von Thomas Rünker

Der goldene Mataré-Engel weist auf dem Essener Bischofshaus wieder den Weg

Nachdem er vor gut anderthalb Jahren seinen Arm verloren hatte, war das Wahrzeichen des Essener Bischofshauses zuletzt sechs Monate zur Restaurierung in Düsseldorf. Nun ist die Figur zurückgekehrt: Mit einem neuen Arm und frisch vergoldet.

Der Mataré-Engel ist wieder da: Fast sechs Monate nach seinem Ausflug in die Düsseldorfer Kunstgießerei Kayser und gut anderthalb Jahre, nachdem vermutlich ein Sturm seinen rechten Arm abgebrochen hatte, steht die 1,36 Meter hohe Figur seit Montagmittag wieder an ihrem Platz auf dem Essener Bischofshaus.

Große Erleichterung macht sich auf dem Burgplatz breit, als der Kranfahrer die grünen Haltegurte von den Engelsflügeln entfernen kann. Endlich steht die rund 200 Kilogramm schwere Bronzefigur erstmals wieder frei und kann mit ihrem markanten, schlanken Arm nach Süden weisen. Vor allem Domschatzkammer-Leiterin Andrea Wegener und Dombaumeister Ralf Meyers atmen auf. Sie waren in den vergangenen Monaten immer wieder mit dem Engel befasst: Erst mit der aufwendigen Suche nach dem Arm – für den die Versicherung sogar eine Belohnung ausgelobt hatte – dann mit den Planungen für die Restaurierung.

Glück im Unglück: Der Engels-Zwilling in Kleve

Als Glück im Unglück stellte sich da die Tatsache heraus, dass das Museum Kurhaus Kleve, das den Nachlass des Bildhauers Ewald Mataré (1887-1965) verwaltet, eine exakte Kopie des Essener Engels im Bestand hat. Beide Bronze-Güsse stammen aus der gleichen Form – nur der Essener Engel wurde vergoldet. Im Sommer gab es deshalb in Düsseldorf ein Treffen der beiden Engels-Zwillinge. So konnten die Fachleute der Kunstgießerei mit dem Arm des Klever Engels eine Form herstellen, mit der ein neuer rechter Arm für sein Essener Pendant entstand.

Neben dem Arm dürfte den meisten Menschen, die nun vom Essener Burgplatz aus einen Blick auf den zurückgekehrten Engel werfen, die strahlend goldene Farbe auffallen: In Düsseldorf erhielt nämlich nicht nur der neue Arm, sondern die gesamte 1956 entstandene Engelsfigur eine neue Vergoldung: ein erstes Make-Up nach 66 Jahren. Daneben hat Restaurator Karl Tobias Friedrich aber auch die Stabilität der Figur in Augenschein genommen und unter anderem ein Flügelende wieder fixiert.

Neue Edelstahl-Stange sorgt für bessere Standfestigkeit

Komplett neu konzipiert wurde zudem die Standfestigkeit der Figur: Bislang lehnte der Engel an einer an seinem Rücken montierten Metallstange. Nun ruht er auf einem stabilen, durch die Kugel zu seinen Füßen getriebenen Edelstahl-Stab, der im Dach des Bischofshauses verankert wurde. „Allen Stürmen, die seit 1956 hier drüber geweht sind, soll diese Konstruktion standhalten“, sagt Meyers.

Schatzkammer-Leiterin Andrea Wegener will den Engel und das gesamte von Mataré gestaltete und nun wieder vollständige Portal des Essener Bischofshauses im nächsten Jahr mit eigenen Domschatzkammer-Angeboten beleuchten. Schließlich gebe es in dem 1956 zunächst als Portal für die Domschatzkammer geplanten Ensemble, „viele Bezüge zu unseren Schatzstücken“. Finanziert wurde das Portal für das eigentlich als Pfarrhaus mit Schatzkammer-Ausstellung konzipierte Gebäude seinerzeit durch eine Spende der Firma Krupp. Gemeinsam thematisieren die Gitter des Eingangs und im ersten Stock, die Steinfriese links und rechts sowie der nun zurückgekehrte Engel den Sieg des Lebens über den Tod.

Anstelle der Schatzkammer wohnen seit der Gründung des Bistums Essen 1958 die Essener Bischöfe unter dem Mataré-Engel. Sie folgen seitdem seinem wegweisenden Finger: Vom Bischofshaus hinaus in die Welt.

Bilder vom Besuch Bischof Overbecks in der Kunstgießerei Kayser:

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