von Thomas Rünker

Lina Wittemeier möchte mit christlicher Pop-Musik bewegen

Die 24-jährige Sängerin und Pianistin ist die neue Pop-Kantorin des Bistums Essen. Nachdem das Bistum zwischen 2017 und 2020 bereits erste Projekterfahrungen mit christlicher Pop-Musik gemacht hat, wird diese nun als fester Bestandteil der Kirchenmusik in der Diözese verankert. Zugleich beteiligt sich der Evangelische Kirchenkreis Essen an der Initiative und unterstreicht so die ökumenische Bedeutung dieser Musik.

„Komm und lobe den Herrn, meine Seele singt, bete den König an!“, klingt es in der Essener Marktkirche. Kein Mikrofon, auch das E-Piano schweigt: Lina Wittemeier singt a capella. Doch was eigentlich nur als spontane Einlage für den Fototermin gedacht war, sorgt bei den wenigen Menschen, die an diesem Mittag das Gotteshaus besuchen, für Gänsehaut. So soll das auch künftig sein: Die 24-jährige Sängerin und Pianistin ist die neue Pop-Kantorin des Bistums Essen. Mit Chor-Workshops, Gottesdiensten, Band-Coachings und Konzerten will sie christliche Pop-Musik und andere moderne Musik-Stile mit Glaubensinhalten bekannt machen und verbreiten. Nicht als Konkurrenz zu Orgel und Bach-Choral, sondern als Alternative für die – meist jüngeren – Menschen, die mit klassischer Kirchenmusik nicht viel anfangen können.

„Das geht ganz viel über Emotionen“, sagt der Kirchenmusikbeauftragte des Ruhrbistums, Stefan Glaser, der sich schon seit mehr als fünf Jahren für eine professionelle moderne Kirchenmusik wie „Praise&Worship“ stark macht. Denn mit Wittemeier knüpft das Ruhrbistum nach einer längeren Corona-Pause an das seinerzeit bundesweit erste katholische Pop-Kantoren-Projekt an, mit dem die Diözese bereits ab 2017 erste Erfahrungen gesammelt hat. Neu ist nun, dass das Bistum die christliche Popmusik nicht mehr als Projekt behandelt, sondern ihr einen dauerhaften Platz in der Kirchenmusik gegeben hat: Lina Wittemeier ist als Pop-Kantorin fest angestellt.

Ökumenische Zusammenarbeit bei der Kirchenmusik

Zugleich hat das Thema im Ruhrgebiet nun auch eine ökumenische Dimension: Gospel, Praise&Worship, Taizé-Musik oder Neues Geistliches Liedgut sind in der katholischen wie in der evangelischen Kirche bekannt. Deshalb beteiligt sich der Evangelische Kirchenkreis an der kirchlichen Popmusik-Initiative des Ruhrbistums und steuert vorerst für die nächsten drei Jahre insgesamt 75.000 Euro zur Finanzierung bei. Nach dem Start der gemeinsamen Kirchenmusik-Ausbildung in der Bischöflichen Kirchenmusikschule ist dies aus Sicht des evangelischen Kreiskantors Thomas Rudolph ein weiterer „Meilenstein in der Zusammenarbeit“. Als Kreiskantor freue er sich sehr, „dass die christliche Popularmusik, die sich in vielen Gemeinden bereits großer Beliebtheit erfreut, in den kommenden Jahren eine professionelle Aufbauarbeit erfährt“.

Workshops und Coachings mit der Pop-Kantorin

Haupt- und ehrenamtliche Kirchenmusikerinnen und –musiker, Chöre, Bands, andere Gruppen oder Gemeinden können sich bei Lina Wittemeier melden (E-Mail: lina.wittemeier@bistum-essen.de, Tel: 0151 61384072). Je nach Interesse und Bedarf stimmt die Pop-Kantorin mit den Interessierten individuelle Einzel-Workshops oder längerfristige Coachings ab. Die Kosten dafür trägt größtenteils das Bistum, bei manchen Veranstaltungen wird es eine geringe Kostenbeteiligung der Pfarrei geben.

Ökumene und Professionalität: Dafür steht Lina Wittemeier. Aufgewachsen in Ostwestfalen ist sie über die Oma zum Klavierspiel gekommen und hat als Schülerin erste Erfahrungen in einer Kirchen-Band gesammelt. Zuletzt hat sie sechs Jahre an der Wittener Pop-Akademie studiert, der Pop-Abteilung der evangelischen Hochschule für Kirchenmusik Herford-Witten. Dort war Martin Drazek einer ihrer Dozenten, der ebenfalls als Pop-Kantor im Ruhrbistum gewirkt hat und heute Musik-Professor in Witten ist. Wittemeier gehört zur Handvoll der ersten Absolvierenden des neuen Wittener Master-Studiengangs „Kirchenmusikalische Ausbildung für den Pop-Bereich“ – und hat sich als Protestantin bewusst für einen Job im katholischen Bistum Essen entschieden: „Ich glaube, dass sich hier im Bistum Essen viel bewegt – und man viel bewegen kann.“

„Ich finde es bereichernd, andere Leute mit Musik in Kontakt zu bringen“

Und wenn’s um Musik geht, möchte Wittemeier gern ihren Teil dazu beitragen. „Ich finde es bereichernd, andere Leute mit Musik in Kontakt zu bringen“, beschreibt sie ihre Aufgabe. Als Pop-Kantorin gehe es darum, die eigenen Fähigkeiten weiterzugeben und nicht, sich selbst darzustellen. Wie ihre Vorgänger wird sie deshalb vor allem mit Chören, Bands und Einzelpersonen arbeiten, die sich für christliche Popmusik interessieren. Und sie bietet Coachings an für Musik-Gruppen, die schon in diesem Bereich unterwegs sind und mit Wittemeiers Hilfe besser werden möchten. „Daneben wird es auch Veranstaltungen und Gottesdienste in Verbindung zum Beispiel mit Workshops und offenem Singen geben“, kündigt Glaser an. So ist Wittemeier zusammen mit anderen Musikerinnen und Musikern bereits fest beim Essener Reformationsfest der Evangelischen Stadtkirche eingeplant. Und auch die Gelsenkirchener Jugendkirche „GleisX“ soll wieder ein besonderer Ort für christliche Pop-Musik werden.

Gefragt nach ihrem Lieblingstitel aus der Praise&Worship-Welt schüttelt Pop-Kantorin Wittemeier den Kopf: „Nein, da gibt es nicht das eine Lied. Dafür ist die Vielfalt viel zu groß und es hängt immer von meiner Stimmung ab, ob mich zum Beispiel gerade eher eine sehr gefühlvolle Musik oder ein besonders tiefgehender Text anspricht.“ All dies böte die christliche Pop-Musik, sagt Wittemeier, die „auf jeden Fall das Potenzial“ sieht, dass die moderne und die klassische Kirchenmusik im Bistum Essen gut nebeneinander stehen können. Um Menschen anzusprechen müssten beide Musik-Formen gut, also professionell, gespielt werden. Während dies bei der klassischen Kirchenmusik längst selbstverständlich sei, zögen Bistümer, Landeskirchen und Hochschulen in der kirchlichen Pop-Musik nun langsam nach.

Pop-Kantorin

Lina Wittemeier

Zwölfling 16, 45127 Essen

Bischöflicher Beauftragter für Kirchenmusik

Stefan Glaser

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