von Thomas Rünker

Das Leitungs-Quartett aus dem Essener Norden

Seit drei Monaten leiten die Gemeindereferentin Elvira Neumann, der Ehrenamtliche Michael Rüsing und der Diakon Joachim Vogt gemeinsam mit Pfarrer Ingo Mattauch die Pfarrei Hll. Cosmas und Damian mit ihren rund 30.000 Mitgliedern.

„Vor allem ist dieses Team ein Segen für unserer Pfarrei – aber auch für mich selbst.“ Pfarrer Ingo Mattauch sitzt ganz oben am langen Konferenztisch im ehemaligen Pfarrhaus, dem heutigen Verwaltungszentrum der Essener Pfarrei Hll. Cosmas und Damian. Bevor er ansetzt zu einer kleinen Bilanz der ersten drei Monate des neuen Leitungsteams dieser Pfarrei, ist ihm dieser Satz besonders wichtig.

Vor anderthalb Jahren ist Hll. Cosmas und Damian aus dem Zusammenschluss der Pfarreien St. Johann Baptist im Essener Norden und St. Nikolaus im Essener Nordosten entstanden und Mattauch als neuer Pfarrer für die rund 30.000 katholischen Menschen zwischen dem Rhein-Herne-Kanal im Norden und der A40 im Süden angetreten. Schon damals hatte Mattauch bald deutlich gemacht, dass er diese Leitungsaufgabe nicht alleine schultern möchte, sondern zusammen mit anderen – eben in einem Leitungsteam. Seit dem 1. September ist dieses Team nun im Dienst: die Gemeindereferentin Elvira Neumann, der Ehrenamtliche Michael Rüsing und der Diakon Joachim Vogt leiten die Pfarrei nun gemeinsam mit Mattauch.

Was auf den ersten Blick nach einer nachvollziehbaren Arbeitsteilung klingt, ist für die katholische Kirche eine kleine Sensation. Zwar werden auch andere Pfarreien im Ruhrbistum mittlerweile nicht mehr nur von geweihten Priestern geleitet, sondern zum Beispiel von Gemeindereferentinnen – doch dass ein vierköpfiges Team für eine Pfarrei verantwortlich ist samt Ehrenamtlichem als gleichberechtigtes Mitglied, wird bundesweit bislang erst an wenigen Orten erprobt. Im Essener Norden sieht man das Ganze vor allem pragmatisch: „Es können mehr Dinge zeitgleich erledigt werden, als wenn es nur eine Person gib. Außerdem tut es gut, Rückmeldungen von den anderen Teammitgliedern zu bekommen – und es macht Spaß“, fasst Mattauch weitere Vorteile des neuen Leitungsteams zusammen.

„Unsere wöchentlichen Besprechungen sind das A und O unserer Zusammenarbeit“

Im Zentrum dieses Teams steht der große Konferenztisch, wo Mattauch mit Neumann in der Mitte sitzt, flankiert von Rüsing und Vogt. „Unsere wöchentlichen Besprechungen hier sind das A und O für unsere Zusammenarbeit“, sagt Gemeindereferentin Neumann. Und Diakon Vogt ergänzt. „Wir arbeiten hier sehr vertrauensvoll zusammen.“ Sie haben viel geredet in den vergangenen Monaten: Wie kann das überhaupt gehen, Leitung im Team? Klar ist, dass Pfarrer Mattauch etwas abgeben musste von der Macht und der Aufgabenfülle, die ihm durch sein Amt erst einmal gegeben waren. Sie haben Arbeitsfelder abgesteckt, für die jede und jeder von ihnen zuständig ist: Rüsing kümmert sich um alles was mit Ehrenamt zu tun hat, Vogt koordiniert Gottesdienste und Sakramente und Neumann vernetzt die vielen Ökumene-Projekte und hat zugleich die Pfarrei-Immobilien im Blick, die künftig eine neue Nutzung erhalten sollen. Und der Pfarrer? „Bei mir bleibt alles, was noch nicht genannt wurde“, sagt Mattauch mit einem Lachen. Dann ergänzt er, dass die Arbeitsaufteilung noch nicht abgeschlossen ist und er seine wichtigste Aufgabe in der Außendarstellung der Pfarrei und der Vernetzung mit der Politik und den gesellschaftlichen Gruppen in den Stadtteilen sehe.

Alle vier betonen, dass die Arbeitsfelder ein erster Anfang sind, um ihrem Team eine Struktur zu geben. Vor allem in den Grenzbereichen der Arbeitsfelder helfen regelmäßige und vertrauensvolle Absprachen, betonen die Team-Mitglieder. „Am gefährdetsten, bei den anderen hineinzugrätschen, bin ohnehin ich“, sagt Mattauch. Da müsse er noch manche Gewohnheiten des für alles zuständigen Pfarrers ablegen.

Leitung bedeutet in Hll. Cosmas und Damian vor allem konzeptionelle, strategische Arbeit. Für den Pfarreialltag, für Gottesdienste, Angebote und die Gemeindearbeit gibt es ein großes Seelsorgeteam und viele ehrenamtliche Gruppen. Aber die großen Fragen der weiteren Pfarreientwicklung, die haben ihren Platz im Leitungsteam – um danach mit dem Pfarrgemeinderat, dem Kirchenvorstand und dem Pastoralteam weiter diskutiert zu werden. In all diesen Gremien sind Leitungsteam-Mitglieder nun selbstverständlich mit dabei, zum Beispiel Immobilien-Fachfrau Neumann im Kirchenvorstand oder Rüsing im Pastoralteam. Dass der Ehrenamtliche von den hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern mittlerweile nicht mehr nur als Gast eingeladen werde, gehöre zur zunehmenden Selbstverständlichkeit, mit der das Leitungsteam mittlerweile in der Pfarrei gesehen werde, sagt Rüsing.

Coaching und Weiterbildung für die Team-Mitglieder

In den kommenden Monaten steht aus Sicht von Diakon Vogt gerade für ihn selbst und für Michael Rüsing eine Weiterentwicklung ihrer Rollen als Leitungsteam-Mitglieder an. Anders als Mattauch und Neumann sind die beiden schon seit Jahrzehnten in der Pfarrei präsent: Vogt als Diakon und Rüsing in den verschiedensten kirchlichen Ehrenämtern. Nun haben sich ihre Rollen und Aufgaben verändert. „Bei der Weiterentwicklung wird uns helfen, dass wir als Team begleitet werden“, sagt Vogt. Nach der Einarbeitung in den vergangenen Monaten starten bald ein Coaching und verschiedene Weiterbildungen für die Teammitglieder. Insgesamt ist das Leitungsmodell auf zunächst drei Jahre angelegt – dann wird es zusammen mit den Bistums-Fachleuten ausgewertet und weiterentwickelt.

Schon jetzt haben auch andere Pfarreien Interesse an dem Modell, von dem Elvira Neumann sagt, dass es „für mich das Modell der Zukunft ist“ – vor allem wegen der Beteiligung des Ehrenamts. Rüsing empfiehlt interessierten Pfarreien: „Schaut euch erst einmal euren Pfarrer an.“ Und Neumann ergänzt: „Das Wichtigste ist, dass der Pfarrer so ein Modell innerlich mitträgt.“ Schon weil zumindest ältere Priester anders ausgebildet wurden, sei nicht jeder Pfarrer ein geborener Teamspieler.

„Glückliche Fügung, dass Herr Rüsing im Ruhestand ist“

Und das Ehrenamt? Rüsing ist vor Kurzem pensioniert worden und sagt. „Ich glaube, dass das hier mit einem normalen Job nicht geht.“ Vormittags Team-Besprechung, zwischendurch Termine mit Gruppen, Büroarbeit, Gremiensitzungen… Auch Mattauch nennt es „eine glückliche Fügung, dass Herr Rüsing nun im Ruhestand ist“ und betont: „Aktuell wäre es für uns nicht möglich, dass wir die Leitungsteam-Treffen in den Abend verlegen.“ Aber das letzte Wort ist das nicht: Vielleicht entwickeln sich bei den nächsten Leitungsteams in anderen Pfarreien ja neue Ideen – nicht nur rund ums Ehrenamt.

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