Bistum-Essen RSS Feed - https://www.bistum-essen.de de-de Bistum Essen Sun, 29 May 2022 00:03:29 +0200 Sun, 29 May 2022 00:03:29 +0200 TYPO3 news-19852 Fri, 27 May 2022 19:25:12 +0200 Taufe und Trauung bringen die Ökumene voran https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/taufe-und-trauung-bringen-die-oekumene-voran Auf dem Katholikentag in Stuttgart ist das Miteinander von Mitgliedern der katholischen und evangelischen Kirche ein großes Thema. Bischof Franz-Josef Overbeck kann sich vorstellen, künftige christliche Großtreffen in Deutschland ökumenisch zu veranstalten. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat sich auf dem Stuttgarter Katholikentag offen dafür gezeigt, künftige christliche Großtreffen in Deutschland ökumenisch zu veranstalten. „Das könnte ich mir vorstellen“, sagte der Ruhrbischof im Gespräch mit der Katholischen Nachrichtenagentur (KNA) und dem Portal katholisch.de auf die Frage, ob möglicherweise ein gemeinsames Event von evangelischer und katholischer Kirche die Zukunft sei. Auch ohne eine gemeinsame ökumenische Trägerschaft war auf dem Stuttgarter Katholikentag das Miteinander vor allem von katholischen und evangelischen Christen Thema vieler Veranstaltungen, bei denen sich auch Vertreter des Ruhrbistums einbrachten.

Diskussion um Abendmahl und Priesterinnen

Wie komplex manche ökumenische Fragestellung ist, wurde unter anderem auf dem Podium „Gemeinsam am Tisch des Herrn? Abendmahl und Eucharistie ökumenisch sensibel feiern“ deutlich, bei dem Bischof Overbeck die Frage stellte, ob nur ein Mann die Weihe gültig empfangen könne. Die Weihe von Frauen zu Priesterinnen „ist für die meisten von Ihnen eine Frage, die eigentlich keine Frage mehr ist“, wandte er sich direkt an das Auditorium. Diese Frage hänge unter anderem mit der kirchlichen Tradition zusammen: „Wer befindet sich eigentlich in der apostolischen Nachfolge? Sind das männliche Nachfolger der Apostel, wie ich einer bin, oder gibt es eben auch die Möglichkeit, dass Frauen gültig solch eine Weihe empfangen können? Eine schwierige Frage“, gab Overbeck zu.

Unterschiede zwischen katholischer und evangelischer Kirche gebe es auch in der Art, Liturgie zu feiern, fuhr Overbeck in seinem kurzen Statement fort. In 2000 Jahren christlicher Tradition hätten sich zahlreiche unterschiedliche Liturgien entwickelt, in denen Eucharistie gefeiert werde. Gleichzeitig betonte er, „dass wir in Teilen schon auf einem Weg der Einheit sind“. Insbesondere mit dem Blick auf die lutherische Tradition „können wir in der Amtsfrage wesentlich näher zusammenkommen, als wir jetzt von unserer Seite glauben“, blickt er zuversichtlich in die ökumenische Zukunft. Ein ähnliches Amtsverständnis ermögliche eine Annäherung, so Overbeck. Ein Hoffnungsschimmer, dass nach der Taufanerkennung in der „Magdeburger Erklärung“ von 2007 womöglich auch bei der wechselseitigen Teilnahme an Eucharistie und Abendmahl ein weiterer Schritt auf dem langen Weg zur Einheit der Kirche Jesu Christi möglich wird.

Gute Erfahrungen mit ökumenischen Tauf-Feiern

Dass es bei Ökumene-Fragen auch deutlich schneller gehen kann, zeigte neben der Werkstatt „Ökumenisch tun, was schon getan werden kann“ mit Alexander Jaklitsch, bei der die Segensfeiern für Neugeborene im Mittelpunkt standen, auch die Werkstatt „Gemeinsame Feier der Taufe. Die Einheit der Christin liturgisch erfahrbar zu machen“, mit dem Ökumene-Referenten des Ruhbistums, Volker Meißner, und Theresa Kohlmeyer, Leiterin der Abteilung Liturgie und Glaubenskommunikation im Bistum Essen. „Ökumenische Entwicklungen fallen nicht einfach so vom Himmel“, sagte Meißner. „Sie werden irgendwo erdacht, erprobt und dann übernommen.“ Wenn theologische Überlegungen auf der Stelle treten, ist die Zeit der Macher gekommen, so ein Tenor der Werkstatt. Und manchmal auch der Abstimmung mit den Füßen.

So hätten positive Erfahrungen und Rückmeldungen auf konfessionsübergreifende Taufen im Erzbistum Paderborn dazu geführt, dass das Erzbistum schließlich ein Pilotprojekt dazu initierte. Dabei ist die „Gemeinsame Feier der Taufe“ entstanden, eine Handreichung für die Taufe von Kindern in konfessionsverbinden Familien, die 2021 herausgekommen ist. Neben dem Erzbistum, der Evangelischen Kirche in Westfalen und der Lippischen Landeskirche haben sich das Bistum Essen und die Evangelische Kirche im Rheinland der Initiative angeschlossen und die Handreichung eingeführt.

Familien, in denen ein Elternteil katholisch und ein Elternteil evangelisch ist, können nun bei der Taufe ihrer Kinder Elemente aus beiden Konfessionen aufnehmen und die Tauffeier von Seelsorgerinnen oder Seelsorgern beider Konfessionen leiten lassen. Damit ist nun auch bei Taufen möglich, was schon seit vielen Jahren bei kirchlichen Hochzeiten konfessionsverbindender Paare praktiziert wird.

„Die Taufe führt ja als erstes in die Gemeinschaft mit Christus, wir gehören alle zu ihm“, führte Meißner aus. „Die konfessionelle Gemeinschaft ist erst einmal zweitrangig.“ Kirchenrechtlich relevant sei, dass bei dem Ritus die Taufformel gesprochen und das Kind mit Wasser übergossen oder eingetaucht werde. „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das ist wichtig. Alles andere erklärt es, macht die Taufe erfahr- und erlebbar“, sei aber nicht kirchenrechtlich nicht relevant. Wie bei der christlichen Eheschließung gibt es jedoch auch bei der Taufe keine echte Ökumene: Denn der oder die Neugetaufte wird am Ende entweder Mitglied der katholischen oder der evangelischen Kirche.

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news-19850 Fri, 27 May 2022 16:09:18 +0200 Katholikentag: Die bunte Zukunft einer vielfältigen Kirche https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/katholikentag-die-bunte-zukunft-einer-vielfaeltigen-kirche Am Stand des Bistums Essen zeichnet der Künstler Jesse Krauß in diesen Tagen das große Wimmelbild weiter, das für die vielen verschiedenen Facetten der Kirche an Rhein, Ruhr und Lenne steht. Auch im inhaltlichen Programm des Katholikentags ist das Ruhrbistum mit vielen verschiedenen Angeboten vertreten. Der Tusche-Stift von Jesse Krauß kommt nicht zur Ruhe. Sollte der Gelsenkirchener Künstler gedacht haben, mit seinem großen Wimmelbild für das Buch „Unterwegs im Ruhrgebiet“ die bunte Vielfalt der katholischen Kirche an Rhein, Ruhr und Lenne schon einigermaßen ausreichend dargestellt zu haben, wird er zusammen mit dem Team am

Stand des Ruhrbistums auf dem Katholikentag in Stuttgart auf fröhliche und kreative Weise eines Besseren belehrt. „Zeichnen Sie unsere Kirche weiter“, beschreibt Andrea Hollinderbäumer, Geschäftsführerin des Diözesanrats im Bistum Essen, das Angebot des Ruhrbistums auf der Kirchenmeile: Auf Postkarten können Besucherinnen und Besucher Krauß Vorschläge machen, „wer oder was in der Kirche noch fehlt“, so Hollinderbäumer. Als großes Transparent an der Rückwand des Stands dient Krauß Bistums-Wimmelbild dabei als Inspiration.

Auch wenn der Bistumsstand zwischen den Zelten des Erzbistums Freiburg und der Katholischen Militärseelsorge diesmal nicht gerade den belebtesten Ort des Katholikentags zugewiesen bekommen hat, kann sich Krauß vor Ideen kaum retten. Vier große Blätter hat er am Freitagnachmittag schon vollgemalt. Seine Arbeit wird dabei live auf einen großen Monitor übertragen, damit ihm auch Passantinnen und Passanten vom Weg aus zuschauen können. Sie sehen zum Beispiel die frisch gemalte Gruppe Leute, die eine Weltkugel in die Luft hält als Symbol für die „Menschen aus 180 Ländern“, die im Ruhrbistum zusammenleben. Noch sind die meisten Motive nur schwarz-weiß, um so mehr sticht die bunte Regenbogen-Fahne hervor, die für mehr Akzeptanz für queere Menschen steht. Und dass Krauß gleich von den ersten Besucherinnen und Besuchern des Stands aufgefordert wurde, die drei männlichen Messdiener auf seinem Originalbild doch mal schnell durch ein paar weibliche Pendants zu ergänzen, blieb nicht der einzige Ausdruck von mehr Gleichberechtigung in der Kirche, die sie sich viele Gäste am Stand wünschen.

Einige Facetten der großen Vielfalt aus dem Wimmelbild bringt das Bistum Essen in diesen Tagen auch ins Programm des Katholikentags ein: So diskutieren die Bischöfe Overbeck und Schepers über die Ökumene, Frauenrechte oder bessere Arbeit, Generalvikar Pfeffer macht sich für die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs von Erwachsenen stark, in kleineren Werkstätten geht es zum Beispiel um die Segensfeiern für Neugeborene oder die im Ruhrbistum entwickelte Handreichung für ökumenische Tauffeiern, auch in der Diskussion über kirchliche Strukturen von Pfarreien und Gemeinde spielt das Bistum Essen eine Rolle – und nicht zuletzt bereichern Musikerinnen und Musiker aus dem Ruhrgebiet das kulturelle Programm des Katholikentags.

Dabei beschreiben viele Teilnehmende das Christentreffen in Stuttgart als einen „Katholikentag mit angezogener Handbremse“. Nach dem allenthalben als sehr erfolgreich bewerteten Treffen 2018 in Münster sind die Organisatorinnen und Organisatoren in Stuttgart wohl froh, wenn sie am Ende bestenfalls ein Drittel der rund 90.000 Teilnehmenden von Münster bilanzieren können. Doch es ist nicht nur eine Frage der Teilnehmenden-Zahl, auch die Stimmung in Stuttgart wirkt bislang eher nachdenklich, sachlich, bedächtig – und nur selten so euphorisch und ausgelassen, wie es in den vergangenen Jahren ein Markenzeichen der katholischen Massenevents war. Da ist zum einen der Krieg in der Ukraine, der schon dank blau-gelber Katholikentags-Schals omnipräsent ist und vom Friedensgebet bei der Eröffnung über eine Friedenskundgebung und die Kanzler-Rede am Freitag auch im inhaltlichen Programm viele Spuren hinterlässt. Da ist aber auch die Situation der katholischen Kirche, zum Beispiel das Ringen um Reformen, der immer noch nicht überwundene Missbrauchsskandal und die Suche nach Perspektiven für Gemeinden und Verbände in der Nach-Corona-Zeit, die bei manchem Katholikentags-Gast für eine Laune sorgt, die durchweg eine Spur trüber ist als das frühsommerliche Wetter dieser Tage im Stuttgarter Talkessel.

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news-19849 Thu, 26 May 2022 17:58:23 +0200 Sexueller Missbrauch: Auch Erwachsene können Opfer werden https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/sexueller-missbrauch-auch-erwachsene-koennen-opfer-werden Auf einem sehr nachdenklichen Podium des Katholikentags haben am Donnerstag die Theologinnen Doris Reisinger und Ute Leimgruber mit dem Essener Generalvikar Klaus Pfeffer und dem Exerzitien-Experten Peter Hundertmark über Erwachsene als Betroffene von sexuellem Missbrauch in der Kirche diskutiert. Die Nonne, die jahrelang durch einen Mönch missbraucht wird. Der Pfarrer, der den jungen indischen Priester zum Dienstgespräch in die Sauna bittet und später zu seinem Sexsklaven macht. Oder die afrikanischen Ordensfrauen, die von Geistlichen ihrer Gemeinden berichten, die ihnen das Empfehlungsschreiben für den Ordenseintritt nur gegen Sex aushändigen wollen. Die Filme, die diese Geschichten auf dem Katholikentags-Podium „#AdultsToo“ erzählen, sind für die Zuschauerinnen und Zuschauer im ehrwürdigen Beethovensaal der Stuttgarter Liederhalle nur schwer erträglich. Sie legen am Donnerstagnachmittag ein Schlaglicht auf ein Thema, das nach Ansicht der Organisatoren des Katholischen Deutschen Frauenbundes und der Moderatorin Christiane Florin in der Kirche bislang zu wenig beachtet wird: Der sexuelle Missbrauch an Erwachsenen.

Generalvikar Klaus Pfeffer, einziger Vertreter einer Bistumsleitung auf diesem Podium, gibt sich angesichts der erschütternden Berichte kompromisslos, als die Frage aufgeworfen wird, ob das derzeitige Kirchen-„System“ eigentlich noch zu retten sei: „Ein System, das solche Verbrechen möglich macht, darf nicht gerettet werden“, sagt er unter dem Beifall des Publikums. Deshalb müsse eine radikale Aufarbeitung weiter vorangetrieben werden,  die in den zurückliegenden Jahren seit 2010 begonnen habe. „Da wird noch viel mehr im Dunkelfeld verborgen sein, das ans Licht geholt und aufgedeckt werden muss.“

Nach Ansicht der Theologin Doris Reisinger hat eine radikale Aufarbeitung dieses Themas jedoch „noch gar nicht angefangen – und sie ist in diesem System auch gar nicht möglich“. Reisinger forscht zum Thema Missbrauch in der Kirche und hat unter anderem ein Buch über ihren selbst erlittenen Missbrauch in einer geistlichen Gemeinschaft veröffentlicht. In der Kirche werde bislang so gut wie gar nicht über diese Missbrauchsfälle gesprochen. Zum einen, weil  bislang nur ganz wenige Betroffene bereit seien, ihre Geschichte mit Klarnamen zu erzählen. Zum

Anderen aber auch, „weil es in der Kirche kaum jemanden gibt, der sich hinter die Betroffenen stellt“. Vielmehr müssten Betroffene noch damit rechnen, nach einer Veröffentlichung selbst angegriffen und als unglaubwürdig dargestellt zu werden.

Missbrauch nur bei „schutz- und hilfebedürftigen Erwachsenen“?

Gemeinsam mit Reisinger kritisiert auch die Theologin Ute Leimgruber, dass in der kirchlichen Ordnung für den Umgang mit Missbrauchsfällen neben Kindern und Jugendlichen lediglich von „schutz- oder hilfebedürftigen Erwachsenen“ als möglichen Missbrauchsopfern die Rede sei. So könne es passieren, dass eine seit einigen Jahren strafbare sexuelle Belästigung aus Sicht der katholischen Kirche kein Missbrauchsfall ist, weil die Betroffene nicht schutz- oder hilfebedürftig war. Pfeffer räumt ein, dass man die Ordnung hier klarer fassen müsse, stellt aber klar, dass im Bistum Essen „kein Unterschied gemacht werde, ob es bei einer Missbrauchsmeldung um Kinder, Jugendliche oder Erwachsene geht“. Er nimmt zudem in den zurückliegenden Jahren eine Veränderung in der Kirche wahr, die auch durch eine gewachsene Sensibilisierung durch die Präventionsarbeit bewirkt werden konnte. Sie zeige sich darin, „dass sich viele Betroffene bei uns melden und dadurch Missbrauchsfälle nicht mehr in einer so großen Zahl im Dunkeln bleiben wie in den Jahren vor 2010“.

Deutlich wird auf dem Podium, dass es bei den verschiedenen Missbrauchsfällen Parallelen gibt zwischen Fällen mit betroffenen Kindern und Jugendlichen einerseits und Erwachsenen andererseits – aber auch große Unterschiede. Hier wie dort geht es um große Machtgefälle und Abhängigkeiten. Bei Erwachsenen seien diese jedoch oft von geradezu existenzieller Natur, sind sich die Podiumsgäste einig: Zum Beispiel bei dem jungen indischen Priester aus dem Film, für den die Anzeige seines Peinigers womöglich die Rückkehr nach Indien bedeutet hätte. Oder bei eine Ordensfrau, „die eigentlich nicht über Missbrauch sprechen kann, ohne die Gemeinschaft verlassen zu müssen“, wie Reisinger sagt. Hinzu kommt, das erwachsenen Missbrauchsbetroffenen noch weniger geglaubt werde als Kindern. Leimgruber spricht vom „falschen Narrativ: Erwachsene könnten Nein sagen und deshalb nicht Opfer von Missbrauch werden“. Reisinger verweist auf die „#MeToo“- Missbrauchsfälle in der Schauspielbranche: „Natürlich gibt es auch unter Erwachsenen Abhängigkeitsverhältnisse, bei denen man sich nicht wehren kann.“ Peter Hundertmark, Leiter des Referats spirituelle Bildung im Bistum Speyer betont: „Wenn man in einem manipulativen Prozess steckt, ist es nicht leicht, dies auch zu erkennen.“ Hinzu komme bei Missbrauchsfällen in der Kirche eine spirituelle Dimension, bei der Täter den Glauben an Gott pervertierten, sagt Pfeffer.

Spirituelle Überhöhung des Priesterstandes

Das Film-Beispiel eines Dienstgesprächs zwischen Seelsorgern in der privaten Sauna nennt der Generalvikar „absurd“. Gleichzeitig könne er sich aber durchaus vorstellen, dass es zu solch absurden Verhaltensweisen komme:  Eine „enorme spirituelle Überhöhung des Priesters“ gehe einher mit einem Standesdenken und einer „Mit-Brüderlichkeit“, die ein Gefühl vermittele, „dass wir Priester uns doch alle irgendwie besonders nahe sind“, so Pfeffer. Dies könne in Extremfällen tatsächlich zu unangemessen Verhaltensweisen führen.

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news-19848 Thu, 26 May 2022 16:57:08 +0200 Bischof Overbeck will kirchliches Arbeitsrecht reformieren, aber erhalten https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bischof-overbeck-will-kirchliches-arbeitsrecht-reformieren-aber-erhalten Die Diskussion „Arbeit fairteilen“ auf dem Stuttgarter Katholikentag schlug einen Bogen von prekären Arbeitsverhältnissen in der Fleisch- und anderen Branchen über den Streit um einen allgemeinverbindlichen Tarifvertrag in der Pflege bis zu Fragen des kirchlichen Arbeitsrechts. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat sich dafür ausgesprochen, besonders umstrittene Regeln im kirchlichen Arbeitsrecht abzuschaffen, die sich etwa um das Beziehungsleben der Beschäftigten drehen. Das besondere Arbeitsrecht der Kirchen als solches solle aber erhalten bleiben. „Ich finde es wichtig, dass wir uns beim kirchlichen Arbeits- und Dienstrecht neu aufstellen“, sagte Overbeck am Donnerstag auf dem Katholikentag in Stuttgart. Insgesamt habe das Arbeitsrecht aber viele Vorteile, „deshalb werbe ich dafür, den sogenannten dritten Weg zu erhalten“. Overbeck sprach auf dem Podium „Arbeit fairteilen“, das die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) ins Katholikentags-Programm eingebracht hatte.

Die evangelische SPD-Politikerin Kerstin Griese, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesarbeitsministerium, verwies auf das Vorhaben der Ampel-Koalition, „das kirchliche Arbeitsrecht gemeinsam mit den Kirchen weiterzuentwickeln“. In Richtung der Kirchen betonte sie: „Ich glaube, dass Sie keinem Menschen mehr vermitteln können, dass Sie die persönliche Lebensführung sanktionieren.“ Sie plädierte dafür, über Änderungen bei den – im Ruhrbistum und anderen katholischen Diözesen bereits abgeschafften – Regeln zur persönlichen Lebensführung hinaus weitere Punkte zu ändern, zum Beispiel beim bislang untersagten Streikrecht: „Mein Herz schlägt wirklich für kirchliche Einrichtungen, aber warum sollten Menschen nicht auch dort das Recht haben, für bessere Arbeitsverhältnisse einzutreten?“

Neuer Anlauf für allgemeinverbindlichen Pflege-Tarifvertrag

Griese zufolge will Bundesarbeitsminister Hubertus Heil in diesem Jahr einen neuen Anlauf starten, den Tarifvertrag in der Pflege als allgemeinverbindlich zu erklären, um das Lohnniveau in der Pflege insgesamt zu erhöhen. Dieser Versuch war im vergangenen Jahr am Widerstand der Caritas-Arbeitgeber gescheitert. Dieser Schritt der Caritas habe in der Politik „Vertrauen erschüttert“, so Griese. Auch Bischof Overbeck erklärte, dafür wenig Verständnis zu haben.

„Moderne Sklaverei“ in der Fleisch- und anderen Branchen

Jenseits kirchlicher Arbeitsverhältnisse lenkte Pfarrer Peter Kossen aus dem Bistum Münster den Blick auf prekäre Arbeitsverhältnisse – „moderne Sklaverei“, wie er sagt – vor allem in der Fleischindustrie. Zwar habe sich die Situation der überwiegend aus dem ost- und südosteuropäischen Ausland kommenden Beschäftigten nach dem öffentlichen Aufschrei im Zuge massiver Corona-Ausbrüche in Schlachthöfen im vergangenen Jahr durch neue gesetzliche Regelungen ein Stück weit verbessert. Doch diese Regelungen gälten nur in einzelnen Arbeitsbereichen der Schlachthöfe – und zum Beispiel nicht für das Reinigungspersonal. Zudem gebe es andere Branchen, die sich „die Fleischindustrie zum Vorbild genommen haben“, so Kossen, und Beschäftigte ähnlich ausbeuteten, zum Beispiel Paketdienste, Glasfaserausbau oder Gebäudereinigung. Auch Staatssekretärin Griese nannte das Arbeitsschutzkontrollgesetz für die Fleischindustrie „einen ersten Anfang“, der nur durch die politischen Mehrheiten möglich gewesen worden sei, die nach dem öffentlichen Aufschrei in der Corona-Pandemie entstanden seien. „Es gibt da noch viel mehr zu tun.“

Angesprochen auf das Engagements Kossens für bessere Arbeitsbedingungen verwies Bischof Overbeck auf die „Tradition im Ruhrbistum“, dass sich die Kirche gerade in den großen Konzernen im Revier für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze einsetzt. Er würdigte das Engagement von katholischen Verbänden wie KAB, Kolping, der Katholischen Frauengemeinschaft (kfd) und verschiedenen Jugendverbänden und Jugendberufshilfeeinrichtungen, die sich vielfach und oft tatkräftig für menschenwürdige Arbeit engagierten. Overbeck sagte aber auch, dass es nicht viele Priester oder Bischöfe gebe, die sich stark in diese Bereich einbrächten.

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news-19844 Wed, 25 May 2022 12:56:47 +0200 Renovabis bittet um Spenden für die Ukraine und andere Länder Ostereuropas https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/renovabis Kollekten in den Pfingstgottesdiensten kommen dem katholischen Osteuropa-Hilfswerk zugute, das seit Beginn des Kriegs gegen die Ukraine Hilfsangebote für Kriegsopfer und Geflüchtete in und außerhalb der Ukraine finanziert. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine bittet das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis insbesondere am Pfingstwochenende um Spenden. Traditionell fließen die Kollekten aus den Gottesdiensten am Pfingstsonntag an die Hilfsorganisation, die allein seit Kriegsbeginn im Februar mit gut drei Millionen Euro 66 Projekte zur Unterbringung, Versorgung und Betreuung von ukrainischen Kriegsopfern und Geflüchteten in und außerhalb der Ukraine unterstützt hat.

Motto: „Gemeinsam glauben – was Ost und West verbinden kann“

Das Motto der diesjährigen Pfingstaktion „Gemeinsam glauben – was Ost und West verbinden kann“ habe „eine Dramatik, die bei der Planung der Aktion noch nicht abzusehen war“, sagt der Essener Weihbischof Ludger Schepers. „Zutiefst verbindet uns alle der Wunsch, dass der Krieg in der Ukraine endet und alle Maßnahmen zur Versöhnung und zum Frieden ergriffen werden. Ich bin überzeugt, dass es die überwältigende Mehrheit der Menschen ist, die Frieden möchte. In allen Ländern“, betont der Bischofsvikar für die Weltkirche. Zugleich hoffe er, „dass wir sehr bald wieder darauf schauen können, was uns über den Wunsch nach Frieden hinaus verbindet.“

Renovabis unterstützt Partnerinnen und Partner in ganz Mittel- und Osteuropa

Natürlich überschatte der Krieg in der Ukraine derzeit alles. „Es ist richtig, dass sich unsere Aufmerksamkeit dort konzentriert“, so Schepers. Nicht vergessen werden solle jedoch „die gute Arbeit, die von Renovabis und ihren Projektpartner-innen und Partnern in ganz Mittel- und Osteuropa geleistet wird. In den kommenden Jahren wird es wichtig bleiben, die Menschen dort zu unterstützen“, betont der Weihbischof.

Sebastian Neugebauer, Leiter der Abteilung Weltkirche und Mission im Bistum Essen, berichtet: „Ich hatte sehr berührende Gespräche mit unseren Partnerinnen und Partnern in der Ukraine. Die Dankbarkeit für die vielen Hilfen von verschiedensten Menschen mit den verschiedensten Hintergründen ist groß.“ Neben der Bitte um Spenden sei dabei an die Christinnen und Christen in Deutschland ein besonderer Wunsch gerichtet, so Neugebauer: „Bleibt mit uns im Gebet verbunden. Das gibt uns Kraft und Hoffnung.“

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news-19833 Wed, 25 May 2022 10:00:00 +0200 Zwischen Vorfreude und Neugier: Gladbecker Jan Sienert wird zum Priester geweiht https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/zwischen-vorfreude-und-neugier-gladbecker-jan-sienert-wird-zum-priester-geweiht Am Freitag vor Pfingsten weiht Bischof Franz-Josef Overbeck den Gladbecker Jan Sienert zum Priester. Als Kaplan in der Bochumer Pfarrei Liebfrauen will er seine Arbeit mit und für die Menschen vor Ort weiter festigen. Dass das Ruhrgebiet für Jan Sienert viel mehr ist als nur Heimatregion, zeigen sein persönlicher Primizkelch und die Hostienschale. Glänzend stehen die beiden silbernen und vergoldeten Gegenstände, die den 31-Jährigen nach seiner Weihe das ganze Priesterleben begleiten werden, auf seinem Schreibtisch. In beiden für immer verewigt: Kohle und Stahl aus Bottrop und Duisburg. In einer kleinen runden Kammer mit Glasscheibe, die im Fuß der Schale eingelassen ist, glitzert sie: Schwarze Kohle, einst von Bergmännern der Zeche Prosper Haniel aus bis zu 1000 Metern unter der Erde ans Tageslicht gefördert.

Im Primizkelch beherbergt eine kleine Kammer ein glänzendes Stück Stahl aus Duisburg. „Ich habe mir in letzter Zeit immer wieder bewusst gemacht, woher ich komme und wie bedeutend diese Herkunft für mich ist und auch in meinem Beruf als Priester sein wird. Das wollte ich unbedingt verewigen und habe sehr lange dafür gespart“, sagt Sienert. In seiner zukünftigen Hostienschale hat er nicht nur seine Verbundenheit mit dem Ruhrgebiet verewigt, sondern auch ein besonderes Stück seiner Familie. Die mit Kohle gefüllte Kammer ist von einem goldenen Ring umgeben, darin eingraviert: „Margret, 7.9.63“. Es ist das Hochzeitsdatum seiner Großeltern, zu lesen auf dem Ehering seines verstorbenen Großvaters Franz. „Mein Opa ist leider sehr früh gestorben, aber ich hatte eine sehr enge Beziehung zu ihm, war sein erstes Enkelkind“, sagt Jan Sienert. Als er seine Oma nach dem Ring fragt, ist sie sehr bewegt: „Sie hat im ersten Moment vor Freude geweint.“

Ein weiterer Schritt nach zehn Jahren

Anfertigen lassen hat Jan Sienert Kelch und Schale in der Goldschmiede der bayrischen Benediktiner-Abtei Münsterschwarzach. Dort sorgten er und sein Bruder kurzzeitig für Verwirrung. „Mein Bruder heiratet bald und hat dort auch seine Eheringe machen lassen. Als er mit unserem gleichen Nachnamen angerufen hat, wurde er erstaunt gefragt, ob er es sich doch nochmal anders überlegt hätte mit der Priesterweihe“, erzählt Sienert und lacht. Zum Einsatz kommen Kelch und Schale des Priesterkandidaten, der sich seiner Entscheidung sehr sicher ist, dann zum ersten Mal bei seinem Primizgottesdient am Pfingstmontag. Ein für ihn bedeutender Schritt kommt drei Tage vorher: Im Essener Dom wird Bischof Franz-Josef Overbeck ihn zum Priester weihen. „Ich freue mich total darauf“, sagt Sienert. „Das ist schon ein komisches Gefühl, zehn Jahre nach meinem Start als Priesteramtskandidat fertig zu werden und diesen Weg weiter zu gehen, aber ich bin sehr gespannt auf meine zukünftige Arbeit mit den Menschen im Bistum Essen, das ist wirklich schön.“

Dass er bei seinem Beruf eng mit Menschen zusammenarbeiten möchte, auf keinen Fall nur am Schreibtisch sitzen – das war für Jan Sienert schon immer ein klarer Wunsch. Ins Berufsleben startet der gebürtige Gladbecker vor dreizehn Jahren nach der Realschule und dem Fachabitur als Erzieher. Die Arbeit gefällt ihm gut, doch er möchte seinen Berufswunsch ausweiten. Über die Berufungspastoral im Bistum Essen knüpft er erste Kontakte zum Priesterberuf, auch Gespräche mit dem Pfarrer seiner Heimatgemeinde bestärken ihn. Schließlich macht er sein Fachabitur, schließt nach dem Bachelor in Paderborn auch den Magister in Theologie erfolgreich ab. Als Diakon arbeitet er in der Pfarrei St. Pankratius in Oberhausen-Osterfeld, startet dort mitten im ersten Corona-Lockdown. Es ist ein herausfordernder Berufseinstieg, bei dem er aber auch gemeinsam mit den Haupt- und Ehrenamtlichen kreativ sein kann, überlegen muss, wie er den Gemeindemitgliedern auch digital und auf Abstand nah sein kann.

Besondere Eindrücke als Hospizseelsorger

Mit den Menschen persönlich ins Gespräch kommt er im vergangenen Jahr vor allem als Seelsorger im Hospiz St. Vinzenz Palotti. „Als klar war, dass ich das mache, hatte ich echt großen Respekt“, erinnert sich Sienert. „Ich war unsicher, wie ich mit Menschen umgehen soll und darf, die bald sterben?“ Mit viel Gefühl tastet er sich an seine neue Aufgabe heran, lernt viele Menschen in kurzer Zeit gut kennen und vor allem eins: „Sie sind nicht nur traurig oder warten negativ gestimmt auf den erlösenden Tod. Ich habe so viele erfrischende und lebensbejahende Momente erlebt – Menschen, die ihre letzten Tage wirklich genießen konnten.“

Nach seiner Priesterweihe wird Jan Sienert rund 30 Kilometer weiter östlich arbeiten, in der Bochumer Pfarrei Liebfrauen. Eine Stadt, die auch dem Ruhrgebietskind noch fremd ist. Welche Aufgaben er dort als Kaplan haben wird, weiß er noch nicht, die Jugendarbeit will der Pfadfinder aber auch hier immer im Blick behalten. 23 Jahre lang engagierte er sich ehrenamtlich bei der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg in seinem Gladbecker Heimatstamm, später für den Bezirk und bis vor einigen Wochen auch im Diözesanverband. Das Engagement in dem Verband war für ihn schon als Kind das einladende Willkommen, dass ihn gehalten hat in der katholischen Kirche. „Das ist eine Leidenschaft und Verbundenheit, die ich natürlich immer in mir tragen werde“, sagt Sienert.

Ein neuer Lebensabschnitt in einer neuen Stadt

Auf die Arbeit in seiner neuen Pfarrei freue er sich, vor allem auf die gefeierten Feste – seien es gute oder traurige Momente. Er will sich einlassen auf das Priestersein in einer anderen Stadt des Ruhrgebiets. So, wie es auch sein Weihespruch verspricht, der ihn am Freitag vor Pfingsten (3. juni 2022) in einen neuen Lebensabschnitt begleiten wird: „Wohin ich dich auch sende, dahin sollst du gehen, und was ich dir auftrage, dass sollst du verkünden.“

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news-19834 Tue, 24 May 2022 10:04:00 +0200 Noch freie Plätze bei den Freiwilligendiensten im Bistum Essen https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/noch-freie-plaetze-bei-den-freiwilligendiensten-im-bistum-essen Wer gerade seinen Schulabschluss macht und noch nicht weiß, wie es nach dem Sommer weiter geht, dem bietet das Bistum Essen mit einem Freiwilligendienst die Gelegenheit, die Überbrückungszeit sinnvoll zu nutzen. Für die kommende Saison gibt es noch freie Plätze. „Ich liebe Autos und wollte letztes Jahr eigentlich nach meinem Realschulabschluss eine Ausbildung zum KFZ-Mechaniker machen“, erzählt Corvin Uwakwe aus Gladbeck. Das hat im ersten Anlauf aber nicht geklappt. Daraufhin hat seine Mutter dem heute 16-Jährigen sanft aber bestimmt vorgeschlagen, ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Eduard-Michelis Haus zu machen. Sie selbst arbeitet in dieser Senioreneinrichtung am Rande der Gladbecker Innenstadt und kennt die Angestellten und das Haus mit seinen 120 Bewohnerinnen und Bewohnern und 170 Mitarbeitenden ganz gut. Um ja nicht wieder die Schulbank drücken zu müssen, hat Corvin sich bei der Einrichtung beworben.  Kein Einzelfall für Birgitta Kelbch, die als pädagogische Leiterin der Freiwilligendiensten im Bistum Essen, rund 356 Plätze im Freiwilligen Sozialen Jahr oder im Bundesfreiwilligendienst in katholischen Sozialeinrichtungen zwischen Duisburg, Bochum und dem Märkischen Sauerland betreut: „Viele Bewerberinnen und Bewerber nutzen die Zeit, um sich über ihren weiteren Ausbildungs- und Berufsweg Klarheit zu verschaffen oder sinnvoll Wartezeiten zu überbrücken.“

Ganz klassisch hat der begeisterte Basketballspieler eine Bewerbungsmappe eingereicht und konnte nach einem Vorstellungsgespräch seinen Dienst am ersten Oktober antreten. „Bewerbungen können bei uns online oder per Post eingereicht werden“, erklärt Birgitta Kelbch, pädagogische Leiterin bei den Freiwilligendiensten im Bistum Essen, das Bewerbungsverfahren. „Wir benötigen auf jeden Fall auch unseren Bewerbungsbogen, eine Kopie des letzten Zeugnisses und einen Lebenslauf.“ Ist die Bewerbung eingegangen, wird ein erstes telefonisches Informationsgespräch geführt. „Im Anschluss daran vermitteln wir nach Interesse und Möglichkeit in eine potentielle Einsatzstelle. Oder die Jugendlichen kennen eine Einsatzstelle und machen es wie Corvin und bewerben sich dort und werden von dort an uns vermittelt.“ Ein Einstieg ist jeweils zum Beginn und zur Mitte des Monats möglich.

Grundsätzlich seien die Freiwilligendienste für alle etwas, die gerne mit Menschen zusammenarbeiten. Deswegen können sich alle bewerben, die an einem Einsatz im sozialen Bereich interessiert sind, wie Betreuung, Hauswirtschaft, Verwaltung, Pflege oder der handwerkliche Bereich. Das Jahr besteht aus der angeleiteten praktischen Arbeit in einer Einsatzstelle und aus begleitenden Seminaren in einer festen Kursgruppe.

„Ich konnte mich im Umgang mit Menschen ausprobieren. Das war super.“

 „Es war toll zu erkennen, dass ich ziemlich gut mit Menschen umgehen kann. Das war mir vorher nicht so bewusst“, freut sich Corvin über seine Erfahrungen. Er arbeitet fest in einer Gruppe mit zehn Seniorinnen und Senioren im sozialen Dienst. So kümmert er sich um die Mahlzeiten und vertreibt sich mit den Bewohnerinnen und Bewohnern bei Bingo, Kegeln und Rätselspielen die Zeit. Und unterhält sich mit den Leuten. „Wenn Geschichten aus deren Kindheit oder Erlebnisse aus dem Zweiten Weltkrieg erzählt werden, ist das schon sehr spannend. Ich konnte mich im Umgang mit Menschen ausprobieren. Das war super. Und nein, kein verlorenes Jahr. Im Gegenteil.“ 

Begeistert haben Corvin auch die fünf Seminarwochen mit anderen FSJlerinnen und FSJlern. „Die waren sehr cool. Wir haben die nicht nur was gelernt und uns über unsere Erfahrungen unserer Einsatzstellen von Kita bis Altenheim ausgetauscht. Ich habe auch viele neue Freundschaften geknüpft.“ Und das nicht nur in seiner Altersgruppe, sondern auch bei den Bewohnerinnen und Bewohnern des  Eduard-Michelis Hauses: „Es ist doch klasse, dass ein junger Mann hier im Haus ist“, freut sich Irene Oprotkowitz, die seit drei Jahren im Haus wohnt, über die Anwesenheit Corvins. Und schwärmt: „Er ist ein lieber, netter, zuvorkommender junger Mann“, was Corvin die Röte ins Gesicht treibt. 

Dass er sich ums Essen kümmert und zusieht, dass die Gemeinschaftsräume sauber sind, macht den 16-Jährigen für die 77-Jährige nicht so wertvoll. „Er hört zu und nimmt sich Zeit für uns. Ich kann bei ihm mein Herz ausschütten und meine Sorgen von der Seele reden. Wenn er nicht mehr da ist, was dann? Wer ist dann mein Kummerkastenonkel?“, schaut sie sorgenvoll auf Ende Juli. Dann endet Corvins FSJ, zwei Monate früher als geplant. Am ersten August beginnt seine Ausbildung zum Mechatroniker. „Na klar ist das möglich“, erklärt Kelbch die FSJ-Verkürzung. „Wenn sich für die Freiwilligen die Gelegenheit zu Ausbildung und Studium bietet, lassen wir sie natürlich ziehen.“ Wenn auch schweren Herzens.

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news-19842 Mon, 23 May 2022 18:41:20 +0200 Bistum Essen lässt es auf dem Katholikentag wimmeln https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bistum-essen-laesst-es-auf-dem-katholikentag-wimmeln Ruhrbistum präsentiert sich von Donnerstag bis Sonntag auf dem 102. Deutschen Katholikentag auf zahlreichen Veranstaltungen – und an seinem Stand mit einem bunten Gruß aus der Heimat. Egal wie viele Menschen ab Donnerstag, 26. Mai, tatsächlich zum Katholikentag nach Stuttgart kommen – am Stand des Bistums Essen wird es nur so wimmeln. Denn die Dekoration und das Thema im Zelt des Bistums auf der Stuttgarter Kirchenmeile ist die bunte Doppelseite über die Kirche an Rhein, Ruhr und Lenne aus dem Wimmelbuch „Unterwegs im Ruhrgebiet“. Sie zeigt die große Vielfalt des Ruhrbistums und soll zum Gespräch mit Gästen aus der ganzen Bundesrepublik anregen. Zudem können die Gäste das Gewimmel noch erweitern: Zeichner Jesse Krauß aus Gelsenkirchen sitzt parat, um auf Vorschlag der Besucherinnen und Besucher das zu ergänzen, was (oder wer) auf dem Bild noch fehlt. Eine Kamera filmt Krausz bei der Arbeit und überträgt das Bild auf Monitore – dort sind dann später auch die digitalen Wimmelbild-Updates zu sehen. Traditionell gestalten Verantwortliche des Ruhrbistums den Stand gemeinsam mit dem Diözesanrat der katholischen Frauen und Männer im Bistum Essen – dem höchsten Laiengremium – und der Bank im Bistum Essen. Auf der Stuttgarter Kirchenmeile trägt die Essener Bistums-Präsenz die Nummer 2-SG-03.

Von der Diskussion über faire Arbeit bis zum Chorworkshop

Auch bei den knapp 1500 Veranstaltungen, die den Besucherinnen und Besuchern des 102. Deutschen Katholikentags offen stehen, ist das Bistum Essen mit zahlreichen Themen und Personen vertreten. Dabei reicht die Spanne von großen Podiumsdiskussionen, bei denen zum Beispiel Bischof Franz-Overbeck über „Arbeit fairteilen“ oder Generalvikar Klaus Pfeffer bei der Veranstaltung „#AdultsToo“ über Missbrauch an Erwachsenen im Raum der Kirche diskutiert, über verschiedene Gottesdienstformate bis hin zu Konzerten und Musik-Workshops. So lädt Gregor Schemberg, Kirchenmusiker der Gelsenkirchener Pfarrei St. Hippolytus, zur Werkstatt „Chorstücke als Vertiefung von liturgischen Texten“ ein und die „Werktagskapelle“ der Gemeinde Hl. Familie auf der Essener Margarethenhöhe spielt unter der Überschrift „Wir können auch Feier-tags“ ein Konzert im Rahmen des Stuttgarter Kulturprogramms.

Innovative Themen der Kirchenentwicklung

Zahlreiche Fachleute aus der Bistumsverwaltung und den Pfarreien wurden als Referentinnen und Referenten für Katholikentagsveranstaltungen gerade zu innovativen Themen der Kirchenentwicklung angefragt. So präsentieren Theersa Kohlmeyer, Leiterin der Abteilung Liturgie und Glaubenskommunikation, und Ökumene-Referent Volker Meißner die neu aufgelegte Handreichung für ökumenische Tauffeiern, Weihbischof Ludger Schepers diskutiert über „Frauen an die Macht – Männer in die zweite Reihe“, der Bochumer Pastoralreferent Alexander Jaklitsch stellt die ökumenischen Segensfeiern für Neugeborene vor und Andrea Qualbrink, Co-Leiterin des neuen Bereichs Pastoralentwicklung, spricht auf dem Podium „Groß oder klein?“ über unterschiedliche Kirchenstrukturen. Auf dem Podium „Was mich medial nicht erreicht, das gibt’s auch nicht“ berichtet Jens Albers über die Kommunikationsarbeit im Bistum Essen – und Anke Maria Wolf, Gemeindeleiterin aus Bochum, stellt unter der Überschrift „Keine Angst vor Online- und Hybridgottesdiensten“ praktische Erfahrungen aus den Corona-Lockdowns sowie „Tipps und Kniffe für Anfänger“ vor.

Bischof Overbeck beim kabarettistischen Tagesrückblick

„Was wir noch zu sagen hätten …“ lautet zudem der Titel des großen Podiums zu „Christ:innen zwischen Abschiedstour und Aufbruch“ – eine der vielen Veranstaltungen mit Professor Sellmann und anderen Wisschenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Katholisch-Theologischen Fakultät der Ruhr-Uni Bochum. Eines der wirklich letzten Worte vor dem großen Abschlussgottesdienst am Sonntag (10 bis 11.30 Uhr live im ZDF) dürfte indes Bischof Overbeck gehören, der am späten Samstagabend Gast bei „Late Night“ ist, dem kabarettistischen Tagesrückblick.

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news-19841 Mon, 23 May 2022 12:38:36 +0200 Bischof Overbeck besucht rum-orthodoxe Gemeinde in Essen https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bischof-overbeck-besucht-rum-orthodoxe-gemeinde-in-essen Gottesdienst in der ehemaligen katholischen Kirche Pax Christi, die seit Oktober 2020 von der vor allem aus syrischen Christen bestehenden orthodoxen Gemeinde genutzt wird. Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck hat am Sonntag den Gottesdienst der rum-orthodoxen Gemeinde in der ehemaligen katholischen Kirche Pax-Christi in Essen-Bergerhausen besucht und das gute Miteinander zwischen katholischen und rum-orthodoxen Christen betont. „Beide Kirchen haben unterschiedliche Traditionen, aber das gleiche Ziel: den Glauben an Jesus Christus zu fördern“, sagte Overbeck im Anschluss an den Gottesdienst in der gut gefüllten Pax-Christi-Kirche. Neben Erzpriester Elisa Esber, dem Leiter der Gemeinde, war auch Metropolit Isaak Barakat nach Essen gekommen, der rund 45.000 rum-orthodoxe Gläubige in Essen, Österreich und den Niederlanden vertritt. Auch der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) und Bezirksbürgermeister Hans-Peter Huch (CDU) nahmen an dem Gottesdienst teil.

Die rum-orthodoxe Gemeinde besteht zu einem großen Teil aus Christen, die vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen sind. Seit 2015 hatte die Gemeinde zunächst die Rüttenscheider Kirche St. Ludgerus für ihre Gottesdienste mitbenutzen dürfen. Im Oktober 2020 übernahm sie dann die denkmalgeschützte Kirche Pax Christi in Bergerhausen, die die katholische Pfarrei St. Laurentius als Gottesdienststandort aufgegeben hatte. Seitdem ist die Gemeinde deutlich gewachsen: Nach 200 Gläubigen beim ersten Gottesdienst in Rüttenscheid zählt Erzpriester Esber heute weit mehr als 800 Menschen zu seiner Gemeinde, die aus dem ganzen Ruhrgebiet zu den Angeboten in Bergerhausen kommen. „Wir bauen hier weiter an unserem Haus“, sagte Metropolit Isaak mit Blick auf die von der katholischen Gemeinde übernommene Kirche. „Wir wollen bleiben und hier weiter wachsen.“ Neben den Gottesdiensten engagiert sich die Gemeinde stark in der Jugendarbeit. Unter anderem hat auch der Pfadfinderstamm der rum-orthodoxen Gemeinde in Bergerhausen ein neues Zuhause bezogen.

Der Metropolit dankte Bistum und Stadt Essen sowie der Pfarrei St. Laurentius für die große Unterstützung der Essener Gemeinde und lenkte den Blick auf den Namen der Kirche „Pax Christi“, der Friede Jesu Christi. „Als Christen sind wir verpflichtet, uns für den Frieden einzusetzen.“ Dies gelte überall. Viele Gemeindemitglieder seien vor dem syrischen Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen, sie könnten das Leid der Menschen, die nun vor dem Krieg in der Ukraine fliehen, gut nachvollziehen.

Den Gedanken des Friedens griff auch Bischof Overbeck auf. Er berichtete von seinen Erfahrungen als deutscher Militärbischof im Irak und an der dortigen Grenze zu Syrien und betonte: „Es muss alles dafür getan werden, dass auch dort wieder Frieden herrscht, vor allem ein Frieden unter den Religionen.“ Für den könne man sich auch im Kleinen engagieren, zum Beispiel durch ein gutes und friedliches Zusammenleben im Ruhrgebiet.

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news-19840 Mon, 23 May 2022 12:28:09 +0200 Adveniat: „Ein Armuts-Tsunami hat Lateinamerika schwer getroffen“ https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/adveniat-ein-armuts-tsunami-hat-lateinamerika-schwer-getroffen Hilfswerk zieht Bilanz für das Jahr 2021. Leid und Hunger der Menschen in Lateinamerika dürfe auch angesichts des „schrecklichen Angriffskrieges auf die Ukraine“ nicht vergessen werden, sagte Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck. „Lateinamerika ist zurück auf der Weltkarte des Hungers.“ Adveniat-Bischof Franz-Josef Overbeck hat bei der Bilanzpressekonferenz des Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat darauf hingewiesen, wie verheerend sich bis heute die Corona-Pandemie auf die Menschen in Lateinamerika auswirkt. Die Adveniat-Partnerinnen und -Partner setzten sich bis zur Erschöpfung für die Armen ein. Deren Leiden und Hungern dürfe auch angesichts des „schrecklichen Angriffskrieges auf die Ukraine“ nicht vergessen werden. „Die Corona-Pandemie zeigt, dass Gesundheit und Gesundheitsschutz Themen von globaler Bedeutung sind und darum auch global betrachtet werden müssen. Deshalb sei es nur folgerichtig, dass Adveniat die kommende bundesweite Weihnachtsaktion der Katholischen Kirche unter das Motto ‚Gesundsein fördern‘ gestellt hat, so Overbeck.

10 Millionen Euro als Nothilfe für für Lebensmittel und Hygieneartikel

„Ein Armuts-Tsunami hat Lateinamerika im vergangenen Jahr schwer getroffen“, so die Bilanz des Adveniat-Hauptgeschäftsführers Pater Martin Maier. Die Ursachen: Gewalt, kriminelle Staatsführung in vielen Ländern, Extremwetter-Ereignisse infolge des vom Menschen verursachten gefährlichen Klimawandels und Ernteausfälle sowie die Corona-Pandemie. Die Folgen: Unvermindert machen sich Flüchtlingstrecks mit tausenden Verzweifelten auf den Weg in Richtung Norden und in ganz Lateinamerika suchen Menschen im Müll nach Essensresten. „Adveniat hat seit Ausbruch der Corona-Pandemie seinen Partnerinnen und Partnern in Lateinamerika allein für Lebensmittel und Hygieneartikel 10 Millionen Euro in rund 580 Projekten zur Verfügung gestellt, um die ärgste Not zu lindern“, sagte Pater Maier und stellte klar: Das Lateinamerika-Hilfswerk setzt sich weiterhin für einen gerechten Zugang zu Impfstoff-Patenten für ärmere Länder ein. In Guatemala seien beispielsweiseAnfang April fast zwei Drittel der Bevölkerung nicht geimpft gewesen. Nicht weil sie nicht wollten, sondern weil Impfdosen fehlen und das marode Gesundheitssystem seine Menschen nicht schütze.

Medizinische Hilfe für Arme durch Gemeindemitglieder, Ordensleute und Priester

Für Adveniat-Geschäftsführerin Tanja Himer liegt es angesichts dieser dramatischen Lage auf der Hand die Gesundheitsversorgung in Lateinamerika zum Aktionsthema zu machen. „Jedes zweite Kind in Guatemala ist unterernährt. In Bolivien lassen engagierte Gemeindemitglieder, Ordensleute und Priester den Armen medizinische Hilfe zukommen und retten nicht nur in der Corona-Pandemie Leben“, erläuterte Himer die Gründe, die kommende Adveniat-Weihnachtsaktion unter das Motto „Gesundsein fördern“ zu stellen. Lateinamerika befinde sich in einer dramatischen humanitären Krise. „Dank unserer Projektpartnerinnen und -partner durchbrechen wir die Spirale von mangelnder Gesundheitsversorgung, Hunger und Armut. Gesundheitshelfer werden ausgebildet, sie besuchen Kranke und Familien. Kirchliche Krankenhäuser und Gesundheitsstationen sind die Hoffnung der Armen.“

Menschen spenden auch außerhalb der Weihnachtsmessen für Adveniat

Angesichts der Corona-Pandemie und ihrer Folgen zog die Adveniat-Geschäftsführerin für das Geschäftsjahr vom 1. Oktober 2020 bis zum 30. September 2021 eine Bilanz, die sich durchaus sehen lasse könne. „Obwohl viele Weihnachtsgottesdienste ausgefallen sind oder nur von wenigen besucht wurden, konnten wir auf die hohe Spendenbereitschaft unserer Spenderinnen und Spender zählen“, berichtete Himer. Die Einnahmen aus den Sammlungen in den Weihnachtsgottesdiensten hätten sich zwar auf 11,95 Millionen nahezu halbiert. Dennoch sei es gelungen, den Rückgang der Gesamteinnahmen aus Kollekten, Zuwendungen und Spenden auf zehn Prozent zu begrenzen: von 48,61 Millionen Euroim Geschäftsjahr 2020 auf 43,67 Millionen Euro 2021. „Der Höchststand bei den Einzelspenden in Höhe von 19,65 Millionen Euro und der Weiterleitungsspenden in Höhe von 2,5 Millionen Euro bedeutet einen Zuwachs von 6,4 Millionen Euro. Es ist uns also gelungen, in der Corona-Pandemie mit Kreativität und neuen Formaten unsere Spenderinnen und Spender auch außerhalb der weihnachtlichen Gottesdienste zu erreichen“, betonte die Adveniat-Geschäftsführerin. „Dank dieser Solidarität konnten wir 1.500 Projekte mit 29,3 Millionen Euro in Lateinamerika und der Karibik fördern.“

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news-19839 Sun, 22 May 2022 11:58:30 +0200 Bischof Overbeck beauftragt 44 neue Religionslehrerinnen und -lehrer https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bischof-overbeck-beauftragt-44-neue-religionslehrerinnen-und-lehrer Im Essener Dom überreichte der Ruhrbischof den neu ausgebildeten Pädagoginnen und Pädagogen ihre „Missio Canonica“, die kirchliche Lehrbeauftragung und -erlaubnis. Bischof Franz-Josef Overbeck hat am Samstagabend im Essener Dom 44 neuen Religionslehrerinnen und -lehrern ihre kirchliche Lehrbeauftragung überreicht. Die „Missio canonica“ ist die nach dem Kirchenrecht erforderliche Erlaubnis, den Glauben zu verkünden und Religionsunterricht zu erteilen.

Religionslehrerinnen und Religionslehrer seien heute vielfach in einer Welt vieler verschiedener Glaubensbekenntnisse tätig, vielleicht auch konfrontiert mit „einer Zurückhaltung, sich überhaupt zu Gott zu bekennen oder jener klaren Absage an ein Gottesbekenntnis“, sagte Bischof Overbeck. „Es ist aber auch jene Welt, die neu danach fragt, was es heißt, den Glauben zu bekennen und ihn dabei nicht als einen Widerspruch zur Vernunft zu verstehen, sondern so, dass dieser Glaube sich mittels der Vernunft in einem ganz besonderen Verhältnis zu uns entschlüsselt.“ Darum reiche es nicht aus, im Religionsunterricht einzig aufgrund von Ausbildung und Prüfungen einen normalen Lehrerdienst zu tun. Vielmehr müssten die Lehrkräfte auch durch die kirchliche Sendung qualifiziert sein, durch die „Missio canonica“, die Overbeck jeder Lehrerin und jedem Lehrer persönlich überreichte. „Sie tun ihren Dienst als Männer und Frauen der Kirche, die als Ganzes der Garant für die Vernunftgemäßheit unseres Glaubens und für die Glaubensfähigkeit der Vernunft ist“, betonte der Bischof.

Die meisten der 44 neuen Lehrkräfte unterrichten an Gymnasien und Gesamtschulen (19), 11 an Grundschulen, 6 an Haupt-, Real- und Sekundarschulen, 5 an Berufskollegs und zwei an Förderschulen. 36 der Lehrkräfte sind Frauen, acht Männer.

Overbeck wirbt für ökumenische Offenheit im Religionsunterricht

Mit Blick auf das künftige Berufsfeld der frisch ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer hob Overbeck hervor, dass „Formen geregelter und begrenzter konfessioneller Kooperation im Religionsunterricht nicht nur aus pragmatischen Gründen notwendig, sondern aus inhaltlichen Gründen begrüßens- und wünschenswert sind“. Overbeck warb für eine „wachsende ökumenische Offenheit“ im konfessionell bestimmten Religionsunterricht, „um dem Ziel der Hinführung zu einer gesprächsfähigen konfessionellen Identität bei kultureller Offenheit und nicht Abgeschottenheit zu dienen“.

Vor dem Hintergrund des Kriegs in der Ukraine zeige sich im Religionsunterricht die Chance, „im Gegenlicht zu einem autoritativen System zu zeigen, dass das Christentum für die Freiheit, Gleichheit und Geschwisterlichkeit aller Menschen einsteht, ebenso für das Recht als Grundlage von Gerechtigkeit und Solidarität, wie auch für eine globale Vernetzung und der Wahrung der Würde eines jeden Menschen“, schlug Overbeck vom Religionsunterricht einen Bogen zur aktuellen Politik. „Was in einem solchen Geist geschieht, das unterstützt zugleich den Frieden, den wir miteinander leben.“

Overbeck dankte den jungen Pädagoginnen und Pädagogen „für Ihren Mut, aber auch für Ihre Demut“, sich dem Dienst als Religionslehrerkräfte zu stellen. Ein Dienst, „der die große Klammer für die Inhalte ist, die Sie vermitteln, für die Glaubwürdigkeit, die Sie ausstrahlen, und für die Mühen von menschlicher Nähe und Begleitung der Schülerinnen und Schüler, die dem Wesen Ihres Daseins als Religionslehrerin und Religionslehrer angehört“.

Predigt des Bischofs

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news-19838 Sun, 22 May 2022 11:06:53 +0200 Heinrich-Brauns-Preis für IG BCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/heinrich-brauns-preis-fuer-ig-bce-vorsitzenden-michael-vassiliadis Bischof Overbeck: Große Gegenwarts- und Zukunftsthemen müssen in globaler Verbundenheit gestaltet werden. Der Vorsitzende der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE), Michael Vassiliadis, ist mit dem Heinrich-Brauns-Preis des Bistums Essen ausgezeichnet worden. „Durch sein Wirken macht er deutlich, dass große Gegenwarts- und Zukunftsthemen in europäischer, ja globaler Verbundenheit gestaltet werden müssen“, sagte Bischof Franz-Josef Overbeck am Samstag bei der Preisverleihung in der Katholischen Akademie Die Wolfsburg in Mülheim an der Ruhr.

Indem sich Vassiliadis diesen Fragen stelle, greife er auch zwei global bedeutsame Perspektiven der christlichen Gesellschaftslehre auf: globale Verantwortung und die Bewahrung der Schöpfung. „Durch sein Handeln, das sich einem Bild vom Menschen als sozialer Person verpflichtet weiß, lässt er das Kernanliegen von Heinrich Brauns heute praktisch werden“, sagte Overbeck.

Der Heinrich-Brauns-Preis gilt der christlich-sozialen Bewegung

Mit dem 1978 vom ersten Essener Bischof, Franz Hengsbach, gestifteten Preis ehrt das Ruhrbistum Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise im Geiste des Priesters und Sozialpolitikers Heinrich Brauns um die Katholische Soziallehre und die christlich-soziale Bewegung verdient gemacht haben. Der Heinrich-Brauns-Preis ist mit 10 000 Euro dotiert.

Heinrich Brauns sei „kein Verwalter“ gewesen, sondern „ein Gestalter in Zeiten des Umbruchs“, sagte Akademiedirektorin Judith Wolf in ihrem Grußwort. Er trieb „beharrlich und mit einem Kurs der Mitte die Integration der Arbeiter in die Gesellschafts- und Staatsordnung" voran, so Wolf. „Der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und dem Ausbau des Arbeitsrechts galt seine oberste Priorität.“ Über die inflationsbedingten Krisenjahre der Weimarer Republik hinweg habe er die Sozialversicherung verteidigt.

Immer noch geht es um Solidarität zwischen Verlierern und Gewinnern

Die Laudatio hielt die ehemalige Gewerkschafterin im DGB-Bundesvorstand und frühere saarländische Arbeits- und Sozialministerin Regina Görner (CDU). Sein Leben als Gewerkschafter habe eines von Anfang an begleitet: „Immer noch geht es darum, Solidarität zu stiften zwischen denen, die besser wegkommen können als andere, zwischen den Modernisierungsverlierern und Modernisierungsgewinnern, und neuerdings auch zwischen den Bewohner:innen der analogen und digitalisierten Welt“, sagte Görner.

Die Gewerkschaftsbewegung könne sich leider nicht darauf verlassen, „dass Solidarität zur Natur des Menschen gehört, wie das die christliche Soziallehre betont: Wir müssen dafür sorgen, dass diese Natur überhaupt erst zum Wirken gebracht wird“, unterstrich Görner. Sie bedauerte, dass in der christlichen Gesellschaftslehre die Arbeit an innovativen Unternehmensverfassungen und Mitbestimmungsrechten zum Erliegen gekommen sei.

Das Motto Heinrich Brauns – „Wir sind auf der Welt, nicht bloß um die Dinge zu ertragen, sondern um sie zu gestalten.“ – passe daher so gut zu Vassiliadis, sagte Görner, „auch wenn du kein Christlich-Sozialer bist, sondern ein in der Wolle gefärbter Sozialdemokrat.“ „Aber du bist Einheitsgewerkschafter, und deshalb ging es für Dich immer darum, die Welt zu gestalten.“

Das Preisgeld gibt Vassiliadis an soziale Vereine im Ruhrgebiet

Vassiliadis, der auch Präsident des europäischen Verbunds der Industriegewerkschaften IndustriAll Europe ist, hatte bereits nach der Zuerkennung der Auszeichnung angekündigt, das Preisgeld spenden zu wollen. Das Geld soll zu gleichen Teilen zwei Vereinen im Ruhrgebiet zu Gute kommen, dem Verein für Kinder- und Jugendarbeit in sozialen Brennpunkten Ruhrgebiet und dem Verein Paten für Arbeit in Essen.

Zu den Preisträgern gehören unter anderem der frühere Bundesverfassungsrichter Paul Kirchhof, der ehemalige Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU), der polnische Politiker Wladyslaw Bartoszewski, der ehemalige Premierminister Luxemburgs und Ex-Präsident der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, und der frühere Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider.

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news-19837 Fri, 20 May 2022 15:52:40 +0200 Weihbischof Schepers feiert ökumenischen Gottesdienst zum DFB-Pokalfinale https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/weihbischof-schepers-feiert-oekumenischen-gottesdienst-zum-dfb-pokalfinale Zusammen mit Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, und weiteren Vertreterinnen und Vertretern aus Kirchen und Sport feierte Schepers vor dem Anstoß zwischen Freiburg und Leipzig einen Gottesdienst in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche. (Foto: epd-bild/Christian Ditsch) Auch wenn der VFL Bochum als letzter nordrhein-westfälischer Club im aktuellen DFB-Pokal bereits im Viertelfinale ausgeschieden war, ist NRW zumindest im ökumenischen Gottesdienst vor dem Finalspiel in Berlin am Samstag, 21. Mai, vertreten gewesen: Weihbischof Ludger Schepers aus dem katholischen Ruhrbistum und Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland und Sportbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), leiteten gemeinsam die Feier in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche am Breitscheidplatz –  dort, wo sich traditionell viele Fußballfans treffen, bevor es zum Anstoß ins Olympiastadion geht.

„Entscheidend ist auf?m Platz?“ war das Leitthema des sportlich gestalteten Gottesdienstes, an dem neben DFB-Präsident Bernd Neuendorf auch die aus dem Bistum Essen stammende Sportseelsorgerin der Deutschen Bischofskonferenz, Elisabeth Keilmann, und die Vorstandsmitglieder des EKD-Arbeitskreises Kirche und Sport, Inga Rohoff und Peter Noss mitwirkten. Zudem sprachen Volunteers, Fans, Schiedsrichter und Polizeivertreter jeweils eine Fürbitte in der Feier, die seit vielen Jahren eine feste Tradition am Finaltag in der Hauptstadt ist. Nach einer Coronapause mit Videoandachten in den vergangenen beiden Jahren konnte der ökumenische Gottesdienst nun wieder in Präsenz und mit vielen Teilnehmerinnen und Teilnehmern gefeiert werden – so wie das anschließende Pokalfinale zwischen dem SC Freiburg und RB Leipzig.

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news-19836 Fri, 20 May 2022 10:00:00 +0200 Die lachenden Schwestern von Borbeck https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/die-lachenden-schwestern-von-borbeck „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“ – das Gute-Laune-Motto des Ordensgründers Don Bosco zusammen mit Maria Mazzarello gilt noch heute. Sie war seinerzeit die erste deutsche Dependance des in Italien gegründeten Ordens. „Die lachenden Schwestern von Borbeck“ wurden sie genannt, die sechs Don Bosco-Schwestern, die 1922 mit ein paar Stühlen, aber ohne Tisch und wenig sonstiger Habe in eine aufgegebene Gaststätte im Essener Westen zogen, um sich auf bemerkenswert fröhliche Art um benachteiligte Kinder und Jugendliche aus Arbeiterfamilien zu kümmern. Sie gründeten damals die erste deutsche Niederlassung des in Italien entstandenen Ordens. Ihr 100-jähriges Jubiläum haben die drei heute noch ansässigen Essener Schwestern am vergangenen Samstag mit einem Hoffest für Jung und Alt auf dem Gelände ihrer Kindertagesstätte gefeiert.

Liebenswürdigkeit und Fröhlichkeit

Das Jubiläum als „Hoffest“ war mit Bedacht geplant in Erinnerung an den Ordensgründer Don Bosco, der im 19. Jahrhundert im norditalienischen Turin die Hinterhöfe öffnete, um Kindern einen behüteten Anlaufpunkt und Perspektiven fürs Leben zu bieten. Das bekannte Lebensmotto des Heiligen „Fröhlich sein, Gutes tun und die Spatzen pfeifen lassen“ setzt dem Orden heute noch Maßstäbe und wurde sicher auch von der ebenfalls heiliggesprochenen Maria Mazzarello geteilt, die 1872 mit ihm gemeinsam die Ordensgemeinschaft der Don Bosco-Schwestern gründete. Denn in guter Stimmung mit Kindern die Zeit zu verbringen und ihnen zu signalisieren: „Ich bin gern bei euch“, das ist auch das Kennzeichen der heutigen  Borbecker Don Bosco-Kindertagesstätte, in der 90 Kinder aus 27 Nationen spielen und lernen. „Liebenswürdigkeit war ein wichtiger Begriff für Don Bosco“, erklärt Schwester Birgit Holtick (62), Leiterin der Essener Gemeinschaft.

Birgit Holtick war bis 2017 in die Arbeit des Jugendhauses St. Altfrid in Essen-Kettwig  eingebunden und ist nun in der Jugend- und Familienseelsorge der Pfarrei St. Dionysius in Borbeck tätig. Ihre Mitschwester Rita Breuer (58) ist Altenheim-Seelsorgerin in Einrichtungen der Nikolaus-Groß-Stiftung. Die Dritte der Borbecker Schwestern, Birgit Baier (66), leitet die „Missionsprokur“ – die Fundraising-Stelle der Don Bosco-Schwestern, die in den deutschsprachigen Ländern Spenden sammelt für Entwicklungshilfeprojekte der Kongregation, die auf fünf Kontinenten vertreten ist und ihr Zentrum in Rom hat. Schwester Birgit ist exzellent vernetzt: Zu Beginn des Ukraine-Krieges konnte sie spontan 3.000 Adressen aus dem Hut ziehen, um Geld für die soziale Arbeit der Mitschwestern im Kriegsgebiet zu erbitten.

In direkter Nachbarschaft zu den Salesianern Don Boscos

Die drei Schwestern leben in direkter Nachbarschaft zu den Salsesianern Don Boscos, die das Gymnasium nebenan betreiben. In den 1920er Jahren hatten die Salesianer in Borbeck zunächst ein Knabenheim gegründet, in dem Jugendliche während ihrer Ausbildungszeit wohnten. Die ersten Don Bosco-Schwestern sollten hier vor allem den Haushalt führen, sammelten in ihrer gutgelaunten Art aber schnell die Mädchen des Stadtteils um sich und gründeten noch vor dem zweiten Weltkrieg einen Kinderhort, in dem 60 Kinder während der Arbeitszeit ihrer Eltern beaufsichtigt und beschäftigt wurden. Nach dem Krieg wurden Schule und Kindergarten gebaut, und die Schwesterngemeinschaft konnte bis in die 1980er Jahre viele Ordenseintritte verzeichnen.

Ebenso wie anderen Kongregationen fehlt den Don Bosco-Schwestern in Essen heute der Nachwuchs. Ihr Haus hat 14 kleine Einzelzimmer: „Praktisch für uns, wenn wir spontan größere Jugendgruppen über Nacht unterbringen müssen“, sagt Schwester Birgit Holtick. „Aber langfristig muss natürlich eine tragfähige Perspektive für die Gemeinschaft und das Gebäude gefunden werden.“ Die internationale Vernetzung kann dabei helfen: Mit rund 11.500 Mitgliedern in 96 Ländern der Welt gehören die Don-Bosco-Schwestern zu den größten Ordensgemeinschaften der katholischen Kirche.

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news-19835 Thu, 19 May 2022 09:10:31 +0200 Fluch oder Segen? – Chancen und Nebenwirkungen digitaler Prognostik in der Medizin https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/fluch-oder-segen-chancen-und-nebenwirkungen-digitaler-prognostik-in-der-medizin Bischof Franz-Josef Overbeck hat in der Bistumsakademie „Die Wolfsburg“ mit Fachleuten über Chancen und Nebenwirkungen digitaler Prognostik diskutiert. Dabei wurde deutlich: Der Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in der Medizin und im Gesundheitswesen ist eines der großen Zukunftsthemen, und eine ethische Abschätzung von Nutzen und Risiken für die Gesellschaft anspruchsvoll und schwierig. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hat die Wichtigkeit eines klug ausgestalteten ethischen Rahmens für den Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in Medizin und Gesundheitswirtschaft unterstrichen. „Entscheidungen, die ich ethisch treffe, müssen der Gerechtigkeit, der Solidarität dienen, dem Guten“, betonte Overbeck am Mittwochabend, 18. Mai, bei der Jahresveranstaltung des Rates für Gesundheit und Medizinethik im Bistum Essen in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim.

Kirche habe als gesellschaftliche Akteurin die Pflicht, ethische Leitlinien mitauszugestalten und in der Auseinandersetzung zu schauen, wie neue Technologien verantwortungsvoll entwickelt und eingesetzt werden können – zum Wohle der Menschheit. Dabei gehe es darum, „Ermöglichungsgründe zu nennen und auf Risiken hinzuweisen“. Im Hinblick auf die Autonomie des Menschen sagte Overbeck: „Es gibt einen Grad von Verantwortung, der nur personal zu bestimmen ist.“

Der Ruhrbischof diskutierte mit dem Nürnberger Ethiker für Gesundheitsberufe und Leiter der Fachstelle für Ethik und Anthropologie im Gesundheitswesen der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Arne Manzeschke, mit der Leiterin der nordrhein-westfälischen Landesvertretung der Techniker Krankenkasse (TK), Barbara Steffens, mit dem Wittener Bildungsforscher im Gesundheitswesen, Jan Ehlers, und mit Adriana Antje Reinecke vom VDI Technologiezentrum.

Die von Akademiedozent Mark Radtke moderierte Veranstaltung mit dem Titel „Die Zukunft digitaler Prognostik – Chancen und Nebenwirkungen für das Gesundheitswesen“ lief hybrid ab: mit einem Publikum vor Ort und Online-Teilnehmenden. In der Podiumsdiskussion ging es vor allem um die Fragen, was KI-Systeme tatsächlich leisten können, wo ihre Grenzen liegen sollten, welche ethischen Herausforderungen sich daraus ergeben und welche Kompetenzen es braucht, um mit KI-basierten Prognosen umzugehen.

Dass KI die Gesellschaft mit großer Dynamik verändert, darüber war sich das Podium einig. Medizin und Gesundheitswirtschaft seien zudem immer schon innovationsaffin, und KI und Robotik stellten nicht per se eine Gefahr dar. Wichtig sei aber eben, vor allem eine möglichst umfassende ethische Folgenabschätzung, die einen möglichen positiven Nutzen gegen mögliche Nachteile abwäge. Nicht technischen Fortschritt zu bremsen, gelte es, sondern diesen ethisch vertretbar auszuformen.

Ethiker: Am moralischen Subjekt als Verantwortungsträger festhalten

Der Ethiker Manzeschke plädierte dafür, das Bewusstsein dafür wachzuhalten, dass wir Menschen es sind, die diese Technologien konstruieren und verantworten und sie nach unseren Werten mitzugestalten – und zwar so, dass sie dem Menschen dienten.

Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz werfe etwa die Frage nach Verantwortung, Schuld und Haftung neu auf. Je komplexer eine Gesellschaft werde, desto schwieriger werde es, einen Einzelnen verantwortlich zu machen. Verantwortung werde „kollektiv verortet“, und es werde damit immer schwieriger am „moralischen Subjekt als Verantwortungsträger festzuhalten“.

Manzeschke wies zudem auf ein systematisches Problem hin. „Bei der Künstlichen Intelligenz wissen wir ab einem gewissen Grad nicht, was sie macht und warum, gleichwohl vertrauen wir ihr.“ Die Frage sei, wie wir damit umgehen wollten.

Gesundheitsdaten als Währung – Datensouveränität verteidigen

Die Leiterin der nordrhein-westfälischen TK Steffens betonte, dass die Wahrung der Selbstbestimmung über die eigenen Daten keine Selbstverständlichkeit sei. Datensouveränität müsse erkämpft und verteidigt werden. Steffens sensibilisierte auch für die ökonomische Perspektive. KI eröffne der Wirtschaft enorme Potenziale für die Entwicklung neuer Märkte und hoher Gewinne. Und: „Die Gesundheitsdaten sind die Währung – das ist ein knallharter Markt, wo große Tech-Konzerne Geld verdienen und Daten abgegriffen werden.“

Steffens zeigte auch deutlich die Grenzen auf: „KI kann nur das, was die Intelligenz der Menschen tatsächlich in sie einspeist“, sagte Steffens, die auch Mitglied des Rates für Gesundheit und Medizinethik ist.

Bewertung KI-basierter Prognosen erfordern digitale Kompetenz

Adriana Antje Reinecke vom VDI Technologiezentrum, das sich unter anderem mit Innovationen in der Medizintechnik befasst, gab einen kurzen Überblick über KI-Modelle und wo sie eingesetzt werden können. Beispielsweise in der Onkologie könnten KI-Modelle für bestimmte Tumorarten eine Risikoanalyse vornehmen, wie wahrscheinlich es sei, dass ein Mensch diesen Tumor bekomme. Eine große Stärke der KI sei es auch, Tumore anhand von Bildern zu charakterisieren. Und in der Medikamentenentwicklung könnte sie von großem Nutzen sein, weil sie immense Datenmengen in kürzester Zeit verarbeiten könne. Zur Bewertung und Einschätzung bedürfe es allerdings einer „digitalen Gesundheitskompetenz“.

Bildungsforscher: Nicht alles machen, was technisch möglich ist

Bildungsforscher Ehlers mahnte bei allen Verlockungen, die die technischen Möglichkeiten der KIs und Algorithmen in Aussicht stellten, immer zu fragen: „Was wollen wir als Gesellschaft denn eigentlich?“ Das Kriterium dürfe nicht sein, etwas zu tun, zu entwickeln oder einzusetzen, weil es technisch möglich sei, sondern, weil es für die Patient:innen einen belegbaren Mehrwert biete und Medizin dadurch besser werde. Die Gefahr bestehe, dass KI vom „Objekt zum Subjekt wird, dem wir immer mehr vertrauen“. Es brauche Reflektionskompetenzen für ethische Bewertungen und die Vermittlung von Handlungskompetenzen.

Zum Ende der Veranstaltung war klar: Die Debatte über Vor- und Nachteile von KI-Systemen in der Medizin und im Gesundheitswesen fängt gerade erst an – und sie ist vielschichtig. Gesellschaft und Kirche sind gefragt, sich in die kontroverse Aushandlung dieser anspruchsvollen Zukunftsfrage einzubringen. Der Rat für Gesundheit und Medizinethik fahnde hier nach den „richtigen Fragen“, die frühzeitig erkannt und diskutiert werden müssten, und den „richtigen Wegen zu Antworten“, hatte dessen Sprecher Dirk Albrecht zur Eröffnung der Veranstaltung gesagt.

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news-19832 Mon, 16 May 2022 14:06:29 +0200 Katholikenrat Bochum + Wattenscheid mit neuem Vorstand - Wandel in der Kirche mitgestalten https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/katholikenrat-bochum-wattenscheid-mit-neuem-vorstand-wandel-in-der-kirche-mitgestalten Auf der Vollversammlung des Katholikenrates Bochum + Wattenscheid wurde am 11. Mai ein neuer ehrenamtlicher Vorstand gewählt Auf der Vollversammlung des Katholikenrates Bochum + Wattenscheid wurde am 11. Mai ein neuer ehrenamtlicher Vorstand gewählt: Christian Schnaubelt folgt als Vorsitzender auf Lothar Gräfingholt, der 16 Jahre lang der Vertretung der Laien in der katholischen Stadtkirche vorstand. Dr. Ralf Nickel und Heike Zimmer wurden zu weiteren Vorstandsmitgliedern gewählt und nehmen damit die Arbeit von Dorothea Schönwälder und Christel Salk-Weimer auf. Zudem beriet der Katholikenrat über den Reformprozess „Synodalen Weg“ und verdeutlichte, dass die Katholikinnen und Katholiken den Wandel der Kirche aktiv mitgestalten wollen.

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news-19831 Mon, 16 May 2022 13:51:55 +0200 Ehemalige Gemeindereferentin Anneliese Kraemer verstorben https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/ehemalige-gemeindereferentin-anneliese-kraemer-verstorben Am Donnerstag, 12. Mai, ist die ehemalige Gemeindereferentin Anneliese Kraemer im Alter von 89 Jahren verstorben. Am Donnerstag, 12. Mai, ist die ehemalige Gemeindereferentin Anneliese Kraemer im Alter von 89 Jahren verstorben.

Die Verstorbene, die zuletzt im Caritas-Seniorenzentrum St. Teresa in Bottrop gewohnt hat, wurde am 15. August 1932 in Essen geboren. Nach ihrer Ausbildung am Seelsorgehelferinnenseminar in Elkeringhausen, begann Frau Kraemer im April 1959 ihren seelsorglichen Dienst in der seinerzeitigen Pfarrei St. Elisabeth in Bottrop.

Frau Kraemer hat in ihrer Gemeinde als Seelsorgerin die Frohe Botschaft Jesu verkündet und bei den Menschen Spuren hinterlassen. Ein besonderes Anliegen dabei war ihr die Begleitung der jungen Pfadfinderschaft. Im Jahr 1992 beendete sie ihren pastoralen Dienst und trat in den Ruhestand.

Solange es ihre Gesundheit zuließ, nahm Frau Kraemer an den Treffen der Berufsgruppe teil und hielt Kontakt zu ihren ehemaligen Kolleginnen.

Die Trauerfeier ist am Donnerstag, 19. Mai 2022, um 15.00 Uhr in der Kapelle des Westfriedhofes, Westring in Bottrop. Anschließend erfolgt die Beisetzung.

Die Heilige Messe wird für sie gefeiert am Freitag, 20. Mai 2022, um 9.00 Uhr in der Kirche St. Ludgerus, Birkenstraße 73 in 46242 Bottrop.

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news-19830 Mon, 16 May 2022 12:20:30 +0200 Raus aus der Krise: Die „Denkbar“ lädt zum Kreativitäts-Booster 2022 https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/raus-aus-der-krise-die-denkbar-laedt-zum-kreativitaets-booster-2022 Nach einer längeren Corona-Pause lädt die beliebte Gesprächsreihe des Bistums Essen am Mittwoch, 1. Juni, von 18.30 bis 21.30 Uhr in die Konferenzkirche „Lighthouse“ in Essen-Frohnhausen ein. Gerade in der Corona-Krise haben viele Gemeinden, Verbände und Initiativen neue Wege beschritten, Projekte gestartet, Angebote geschaffen und Lösungen gesucht und ausprobiert. Einige ausgewählte Beispiele dieser Neuaufbrüche stellt die „Denkbar“ am Mittwoch, 1. Juni, in der Konferenzkirche „Lighthouse“, Liebigstr.1 in Essen-Frohnhausen, vor. Von 18.30 bis 21.30 Uhr lädt die beliebte Gesprächsreihe des Bistums diesmal dazu ein, diese Neustarts in der Kirche kennenzulernen, vielleicht als Idee in die eigene Gemeinde oder den Verband mitzunehmen und gemeinsam mit den anderen „Denkbar“-Gästen zu überlegen, welche Spuren des künftigen Kircheseins sich in diesen Konzepten entdecken lassen.

Der Eintritt ist frei. Um eine Anmeldung bis Freitag, 20. Mai, bitten die Veranstalter per E-Mail.

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news-19829 Fri, 13 May 2022 16:24:15 +0200 kfd-Frauen engagieren sich beim Predigerinnentag https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/kfd-frauen-engagieren-sich-beim-predigerinnentag Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands lädt rund um den Tag der Apostelin Junia (17. Mai) wieder zum Predigerinnentag ein. Rund um den 17. Mai, dem Tag der Apostelin Junia, engagieren sich auch im Bistum Essen wieder zahlreiche Frauen beim Predigerinnentag der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd). In folgenden Gottesdiensten in Kirchen des Ruhrbistums werden haupt- und ehrenamtliche Seelsorgerinnen in den kommenden Tagen predigen:

  • Sonntag, 15. Mai, 9.30 Uhr, St. Theresia, Am Sundern 15, 58762 Altena Evingsen
    Sandra Schnell, Pfarrbeauftragte
  • Sonntag, 15. Mai, 11 Uhr, St. Matthäus, Lindenstr. 39, 58762 Altena
    Sandra Schnell, Pfarrbeauftragte
  • Sonntag, 15. Mai 2022, 19 Uhr im Essener Dom, Burgplatz, 45127 Essen
    Marlies Hennen-Nöhre, Geistliche Leiterin des kfd-Diözesanverbandes  
  • Sonntag, 15. Mai 2022, 19 Uhr, Luciuskirche, Luziusstr. 6, 45239 Essen-Werden
    Petra Cruse, Gemeindereferentin
  • Mittwoch, 18. Mai 2022, 18 Uhr, St. Johannes, Kemnastraße (14a / 16), 44866 Bochum-Wattenscheid-Leithe
    Elisabeth Hartmann-Kulla, ehrenamtliche Geistliche Leiterin kfd St. Pius Wattenscheid
  • Samstag, 21. Mai 2022, 18 Uhr, St. Barbara, Nöckersberg 69, 45257 Essen-Byfang
    Barbara Büllesbach-Weiß, ehrenamtliche Geistliche Leiterin der kfd St. Suitbert Essen-Überruhr, Andrea Mohr, ehrenamtliche Geistliche Leiterin der kfd St. Barbara Essen Byfang
  • Sonntag, 22. Mai 2022, 11.30 Uhr, St. Suitbert, Klapperstraße 70a, 45277 Essen-Überruhr
    Barbara Büllesbach-Weiß, ehrenamtliche Geistliche Leiterin der kfd St. Suitbert Essen-Überruhr, Andrea Mohr, ehrenamtliche Geistliche Leiterin der kfd St. Barbara Essen Byfang
  • Sonntag, 22. Mai 2022, 9.30 Uhr, Herz-Jesu, Kirchstr. 80, 58256 Ennepetal
    Maria Rüther, Gemeindereferentin
  • Sonntag, 22. Mai 2022, 9.45 und 11.15 Uhr, St. Franziskus, Rabenhorst 4, 45355 Essen-Borbeck
    Sabine Lethen , Pfarrbeauftragte
  • Sonntag, 22. Mai 2022, 11.15 Uhr, St. Josef, Himmelpforten 13, 45359 Essen-Frintrop
    Ulrike Fendrich, ehemalige Geistliche Leiterin des kfd-Diözesanverbands

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news-19828 Fri, 13 May 2022 13:55:44 +0200 Pfarrer Andreas Rose wechselt von Lüdenscheid zum Kloster Mariawald in die Eifel https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/pfarrer-andreas-rose-wechselt-von-luedenscheid-zum-kloster-mariawald-in-die-eifel Pfarrer Andreas Rose wird Ende September die Pfarrei St. Medardus in Lüdenscheid verlassen und anschließend die Geistliche Leitung im Kloster Mariawald übernehmen. Pfarrer Andreas Rose wird Ende September die Pfarrei St. Medardus in Lüdenscheid verlassen. Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck hat ihn für zunächst zwei Jahre für den Aufbau eines geistlichen Ortes im ehemaligen Trappistenkloster Mariawald in der Eifel freigestellt. In enger Kooperation mit dem Bistum Aachen, den Verantwortlichen für die Klosterkirche und dem Seminarzentrum Kloster Steinfeld will Andreas Rose als Geistlicher Leiter die ehemalige Abtei Mariawald „zu einem Ort machen, der die Menschen mit Gott und untereinander verbindet“, so Rose. Ziel sei es, „einen 500 Jahre alten geistlichen Ort neu zu erschließen und das klösterliche Erbe weltzugewandt weiter zu entwickeln“. Das von der Mariawald GmbH gepachtete Kloster-Ensemble wird derzeit saniert und soll künftig für Beherbergungen und Begegnungen genutzt werden.

Für die Lüdenscheider Pfarrei werden die Personalverantwortlichen des Bistums Essen in den kommenden Wochen eine Nachfolgelösung für die künftige Leitung der Pfarrei erarbeiten. Dies wird in guter Abstimmung mit den verantwortlichen Gremien von St. Medardus geschehen.“

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news-19820 Fri, 13 May 2022 13:18:00 +0200 Diversität in der Kirche: Veränderung gelingt vor allem durch Begegnung https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/diversitaet-in-der-kirche-veraenderung-gelingt-vor-allem-durch-begegnung Wie geht die Kirche mit transidenten und homosexuellen Menschen um? Darüber diskutierte Generalvikar Klaus Pfeffer in der Bistumsakademie „Die Wolfsburg“ mit Fachleuten und Betroffenen. Pfeffer hofft darauf, dass das umstrittenene kirchliche Arbeitsrecht noch in diesem Jahr verändert wird. Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer hofft, dass das kirchliche Arbeitsrecht in Deutschland etwa hinsichtlich der Anforderungen an das Beziehungsleben der Beschäftigten bis Ende des Jahres geändert ist. „Es ist wichtig, dass wir das Arbeitsrecht verändert bekommen, und ich hoffe, dass das noch in diesem Jahr gelingt“, sagte er am Mittwochabend in der Katholischen Akademie „Die Wolfsburg“ in Mülheim. „Wir sollten aus der Grundordnung für kirchliche Arbeitsverträge alles herausnehmen, was das private Beziehungsleben und die geschlechtliche Orientierung und Identität betrifft“, betonte Pfeffer bei der Veranstaltung „Kirche m/w/d – Für die Anerkennung geschlechtlicher Vielfalt“.

Ende Januar hatten sich in der Initiative „#OutInChurch“ 125 Mitarbeitende aus verschiedensten Bereichen der katholischen Kirche in Deutschland in einer bundesweit beachteten Kampagne als schwul, lesbisch oder anderweitig queer geoutet. Als Reaktion darauf hatten Generalvikar Pfeffer und Bischof Franz-Josef Overbeck rund 3800 Kirchenbeschäftigten im Bistum Essen in einem Brief versichert: „Die sexuelle Orientierung, das Eingehen einer zivilen gleichgeschlechtlichen Ehe oder einer zivilen Wiederheirat bei bestehender kirchenrechtlich gültig geschlossener Erstehe darf keine arbeitsrechtliche Sanktion nach sich ziehen“. Doch Regelungen für einzelne Bistümer reichen vielen Menschen nicht aus, hieß es bei der Veranstaltung in der „Wolfsburg“. „Ich finde es dramatisch, wenn den Worten von Bischof Overbeck und Generalvikar Pfeffer keinen Glauben geschenkt wird“, sagte Rainer Teuber. „Aber das ist eine Situation, die sich Vertreter der Kirche selbst eingebrockt haben“, betonte der Mitarbeiter der Essener Domschatzkammer, der sich als schwuler Mann bei „#OutInChurch“ engagiert. Jahrzehntelange sei es die Linie der Kirche gewesen, dass ein heterosexuelles Leben die Regel sei und es zudem nur zwei Geschlechter geben kann: Mann und Frau.

„Globale Kulturkriege“ um Geschlechtervielfalt

Dass gerade dieses Thema nicht nur in der Kirche, sondern auch in weiten Teilen der deutschen Gesellschaft und insbesondere international umstritten ist, machte die Regensburger Theologin Ute Leimgruber deutlich. Sie sprach von „globalen Kulturkriegen“, um die Frage, ob es bipolare (also „Mann“ und „Frau“) oder fluide Geschlechterzuordnungen gibt. Dass es dabei nicht nur um eine intellektuelle Auseinandersetzung geht, sondern der Streit auch gewaltsam geführt werde, zeigten die mindestens 375 Morde an Transmenschen, die weltweit im vergangenen Jahr registriert wurden.

Kirche setzt bislang auf das Zwei-Geschlechter-Modell

Auch die Kirche setzt in ihrer Lehre bislang auf das Zwei-Geschlechter-Modell und tut sich nicht nur schwer mit Menschen, die sich weder als Mann noch als Frau sehen, sondern auch mit denen, die einen Wechsel vom einen zum anderen Geschlecht vollziehen. Konkret beklagte auf dem Podium etwa Julia Bönninghausen, eine Bochumer Arbeits- und Organisationspsychologin mit Transidentität, dass die katholische Kirche bei getauften Transmenschen den Eintrag im Taufbuch nicht ändere – während der Staat die komplette bürgerliche Identität umstelle. Generalvikar Pfeffer bestätigte, dass es hier erheblichen Lernbedarf für die Kirche gebe. Zugleich berichtete er von seinen persönlichen Begegnungen mit transidenten Menschen und deren Lebensgeschichten.  Die persönliche Begegnung und das Interesse für diese Menschen sei entscheidend, betonte Pfeffer.  „Wenn Sie deren Lebensgeschichten kennenlernen, dann gibt es da nichts mehr zu urteilen.“

Generalvikar Pfeffer wirbt heute innerhalb der Kirche für mehr Diversität und sagte auf der Tagung mit Blick auf das Lehramt: „Da gibt es viele  menschliche Konstruktionen, die aus Zeiten und Kulturen stammen, von denen wir uns verabschieden müssen. Das Leben und auch die Wissenschaften lehren uns, dass sie dem Menschen nicht gerecht werden.” Und es geht auch darum, als Kirche glaubwürdig zu bleiben: Bönnighausen beklagte, dass sie „in höchster Not“, mitten in ihrer Transformation zur Frau, keinerlei Perspektive für eine seelsorgliche Begleitung gesehen habe. Dabei müsse es doch eigentlich der Anspruch der Kirche sein, zu helfen und den Menschen beizustehen. „Aber die Kirche tut so, als gebe es uns nicht.“

Verschiedene Übersetzungen des Schöpfungsberichts

Beim Blick in die Bibel könnte der Wandel hin zu mehr Diversität über den Schöpfungsbericht gehen, verwies die Theologin Leimgruber auf das Buch Genesis im Alten Testament. Heißt es dort im 27. Vers des 1. Kapitels, dass Gott die Menschen nach seinem Abbild als „Mann und Frau“ schuf wie in der Luther- und vielen anderen Bibelübersetzungen – oder „männlich und weiblich“, wie in der neuen Einheitsübersetzung? Ist die klassische „Mann und Frau“-Übersetzung für Leimgruber der „binäre Quellcode“ der Bibel, auf dem sich eine bipolare Geschlechterordnung aufbaue, nennt sie die zweite Variante das „Dispositiv der Vielfalt“, das deutlich mache, dass es geschlechtliche Vielfalt gibt, aber keinen Grund lege für feste Geschlechter und darauf aufbauende -rollen.

Mittlerweile „vertreten weite Teile der Bibelwissenschaften diese differenziertere Sicht und lehnen die Eindeutigkeit der Schöpfungserzählung ab“, so Leimgruber. Allerdings gehe es in der theologischen wie der gesellschaftlichen Diskussion um Geschlechtervielfalt „nicht darum, wer das bessere, plausiblere Argument hat - dieses Ohr ist zu“. Sie verwies auf Pfeffers Erfahrungen mit  transidenten Menschen oder auch Julia Bönninghausens Berichte, dass Mitmenschen positiv auf sie reagieren und sich erst durch sie mit dem Thema Transidentiät beschäftigen. „Auf einer wissenschaftstheoretischen Ebene wird keine Verständigung möglich sein – wenn, dann über die Begegnung mit persönlich betroffenen Menschen“, so Leimgruber.

Queere Menschen sollen sichtbarer werden

Dies unterstützten die beiden homosexuellen Vertreter auf dem Podium – neben Teuber war dort auch der Hamburger Religionspädagoge Jens Ehebrecht-Zumsande vertreten. Beide warben dafür, dass queere Menschen sichtbarer werden müssen, um mit ihren Anliegen Gehör zu finden. Dafür müsse die queere Community aber selbst sorgen: „Dass wir heute hier sitzen hat nichts mit Kirchenleitungen zu tun, sondern damit, dass wir uns geoutet haben und das Thema besprechbar gemacht haben“, sagte Ehebrecht-Zumsande, der unter anderem die „#OutInChurch“-Kampagne mitorganisiert hat. Gleichzeitig verwies er auf langsame Fortschritte in verschiedenen Bistümern. So gebe es in mittlerweile 15 Diözesen Beauftragte für die Seelsorge in der queeren Community.

Im Ruhrbistum gibt es – neben Weihbischof Ludger Schepers, der für die Deutsche Bischofskonferenz den Kontakt in die queere Community hält – das „Netzwerk Diversität“, erläuterte Andrea Qualbrink, Bereichsleiterin Pastoralentwicklung im Ruhrbistum, die den Abend gemeinsam mit Akademiedozent Jens Oboth moderierte. Auch die Arbeit dieses Netzwerks solle künftig „sichtbarer“ werden und so für mehr Vielfalt in der Kirche sorgen.

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news-19827 Fri, 13 May 2022 10:52:07 +0200 Digitalisierungs-Schwung für den Religionsunterricht https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/digitalisierungs-schwung-fuer-den-religionsunterricht Abschluss der ersten Fortbildung „relilab NRW“ in Essen. Als Teil eines großen Netzwerks im deutschsprachigen Raum können sich Lehrkräfte austauschen und gemeinsam Ideen entwickeln, wie digitale Medien optimal im Religionsunterricht eingesetzt werden. Nach der Premiere startet im Herbst die zweite Fortbildung. Dann wird unter anderem auch ein Akzent im Hinblick auf die Verbindung von Spiritualität und digitalen Medien gesetzt. Den digitalen Schwung der Corona-Pandemie im Schulunterricht auch weiter nutzen – das möchten die katholischen Religionslehrerinnen und -lehrer, die am Freitag, 13. Mai, in Essen die erste „relilab“-Fortbildung in Nordrhein-Westfalen abgeschlossen haben. Seit dem vergangenen September haben sich rund 100 Lehrkräfte aus allen NRW-Bistümern bei digitalen Angeboten ausgetauscht, in Präsenzveranstaltungen getroffen und in Arbeitsgruppen gemeinsame Projekte entwickelt. Im Fokus stand dabei, wie Themen des Religionsunterrichts den Schülerinnen und Schülern mit digitalen Medien auf eine zeitgemäße und ansprechende Weise vermittelt werden können.

Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer dankte den Religionslehrerinnen und -lehrern für ihren wertvollen Einsatz in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. „Für die Kirche sind Sie eine wichtige Verbindung zu einer Zielgruppe, die oft sehr weit von uns entfernt ist“, sagte Pfeffer. Auch weil er selbst – zum Beispiel in den Sozialen Medien – viele Vorzüge der Digitalisierung nutze, freue er sich über die Ergebnisse des ersten „relilab“-Durchgangs in NRW. Er ermunterte die Lehrkräfte: „Engagieren Sie sich auch künftig gemeinsam mit uns dafür, den Religionsunterricht weiterzuentwickeln.“

Digitale Kirchenführer oder Videoangebote zu Mose

Für den gemeinsamen Kursabschluss waren einige der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach Essen gekommen, andere hatten sich digital zugeschaltet. Als Ergebnisse der Gruppenarbeit präsentierte eine Lehrerin die Idee „Sichtbares und Unsichtbares entdecken. Wir erkunden den Kirchenraum“, bei der Dritt- oder Viertklässler an Grundschulen digitale Kirchenführer für ein Gotteshaus erstellen können. Eine andere Teilnehmerin stellte ihren Kolleginnen und Kollegen vor, wie sie frei verfügbare Bildungsmaterialien im Netz – sogenannte OER – für Unterricht zum Thema Antisemitismus nutzen können. Bei „Ich, Mose und der Krieg“ brachten Fünftklässler einer Hauptschule im Religionsunterricht mit Hilfe von Tablets und einem Videoprogramm die Jahrtausende alte Geschichte des biblischen Propheten Mose in Verbindung mit der Gegenwart. Und ein viertes Projekt entwickelte unter der Überschrift „Wir wollen reden!“ ein Konzept für den muslimisch-christlichen Dialog in der gymnasialen Oberstufe.

Digitalisierung ist nicht nur ein Thema für Computer-Freaks

Gestartet inmitten der Corona-Pandemie habe die Vernetzung im „relilab“ den Lehrkräften zunächst bei den konkreten Herausforderungen des Distanzlernens während der Lockdowns geholfen, sagt Gabriele Eichwald-Wiesten, Referentin für Grund-, Haupt-, Real-, Sekundarschulen im Bistum Essen. Zugleich sei es von Beginn an nicht nur um „Notlösungen“ gegangen, „sondern um echte Perspektiven, den Religionsunterricht digital zu gestalten“, erläutert die Schulrätin. „Für viele Kursteilnehmerinnen und -teilnehmer war dabei nicht nur wichtig, wie bestimmte Techniken funktionieren, sondern auch, welche Didaktik dahinter steht.“ Sie betont, dass das „relilab“ kein in sich abgeschlossenes Kurskonzept sei, sondern die digitale Vernetzung im offenen „#relilab-Café“ oder im „#relichat“ auf Twitter allen Religionslehrerinnen und -lehrern offen stehe. „Hier profitieren wir jetzt stark von den digitalen Möglichkeiten der Vernetzung, die uns das deutschsprachige relilab-Netzwerk bietet“, freut sich Eichwald-Wiesten. Zugleich habe der „relilab“-Kurs aber gezeigt, „dass auch der Austausch von Angesicht zu Angesicht wichtig ist“, sagt die Schulrätin. „Die Mischung aus Seminaren in Präsenz und digitalen Veranstaltungen, die bringt für unsere Lehrkräfte – und damit vor allem den Schülerinnen und Schülern – jetzt echte Vorteile.“

Die Digitalisierung des Religionsunterrichts sei „mitnichten ein Thema für Computer-Freaks, das mit der Pandemie wieder verschwindet“, betont Eichwald-Wiesten. „Wir leben in einer ‚Kultur der Digitalität‘, die den Religionsunterricht und Schule überhaupt ja nicht nur auf der technischen Ebene betrifft, sondern auch inhaltlich herausfordert“, hebt die Pädagogin hervor. Außerdem sei im Unterricht kaum mehr Beteiligung möglich, „als wenn mit digitalen Medien jede Schülerin und jeder Schüler direkt mitmachen kann.“ Das sei nicht nur, aber eben auch ein Thema des Religionsunterrichts. Zudem könne der Religionsunterricht die Digitalisierung reflektieren: „Wir können schauen, welchen Nutzen digitale Medien bieten und welche Gefahren es gibt.“

Nächster Kurs startet ökumenisch

Lehrkräfte, die nicht nur die offenen digitalen „relilab“-Angebote nutzen möchten, können sich für die nächste Fortbildung anmelden, die im September startet. Der Kurs wird dann in NRW erstmals auch ökumenisch angeboten. Weitere Infos und Anmeldung online unter https://relilab.org/nrw.

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news-19826 Thu, 12 May 2022 16:35:52 +0200 Bistum würdigt jahrzehntelanges ehrenamtliches Wirken in Essen-Bergerhausen https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bistum-wuerdigt-jahrzehntelanges-ehrenamtliches-wirken-in-essen-bergerhausen Ehrenzeichen für Herbert Engel, der als bald 80-Jähriger die aufwändigen Sanierungsarbeiten an der Kirche St. Hubertus betreut und auch sonst bei allen Fragen zur Kirche und zur Gemeinde mit Rat und Tat zur Seite steht. „Nomen est Omen“ hat mancher Beobachter geschmunzelt, als der Mann mit dem Nachnamen Engel im vergangenen Sommer an der Essener St- Hubertus-Kirche in rund 70 Meter Höhe aus nächster Nähe die Montage der neuen Kirchturmspitze beobachtet hat. Seit ein Blitz  im Januar 2014 den Turm spektakulär in Brand gesetzt hatte, betreut Herbert Engel ehrenamtlich die Sanierungsarbeiten am Turm und an der Fassade der weithin sichtbaren Landmarke im Essener Süden. „Durch seine Um- und Übersicht haben sich sicherlich einige Patzer und Schäden vermeiden lassen, die in der Zusammenarbeit der verschiedenen Gewerke aufgetreten wären“, heißt es in der Gemeinde. Und der Turm ist nur eines der vielen Beispiele für Engels Wirken rund um St. Hubertus. Für sein jahrzehntelanges kirchliches Engagement hat ihn der Essener Stadtdechant Propst Jürgen Schmidt jetzt im Gemeindegottesdienst von St. Hubertus mit dem Ehrenzeichen des Bistums Essen ausgezeichnet.

Beinahe täglich in der Kirche und drumherum unterwegs

Seit Engel vor rund 15 Jahren Rentner geworden ist, ist er beinahe täglich in der Kirche und drumherum unterwegs. Dann hilft er als Küster, unterstützt die Reinigungskräfte, erledigt Besorgungen, Gartenarbeiten oder Reparaturen. Außerdem ist er Ansprechpartner für Anliegen der Mieter in den Gemeindewohnungen, für den Kindergarten, den Pastor, oder er begleitet Besuche von TÜV, Handwerkern oder die Begehung durch die Feuerwehr.

Als junger Mann zog der in Essen-Freisenbruch aufgewachsene Engel mit Frau und zwei kleinen Kindern in die Hubertus-Gemeinde nach Rüttenscheid. Schnell fand er dort Anschluss im Familienkreis, organisierte erst Martinszüge und Adventsbasare, kümmerte sich um die Weihnachtskrippe und den Pfarrkarneval. Später plante Engel auch das Pfarrfest, das als Gemeindefest St. Hubertus bis heute von ihm organisiert wird. Mehrere Wahlperioden lang war er auch Mitglied in Pfarrgemeinderat und Kirchenvorstand. Außerdem widmete er sich in den vergangenen Jahren den verschiedenen Pfarreizeitungen. Bis heute betreut er den Verteilerkreis des Magazins „Wir vier“ und trägt einen guten Teil der Exemplare selbst zu den Haushalten.

Einen Herzenswunsch hat sich Herbert Engel erfüllt, als in St. Hubertus die „Oldie-Messdiener“ eingeführt wurden. Auch Engel hat sich um die Aufnahme in die Messdienerschaft beworben und ist mit großer Freude dabei. Als Kind war ihm der Wunsch verwehrt geblieben, weil in Freisenbruch seinerzeit niemand Messdiener werden durfte, der schon im Chor engagiert war.

„Ohne Herbert Engel wäre diese Gemeinde nicht die, die sie heute ist.“

„Ohne Herbert Engel wäre diese Gemeinde nicht die, die sie heute ist“, würdigt die Gemeinde St. Hubertus ihren neuen Träger des Bistums-Ehrenzeichens. „Durch alle Schwierigkeiten der letzten drei Jahrzehnte war er stets sehr authentisch auch ein ausgleichender Faktor, dem alle sehr aufmerksam zugehört haben.“

Angesichts des Alters von Herbert Engel wird sich die Gemeinde jedoch für viele der bisherigen Arbeitsbereichen des Seniors neue ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter suchen müssen. Am 5. September wird Engel 80 Jahre alt. Dann – so ist schon länger klar – wird er auf eigenen Wunsch seine umfangreiche ehrenamtliche Tätigkeit einstellen. Er will sich ein bisschen mehr Ruhe gönnen, heißt es – und die Bauarbeiten an der Fassade von St. Hubertus künftig nur noch als Beobachter begleiten.

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news-19825 Thu, 12 May 2022 14:26:17 +0200 Bochumer Liturgiewissenschaftlerin Irmgard Pahl gestorben https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bochumer-liturgiewissenschaftlerin-irmgard-pahl-gestorben Mit ihren Forschungen zur Eucharistiefeier erlangte die Professorin internationale Bekanntheit Irmgard Pahl, Liturgiewissenschaftlerin der Ruhr-Universität Bochum, ist am 24. April im Alter von 87 Jahren gestorben. Internationale Bekanntheit erreichte Pahl aufgrund ihrer Forschungen zur Eucharistiefeier. Ihre umfangreiche kommentierte Edition der Eucharistie- und Abendmahlsgebete der westlichen Kirchen gilt heute in Ökumene und Forschung als Standardwerk. Zweiter Arbeitsschwerpunkt war für sie das Gespräch zwischen Liturgiewissenschaft und Frauenforschung. Als erste Frau überhaupt promovierte Pahl 1965 im Fach Liturgiewissenschaft. Nach Lehrtätigkeiten an zahlreichen deutschen Hochschulen und katholischen Bildungseinrichtungen übernahm sie 1991 den Lehrstuhl für Liturgiewissenschaften der Ruhr-Universität Bochum zunächst in Vertretung, 1997 erfolgte der offizielle Ruf auf diesen Lehrstuhl.

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news-19824 Thu, 12 May 2022 13:41:18 +0200 Bischof Overbeck ist bestürzt über Polizeieinsatz am Essener Don-Bosco-Gymnasium https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bischof-overbeck-ist-bestuerzt-ueber-polizeieinsatz-am-essener-don-bosco-gymnasium Schule war am Donnerstag gesperrt und durchsucht worden. Zuvor hatte die Polizei einen Schüler des katholischen Gymnasiums wegen des Verdachts festgenommen, einen Anschlag geplant zu haben. Bestürzt hat Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck auf den Polizeieinsatz am Donnerstagmorgen am Essener Don-Bosco-Gymnasium reagiert. „Der Verdacht, dass ein Schüler dort mit Waffengewalt einen Anschlag verüben wollte, erschreckt mich genauso wie die Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte, Eltern, Nachbarn und alle anderen, die hiervon betroffen sind.“ Die Polizei hatte die katholische Ordensschule in Essen-Borbeck sowie eine Realschule in der Nähe am Donnerstag noch vor Schulbeginn gesperrt und die Räume mehrere Stunden lang durchsucht. „Ich bin der Polizei ausgesprochen dankbar, dass sie so schnell, behutsam und entschieden gehandelt und so womöglich eine schlimme Straftat verhindert hat“, sagte Overbeck.

Pater Otto Nosbisch: Nicht an Spekulationen beteiligen

Pater Otto Nosbisch , Direktor der Salesianer Don Boscos in Essen, erklärte: „Die Schulgemeinschaft ist schockiert und bestürzt über den offenkundig geplanten Anschlag und die ersten polizeilichen Erkenntnisse, deren Ergebnisse wir aber noch abwarten. Daher sollten wir uns nicht an Spekulationen beteiligen. Wir sind froh und dankbar, dass durch die Hinweise auf die geplante Tat Schlimmeres verhindert werden konnte. Der Schulleitung, allen Verantwortlichen und den Beamtinnen und Beamten der ermittelnden Behörden gilt unser Dank für das umsichtige und besonnene Vorgehen.

Bischof Overbeck betonte, dass das Bistum nun gemeinsam mit den Salesianern Don Boscos als Träger des vom Bistum mitfinanzierten Gymnasiums sorgsam alle weiteren Schritte abstimmen werde, die die Polizei bei der Aufklärung unterstützen und der Schulgemeinschaft helfen, die Geschehnisse so gut wie möglich zu verarbeiten.

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news-19823 Thu, 12 May 2022 13:15:29 +0200 Overbeck: Große Sorge nach Verhaftung von Kardinal Zen in Hongkong https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/overbeck-grosse-sorge-nach-verhaftung-von-kardinal-zen-in-hongkong Mit großer Sorge hat der Essener Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck auf die Verhaftung des früheren Bischofs von Hongkong, Kardinal Joseph Zen Ze-kiun, reagiert. „Ich bin erleichtert zu hören, dass Kardinal Zen inzwischen auf Kaution wieder freigelassen wurde“, erklärte Overbeck am Donnerstag, 12. Mai, in Essen. Der 90-jährige Kardinal, der seit vielen Jahren zu den prominentesten Kritikern der chinesischen Regierung gehört, war zuvor gemeinsam mit zwei weiteren Personen von der Nationalen Sicherheitspolizei festgenommen worden.

Er hoffe sehr, so der Bischof weiter, dass der Kardinal seine Verhaftung unbeschadet überstanden habe. Overbeck: "Schon seit langem beobachten wir die Entwicklung im Partnerbistum Hongkong sehr intensiv und nehmen die zunehmende Einschränkungen für die Hongkonger Bevölkerung mit Besorgnis zur Kenntnis."

Das Ruhrbistum und die Kirche in der ehemaligen britischen Kronkolonie an der Südküste Chinas verbindet seit über 60 Jahren eine besondere Partnerschaft.

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news-19822 Thu, 12 May 2022 12:46:58 +0200 Radikale Einfachheit: Charles de Foucauld wird am Sonntag heiliggesprochen https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/radikale-einfachheit-charles-de-foucauld-wird-am-sonntag-heiliggesprochen Auch im Bistum Essen orientieren sich Menschen an der Lebensform des französischen Wüstenmönchs, den die katholische Kirche am kommenden Sonntag, 15. Mai, ehrt. Ein Extremist wird zur Ehre der Altäre erhoben. Mit seiner Heiligsprechung am Sonntag, 15. Mai, in Rom ehrt die katholische Kirche den Wüstenmönch Charles de Foucauld (1858 – 1916), dem es zeitlebens nicht um Ehre und Ansehen, sondern um radikale Einfachheit ging. Unzählige Menschen lassen sich bis heute von seiner Spiritualität und Lebensform inspirieren – auch im Bistum Essen. Die „Geistliche Familie Charles de Foucauld“ zählt weltweit 20 Gemeinschaften mit 13.000 Mitgliedern.  

Unauffällig und bescheiden das Leben der Menschen zu teilen, war für den „kleinen Bruder Karl von Jesus“ die „möglichst perfekte Nachahmung des Lebens unseres Herrn Jesus in Nazaret“. Er selbst lebte allein in seiner Einsiedelei in der Sahara bei den „Ärmsten der Armen“, dem Wüstenvolk der Tuareg. Ständig klopften Sklaven, Arme, Kranke, Soldaten, Reisende, Neugierige an seine Tür. Jedem begegnete er mit absichtsloser Freundlichkeit, bot Rat oder Hilfe an, ohne seine muslimischen Nachbarn zum Christentum bekehren zu wollen. Mitten im Ersten Weltkrieg, der auch die algerische Wüste nicht verschonte, wurde der Wüstenmönch am 1. Dezember 1916 bei einem bewaffneten Raubüberfall von Aufständischen erschossen - einer von 17 Millionen Opfern dieses Krieges.

Die kleinen Brüder in Marxloh sind gute Kollegen und Nachbarn

In einer Brüdergemeinschaft, wie Charles de Foucauld sie sich für sein Eremiten-Dasein vergebens gewünscht hatte, leben die kleinen Brüder Jesu in Duisburg-Marxloh. Zu dritt starteten sie in den 60er Jahren zunächst im Duisburger „Gleisdreieck“, einer verrufenen Siedlung aus Wellblechhütten. Nach dem Vorbild der französischen Arbeiterpriester war Bruder Michael aus Frankreich Straßenfeger bei der Stadt, sein Landsmann Markus arbeitete als Stahlwerker bei Thyssen, und der deutsche Bruder Wolfgang Köhler fuhr als Bergmann unter Tage – alle drei gute Kollegen am Arbeitsplatz und tolle Nachbarn, theologisch und philosophisch hochgebildet, „aber nur für Weisheit und Glauben“, nicht um akademisch tätig zu sein, erklärt Bruder Wolfgang (78): „Wir wollen keine Führungsposition, keine finanzielle, politische oder militärische Macht. Vertrauen und Geschwisterlichkeit sind uns kostbar.“

Gemeinsames Gebet und Lebensbetrachtung

Energie ziehen die Brüder aus dem Gebet. Charles de Foucauld, der allein in der Wüste keine Eucharistie feiern konnte, verbrachte täglich viele Stunden der Anbetung vor der Hostie im Tabernakel: „Es ist Jesus, der ganze Jesus. Man schaut ihn an, man ist zufrieden, zu seinen Füßen zu sitzen“, schrieb er. Diese Form des Gebets teilt die ganze „Geistliche Familie Charles de Foucauld“. Dazu gehören auch knapp 20 Priester des Bistums Essen, die sich in drei Gruppen regelmäßig einmal im Monat zu Gebet, Bibelteilen und „révision de vie“, der Lebensbetrachtung, treffen. Ein „Nazaret-Monat“ – vier Wochen intensiver Exerzitien  – präge ihn noch Jahre später, berichtet Claus Optenhövel, Pfarrer in Halver im Märkischen Kreis. Die Priester der Gruppe sind eng miteinander verbunden, ohne in Kommunität zu leben: „Wir stellen uns dem Bischof zur Verfügung“, sagt Optenhövel.

Der Frauengemeinschaft Charles de Foucauld, einer Gruppe einzeln lebender, unverheirateter Frauen, gehören im Bistum Essen inzwischen noch zwei Damen im Rentenalter an, die ihre geistlichen Kontakte, das gemeinsame Gebet und die „révision de vie“ überregional pflegen. Von Charles de Foucauld hat Barbara Steffens für ihr eigenes Leben übernommen, „dass man seinen Lebensweg immer wieder ändern kann, um seinem Ideal näher zu kommen“.

Nachwuchs für die Gemeinschaften ist nicht in Sicht. „Nicht schlimm, wir sind Kinder unserer Zeit“, sagt Bruder Wolfgang in Marxloh, „Gott stößt Bewegungen an, keine Betonklötze.“ Anders als in Afrika wünschten junge Menschen in Europa keine lebenslangen Bindungen: „Kontemplatives Leben mitten in der Welt ist heute trotzdem verbreitet.“

„Kleiner Bischof“ Julius Angerhausen

Dass die Bewegung rund um Charles de Foucauld nach wie vor Kirchengeschichte schreibt, zeigt das Beispiel des ersten Essener Weihbischofs Julius Angerhausen (1911 – 1990). In seinem Bischofswappen führte er Herz und Kreuz, Zeichen des Wüstenmönches Foucauld. Während des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 – 1965) gehörte er als einziger westdeutscher Bischof der Fraternität der 40 sogenannten „kleinen Bischöfe“ an, die sich 1965 im „Katakombenpakt“, einer Selbstverpflichtungserklärung außerhalb der Konzilsdokumente, zu einem einfachen Lebensstil, dem Verzicht auf Insignien und einer Kirche für die Armen bekannten. Als Sekretär der „kleinen Bischöfe“ pflegte Angerhausen deren internationale Kontakte, war mit Bruder Michael aus Marxloh befreundet und mit ihm in Algerien auf den Spuren des Wüstenmönches unterwegs. Der Katakombenpakt legte den Grundstein für die spätere Befreiungstheologie in Lateinamerika, ohne die der heutige Papst Franziskus nicht zu verstehen wäre: „Wie sehr wünsche ich mir eine arme Kirche, eine Kirche der Armen!“

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news-19821 Thu, 12 May 2022 11:46:56 +0200 Bistum suspendiert Priester https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/bistum-suspendiert-priester Das Bistum Essen hat einen Priester wegen des Verdachts eines sexuellen Missbrauchs suspendiert. Das Bistum Essen hat einen Priester wegen des Verdachts eines sexuellen Missbrauchs suspendiert. Er wird beschuldigt, vor über 30 Jahren sexuelle Handlungen an einem Jugendlichen vorgenommen zu haben. Ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft gegen den Beschuldigten war zuvor wegen Verjährung eingestellt worden. Daraufhin hatte sich der Betroffene an die unabhängigen Ansprechpersonen des Bistums Essen gewandt.

Entsprechend der Verfahrensordnung des Bistums Essen für den Umgang mit Fällen von sexuellem Missbrauch wurde der Priester mit den gegen ihn erhobenen Vorwürfen konfrontiert und angehört. Im Anschluss daran wurde er unmittelbar vom Dienst suspendiert. Der Beschuldigte räumt die Tat ein. Das Bistum steht mit dem Betroffenen in Kontakt und hat die verantwortlichen Gremien seines Einsatzortes informiert. Zudem hat Bischof Dr. Overbeck eine kirchenrechtliche Voruntersuchung eingeleitet.

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news-19819 Mon, 09 May 2022 12:03:06 +0200 Hochkarätig besetzte Tagung diskutiert über den Nahen Osten https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/hochkaraetig-besetzte-tagung-diskutiert-ueber-den-nahen-osten Diplomaten warben auf der Tagung in der Bistumsakademie „Die Wolsburg“ für ein stärkeres deutsches Engagement in der Region. So hochkarätig besetzt wie selten zuvor war das 22. Mülheimer Nahostgespräch, zu dem sich am Freitag und Samstag zahlreiche Expertinnen und Experten sowie weitere Interessierte in der Bistumsakademie „Die Wolfsburg“ getroffen haben. Inhallich standen in diesem Jahr vor allem der Irak und die Levante, also die Länder an der Ostküste des Mittelmeers, im Fokus. Unter anderem folgende Referentinnen und Referenten teilten ihre Einschätzungen zur Lage der Region mit den Tagungsgästen:

  • der Chef der Münchener Sicherheitskonferenz, Christoph Heusgen,
  • der Fachmann für islamistischen Terror von der Stiftung Wissenschaft und Politik, Guido Steinberg,
  • die Syrien-Expertin Kristin Helberg,
  • der Islamwissenschaftler Udo Steinbach
  • die Leiterin der Nahostabteilung von Malteser International, Janine Lietmeyer.

Der digital zugeschaltete Diplomat Heusgen, früherer Sicherheitsberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel, warf dabei ein recht pessimistisches Bild auf die Region, deren Länder aus ganz unterschiedlichen Gründen politisch instabil blieben. Zugleich warb Heusgen für ein starkes deutsches Engagement in der Region, da sich Krisen im Nahen Osten wie Flüchtlingsbewegungen oder Energiefragen auch auf Deutschland und Europa auswirkten. Deutschland habe im Nahen Osten einen guten Ruf. Zudem würden die USA ihr Engagement in der Region zurückfahren. Heusgen sprach sich für die Wiederbelebung des Nahost-Quartetts aus, das in den vergangenen Jahren immer wieder diplomatische Initiativen für eine Befriedung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinensern gestartet hatte.

Für ein starkes deutsches Engagement hat auf der Tagung auch der irakische Botschafter in Deutschland, Lukman Abdulraheem A. Al-Faily geworben. In seinem Vortrag äußerte er sich ausgesprochen klar und ehrlich über die Verhältnisse in seiner Heimat. Deutschland sei im Irak eine echte Marke so Al-Faily.

Gemeinsam geleitet wurde die Tagung von „Wolfsburg“-Dozent Jens Oboth, Christine Baade von der Konrad-Adenauer-Stiftung und Henz-Gerhard Justenhoven vom Hamburger Institut für Theologie und Frieden.

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news-19817 Sat, 07 May 2022 19:28:00 +0200 Haupt- und Ehrenamt: Harmonisches Zusammenspiel wie im Orchester https://www.bistum-essen.de/pressemenue/artikel/haupt-und-ehrenamt-harmonisches-zusammenspiel-wie-im-orchester Beim zweiten Ehrenamtstag des Bistums Essen standen viele musikalische Akzente im Fokus. Gastredner Christian Gansch, Dirigent weltbekannter Orchester, zog Parallelen zwischen der Musikwelt und katholischen Gemeinden und Verbänden. Pfarrgemeinderatsvorsitzende, Engagierte bei Caritas, KAB und DJK oder Ehrenamtliche in der Krankenhaus- und Notfallseelsorge: Rund 470 Frauen und Männer, die sich in Pfarreien, Verbänden oder Einrichtungen des Ruhrbistums engagieren, haben sich am Samstag, 7. Mai, beim zweiten Ehrenamtstag des Bistums im Essener Grugapark getroffen. Ein Tag, bei dem nicht nur das große Dankeschön für die freiwillige Arbeit im Vordergrund stand, das – stellvertretend für Bischof Franz-Josef OverbeckGeneralvikar Klaus Pfeffer den Gästen unter der großen Kuppel des Musikpavillons überbrachte. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie bedeutete das Treffen für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch ein herzliches Wiedersehen in entspannter Freiluft-Atmosphäre. Zugleich stellten das Bühnenprogramm und eine Ausstellung die große Vielfalt des Ehrenamts in der katholischen Kirche an Rhein, Ruhr und Lenne dar und boten den Besucherinnen und Besuchern viele Möglichkeiten zur gegenseitigen Vernetzung.

Viele musikalische Akzenten

Dass dieser Ehrenamtstag ausgesprochen musikalisch gestaltet war, lag dabei nicht nur am Ort. Schon die „Laufband“ des Bistums sorgte unter dem Dach des Musikpavillons mit dem Beatles-Klassiker „With a little help from my friend“ für einen beschwingten Start ins Programm und für einen ersten inhaltlichen Hinweis auf das ehrenamtliche Engagement in der Kirche, das oftmals mit der Hilfe von ein paar guten Freunden geschieht.

Mit viel Musik brachte auch Gastredner Christian Gansch sein Publikum mit großem Unterhaltungsfaktor zum Nachdenken: „Vom Solo zur Sinfonie“ hatte der bekannte österreichische Dirigent seinen Vortrag überschrieben, in dem er Einblicke in die Arbeit weltbekannter Orchester mit Führungsprinzipien verknüpfte, die auch für Kirchengemeinden gelten können. Ein Dirigent käme nicht mit Autorität weiter, sondern vor allem mit Offenheit und viel Kommunikation, so Gansch. Kein zeitgenössischer Dirigent würde einem Musiker oder einer Musikerin im Orchester sagen: „Spielen Sie gefälligst leiser!‘, so Gansch: „Die Musiker würden aufstehen und sagen: ,Erklären Sie gefälligst, warum!‘“ Das Wichtigste, was ein Dirigent schaffen könne, sei Atmosphäre, sagte Gansch und zitierte seinen früheren Mentor, den verstorbenen Chefdirigenten der Münchener Philharmoniker, Lorin Maazel: „Ein Orchester klingt so, wie du aussiehst.“ Ganschs Tipp: „Wenn Sie ein Team leiten hilft es, wenn Sie vor einem Meeting mal in den Spiegel schauen. Das gilt auch für die Damen und Herren, die predigen“, sagte Gansch unter dem Applaus seines Publikums. Zudem warb er für Wertschätzung, gerade für die kleineren Rollen: „Der große Claudia Abbado hat einmal einer Triangel-Spielerin gesagt: „Das ganze Orchester spielt jetzt 36 Takte nur für Sie, damit sie wissen, wie sich Ihr Einsatz in das Gesamte einfügt.“ Im Orchester gebe es große Rollen und kleine Rollen, so Gansch, „aber es gibt keine unwichtigen Rollen.“

Wertschätzung, Atmosphäre und Kommunikation

Nicht nur beim Publikum fanden Ganschs mit verschiedenen Musikbeispielen garnierte Ausführungen Anklang, sondern auch bei Führungskräften: Wertschätzung und Atmopshäre seien für ihn die zentralen Begriffe in Ganschs Vortrag gewesen, sagte der kommissarische Diözesan-Caritasdirektor Hans-Georg Liegener. „Das ist eigentlich das einfachste, aber für viele Führungskräfte zugleich das schwierigste. Das kann man nicht lernen, sondern das hat mit Haltung zu tun.“ Und Klaudia Rudersdorf, Vorsitzende des Diözesanrats im Bistum Essen, hob hervor: „Es ist wichtig, mit dem ganzen Herzen dabei sein. Und wenn die Kommunikation nicht funktioniert, funktioniert auch das Zusammenspiel nicht.“ Die Rolle des Dirigenten könne dabei ganz unterschiedlich besetzt werden“, übersetzte Markus Potthoff, Leiter des Ressorts Kirchenentwicklung im Bistum Essen, Ganschs Orchester-Metapher auf die Kirchen-Strukturen. „Bei uns können das Leitungsverantwortliche, aber auch Ehrenamtliche sein.“ Zudem gebe es in der Kirche „kleine Kammerorchester, die sehr selbstgesteuert unterwegs sind“. Ohnehin sei „der beste Dirigent verloren, wenn die Menschen, mit denen er arbeitet, nicht folgen.“

Ehrenamt als tragende Säule der Kirche im Bistum Essen

In jedem Fall ist das kirchliche Ehrenamt heute viel mehr als Hilfs- und Nebentätigkeiten früherer Jahre, sondern eine tragende Säule des Bistums Essen geworden ist. Daran erinnerte der scheidende Pastoraldezernent Michael Dörnemann. Im Dialogprozesses des Bistum vor rund zehn Jahren sei „eine neue, gemeinsam getragene Pastoral“ eine wichtige Zielperspektive gewesen. Ergebnisse dieser Überlegungen seien beispielsweise die ehrenamtlichen Leiterinnen und Leiter von Begräbnisfeiern, die ehrenamtlichen Gemeindeleitungen oder die Ehrenamtskoordinatorinnen und -koordinatoren in vielen Pfarreien, betonte Dörnemann. In den kommenden acht Jahren werde die Zahl der aktiven Priester im Bistum von derzeit rund 140 auf etwa 50 sinken. „Gleichzeitig wird es auch einen Rückgang bei der Zahl der Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten geben.“ Angesichts dieser Entwicklung seien Ehrenamtliche „manchmal zum Teil tatsächlich Notstopfen für Hauptamtliche, die wir nicht mehr haben oder nicht mehr bezahlen können“, so der Theologe, der im Herbst die Leitung der Essener Innenstadtpfarrei St. Gertrud übernimmt. „Aber gleichzeitig sind es oft die Ehrenamtlichen, die mit großer Energie unsere Gemeinden weiterentwickeln, um das Evangelium auch heute in die Welt zu tragen.“

Neue Ehrenamtskoordinatorinnen und -koordinatoren beauftragt

Hier wollen sich auch die Männer und Frauen engagieren, die vor einigen Wochen die mittlerweile sechste, rund ein Jahr dauernde Fortbildung zu Ehrenamtskoordinatorinnen und -koordinatoren absolviert haben, und denen Generalvikar Pfeffer am Ehrenamtstag die Zertifikate überreichte. „Ehrenamt in der Kirche soll Spaß machen“, sagte Pfeffer, wohlwissend um die angespannte Lage des kirchlichen Ehrenamts angesichts von laufenden Umstrukturierungen in Pfarreien, Corona-Nachwirkungen und den Folgen des Missbrauchsskandals. Dennoch sei gerade die aufwendige Qualifizierung von freiwillig Engagierten die Basis dafür, das Ehrenamt wirklich Freude machen könne. Das bestätige Eva Boi aus der Bochumer Pfarrei St. Franziskus, die diesen Job schon seit 2018 macht: „Nach den Corona-Lockdowns geben gerade viele Ältere ihre Ehrenämter ab. Aber es kommen auch neue Menschen, mit ganz neuen Ideen. Diese dabei zu begleiten, wie sie den richtigen Weg einschlagen, das macht Spaß.“

Der Spaß kam beim Ehrenamtstag auch ansonsten nicht zu kurz: Während das Wetter zum Abschluss des Programms kurzfristig von Frühlings-Sonne auf Gewitterschauer umschaltete, sorgte der Duisburger Kabarettist Kai Magnus Sting mit seinen heiteren Ruhrpott-Geschichten für beste Laune im halbwegs trockenen Musik-Pavillon. Als der Tag dann mit Musik der von Pfadfindern gegründeten Rockband „A.T.M.E.“ ausklang, lobten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer insbesondere die Atmosphäre und die Örtlichkeit des Ehrenamtstags im Grugapark. Ihre Hoffnung: Dass es nach der Premiere vor zwei Jahren möglichst bald eine Neuauflage des großen Ehrenamts-Treffens gibt. 

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