Altes Testament
Begriffserklärung und Herkunft
Das Alte Testament (AT) ist der erste und umfangreichere Hauptteil der christlichen Bibel. Es umfasst die heiligen Schriften der jüdischen Tradition, die im Judentum als Tanach bekannt sind. Der Begriff Altes Testament (Vetus Testamentum) wurde in frühchristlicher Zeit geprägt, um diesen Teil der Heiligen Schrift vom Neuen Testament (Novum Testamentum) zu unterscheiden. Das lateinische Wort Testamentum bedeutet „Bund“ oder „Vermächtnis“ und bezieht sich auf den Bund Gottes mit seinem Volk, insbesondere den Bund, den Gott mit Abraham und später mit Israel am Sinai schloss.
Der christliche Kanon des Alten Testaments umfasst in der katholischen Kirche 46 Bücher (einschließlich der Deuterokanonischen Schriften wie Tobit, Judit, Weisheit, Sirach, Baruch und 1./2. Makkabäer). Das AT erzählt die Geschichte der Schöpfung, den Fall des Menschen, die Führung Israels und die Prophezeiungen über den kommenden Messias.
Verankerung im Bistum Essen
Als integraler Teil der Heiligen Schrift bildet das Alte Testament die theologische und verkündigende Grundlage des Bistums Essen. Seine Bezüge zeigen sich in vielfältigen Bereichen. In Kunst und Ikonografie spiegelt sich die biblische Tradition in zahlreichen Kirchen des Ruhrgebiets wider – von gotischen Darstellungen bis zu modernen Sakralbauten. Ein herausragendes Beispiel ist die Goldene Madonna im Essener Dom, die auf alttestamentliche Typologien Mariens verweist, etwa auf den brennenden Dornbusch oder die Bundeslade. Auch in der Bibelpastoral und Bildungsarbeit spielt das Alte Testament eine zentrale Rolle: Das Bistum fördert durch Bibelkreise, Akademien und theologische Kurse die vertiefte Auseinandersetzung mit den alttestamentlichen Schriften. Schließlich ist das Alte Testament auch im ökumenischen und interreligiösen Dialog von grundlegender Bedeutung. Als gemeinsame Schriftbasis mit dem Judentum bildet es eine tragende Säule des interreligiösen Austauschs, der im Ruhrbistum aktiv gepflegt wird.
Rolle in der Liturgie
In der katholischen Liturgie kommt dem Alten Testament eine unverzichtbare Bedeutung zu. Seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) wurde seine Präsenz in der Messfeier deutlich gestärkt. In der Leseordnung ist die erste Lesung an Sonn- und Feiertagen in der Regel einem alttestamentlichen Text entnommen. Diese Auswahl steht meist in thematischer und theologischer Beziehung zum Evangelium und verdeutlicht so die Kontinuität zwischen Altem und Neuem Bund, häufig im Sinne einer Typologie. Einen weiteren zentralen Bestandteil bilden die Psalmen, der Gebetsschatz Israels, die als Antwortpsalm nach der ersten Lesung in jeder Messe gesungen oder gebetet werden. Besonders eindrucksvoll zeigt sich die Bedeutung des Alten Testaments in der Osterliturgie: In der Osternacht führen bis zu sieben alttestamentliche Lesungen – von der Schöpfung über Abrahams Glauben bis zum Exodus – die Heilsgeschichte bis zur Auferstehung Christi vor Augen.
Spirituelle Dimension und Symbolik
Das Alte Testament bildet die Grundlage des christlichen Gottesbildes und bietet die spirituelle Deutung der menschlichen Existenz. Es steht zugleich für die Vorbereitung und Verheißung der Erlösung durch Jesus Christus. Zentral ist der Gedanke des Bundes (Testamentum), der die Treue Gottes und die Geschichte seiner Beziehung zum Menschen ausdrückt und im Neuen Bund durch Christus seine Vollendung findet. Die prophetischen Schriften betonen die Hoffnung auf einen Erlöser, die Gerechtigkeit Gottes und die soziale Verantwortung der Glaubenden. In der Typologie schließlich werden Ereignisse, Personen oder Institutionen des Alten Testaments – etwa die Arche Noah oder das Paschalamm – als Vorbilder und Ankündigungen Christi und seiner Kirche verstanden.
Kernaspekte im Überblick
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Name und Ursprung: Erster Hauptteil der christlichen Bibel; Testamentum (lat.) = Bund; umfasst den jüdischen Tanach plus deuterokanonische Bücher.
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Funktion und Zweck: Erzählung der Heilsgeschichte vor Christus; Grundlage des christlichen Gottesbildes; Verheißung des Messias.
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Bedeutung im Bistum Essen: Grundlage von Verkündigung und Theologie; sichtbar in Kunst und Ikonografie; zentral in Bibelpastoral und Bildung; trägt den ökumenischen und interreligiösen Dialog mit dem Judentum.
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Liturgische Präsenz: In der Regel die Erste Lesung der Messe; alle Messen enthalten Psalmen; intensiv genutzt in der Osternachtsliturgie.
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Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Betont die Kontinuität der göttlichen Offenbarung; wird oft typologisch (als Vorbild für NT) interpretiert.