Die Augustinusregel
Begriffserklärung und Herkunft
Die Augustinusregel (Regula Sancti Augustini) ist die älteste Regel für das gemeinschaftliche Ordensleben im christlichen Abendland. Sie geht auf den heiligen Augustinus von Hippo (354–430) zurück, wobei die Forschung heute meist das sogenannte Praeceptum (Vorschrift) aus dem Jahr 397 n. Chr. als den Kerntext ansieht.
Sprachlich zeichnet sich die Regel durch ihre Kürze und theologische Tiefe aus. Im Gegensatz zu den detaillierten Verhaltensvorschriften der späteren Benediktinerregel konzentriert sich die Augustinusregel auf die Gesinnung der Ordensmitglieder. Historisch erlebte sie ihre Renaissance im 11. und 12. Jahrhundert, als sie zur Grundlage für zahlreiche Reformgemeinschaften, Chorherrenstifte und später für die großen Bettelorden wurde.
Verankerung im Bistum Essen
Im Bistum Essen ist die Augustinusregel vor allem durch die Präsenz der Augustiner Chorfrauen (BMV – Congregatio Beatae Mariae Virginis) lebendig. Deren Wirken in Essen-Holsterhausen hat über Jahrzehnte die Bildungslandschaft und die spirituelle Identität der Stadt geprägt. Das Leben nach dieser Regel betont hier insbesondere die Verbindung von Kontemplation und apostolischem Wirken im Bildungsbereich.
Ein weiterer Bezug ergibt sich durch die Diözesanpatronin, die Mutter vom guten Rat (Mater Boni Consilii), deren Gnadenbild in Genazzano seit dem 14. Jahrhundert vom Augustinerorden betreut wird und somit in einer augustinischen Verehrungstradition steht.
Rolle in der Liturgie
In der Liturgie wird die Augustinusregel vor allem bei Professfeiern (Ordensgelübden) sichtbar, wenn die Kandidaten öffentlich versprechen, ihr Leben nach dieser Regel auszurichten. Liturgisch wird der Bezug zur Regel besonders am Fest des heiligen Augustinus (28. August) sowie am Fest der Diözesanpatronin hervorgehoben.
In den Texten der Messfeier oder des Stundengebets augustinisch geprägter Gemeinschaften finden sich häufig Zitate aus der Regel, insbesondere der Aufruf zum „Cor unum et anima una“ (ein Herz und eine Seele). Diese liturgische Umsetzung macht die Regel zu einem lebendigen Gebetstext der Gemeinschaft.
Spirituelle Dimension und Symbolik
Die spirituelle Mitte der Augustinusregel ist die Liebe (Caritas). Der Eröffnungssatz „Vor allem anderen, geliebte Brüder, soll Gott geliebt werden, sodann der Nächste“ setzt den Maßstab. Die Symbolik der Regel findet sich oft in Darstellungen eines offenen Buches, das dem heiligen Augustinus beigegeben ist, oder in der Darstellung einer Gemeinschaft, die um ein flammendes Herz versammelt ist.
Die Regel symbolisiert die „Einheit in der Vielfalt“. Sie fordert keine uniforme Gleichschaltung, sondern eine Ausrichtung aller individuellen Talente auf das gemeinsame Ziel: die Suche nach Gott.
Kernaspekte im Überblick
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Name und Ursprung:Regula Sancti Augustini, ca. 397 n. Chr. von Augustinus von Hippo verfasst.
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Funktion und Zweck: Spirituelle Richtschnur für das Gemeinschaftsleben; Fokus auf Liebe, Armut und Gebet.
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Bedeutung im Bistum Essen: Fundament der Augustiner Chorfrauen (BMV) und spiritueller Hintergrund der Diözesanpatronin.
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Liturgische Präsenz: Zentral bei Professfeiern und an augustinischen Gedenktagen.
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Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Ideal der Gütergemeinschaft; Einfluss auf die europäische Bildungs- und Sozialgeschichte.