von Thomas Rünker

Prälat und „Kommissar h.c.“ Martin Pischel wird 80

Der Essener Priester war Bischöflicher Kaplan des ersten Ruhrbischofs Franz Hengsbach, Personalchef für das pastorale Personal im Ruhrbistum, engagierte sich als Domkapitular für die Essener Kathedrale – und half 1985 eine Erpressung aufzuklären.

Prälat Martin Pischel hat in 80 Lebensjahren – davon die meisten im Dienst der Kirche – jede Menge Titel erhalten: Bischöflicher Geheimsekretär, Päpstlicher Ehrenkaplan, Wirklicher Geistlicher Rat, Domkapitular … Und dann ist Prälat Pischel auch noch ein ganz weltlicher „Kommissar h.c.”. Am Sonntag, 1. August, vollendet der ehemalige Personalchef für die Geistlichen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im pastoralen Dienst des Bistums Essen sein 80. Lebensjahr.

Die zahlreichen Titel spiegeln ein zweifellos bewegtes Leben wider sowie ein hohes Maß an Anerkennung und Wertschätzung, keineswegs jedoch ein lautstarkes Wirken in der Öffentlichkeit. „Prälat Pischel war zuerst Priester und kein Funktionär“, so Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck. Pischel sei stets ein „Begleitender, Hörender und Helfender“ gewesen, mit einem Wissen über das Bistum wie kaum ein anderer. Allein 18 Jahre hat der 1941 im oberschlesischen Neiße geborene Pischel im direkten Umfeld des ersten Bischofs von Essen, Franz Hengsbach, gearbeitet. Als Bischöflicher Kaplan  war er nicht von der Seite des Ruhrbischofs wegzudenken. Geprägt von einer bescheidenen und zugleich offenen und warmherzigen Art – so wird Pischel seitdem im Ruhrbistum beschrieben.

Bischof Hengsbach holte Pischel ins Bischofshaus

Am 19. Juli 1967 hatte er von Bischof Hengsbach in der Herz-Jesu-Kirche in Essen-Burgaltendorf die Priesterweihe empfangen. Nach knapp vierjähriger Tätigkeit als Kaplan in St. Barbara, Duisburg-Hamborn, ernannte ihn Hengsbach zum Bischöflichen Kaplan und holte ihn ins Bischofshaus. 1976 wurde Pischel Domvikar an der Essener Domkirche und 1983 zum Päpstlichen Ehrenkaplan ernannt. 1989 wechselte er in das Personaldezernat des Bischöflichen Generalvikariates, dessen Leitung er drei Jahre später übernahm. Von 1992 bis 2016 gehörte Pischel als Residierender Domkapitular zum Domkapitel der Essener Kathedralkirche. Sowohl der zweite Ruhrbischof Hubert Luthe als auch dessen Nachfolger Felix Genn beriefen ihn jeweils zum stellvertretenden Bischöflichen Generalvikar. Papst Johannes Paul II. würdigte Pischels Arbeit 1996 mit der Ernennung zum Päpstlichen Ehrenprälaten.

Hilfe bei einer gescheiterten Erpressung

Schon seit 1985 darf sich Pischel zudem „Kommissar ehrenhalber“ nennen – und ist vermutlich der einzige Domkapitular mit dieser Auszeichnung. Die Essener Kriminalpolizei hatte ihm seinerzeit eine entsprechende Urkunde als Anerkennung für die gute Zusammenarbeit bei einer vereitelten Erpressung dreier großer Chemiekonzerne überreicht. Bischof Franz Hengsbach sollte damals das geforderte Lösegeld von neun Millionen Mark überbringen. Als sein Geheimsekretär führte Pischel die ersten Telefonkontakte mit den Erpressern. Schließlich konnte er diese so lange hinhalten, bis die Kripo den Fall übernahm – und erfolgreich aufklärte.

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