Die Begarden

Begriffserklärung und Herkunft

Der Begriff Begarden bezeichnet männliche Mitglieder religiöser Laiengemeinschaften, die seit dem 12. Jahrhundert in Europa entstanden. Sie lebten – ähnlich wie die weiblichen Beginen – in klosterähnlichen Gemeinschaften, jedoch ohne die Bindung an ein Ordensgelübde. Diese Lebensform wurde oft als ein „dritter Weg“ zwischen Ehe und klösterlichem Leben verstanden. Der Begriff Begarden ist sprachlich nicht eindeutig geklärt, wird jedoch im mittelalterlichen Kontext für diese spezifische Form religiöser Gemeinschaft verwendet. Teilweise wurden sie auch als Lollarden bezeichnet, wobei dieser Begriff regional unterschiedlich gebraucht wurde.

Verankerung im Bistum Essen

Im Gebiet des heutigen Bistums Essen lassen sich historische Formen begardenähnlicher Gemeinschaften im mittelalterlichen Kontext des Rheinlandes und Westfalens verorten. Diese Bewegungen waren Teil einer breiteren religiösen Entwicklung, die auch in städtischen Räumen des späteren Ruhrgebiets Wirkung zeigte. Heute bestehen keine Begarden-Gemeinschaften mehr im Bistum Essen, doch ihre Lebensform ist ein Beispiel für frühere Formen religiösen Gemeinschaftslebens außerhalb klassischer Ordensstrukturen.

Rolle in der Liturgie

Begarden nahmen am liturgischen Leben der Kirche teil, ohne jedoch eine eigene Liturgie zu entwickeln. Ihr religiöses Leben war stärker von persönlicher Frömmigkeit, Gebet und geistlicher Praxis geprägt als von fest institutionalisierten liturgischen Formen. Die Teilnahme an der Eucharistie und anderen kirchlichen Feiern blieb zentraler Bestandteil ihres Glaubenslebens.

Spirituelle Dimension und Symbolik

Die Spiritualität der Begarden war häufig mystisch geprägt und betonte die persönliche Gottesbeziehung. Gemeinschaftliches Leben, Armut und tätige Nächstenliebe standen im Mittelpunkt ihres Selbstverständnisses. Ihr Engagement verband religiöse Innerlichkeit mit sozialer Verantwortung, etwa in der Pflege von Kranken oder der Unterstützung Bedürftiger. Die Kirche begegnete dieser Lebensform teilweise mit Skepsis und versuchte, sie stärker in bestehende Ordensstrukturen einzugliedern.

Kernaspekte im Überblick

  • Name und Ursprung: Seit dem 12. Jahrhundert; männliche Laiengemeinschaften (Begarden)
  • Funktion und Zweck: Religiöses Gemeinschaftsleben ohne Ordensgelübde
  • Bedeutung im Bistum Essen: Historisches Phänomen im mittelalterlichen Raum, heute nicht mehr existent
  • Liturgische Präsenz: Teilnahme an kirchlicher Liturgie ohne eigene Form
  • Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Mystische Frömmigkeit und soziales Engagement; Nähe zu den Beginen