Apostolischer Protonotar

Begriffserklärung und Herkunft

Der Begriff Apostolischer Protonotar (lateinisch: protonotarius apostolicus) bezeichnet heute sowohl bestimmte Prälaten der Römischen Kurie als auch Träger eines hohen päpstlichen Ehrentitels. Sprachlich leitet sich das Wort von griechisch prōtos (erster) und lateinisch notarius (Schreiber, Notar) ab, bedeutet also „Erster Notar“. Historisch ist das Amt bereits im 5. Jahrhundert in Rom als primicerius notariorum in Urbe bezeugt. Die eigentlichen, sogenannten Protonotarii Apostolici de numero (von der Zahl) sind die sieben Notare des Papstes und des Heiligen Stuhls, die für die Ausfertigung und Beurkundung wichtiger päpstlicher Dokumente zuständig sind. Weitaus häufiger begegnet man dem Titel als nicht-residierende Ehrendignität, dem sogenannten Protonotarii Apostolici supra numerum (überzählige Protonotare), der an verdiente Priester verliehen wird. Papst Franziskus hat die Vergabe der meisten päpstlichen Ehrentitel für Priester außerhalb des diplomatischen Dienstes 2014 stark eingeschränkt.

Verankerung im Bistum Essen

Im Bistum Essen ist der Titel des Apostolischen Protonotars eine seltene, aber höchste Auszeichnung für herausragende Verdienste eines Priesters um die Ortskirche und den Heiligen Stuhl. Er wird in der Regel auf Vorschlag des Diözesanbischofs verliehen. Konkrete Beispiele im Bistum Essen zeigen, dass der Titel oft Priestern zuteilwurde, die hohe Leitungsfunktionen innehatten, wie Generalvikare oder Dompropste. So wurde beispielsweise Prälat Dieter Schümmelfeder, langjähriger Generalvikar des Bistums, im Jahr 2000 zum Apostolischen Protonotar ernannt. Auch Dompropst em. Ferdinand Schulte Berge erhielt diese Auszeichnung. Im Ruhrbistum symbolisiert der Träger des Titels die unmittelbare Verbundenheit mit dem Papst und die Anerkennung des vatikanischen Zentrums für die Arbeit an der Basis. Obwohl der Titel in den Strukturen des Bistums selbst keine Leitungsfunktion mehr impliziert, ist seine Trägerperson durch das damit verbundene Prestige und die Mitgliedschaft in der Päpstlichen Familie eine herausragende Persönlichkeit.

Rolle in der Liturgie

In der Liturgie ist der Apostolische Protonotar an seiner feierlichen Chorkleidung erkennbar, die ihn von gewöhnlichen Priestern abhebt. Er trägt die violette Chorkleidung, bestehend aus violetter Soutane, einem violetten Zingulum (Gürtel) und einem Rochett (Chorrock) über der Soutane. Als höchste Stufe der Prälatenwürde hatten die Protonotare historisch das Recht, in bestimmten Gottesdiensten die sogenannten Pontifikalien (wie Brustkreuz und Mitra) zu tragen. Dies wird heute allerdings nur noch in Ausnahmefällen oder von den Protonotarii de numero praktiziert. Außerhalb der Liturgie trägt er eine schwarze Soutane mit violetten Knöpfen und einem violetten Zingulum. Im deutschen Sprachraum wird der Apostolische Protonotar als „Hochwürdigster Herr Prälat“ angesprochen.

Spirituelle Dimension und Symbolik

Die Verleihung des Titels ist spirituell betrachtet ein Zeichen der Wertschätzung der universalen Kirche (des Papstes) für den lokalen Klerus und dessen Treue im Dienst. Die violette Farbe seiner Amtskleidung, die in der Kirche oft Buße, Besinnung und Autorität symbolisiert, verweist auf die hohe Verantwortung und die Nähe zum päpstlichen Hof. Sie symbolisiert die herausgehobene Stellung im Dienst der Kirche und die Würde des Amtes. Der Titel impliziert symbolisch eine besondere Apostolizität, das heißt, die Bindung an das apostolische Lehramt und die Nachfolge Petri, die der Träger in seinem Wirken beispielhaft gelebt hat. 

Kernaspekte im Überblick

  • Name und Ursprung: Apostolischer Protonotar (protonotarius apostolicus). Lateinisch/Griechisch für „Erster Notar“. Historisch belegt seit dem 5. Jahrhundert als höchstes Notariat der römischen Kurie.

  • Funktion und Zweck: Ursprünglich Notar des Papstes (de numero). Heute meist höchster päpstlicher Ehrentitel (supra numerum) für verdiente Priester, verliehen auf Antrag des Bischofs.

  • Bedeutung im Bistum Essen: Seltene Anerkennung für Priester mit herausragenden Verdiensten und hohen diözesanen Ämtern (z.B. Generalvikar, Dompropst).

  • Liturgische Präsenz: Trägt die violette Chorkleidung; Anrede ist „Hochwürdigster Herr Prälat“.