Autokephal
Begriffserklärung und Herkunft
Der Begriff Autokephal (griechisch: autokephalos – „eigenhauptig“, von autos „selbst“ und kephale „Haupt“) bezeichnet in der christlichen Ekklesiologie den kirchenrechtlichen Status einer christlichen Kirche, die rechtlich vollkommen eigenständig ist und keinem äußeren Patriarchat oder einer übergeordneten Instanz untersteht.
Historisch entwickelte sich dieses Prinzip vor allem in der orthodoxen Tradition des ersten Jahrtausends. Eine autokephale Kirche hat das Recht, ihr eigenes Oberhaupt (Patriarch, Erzbischof oder Metropolit) selbst zu wählen und Weihen unabhängig zu vollziehen. Im Gegensatz dazu stehen die „autonomen“ Kirchen, die zwar weitgehende Selbstverwaltung genießen, deren Oberhaupt jedoch von einem Mutter-Patriarchat bestätigt werden muss.
Verankerung im Bistum Essen
Im römisch-katholischen Bistum Essen findet der Begriff keine direkte Anwendung auf die eigene Struktur, da die katholische Kirche streng hierarchisch-zentralistisch unter dem Primat des Papstes organisiert ist. Dennoch ist die „Autokephalie“ ein zentraler Begriff der ökumenischen Begegnung im Ruhrgebiet.
Durch die Zuwanderung von Menschen aus Osteuropa und dem Nahen Osten beherbergt das geografische Gebiet des Bistums Essen zahlreiche Gemeinden autokephaler orthodoxer Kirchen, wie etwa die Griechisch-Orthodoxe Metropolie oder die Serbisch-Orthodoxe Kirche.
Rolle in der Liturgie
In der römisch-katholischen Liturgie des Bistums Essen taucht der Begriff nicht aktiv auf. Er wird jedoch indirekt sichtbar, wenn bei ökumenischen Gottesdiensten im Essener Dom die Repräsentanten autokephaler Kirchen in ihren vollen liturgischen Insignien auftreten, was ihre rechtliche Gleichrangigkeit als Kirchenoberhäupter unterstreicht.
Ein spezifisches liturgisches Merkmal autokephaler Kirchen ist das Gebet für das eigene Kirchenoberhaupt in den Diptychen (Fürbitten), ohne einen obligatorischen Verweis auf eine externe Jurisdiktion. Im katholischen Ritus des Bistums Essen hingegen ist die Nennung des Papstes und des Ortsbischofs in jedem Hochgebet verpflichtend, was den fundamentalen Gegensatz zur Autokephalie verdeutlicht.
Spirituelle Dimension und Symbolik
Die spirituelle Symbolik der Autokephalie liegt in der „Einheit in der Vielfalt“. Sie betont, dass jede Ortskirche das volle Geheimnis der Kirche Christi in sich trägt und kein „Zweig“ eines fernen Stammes ist, sondern ein eigenständiger Leib mit Christus als alleinigem Haupt.
Das Symbol der Autokephalie ist oft das Pallium oder die Mitra des jeweiligen Kirchenoberhauptes, die für die Fülle der geistlichen Vollmacht stehen.
Kernaspekte im Überblick
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Name und Ursprung: Griechisch autokephalos („selbst-hauptig“); Ursprung in der frühchristlichen Pentarchie.
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Funktion und Zweck: Rechtliche Unabhängigkeit einer National- oder Regionalkirche; Wahl des eigenen Oberhauptes.
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Bedeutung im Bistum Essen: Schlüsselbegriff für die Ökumene mit orthodoxen Migrantengemeinden im Revier.
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Liturgische Präsenz: Sichtbar in den Diptychen der Ostkirchen; Abgrenzung zum katholischen Einheitsprimat.
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Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Verbindung von Glaube und nationaler Identität (z. B. Ukrainische oder Griechische Kirche).