von Deutsche Bischofskonferenz / Cordula Spangenberg

Weihbischof Schepers: „Die Kirche muss sich gegen homophobe Vorurteile einsetzen“

Schepers: „Dieser Tag ist Anlass für die katholische Kirche, sich zu ihrer eigenen Geschichte der Unterstützung homophoben Verhaltens während des Nationalsozialismus und auch danach zu bekennen.“

Nach Ansicht des Essener Weihbischofs Ludger Schepers ist die lange Geschichte der Homophobie innerhalb der Kirche weder aufgearbeitet noch überwunden. „Auch deshalb erleben viele queere Menschen bis heute noch Verletzungen in der Kirche“, sagte Schepers am Freitag, 27. Januar 2023, anlässlich des Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, der bundesweit am Jahrestag der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz begangen wird. Im Mittelpunkt des Gedenkens im Deutschen Bundestag steht in diesem Jahr die Opfergruppe der Homosexuellen, denen neben den europäischen Juden, den Sinti und Roma sowie politischen Gegnern die Verfolgung der NS-Terrorherrschaft galt. In der Gedenkstunde im Bundestag wird zur Sprache gebracht, dass es auch in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung der Bundesrepublik Deutschland eine fortdauernde Diskriminierung und Verfolgung von Homosexuellen aufgrund des von den Nationalsozialisten verschärften § 175 StGB gab.

Weihbischof Ludger Schepers, der von der Pastoralkommission der Deutschen Bischofskonferenz für die LGBTQ*-Pastoral beauftragt ist, erklärt dazu: „Dieser Tag ist Anlass für die katholische Kirche, sich zu ihrer eigenen Geschichte der Unterstützung homophoben Verhaltens während des Nationalsozialismus und auch danach zu bekennen.“ Die eigene Einstellung habe mit dazu beigetragen, dass homosexuelle und andere Menschen mit queerer Identität gedemütigt, verraten und ermordet wurden, so Weihbischof Schepers. In der Nazi-Zeit habe es zu wenig Widerstand auch unter den Bischöfen gegeben, was es den Nazis erleichtert habe, brutal gegen queere Menschen vorzugehen.

„Die Kirche hat in den zurückliegenden Jahren eine Lerngeschichte durchlebt. Zuletzt hat der Synodale Weg die Notwendigkeit unterstrichen, anzuerkennen, dass Menschen unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität uneingeschränkt Gottes Schöpfung sind.“

Genauso wie der Antisemitismus in der Gesellschaft nicht überwunden sei, so finde immer noch Diskriminierung von homo-, trans- und intergeschlechtlichen Menschen statt. „Es kommt immer wieder zu Angriffen, die durch Hass motiviert sind. Homophobe, antisemitische und antizigane Vorurteile sind nicht überwunden. Daher ist es auch Aufgabe der Kirche, sich aktiv gegen diese Vorurteile einzusetzen“, so Weihbischof Schepers. „Wir bemühen uns mit aller Kraft, innerhalb der Kirche ein inklusives Klima zu etablieren, damit bei uns ein sicherer Ort auch für queere Menschen ist.“

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