Der Aschermittwoch

Begriffserklärung und Herkunft

Der Aschermittwoch ist der siebte Mittwoch vor Ostern und folgt unmittelbar auf den Faschingsdienstag (Karnevalsdienstag). Der Name leitet sich von der liturgischen Praxis der Aschenauflegung (Impositio cinerum) ab. Sprachlich ist der Begriff eine wörtliche Beschreibung des Tages und seiner zentralen Zeremonie. Historisch entwickelte sich der Aschermittwoch im 11. Jahrhundert in Rom als fester Termin für den Beginn der 40-tägigen Fastenzeit. Die Zahl 40 symbolisiert die 40 Tage des Fastens Jesu in der Wüste. Die Tradition der Asche als Zeichen der Buße und Vergänglichkeit reicht jedoch bis in das frühe Christentum und das Alte Testament (z. B. Buch Jona) zurück.

Verankerung im Bistum Essen

Im Bistum Essen spielt der Aschermittwoch eine besondere Rolle als deutliches Zeichen für den Neubeginn und die Umkehr. Speziell im Ruhrgebiet, wo der Karneval in den Revierstädten Tradition hat, markiert der Aschermittwoch einen scharfen Schnitt und den bewussten Übergang von der Ausgelassenheit zur Besinnung. Die Aschenkreuze in den Kirchen des Bistums, von der Essener Kathedrale bis zu den Pfarrkirchen im Emscherbruch, sind ein sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit und des gemeinsamen Beginns der Bußzeit. Die Gottesdienste sind oft stark besucht, da die Gläubigen hier die bewusste Abkehr vom Alltagsleben und die Hinwendung zur Spiritualität suchen. 

Rolle in der Liturgie

Liturgisch ist der Aschermittwoch ein Tag des strengen Fastens und der Abstinenz. Die zentrale Feier ist die Eucharistiefeier mit der Segnung der Asche und der Auflegung des Aschenkreuzes. Die Asche wird aus den verbrannten Palmzweigen des Vorjahres-Palmsonntags gewonnen. Beim Auflegen des Kreuzes spricht der Priester oder Diakon traditionell einen von zwei Sätzen: „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehren wirst“ (Gen 3,19) oder „Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15). Mit dem Aschermittwoch beginnt der 40-tägige Zeitraum der Buße, der am Gründonnerstag vor der Abendmahlsfeier endet.

Spirituelle Dimension und Symbolik

Die Symbolik der Asche ist vielschichtig. Sie steht zunächst für Vergänglichkeit und Tod, da sie an die Sterblichkeit und Hinfälligkeit des irdischen Lebens erinnert („Memento mori“). Zugleich ist sie Ausdruck von Buße und Umkehr: Das Aschenkreuz symbolisiert die Bereitschaft zur Metanoia, also zur inneren Umkehr und zur Versöhnung mit Gott. Darüber hinaus verweist die Asche auch auf Reinigung – in antiken Kulturen wurde sie als Reinigungsmittel verwendet und steht damit sinnbildlich für die geistige Läuterung während der Fastenzeit. Diese wiederum dient der Vorbereitung auf Ostern durch Gebet, Fasten und Almosengeben und soll die Gläubigen zu einer vertieften Beziehung zu Gott führen.

Kernaspekte im Überblick

  • Name und Ursprung: Benannt nach der Aschenauflegung; Beginn der 40-tägigen Fastenzeit, historisch etabliert im 11. Jahrhundert.

  • Funktion und Zweck: Auftakt zur österlichen Bußzeit; Mahnung zur Buße, Umkehr und Vergänglichkeit.

  • Bedeutung im Bistum Essen: Markanter Schnitt zum Karneval; sichtbares Zeichen der Buße in der Industriekultur; Tradition des Fischessens.

  • Liturgische Präsenz: Strenger Fast- und Abstinenztag; Segnung und Auflegung der Asche (aus Palmzweigen); Spruch: „Bedenke, Mensch…“ oder „Kehrt um…“.

  • Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Ende der närrischen Zeit; verbreitetes Fischessen als Ausdruck der Buße und Abgrenzung.