Die Askese

Begriffserklärung und Herkunft

Askese (griech. áskēsis = Übung, Training, anfänglich besonders das Training von Athleten) bezeichnet die freiwillige Übung in Enthaltsamkeit und Selbstdisziplin zur Erreichung eines religiösen, spirituellen oder philosophischen Ziels. In der christlichen Tradition meint Askese die bewusste Beschränkung oder den Verzicht auf weltliche Güter, Freuden oder Gewohnheiten, um sich intensiver dem Gebet, der Kontemplation und der Nachfolge Christi zu widmen. Historisch entwickelte sich die Askese im Christentum vor allem durch die Wüstenväter und das frühe Mönchtum, die den radikalen Bruch mit der Welt suchten.

Verankerung im Bistum Essen

Im Bistum Essen manifestiert sich Askese weniger in extremen mönchischen Formen als vielmehr in sozialer Verantwortung und struktureller Bescheidenheit. Die Karmeliten in Essen-Schuhr und die Benediktinerinnen in Essen-Bedingrade pflegen eine traditionelle Form der kontemplativen und tätigen Askese. Darüber hinaus spiegelt sich das asketische Prinzip in der Solidarität mit Arbeitslosen, Migranten und sozial Schwachen wider.

Rolle in der Liturgie

Die Askese ist in der Liturgie nicht direkt ein eigenständiger Akt, sondern die geistige Voraussetzung und Vorbereitung für die volle Teilnahme am Gottesdienst und den Sakramenten. Die Fastenzeit, die mit dem Aschermittwoch beginnt, ist die prominenteste liturgische Zeit asketischer Praxis. Hier wird der äußere Verzicht (Fasten, keine fleischlichen Speisen, Spenden) mit innerer Umkehr und Buße verbunden. Die asketische Haltung der Nüchternheit vor dem Empfang der Eucharistie (das "eucharistische Fasten") ist eine direkte liturgische Anwendung.

Spirituelle Dimension und Symbolik

Spirituell ist Askese der Weg zur inneren Freiheit und zur Reinigung des Herzens von weltlicher Bindung und Sünde. Sie symbolisiert die Kreuzesnachfolge Christi und die Bereitschaft, das eigene "Ich" dem göttlichen Willen unterzuordnen. Der Akt des Verzichts symbolisiert die Prioritätensetzung für das Reich Gottes und dient als mystische Übung zur Intensivierung der Gottesbeziehung. Die Reduktion auf das Wesentliche symbolisiert die Einkehr und die innere Leere, die Gott füllen soll.

Kernaspekte im Überblick

  • Name und Ursprung: Askese (griech. áskēsis), ursprünglich sportliches Training, im Christentum: spirituelle Übung in Enthaltsamkeit.

  • Funktion und Zweck: Reinigung des Herzens, Überwindung der Sünde, Intensivierung der Gottesbeziehung, Nachfolge Christi.

  • Bedeutung im Bistum Essen: Vor allem in sozialer Verantwortung und Bescheidenheit; vertreten durch kontemplative Orden wie Karmeliten (Essen-Schuir) und Benediktinerinnen (Essen-Bedingrade) sowie im Einsatz für sozial Benachteiligte.

  • Liturgische Präsenz: Besonders in der Fastenzeit (Buße, eucharistisches Fasten) als Haltung und Vorbereitung.

  • Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Verzicht als Spende und Solidarität mit den Benachteiligten im sozial geprägten Ruhrgebiet.