Soziale Ungleichheit könnte den Populisten nützen

Bei der Frühjahrsvollversammlung der Bischöfe warnte Bischof Overbeck vor einer wachsenden Einkommens- und Vermögensungleichheit in Deutschland.

„Wer den Populisten das Wasser abgraben will, sollte das Thema soziale Ungleichheit ernst nehmen“

Die katholische Kirche sieht eine starke Einkommens- und Vermögensungleichheit in Deutschland. Diese könne zu zunehmenden sozialen Spannungen und zu wachsendem Populismus führen und den Zusammenhalt der Gesellschaft gefährden, warnte Bischof Franz-Josef Overbeck am Dienstag in Bergisch Gladbach. Die Mittelschicht, die über Jahrzehnte hinweg „Garant eines gesellschaftlichen Zusammenhalts“ gewesen sei, drohe nach unten abzusinken.

Overbeck beklagte bei der Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz ein wachsendes „Auseinanderklaffen von Arm und Reich“. 40 Prozent des gesamten Vermögens liege in den Händen von nur 10 Prozent der Bevölkerung. Zugleich schrumpfe die Mittelschicht, die ihre Chancen und die ihrer Kinder gefährdet sehe, so der deutsche Sozialbischof.

Zugleich wandte sich Overbeck gegen eine „Neiddebatte“. In Deutschland sorgten hart arbeitende Menschen in der gesellschaftlichen Mitte für einen breiten Wohlstand und hohen Lebensstandard. Das gelte es wertzuschätzen, ohne dabei jene aus dem Blick zu verlieren, die nicht ausreichend Anteil am Wohlstand hätten, betonte der Vorsitzende der Sozialkommission der Bischofskonferenz.

Die Mitte der Gesellschaft dürfe jedoch nicht den Eindruck haben, dass der von ihr steuerfinanzierte Sozialstaat seiner Aufgabe nicht gerecht werde. Neben den vermeintlich oder tatsächlich zu kurz gekommenen gäben auch Menschen in gefestigten beruflichen und sozialen Verhältnisse ihrem Unmut dadurch Ausdruck, indem sie etwa Pegida und AfD unterstützten: „Wer den Populisten das Wasser abgraben will, sollte das Thema soziale Ungleichheit ernst nehmen“, sagte Overbeck.

Mit Blick auf die AfD sprach sich der Bischof für eine sachliche und kritische Auseinandersetzung aus. Die Kirche rede ja auch mit anderen Parteien, sagte Overbeck. Bei der AfD könne es allerdings ein „Diskurs durchaus strittigster Art“ werden. Die Kirche müsse dabei mit Vernunftargumenten ins Gespräch gehen und auf der Anerkennung der Menschenwürde und anderer Werte bestehen. Wer etwa anderen Menschen die Würde nicht zugestehe, überschreite eine Linie, die die Kirche nicht akzeptieren dürfe.

Der Präsident des Deutschen Caritasverbands, Peter Neher, warnte davor, potenzielle Wähler der AfD pauschal „mit dem Stigma des Nicht-Christlichen zu versehen“. Zugleich müssten Kirche und Caritas immer an der Seite der Schwachen stehen und sich dem „Gift der einfachen Lösung“ der Populisten widersetzen.

Ähnlich wie Overbeck warnte Neher vor Abstiegsängste der Mittelschicht, die dazu führen könnten, dass sich die Mitte „nach unten“ abschotte und die Bereitschaft zur Solidarität mit Schwächeren sinke. Armut und Ausgrenzung könnten begünstigende Faktoren für populistische Tendenzen und diffuse Ängste sein, die oft auch an Flüchtlingen abgearbeitet würden.

Die ungleiche Verteilung der Vermögen erkläre sich auch durch große Erbschaften und die Spreizung der Bruttoeinkommen, so Neher. Er verlangte eine Anhebung des Spitzensteuersatzes, einen höheren Steuertarif für Zinseinkünfte und eine wirksamere Besteuerung großer Erbschaften.

Das Statement von Bischof Overbeck in der Pressekonferenz:

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