von Katholische Nachrichtenagentur

Bischofskonferenz zwischen Ukraine-Krieg und Reformdebatten

Bis Donnerstag treffen sich die deutschen katholischen Bischöfe im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen zu ihrer Frühjahrsvollversammlung. Auf der Agenda stehen die weitere Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs und Debatten über Reformen in der Kirche im Rahmen des Synodalen Wegs. Überlagert wird das Treffen von den Sorgen angesichts des Kriegs in der Ukraine.

Der Krieg in der Ukraine beschäftigt auch die katholischen deutschen Bischöfe bei ihrer Frühjahrsvollversammlung. Zum Auftakt des Treffens im oberfränkischen Wallfahrtsort Vierzehnheiligen verurteilte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, am Montag den Angriff Russlands als völkerrechtswidrig. „Da werden Menschen, da werden Zivilisten vertrieben. Da wird versucht, eine legitime Regierung zu entmachten", so der Bischof von Limburg. Dies könne die Welt nicht auf sich beruhen lassen. Angesichts der Geflüchteten aus der Ukraine gelte es, höchste Solidarität in Deutschland zu beweisen. Für den ersten Abend der Vollversammlung planten die 69 katholischen deutschen Bischöfe ein Friedensgebet.

Diskussion um Umsetzung der Reformbeschlüsse erwartet

Zu den weiteren Schwerpunkten des viertägigen Treffens gehören der Kampf gegen sexuellen Missbrauch und die Debatte über Reformen in der Kirche. Kontroverse Debatten werden zum Reformprojekt Synodaler Weg erwartet, wenn es um die Frage geht, wie die Beschlüsse in den Bistümern realistisch umgesetzt werden können.

Eigens ging Bätzing in seiner Stellungnahme zum Auftakt des Bischofstreffens auf den Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki ein, der wegen der Aufarbeitung von Missbrauch in seinem Erzbistum auch nach einer mehrmonatigen Auszeit weiter unter Druck steht. Woelki, der Papst Franziskus seinen Rücktritt angeboten hatte, werde in Vierzehnheiligen die Gelegenheit haben, den Bischöfen über seine eigene Lage zu berichten, so Bätzing. Die Situation im Erzbistum bezeichnete er als „hoch angespannt“. Er selbst wünsche sich und hoffe, dass es ein neues Miteinander geben könne, so Bätzing. „Sonst muss der Papst handeln.“

Bistum Essen stellt Missbrauchstäter unter Führungsaufsicht

Mit Blick auf eine WDR-Umfrage, wonach in den meisten der 27 deutschen Bistümer Kontrollen von Missbrauchstätern nur unzureichend gewährleistet seien, betonte Bätzing, dass die Zuständigkeit hier bei den einzelnen Diözesen liege. „Wir können die Täter nicht wegsperren, wo es kein staatliches Urteil gegeben hat“, sagte der Limburger Bischof. Aber natürlich stelle sich die Frage, wie sich bei Tätern, die ihr Amt verloren hätten und nicht mehr in der Seelsorge aktiv seien, möglicher weiterer Missbrauch verhindern lasse. Im Bistum Essen werden Priester, die wegen sexuellen Missbrauchs außer Dienst genommen wurden, einer individuellen Führungsaufsicht unterzogen.

Bundesweite Änderungen beim Arbeitsrecht frühestens im Sommer

Weiter kündigte Bätzing an, dass die Bischöfe die Vorschriften des kirchlichen Arbeitsrechts für ihre Angestellten ohne Hast reformieren wollten. Es werde eine gründliche und tragfähige Lösung angestrebt. Im Grundsatz gehe es darum, den Menschen im kirchlichen Dienst nicht länger Vorschriften für die persönliche Lebensführung zu machen, sondern gemeinsame Werte und Ziele zu definieren. Erste konkrete Beschlussvorlagen erwarte er im Juni vom Ständigen Rat der Bischofskonferenz, dem regelmäßigen Treffen der 27 deutschen Ortsbischöfe. Mitte Februar hatten Bischof Franz-Josef Overbeck und Generalvikar Klaus Pfeffer in einem Brief an rund 3800 Kirchenbeschäftigte und Religionslehrerinnen und -lehrer im Bistum Essen bekräftigt, dass im Ruhrbistum kein Beschäftigter und keine Beschäftigte wegen des Beziehungslebens oder der sexuellen Orientierung berufliche Schwierigkeiten bekomme. Zudem hatte Generalvikar Pfeffer zusammen mit zehn weiteren deutschen Generalvikaren Bischof Bätzing aufgefordert das kirchliche Arbeitsrecht bundesweit einheitlich zu reformieren. Am Mittwoch will nun die Initiative #OutInChurch in Vierzehnheiligen eine Petition mit 110.000 Unterschriften zum Umgang der Kirche mit queeren Beschäftigten übergeben.

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