von Hubert Röser | Caritas

Digitale Seniorenwallfahrt im Bistum Essen

Auch in diesem Jahr konnte die traditionelle Seniorenwallfahrt zum Bochumer Kloster Stiepel noch nicht wie gewohnt stattfinden. An der Andacht teilnehmen konnten die Senioren und Seniorinnen am Samstag, 27. Juni, allerdings per Livestream.

Alltagsbetreuerin Birgit Certa fährt die 101-jährige Ria Warneke im Rollstuhl in die Cafeteria des Pflegeheims St. Mauritius-Stift in Bochum. „Ich bin immer gerne zur Seniorenwallfahrt zum Kloster Stiepel gefahren. Dieses Jahr ist das ja nicht möglich, da schau ich mir jetzt die Übertragung an!“, freut sich die Seniorin. Mit ihr verfolgen weitere rund 20 pflegebedürftige Menschen den Live-Stream der Wallfahrtsandacht auf YouTube. Alle stationären Pflegeeinrichtungen im Bistum waren über den Caritas-Verband dazu eingeladen worden.

Ein Zeichen der Verbundenheit und Solidarität

In vielen der teilnehmenden Einrichtungen wurde danach durch die Seelsorger vor Ort das Sakrament der Krankensalbung gespendet. „Damit konnte die 15-jährige Tradition der Wallfahrt fortgesetzt werden, in denen dieses wichtige Zeichen eine zentrale Rolle gespielt hat“, freut sich Dieter Merten vom Stiepeler Kreis, einem Zusammenschluss engagierter Heimbetreiber, die damals die Idee zur Seniorenwallfahrt hatten und diese zur mittlerweile größten Veranstaltung dieser Art bundesweit gemacht haben.

„Mit diesem digitalen Angebot möchten wir ein Zeichen der Verbundenheit und Solidarität schaffen, gerade jetzt in Zeiten der Pandemie“, beschreibt Sandra Evers, die zusammen mit Pater Elias die technische Umsetzung des Vorhabens realisiert hat, die Zielsetzung der Übertragung. Nachdem die Wallfahrt im vergangenen Jahr pandemiebedingt komplett ausfallen musste, wollten Kloster und Stiepeler Kreis mit dem Live-Stream die Verbindung zu den Pflegeeinrichtungen wieder stärken: „Wir freuen uns, dass Sie sich digital auf den Weg gemacht haben“, sagte der Stiepeler Wallfahrtsrektor Pater Rupert Fetsch bei seiner Begrüßungsansprache, um später hinzuzufügen: „Seien Sie sicher: Wir Mönche beten für Sie!“

In einem Gebet brachte Dieter Merten das Problem auf den Punkt: „Das Virus offenbart, wie es um unsere Gesellschaft steht, um unsere Reserven, um unsere Anfälligkeit, um unseren Zusammenhalt. Die Krise bringt unschöne Seiten ans Licht“, sagte er und erinnerte an Panikkäufe, etliche Profiteure und das überstrapazierte Gesundheitssystem. Den Trost, den der Glauben und die Fürsprache Mariens dagegen setzen, kam bei den Senioren und Seniorinnen in St. Mauritius-Stift gut an. „Das war sehr wohltuend!“, sagte der 74-jährige Wolfgang Myssen, „auch wenn es in diesem Jahr anders als sonst war.“ Direkt im Anschluss an die Übertragung spendete Pastor Jürgen Kuhn, der das St. Mauritius-Stift seelsorglich betreut, das Sakrament der Krankensalbung, für viele Bewohner und Bewohnerinnen ein besonderer Moment, der sie sichtlich bewegte.

Mehr als doppelt so viele Gläubige konnten teilnehmen

Für Einrichtungsleiterin Simone Füting hatte die digitale Wallfahrt etwas Zukunftsweisendes: „Nur ein sehr kleiner Teil unserer Bewohnenden ist überhaupt in der Lage, die Anstrengungen einer Wallfahrt noch zu meistern. Bei den letzten Malen waren das nur fünf bis zehn Bewohnerinnen und Bewohner. Denen hat das besonders gut gefallen, eine Busreise zu unternehmen und mit rund 1500 anderen Menschen an einem Gottesdienst teilzunehmen. Jetzt aber haben hier in unserer Einrichtung über 20 – also mehr als doppelt so viele – Gläubige teilgenommen: Insofern würde ich es begrüßen, wenn es im nächsten Jahr erneut eine Übertragung für diejenigen gibt, die nicht in der Lage sind, an dem in Stiepel gefeierten Gottesdienst teilzunehmen!“

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