von Ulrich Lota

Overbeck: „Kleriker sollten nicht allein über Kleriker entscheiden“

Ruhrbischof bekräftigt bei Missbrauchsaufarbeitung Weg der Erneuerung. Stellungnahme zur Münsteraner Missbrauchsstudie

Der Essener Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck hat den historischen Ansatz der am Montag, 13. Juni, veröffentlichten Missbrauchsstudie in seinem Heimatbistum Münster begrüßt. Mit diesem Perspektivwechsel werde deutlich, wie sehr sexuelle Gewalt in der katholischen Kirche systemische Ursachen habe, „die es weiter aufzuarbeiten und zu überwinden gilt“. Darum wolle er sich in der katholischen Kirche auch weiterhin entschieden für einen Weg der Erneuerung einsetzen, bei dem die Perspektive der Betroffenen stets den Vorrang haben müsse. Overbeck war von 2007 bis 2009 Weihbischof in Münster und leitete nach dem altersbedingten Rücktritt von Bischof Reinhard Lettmann das Bistum von 2008 bis 2009 als Diözesanadministrator.

Deshalb war Overbeck auch vom Forscherteam der Münsteraner Missbrauchsstudie zu Vorfällen befragt worden, die in seine Amtszeit fallen, insbesondere zum Fall des Priesters M., der in der Untersuchung im Rahmen der ausführlichen Fallstudien dargestellt wird. Overbeck sieht sich in dem Berichtsteil korrekt wiedergebeben. „Der Fall M. wird – soweit es mein Handeln betrifft – in der Studie richtig geschildert und stimmt mit meinen Erinnerungen überein“, betonte Overbeck in einer Stellungnahme. Zum damaligen Zeitpunkt habe er keinen weiteren Handlungsbedarf gesehen und deshalb dem Vorschlag des ehemaligen Regens und Vorsitzenden der Missbrauchskommission Dr. Hans Döink zugestimmt, „die Angelegenheit zum jetzigen Zeitpunkt als erledigt zu betrachten“, wie es in der Studie wörtlich nachzulesen ist.

Die Verfasser der Missbrauchsstudie weisen darauf hin, dass der damalige Weihbischof Overbeck den Fall des beschuldigten Priesters M. nicht allen Mitgliedern der damaligen Missbrauchskommission im Bistum Münster vorgelegt hat, was ihrem Ermessen nach als nicht regelkonform erscheint.

Overbeck: „Zu dieser damals getroffenen Entscheidung stehe ich und übernehme dafür auch die Verantwortung. Heute würde ich zweifellos anders handeln – auch deshalb, weil die Entscheidung über einen beschuldigten Kleriker nicht allein durch Kleriker gefällt werden darf.“ Er habe in den zurückliegenden Jahren gelernt, dass die Klärung und Aufarbeitung von sexualisierter Gewalt in der Kirche unbedingt externe und unabhängige Expertise verlangt, fügte der Ruhrbischof hinzu.

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