von Thomas Rünker

St.-Hildegardis-Gymnasium verabschiedet letzten Mädchen-Jahrgang

Festliche Zeremonie in der "Kraftzentrale"

Diese Abiturientinnen waren als Fünftklässlerinnen der letzte Mädchenjahrgang der Bistumsschule

Carlotta Vandecruys schaffte mit 894 Punkten das beste Duisburger Abitur

Corona bleibt auch im neuen Schuljahr ein Thema – unter anderem durch ausgeweiteten Förderunterricht

„Kraftzentrale“ – schon dem Namen nach ist das wohl nicht der schlechteste Ort für die Abiturfeier des Duisburger St.-Hildegardis-Gymnasiums. Weil eine würdige Zeugnisübergabe mit Gästen vielerorts coronabedingt kaum möglich ist, hatten die Stadt Duisburg und der Landschaftspark Nord den Schulen die weiträumige Industriekulisse im alten Stahlwerk für erschwingliche Konditionen angeboten. Das bischöfliche Gymnasium nahm dankbar an – und feierte am Samstag in ungewohntem Ambiente den Abschied des Jahrgangs, der in der 5. Klasse einst als letzte reine Mädchen-Stufe der traditionsreichen Schule gestartet war.

Von einer möglichen Kraftlosigkeit war dabei auch nach eineinhalb Corona-Schuljahren keine Rede: Schulleiterin Sabine Kretschmann-Dulisch und Eva Lingen, die Schuldezernentin des Bistums Essen, freuten sich bei der Zeugnisvergabe vielmehr über die „außergewöhnlich herausragenden Leistungen“. Allen voran Carlotta Vandecruys, die mit 894 Punkten ein Abitur weit jenseits der 1,0 schaffte und sich damit über das in diesem Jahr beste Duisburger Abi freuen kann. Aber auch die Ergebnisse ihrer Mitschülerinnen können sich sehen lassen: Fast die Hälfte der 58 Abiturientinnen hat eine eins vor dem Komma, auf fünf Zeugnissen konnte Kretschmann-Dulisch sogar „1,0“ notieren. „Die sind einfach alle toll!“, freute sich die Schulleiterin nach der Zeugnisvergabe über die Leistungen der gesamten Jahrgangsstufe.

Endgültiger Abschied von der Mädchenschule

Zugleich war die Feier der endgültige Abschied von der über 100-jährigen Geschichte des St.-Hildegardis-Gymnasiums als Mädchenschule. Seit dem Schuljahr 2014/2015 werden an der 1898 gegründeten Schule in der Duisburger Innenstadt auch Jungen unterrichtet. Mädchen und Jungen lernen zunächst in getrennten Klassen, deren Schülerinnen und Schüler sich dann im Laufe der Schulzeit zum Beispiel im Sprachen-Unterricht mischen, bis in der Oberstufe alle Kurse Jungen und Mädchen offen stehen. „Bi-Education“ heißt das Konzept, hinter dem die Schule heute voller Überzeugung steht – auch wenn sich Kretschmann-Dulisch noch lebhaft an den „holprigen Start“ erinnern kann: „Wir hatten einfach unterschätzt, welch‘ geballte Man-Power da plötzlich in unserer Schule war.“ Schließlich waren auch die meisten Lehrerinnen und Lehrer bis dahin nur den Unterricht von Mädchenklassen gewohnt. Aber mit klaren Regeln und viel Einfühlungsvermögen habe sich das getrennte Lernen in der gemeinsamen Schulgemeinschaft bis heute bewährt. Kretschmann-Dulisch betont diese doppelte Perspektive. Denn so sehr es im Unterricht darum geht, die unterschiedlichen Interessen und Entwicklungsunterschiede von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen, so gehe es gerade in den Pausen und im Nachmittagsprogramm auch um ein gutes Miteinander. Und auch was besonders enge Verhältnisse zwischen männlichen und weiblichen Teenagern angeht, beruhigt Kretschmann-Dulisch mit einem Schmunzeln: „Keine Sorge, die finden bei uns schon gut zueinander“.

Bischof Overbeck schreibt den Schulabgängern

In einem Brief an alle Schulabgänger der Bischöflichen Schulen verweist Bischof Franz-Josef Overbeck auf die großen Einschränkungen durch die Corona-Pandemie: „Als Schülerinnen und Schüler haben Sie lange auf vieles verzichtet, um verletzliche Menschen zu schützen. Das war gelebte Solidarität, vor allem mit der älteren Bevölkerung.“ Overbeck dankt für diese Solidarität und verbindet diesen Dank mit der Hoffnung „dass jetzt Ihre Bedürfnisse stärker in den Mittelpunkt rücken“.

An allen Bistumsschulen werden in diesen Tagen mit Gottesdiensten und feierlichen Zeugnisübergaben die Schülerinnen und Schüler der Abschlussklassen verabschiedet. Bischof Overbeck beteiligte sich am Freitag am Essener Mariengymnasium bei der Übergabe der Abiturzeugnisse und segnete die 87 jungen Frauen und Männer.

Ausgeweitete Förderangebote nach dem Corona-Schuljar

Vor allem nach der langen Corona-Pause genießen nun alle Schüler und Lehrer am St.-Hildegardis-Gymnasium jetzt noch bis zum Ferienstart am kommenden Wochenende das Miteinander im Schulgebäude. „Ich bin froh, dass die Kinder jetzt alle wieder da sind“, betont Kretschmann-Dulisch. „Es war für alle Beteiligten ein ganz anstrengendes Jahr“, erinnert sie an das Lernen und Lehren auf Distanz. Gerade die Kinder, „die vom Elternhaus kaum Unterstützung bekommen konnten, sind nun die Verlierer“. Im neuen Schuljahr werde es nun nicht nur darum gehen, Lernrückstände wieder aufzuholen, sondern vor allem darum, „die Schülerinnen und Schüler wieder aufzubauen“. Neben ihrem Lehrerkollegium setzt sie dabei auf Schulseelsorger, -solzialarbeiter und -psychologen. Aber auch der verpasste Lernstoff werde sich für viele Kinder und Jugendliche kaum nebenher aufholen lassen. Deshalb werden nach den Sommerferien die Förderstunden in den unteren Klassen verstärkt, die Lernwerkstätten im Nachmittagsbereich aufgestockt und zusätzliche Hausaufgabenbetreuungen angeboten.

Das klingt auch nach dem Sommer nicht nur nach routiniertem Schulalltag am St.-Hildegardis-Gymnasium – zumal dann noch die Zuwanderer-Kinder der neuen „Internationalen Vorbereitungsklasse“ die Schulgemeinschaft vergrößern. Knapp 70 Lehrerinnen und Lehrer stehen Kretschmann-Dulisch dann für insgesamt gut 900 Kinder und Jugendliche zur Verfügung. Die Schulleiterin schaut trotzdem frohen Mutes auf das nächste Schuljahr, verweist auf ihr „junges und sehr motiviertes“ Kollegium und betont: „Wir haben gelernt in der Zeit der Krise.“ 

Dezernentin

Eva Lingen

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