Augustiner
Begriffserklärung und Herkunft
Der Begriff Augustiner bezeichnet primär Angehörige verschiedener christlicher Ordensgemeinschaften, die sich auf die Regel des heiligen Augustinus von Hippo (354–430 n. Chr.) berufen. Augustinus, einer der bedeutendsten Kirchenväter, verfasste die wohl älteste christliche Mönchsregel des Westens, die das Gemeinschaftsleben auf der Grundlage von Liebe, Einheit und Eigentumslosigkeit strukturiert. Sprachlich leitet sich der Name direkt vom lateinischen Augustinus ab. Die wichtigste und bekannteste Gruppe sind die Augustiner-Eremiten (Ordo Eremitarum S. Augustini, OESA, seit 1963: Ordo S. Augustini, OSA), die im 13. Jahrhundert durch eine päpstliche Zusammenfassung verschiedener Einsiedlergruppen entstanden. Daneben existieren die Augustiner-Chorherren (Canones Regulares S. Augustini, CRSA) und die Augustiner-Eremitinnen. Die Regel des Augustinus ist zudem Grundlage vieler weiterer Orden und Kongregationen, wie etwa der Prämonstratenser oder Dominikaner.
Verankerung im Bistum Essen
Im Bistum Essen sind die Augustiner zwar nicht so flächendeckend präsent wie in anderen Regionen, haben aber historisch und institutionell Spuren hinterlassen. Konkrete Bezüge finden sich in der Seelsorge und in bestimmten Einrichtungen, wenn auch oft nur temporär oder durch spezielle Gründungen. Ein historisch bedeutsames Beispiel ist die Präsenz der Augustiner-Chorherren in der vorreformatorischen Zeit [F], deren Einfluss oft in der Dotierung oder im Patrozinium älterer Kirchen erkennbar ist, selbst wenn die Klöster später aufgehoben oder im Zuge der Säkularisation aufgelöst wurden. In der jüngeren Geschichte des Bistums dienten Ordensleute der Augustiner (OSA) oder anderer Kongregationen, die der Augustinusregel folgen, oft in der Pfarrseelsorge oder in sozialen Einrichtungen.
Rolle in der Liturgie
Die Augustiner prägten und prägen die Liturgie auf zwei Ebenen: Zum einen durch ihre eigene liturgische Tradition (der sogenannte Augustinische Ritus, der jedoch nicht so eigenständig ist), zum anderen durch ihre Haltung zur Liturgie. Die Regel des Augustinus betont die gemeinsame Feier des Gottesdienstes als Quelle der Einheit und des Zusammenhalts (vgl. Regel des hl. Augustinus, Kapitel I). Im kirchlichen Jahreskreis wird das Hochfest des heiligen Augustinus am 28. August liturgisch gefeiert.
Spirituelle Dimension und Symbolik
Die Spirituelle Dimension der Augustiner ist tief in der Theologie ihres Gründers verwurzelt. Sie ist geprägt von der Suche nach Gott (quaerereDeum), der Innerlichkeit (In te ipsum redi – Kehre in dich selbst zurück) und der Gemeinschaft (unaanimaetcorunuminDeum – eine Seele und ein Herz in Gott). Die Symbolkraft liegt in der Verbindung von gelehrter Theologie und brüderlicher Liebe. Das brennende Herz (manchmal mit einem Pfeil durchbohrt) ist ein häufiges Symbol des heiligenAugustinus und damit auch seiner Orden, das die Liebe zu Gott und die durch ihn entfachte Gottesliebe symbolisiert.
Kernaspekte im Überblick
-
Name und Ursprung: Benannt nach dem hl. Augustinus von Hippo; Ursprung in seiner Ordensregel aus dem 4./5. Jahrhundert.
-
Funktion und Zweck: Leben nach der Regel, oft in der Seelsorge, Bildung und Wissenschaft (Augustiner-Eremiten/OSA) oder in gemeinschaftlichem Gebet und Dienst (Augustiner-Chorherren/CRSA).
-
Bedeutung im Bistum Essen: Historische Spuren, temporäre oder spezialisierte seelsorgliche Präsenz und Einfluss in der Liturgie und Gemeinschaftsbildung einzelner Einrichtungen.
-
Liturgische Präsenz: Feier des hl. Augustinus am 28. August; Betonung der gemeinsamen, geordneten Liturgie als Element der Einheit.
-
Brauchtum und kulturelle Besonderheiten: Symbol des brennenden Herzens; theologische Tradition, die Innerlichkeit und Gemeinschaft verbindet.