiern.

Im Interview schaut Wolterhoff auf seine Amtszeit und auf die aktuellen Entwicklungen im Bistum Essen.

Herr Wolterhoff, in fast 34 Jahren im Vorstand des Diözesanrats haben sie alle vier bisherigen Ruhrbischöfe erlebt – mit wem konnten sie am besten zusammenarbeiten?

Luidger Wolterhoff: Ich habe die Zusammenarbeit mit allen unseren Bischöfen stets als spannend empfunden. Natürlich war diese unterschiedlich gestaltet. Als junges Vorstandsmitglied bin ich dem ersten Ruhrbischof, Franz Kardinal Hengsbach, sicher anders gegenüber getreten als unserem heutigen Bischof Franz-Josef Overbeck, der der gleichen Generation entstammt wie ich. Die Zusammenarbeit mit Bischof Overbeck ist sicher die intensivste, die ich in meinen Jahren erlebt habe.

In den sozialpolitisch sehr bewegten 80er und 90er Jahren des vergangen Jahrhunderts spielte zudem der Seelsorgeamtsleiter und spätere Weihbischof Franz Grave eine besondere Rolle. Diese Zusammenarbeit hat mich persönlich stark geprägt.

Gerade in den vergangenen 15 Jahren hat sich im Bistum Essen viel bewegt: Erst kamen die Großpfarreien, dann der Dialogprozess und das Zukunftsbild und schließlich die Pfarreientwicklungsprozesse – entwickelt sich unser Bistum heute in die richtige Richtung?

Wolterhoff: Der intensive Prozess der Veränderung war und ist unausweichlich. Ich empfinde vor allem die Möglichkeit zur breiten Beteiligung aller Getauften als wohltuend und förderlich. Gleichwohl sehe ich, dass die notwendigen Veränderungen viele – Ehrenamtliche und Hauptberufliche – auch an ihre Grenzen bringen. Aber ich bin sicher: Der grundsätzliche Weg ist richtig.

Der Diözesanrat hat vor vier Jahren selbst die Vision formuliert, dass es im Jahr 2030 keine Kirchenaustritte mehr gibt. Was müsste sich in der Kirche verändern, damit tatsächlich weniger Mitglieder austreten und sich wieder mehr Menschen für die Kirche interessieren?

Wolterhoff: Wir müssen den eingeschlagenen Weg weiter gehen, aber es auch schaffen, wieder Themen in den Fokus zu nehmen, die nicht nur die eigene kirchliche Gestalt zum Inhalt haben. Wir müssen auch wieder zu einer wichtigen Stimme in sozialen Fragen werden.

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