Digitale Touristenseelsorge: Ein anderes Gemeinschaftsgefühl

Auf der niederländischen Nordseeinsel Texel ist die Touristenseelsorge des Bistums Essen dieses Jahr nicht zu Gast, stattdessen gibt es Gottesdienste, Spieleabende und Spätschoppen per Videokonferenz. Drei Wochen Sommerferien sind bereits vergangen: Seelsorger Maximilian Strozyk zieht eine erste Bilanz.

Die Hälfte der Sommerferien ist vorbei, auch die Touristenseelsorge des Bistums Essen hat Halbzeit. Normalerweise ist er schon von Weitem zu sehen, ihr Wohnwagen in den Dünen von Texel. In diesem Jahr bleibt der Platz leer, coronabedingt hat sich das Team entschieden, nicht auf die Nordseeinsel zu fahren. Stattdessen bietet es die Touristenseelsorge seit rund drei Wochen digital an. „Seelsorge ist gerade in der Urlaubszeit etwas ganz Wichtiges. Die Gemeinde auf Texel ist in über 50 Jahren sehr gewachsen. Für viele ist es wichtig, sich zu sehen und zu spüren, dass man weiterhin auf dem Glaubens- und Lebensweg gemeinsam unterwegs ist“, sagt Maximilian Strozyk, Priester und seit einigen Jahren festes Mitglied des Seelsorgeteams. „Es ganz ausfallen lassen war nie eine Alternative für uns. Viele waren zwar enttäuscht, aber haben sich sehr gefreut, dass es diese anderen Angebote gibt.“

„Es war eine großartige Stimmung, die da aufgekommen ist“

Seit dem ersten Sonntag der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen ist das Seelsorgeteam nun digital per Zoom-Konferenz für die Menschen da, die sich sonst auf der Insel sehen oder für die, die einfach so teilnehmen möchten. Neben den Gottesdiensten konnten sie mit einer Morgenrunde gemeinsam in den Tag starten oder an Bingo- und Pub-Quizabenden zusammenkommen.

Maximilian Strozyk war die ersten drei Wochen mit seinem Team zuständig, plante und organisierte das Programm. „Vor allem bei den Gottesdiensten waren viele dabei. Das war schön zu sehen, es war eine großartige Stimmung, die da aufgekommen ist“, erzählt Strozyk. „Das waren viele bekannte Gesichter aus ganz Deutschland, sogar aus Norwegen, aber auch vor Ort aus Texel.“ Der digitale Gottesdienst per Videokonferenz forderte allerdings große Flexibilität: Liedtexte wurden per Power-Point-Präsentation angezeigt, Meinungen per Umfragesoftware eingeholt, über Onlineplattformen Kerzen angezündet und Fürbitten vorgetragen. „In einem Gottesdienst ging es um die Taufe und Symbolik des Wassers. Jeder hatte ein Glas Wasser und hat sich für den Friedensgruß zugeprostet und einfach angestoßen als Zeichen der Verbundenheit“, sagt Strozyk. Genauso habe jeder ein Brot zuhause vor dem Bildschirm gehabt, dass dann gemeinsam gesegnet und gegessen wurde.

Nicht nur konsumiert, sondern auch gefeiert

Auch musikalisch war digital einiges möglich. „Wir hatten immer wieder Musik von Menschen auf Texel, die dort Urlaub machen und die Videokonferenzen genutzt haben, um einfach so Musik zu machen, wie sonst auch“, sagt Strozyk. „Wir konnten ja nicht wirklich gemeinsam singen, aber es war toll zu sehen, dass alle mitgesungen haben. Nicht nur konsumiert, sondern auch gefeiert haben. Das Gemeinschaftsgefühl war anders, aber trotzdem da.“ Etwas, das die Seelsorge zwischen den Dünen oder in der ehemaligen katholischen Kirche in De Koog sonst ausmache, seien vor allem die persönlichen Gespräche. „Der persönliche Austausch fehlt einfach, aber da lief auch ganz viel nebenbei, etwa über Whatsapp.“ Dennoch sei er sehr beeindruckt gewesen, wie offen und ehrlich die Menschen in den digitalen Gottediensten davon erzählt hätten, was ihnen gerade auf dem Herzen liegt.

Seit einigen Tagen ist nun das zweite Seelsorgeteam rund um Cityseelsorger Bernd Wolharn am Start. Die sonntäglichen Gottesdienste gibt es um 11 Uhr, außerdem können Teilnehmer einen Online-Bibliolog feiern, beim Spätschoppen am 29. Juli einfach mal quatschen oder ab dem 4. August in einem Podcast einen Blick hinter die Kulissen der Bücher- und Spieleausleihe im Wohnwagen werfen. Ab dem 7. August übernimmt dann das dritte Team. Das jeweils aktuelle Programm und die digitalen Zugänge gibt es online und auf der – anmeldefreien – Facebookseite der Touristenseelsorge.

„Die Touristenseelsorge lebt davon, dass sie vor Ort ist“

Trotz des bisherigen Erfolgs: Eine echte Alternative ist das digitale Angebot für Strozyk nicht. „Die Touristenseelsorge lebt davon, dass sie vor Ort ist, da wo die Menschen auch sind. Auch wenn uns die Entscheidung, nicht nach Texel zu fahren, schwer gefallen ist, war es die richtige.“ Ein ganz neues Digitalformat, das die Seelsorge vor Ort ergänzt, kann sich Maximilan Strozyk sich grundsätzlich aber vorstellen. In wenigen Tagen wird er für ein paar Urlaubstage nach Texel reisen, sich trotz ein bisschen Wehmut in diesem Jahr in Gedanken auf das nächste freuen: Mit frischem Meereswind in der Nase, Sandkörnern auf der Haut und einer tollen Gemeinschaft.

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