von Cordula Spangenberg

Ordensleben als Modell für die synodale Kirche

Eine synodale Kirche, die ihre Macht teilt, auch Ämter an Frauen vergibt, die Rolle der Priester und Fragen zur Sexualität reflektiert – wie denken Ordensleute darüber? Bei ihren Einsätzen auf anderen Kontinenten haben viele Ordensleute im Bistum Essen längst persönliche Erfahrungen mit einer synodalen Kirche gemacht. Denn in Südamerika und auch in Teilen Afrikas sind geteilte Macht und Frauen in Gemeindeleitung schon lange Praxis.

Nun haben 35 Schwestern, Patres und Brüder aus dem Ruhrbistum in den Räumen der Elisabeth-Schwestern in Essen-Schönebeck mit der indisch-stämmigen Krankenhausseelsorgerin Schwester Daisy Panikulam darüber diskutiert, ob der Synodale Weg in Deutschland Vorreiter für andere Regionen der Weltkirche sein könnte. Und auch die betagten Elisabeth-Schwestern schalteten sich aus ihren Zimmern über Bildschirm in die Diskussion ein.

Gemeinsam mit neun anderen Ordensleuten vertritt Schwester Daisy die Deutsche Ordensobernkonferenz (DOK) auf den Foren des Synodalen Weges, in dem seit 2019 Bischöfe und Laien gemeinsam über Veränderungen in der Kirche diskutieren. Gebürtig stammt sie aus dem traditionell stark katholisch geprägten Bundesstaat Kerala, kam als 21-jährige Schwester ambitioniert nach Deutschland, ließ sich zur Gemeindereferentin ausbilden und arbeitet heute im Erzbistum Köln in der Seelsorge. „In den Diskussionen des Synodalen Weges habe ich neue Impulse bekommen und mich selbst weiterentwickelt. Hoffentlich haben die Entwicklungen in Deutschland auch Einfluss auf die Kirche in Indien“, sagt Sr. Daisy zu ihrer Beteiligung am Synodalen Weg. Als Mit-Autorin hat die Ordensfrau sich an einem im August 2022 erschienenen Sammelband „Wir können auch anders!“ beteiligt.

Heimweh: Indische Pflegeschwestern in Deutschland

Große Unterschiede gibt es allerdings zwischen Sr. Daisys Berufungs- und Berufserfahrung in Deutschland und der ihrer vielen Mitschwestern, die in sehr jungem Alter über Gestellungsverträge zwischen indischen Orden und deutschen Pflegeeinrichtungen nach Deutschland kommen, die deutsche Sprache und professionelle Pflege lernen, dann aber hierzulande ihre Heimat schmerzlich vermissen. Verbunden mit dem traditionellen Katholizismus ihrer Heimat, hadern viele mit den Vorwürfen sexuellen Missbrauchs gegenüber den Bischöfen ihrer indischen Diözesen und brauchen Zeit und Gespräche, um sich mit ihrer Kirche und ihrem Lebensweg zu versöhnen.

Ordensleute im Bistum Essen besprechen regelmäßig Veränderungspotential

Im Bistum Essen versucht man diesen persönlichen Herausforderungen einerseits zu begegnen mit regelmäßigen Besuchen des dafür beauftragten Weihbischofs Ludger Schepers und der für Orden und geistliche Gemeinschaften zuständigen Referentin Marie-Luise Langwald in den Kommunitäten der Schwestern, Brüder und Patres. Andererseits – dies war auch Anlass des Gesprächs der Ordensleute mit Sr. Daisy Panikulam – treffen sich seit Beginn der Veränderungsprozesse der Kirche im Bistum Essen im Jahr 2011 auch die Ordensgemeinschaften und Säkularinstitute zweimal jährlich in sogenannten „Dialogforen“ und diskutieren, wie sie die Kirchenreformen im Ruhrbistum mitgestalten können.

Knapp 400 Ordensleute sind im Ruhrbistum beheimatet, ein Viertel kommt als Pflegekräfte aus Indien, wo die Kirche nach wie vor stark in katholischen Traditionen verhaftet ist. „Trotzdem“, sagt Ordens-Referentin Marie-Luise Langwald, „wurden in fast allen Ordensregeln flache Hierarchien und demokratische Wahlen von Anfang an festgeschrieben. “

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