Das Aggiornamento
Begriffserklärung und Herkunft
Aggiornamento (italienisch: aggiornare) bedeutet wörtlich „auf den Tag bringen“ oder „aktualisieren“. Der Begriff wurde durch Papst Johannes XXIII. zum Leitwort für das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) und ist zu einem Schlüsselbegriff für die notwendige Erneuerung und Öffnung der katholischen Kirche geworden.
Das Anliegen des Papstes war es, die überlieferte Lehre und Tradition der Kirche nicht zu verändern, sondern sie so zu erforschen und auszulegen, dass sie von den Menschen der Gegenwart verstanden und gelebt werden kann, indem die Kirche die Botschaft des Evangeliums „so auslegt, wie unsere Zeit es verlangt“.
Verankerung im Bistum Essen
Das Bistum Essen ist seit seiner Gründung 1958 stark vom Geist des Aggiornamento geprägt. Die fortlaufenden Strukturreformen, neuen Leitungsmodelle und pastoralen Neuausrichtungen verstehen sich als Versuch, diesen Erneuerungsauftrag in die moderne Lebensrealität des Ruhrgebiets zu übertragen. Die Stärkung der Laien und die kollegiale Zusammenarbeit zwischen allen pastoralen Diensten spiegeln die konziliare Idee der Partizipation wider. Auch heute steht der Begriff für die ständige Aktualisierung kirchlichen Handelns, etwa in der Präventionsarbeit und pastoralen Entwicklung.
Rolle in der Liturgie
Das Aggiornamento zeigte sich besonders deutlich in der Liturgie, die durch das Konzil grundlegend erneuert wurde. Mit der Konstitution Sacrosanctum Concilium (1963) begann die Umsetzung dieser Reformen. Zentrale Anliegen waren die aktive Teilnahme aller Gläubigen am Gottesdienst sowie die Einführung der Volkssprache, die den Zugang zur Liturgie erleichterte und ihre Verständlichkeit wesentlich erhöhte.
Spirituelle Dimension und Symbolik
Als Leitgedanke des Zweiten Vatikanischen Konzils beschreibt das Aggiornamento eine umfassende spirituelle und theologische Erneuerung der Kirche. Es steht für die Öffnung gegenüber der Gegenwart und prägt bis heute das Verständnis kirchlicher Entwicklung. In der heutigen Zeit wird dieser Impuls besonders in der Synodalität der Kirche fortgeführt, die auf die aktive Beteiligung aller Gläubigen sowie die Anerkennung ihrer Würde und Mitverantwortung zielt.
Kernaspekte im Überblick
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Name und Ursprung: Ital.: Aggiornamento („auf den Tag bringen“). Leitwort von Papst Johannes XXIII. für das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965).
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Funktion und Zweck: Zeitgemäße Erneuerung der katholischen Kirche und ihrer Strukturen, um den Dialog mit der modernen Welt zu ermöglichen, ohne das Glaubensgut aufzugeben.
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Bedeutung im Bistum Essen: Grundlage zahlreicher Reformprozesse wie Pfarreineuordnung, Leitungsmodelle und pastorale Neuausrichtungen; prägend für das Selbstverständnis als „Kirche im Volk“ und die Stärkung der Laien.
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Liturgische Präsenz: Umsetzung in der Liturgiereform (Sacrosanctum Concilium), insbesondere durch die Einführung der Volkssprache und die Förderung der aktiven Teilnahme aller Gläubigen.
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Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Symbol für die Öffnung der Kirche zur Welt, für Synodalität und gemeinsames Handeln; Ausdruck der Mitverantwortung und Würde jedes Getauften.