Die Anglikanische Kirche
Begriffserklärung und Herkunft
Die Anglikanische Kirche (häufig als Anglican Communion oder Anglikanische Gemeinschaft bezeichnet) ist eine weltweite christliche Kirchengemeinschaft, deren Ursprung in der Kirche von England (Church of England) liegt. Der Name leitet sich vom lateinischen Wort Anglicanus ab. Die Kirche von England entstand im 16. Jahrhundert in Folge der englischen Reformation, hauptsächlich initiiert durch König Heinrich VIII.. Dieser trennte die englische Kirche 1534 vom römischen Papsttum, wobei er sich selbst zum Supremat (Oberhaupt) erklärte. Theologisch und liturgisch versteht sich der Anglikanismus als Via Media (mittlerer Weg) zwischen Katholizismus und Protestantismus. Weltweit ist der Erzbischof von Canterbury das symbolische Oberhaupt der Anglikanischen Gemeinschaft.
Verankerung im Bistum Essen
Im katholischen Bistum Essen manifestiert sich der Bezug zur Anglikanischen Kirche primär auf der Ebene der Ökumene. Es gibt zwar keine eigene Pfarrei der Church of England, die direkt dem Bistum Essen angehört, doch besteht im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) eine enge ökumenische Zusammenarbeit. Ein konkretes und öffentlich sichtbares Beispiel ist die regelmäßige Feier des Evensong – Abendsegen für die Stadt im Essener Dom. Diese Form des gesungenen Abendgebets entstammt direkt der anglikanischen Tradition (Choral Evensong) und wird vom katholischen Bistum bewusst als Brücke zur anglikanischen Liturgie und als ökumenischer Impuls genutzt. Die Übernahme dieser liturgischen Form ins katholische Dom-Programm bezeugt die Wertschätzung für das anglikanische Erbe und fördert das Bewusstsein für die weltweite Christenheit.
Rolle in der Liturgie
Die anglikanische Liturgie, insbesondere wie sie im Bistum Essen durch den Evensong rezipiert wird, ist von einer tiefen Musikalität und Gebundenheit an feste Formen geprägt. Der Evensong basiert auf dem Stundengebet (Vesper und Komplet) und ist bekannt für seine hochwertige Chormusik und gesungene Psalmen. Er betont das Element des Lobpreises und der kontemplativen Einkehr am Abend. Obwohl es sich bei den Evensongs im Essener Dom um ein katholisches Gebet handelt, das Elemente der anglikanischen Form aufnimmt, repräsentiert diese Praxis eine liturgische Offenheit.
Spirituelle Dimension und Symbolik
Die anglikanische Spiritualität wird oft durch das Prinzip des "Drei-Säulen-Modells" beschrieben: Schrift, Tradition und Vernunft. Die Bibel steht im Zentrum, doch wird sie stets im Licht der historischen Tradition der Kirche und der menschlichen Vernunft interpretiert. Die Anglikanische Kirche bewahrt die apostolische Sukzession (die ununterbrochene Weitergabe des Bischofsamtes), was ihr eine katholische Dimension verleiht, während die Betonung der Laienbeteiligung und der individuellen Gewissensentscheidung protestantische Züge trägt.
Kernaspekte im Überblick
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Name und Ursprung:Anglicanus (englisch); entstanden im 16. Jh. in England durch König Heinrich VIII. (Trennungsakt).
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Funktion und Zweck: Weltweite Kirchengemeinschaft (Anglican Communion) unter dem Ehrenvorsitz des Erzbischofs von Canterbury. Gilt als Via Media.
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Bedeutung im Bistum Essen: Wichtigster Bezugspunkt in der Ökumene, insbesondere durch die Nutzung des Evensong im Dom.
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Liturgische Präsenz: Hohe Wertschätzung für das Stundengebet, das im Bistum Essen als Evensong adaptiert wird.
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Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Bewahrung des dreifachen Amtes (Bischof, Priester, Diakon); starker Fokus auf Chormusik.