von Cordula Spangenberg

"Orange the World" gegen Gewalt an Frauen und Mädchen

Das Caritas Frauenhaus Bochum bietet misshandelten Frauen einen sicheren Zufluchtsort. Wie wichtig das ist, zeigen auch die neuen Zahlen zur Partnerschaftsgewalt, die das Bundeskriminalamt zu den „Orange the World“-Aktionstagen veröffentlicht.

143.016 Fälle von gewalttätigen Übergriffen in Partnerschaften kamen im Jahr 2021 in Deutschland zur Anzeige, 80 Prozent der Betroffenen waren weiblich. Zahlen wie diese hat das Bundeskriminalamt in seiner Statistik 2021 zur Partnerschaftsgewalt veröffentlicht – pünktlich zum „Orange Day“ am Freitag, 25. November, dem Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Die in der neuen Polizeistatistik aufgeführten Delikte reichen von Bedrohung und Nötigung (24 %) über vorsätzliche einfache Körperverletzung (60 %) und gefährliche Körperverletzung (12 %) bis hin zu Vergewaltigung (2,5 %) sowie Mord und Totschlag (0,3 %).

Die Aktionstage „Orange the World“ laufen bis zum 10. Dezember, dem internationalen Tag der Menschenrechte. Die Aktiven wollen aufmerksam machen, informieren und verändern. Wenn auch in diesem Jahr aus Energiespargründen kein öffentliches Gebäude orange angestrahlt wird, so ist „Orange“ dennoch die Signalfarbe für Aktionen auch in den Städten des Ruhrgebietes, die auf das Problem der Partnerschaftsgewalt aufmerksam machen.

Ein sicherer Ort für misshandelte Frauen ist im Ruhrbistum schon seit 1981 das Frauenhaus Bochum (Tel. 0234 /501034). Im April 2022 konnte die Caritas-Einrichtung einen Neubau beziehen – auch dank der gemeinschaftlichen Anstrengung vieler Spendenwilliger. Auf 870 Quadratmetern finden hier 14 Frauen mit 15 Kindern geschützte Wohnbedingungen und soziale Unterstützung, um wieder zu Kräften zu kommen und ihre künftige Lebenssituation zu klären – begleitet von vier Sozialarbeiterinnen, zwei Erzieherinnen, eine Hauswirtschafterin und eine Verwaltungskraft.

Während der Pandemie mit ihren Lockdown-Zeiten haben deutlich mehr Frauen die Nummer des zentralen Frauenhilfetelefons gewählt, es gab bundesweit im Jahr 2021 mehr als 54.000 Telefonberatungen (2019: 45.000). Das Thema Partnergewalt der „Orange Days“ gehört im Frauenhaus Bochum zum Alltag.

Vier Fragen an Ulrike Langer, Leiterin des Frauenhauses Bochum:

Wie erleben Sie die Corona-Zeit im Frauenhaus Bochum?

Die Anfragen an unser Frauenhaus sind konstant geblieben. Laut Kriminalstatistik steigt die Zahl der Opfer häuslicher Gewalt, die betroffenen Frauen hatten aber offenbar Sorge vor dem engeren Zusammensein in einer Gemeinschaftsunterkunft. Zugleich scheint die größere Kontrolle daheim während des Lockdowns weniger Möglichkeiten zu bieten, sich zu entfernen oder sich vom Partner zu trennen. Auffällig ist allerdings, dass mehr deutschstämmige Frauen bei uns Hilfe angefragt haben, weil sie während des Lockdowns offenbar keine privaten Ausweichlösungen finden konnten. In der Regel haben rund 90 Prozent unserer Frauen Migrationshintergrund. Wir gehen davon aus, dass viele von ihnen zu Hause eingesperrt waren und stark kontrolliert wurden.

Viele Frauen halten lange durch, bevor sie sich trauen, etwas zu ändern. Wann ist der Zeitpunkt, ins Frauenhaus zu gehen?

Allerspätestens, wenn das Leben bedroht ist, sollte eine Frau handeln. Aber der Punkt wäre schon erreicht, wenn es keine Veränderung im Zusammenleben gibt – trotz aller Beschwichtigungen und Versprechen des Mannes, nicht mehr gewalttätig zu sein.

Wie findet man einen Platz im Frauenhaus?

Rufen Sie an, Tag und Nacht! Auf der Internetseite www.frauen-info-netz.de finden sich die Kontakte aller Frauenhäuser in Deutschland. Wir helfen den Frauen, einen freien Platz zu finden, entweder in der Nähe zum Wohnort oder auch entfernt, wenn das dem Schutz der Frau dient. Auf jeden Fall kann man sich unter der Nummer 110 an die Polizei wenden, wenn man schnell Hilfe benötigt. Die Anreise zum Frauenhaus muss allerdings selbst organisiert werden.

Was würden Sie ändern?

Ich wünsche mir eine bessere Finanzierung unserer Arbeit, damit Frauen schnell und unbürokratisch aufgenommen werden können, ohne dass zuvor der Aufenthaltstitel geklärt werden muss. Für Frauen, die ihre Unterbringung nicht selbst bezahlen können, springen Jobcenter oder Sozialamt ein – dafür müssen aber zunächst Anträge gestellt werden. Unserem Caritas-Frauenhaus in Bochum stellt die Stadt einen Fond zur Verfügung, um den Aufenthalt von Frauen zu finanzieren, für die kein Leistungsträger einspringt. So kann für die Frauen eine gewisse Zeit überbrückt werden.

Wohin können sich Betroffene wenden?

Um betroffenen Frauen möglichst schnell zu helfen, gibt es verschiedene Hilfsangebote. Sie können erste Anlaufstelle für Betroffene, aber auch für Menschen sein, die etwas beobachtet haben:

  • Frauenhilfetelefon: Unter der kostenlosen Telefonnummer 08000 116 016 beraten und informieren die Mitarbeiterinnen des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ rund um die Uhr in 17 Sprachen zu allen Formen von Gewalt gegen Frauen.
  • Frauenberatungsstellen: Bundesweit gibt es mittlerweile mehr als 600 Fachberatungsstellen, an die sich Betroffene wenden können. Sie sind darauf spezialisiert, Frauen zu beraten, unterstützen und begleiten, die Opfer von Gewalt geworden sind.
  • Frauenhäuser: Um Frauen mit ihren Kindern schnell, unbürokratisch und zuverlässig Schutz und Beratung anbieten zu können, gibt es bundesweit Frauenhäuser.
  • Internetseite "Stärker als Gewalt": Die Initiative bündelt auf ihrer Website den Zugang zu einer Vielzahl an bundesweiten Hilfe- und Beratungsangeboten.
  • Frauenhaus Bochum: Zu jeder Tages- und Nachtzeit gibt es hier Hilfe und einen sicheren Zufluchtsort, Tel.0234 501034.
  •  In bedrohlichen Situationen gilt: Sofort den Notruf der Polizei 110 wählen. Dabei muss es noch nicht zu körperlicher Gewalt gekommen sein. Es reicht, dass die Situation als bedrohlich empfunden wird.

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