Der Altar

Begriffserklärung und Herkunft

Der Altar (lateinisch altare, von altus = hoch oder adolere = verbrennen) bezeichnet den zentralen und heiligsten Ort in einer Kirche. Er dient als Opfertisch für die Feier der Eucharistie. In der vorchristlichen Antike war der Altar ein erhöhter Platz für Opferrituale und die Anrufung der Götter.

Im Christentum entwickelte sich der Altar historisch von einem beweglichen Tisch des Herrn (Mensa Domini), in Anlehnung an den Tisch des Letzten Abendmahls, hin zu einem feststehenden Steinblock oder Kubus, der ab dem 4. und 5. Jahrhundert üblich wurde. Diese massive Form symbolisiert oft Christus selbst als Fundament, den "Eckstein" der Kirche. Der Altar muss nach den kirchenrechtlichen Vorgaben des römischen Ritus entweder aus Stein oder einem anderen würdigen und festen Material bestehen und ist nur für den Gottesdienst bestimmt.

Verankerung im Bistum Essen

Ein herausragendes Beispiel ist der Hauptaltar im Essener Dom. Seine Gestaltung ist bemerkenswert: Die Altarform erinnert zugleich an eine aufbrechende Tulpe als Symbol für Auferstehung und neues Leben sowie an den Tisch des Letzten Abendmahls.

Eine spezifische Besonderheit des Doms ist die Existenz von zwei Krypten mit je eigenen Altären: Die Altfridkrypta (Ostkrypta), die älteste Krypta, in der das Hochgrab des Heiligen Altfrid, des (Mit-)Begründers des Stifts, liegt. Die moderne Adveniatkrypta (Westkrypta), die als Grablege der Essener Bischöfe dient, beherbergt ebenfalls einen Altar, in dessen Sockel eine Reliquie des heiligen Liudger – dem zweiten Bistumspatron – geborgen ist.

Rolle in der Liturgie

Der Altar ist der zentrale Ort der Eucharistiefeier und steht im Mittelpunkt der liturgischen Handlung. Er repräsentiert Christus, dient als Opferort, an dem Brot und Wein zu Leib und Blut Christi werden, und als Tisch des Herrn, an dem die Gläubigen zur Kommunion eingeladen sind.

Die Altarweihe, die nur ein Bischof vornehmen darf, umfasst die Besprengung mit Weihwasser, die Salbung mit Chrisam-Öl als Zeichen für Christus, den Gesalbten, sowie das Verbrennen von Weihrauch, Symbol für das zum Himmel aufsteigende Gebet.

Spirituelle Dimension und Symbolik

Als zentrales Symbol des christlichen Glaubens verkörpert der Altar die geistliche Mitte der Kirche und manifestiert die Gegenwart Christi in zweifacher Hinsicht: als steiniger Fels der Kirche (Christus als Fundament) und als Tisch der Gemeinschaft (Christus als Speise).

Die im Altar integrierten Heiligenreliquien erinnern daran, dass die Kirche auf dem Fundament der Apostel und Heiligen errichtet ist und dass die Eucharistiefeier die Verbindung von Himmel und Erde, der streitenden und der triumphierenden Kirche, herstellt.

Kernaspekte im Überblick

  • Name und Ursprung: lat.: altare, von Tisch (Mensa Domini) zu Blockaltar.

  • Funktion und Zweck: Zentrum der Kirche, Ort der Feier des eucharistischen Opfers.

  • Bedeutung im Bistum Essen: Besonders im Essener Dom durch den Hauptaltar (Tulpenform) und die Altäre in den Bischofs- und Altfridkrypten präsent.

  • Liturgische Präsenz: Wird durch den Bischof mit Chrisam-Öl gesalbt (Altarweihe) und oft mit Reliquien versehen.

  • Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Verbindung von architektonischer Symbolik und theologischem Gehalt.