von Thomas Rünker

Haupt- und Ehrenamt: Harmonisches Zusammenspiel wie im Orchester

Beim zweiten Ehrenamtstag des Bistums Essen standen viele musikalische Akzente im Fokus. Gastredner Christian Gansch, Dirigent weltbekannter Orchester, zog Parallelen zwischen der Musikwelt und katholischen Gemeinden und Verbänden.

Pfarrgemeinderatsvorsitzende, Engagierte bei Caritas, KAB und DJK oder Ehrenamtliche in der Krankenhaus- und Notfallseelsorge: Rund 470 Frauen und Männer, die sich in Pfarreien, Verbänden oder Einrichtungen des Ruhrbistums engagieren, haben sich am Samstag, 7. Mai, beim zweiten Ehrenamtstag des Bistums im Essener Grugapark getroffen. Ein Tag, bei dem nicht nur das große Dankeschön für die freiwillige Arbeit im Vordergrund stand, das – stellvertretend für Bischof Franz-Josef OverbeckGeneralvikar Klaus Pfeffer den Gästen unter der großen Kuppel des Musikpavillons überbrachte. Nach zwei Jahren Corona-Pandemie bedeutete das Treffen für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch ein herzliches Wiedersehen in entspannter Freiluft-Atmosphäre. Zugleich stellten das Bühnenprogramm und eine Ausstellung die große Vielfalt des Ehrenamts in der katholischen Kirche an Rhein, Ruhr und Lenne dar und boten den Besucherinnen und Besuchern viele Möglichkeiten zur gegenseitigen Vernetzung.

Viele musikalische Akzenten

Dass dieser Ehrenamtstag ausgesprochen musikalisch gestaltet war, lag dabei nicht nur am Ort. Schon die „Laufband“ des Bistums sorgte unter dem Dach des Musikpavillons mit dem Beatles-Klassiker „With a little help from my friend“ für einen beschwingten Start ins Programm und für einen ersten inhaltlichen Hinweis auf das ehrenamtliche Engagement in der Kirche, das oftmals mit der Hilfe von ein paar guten Freunden geschieht.

Mit viel Musik brachte auch Gastredner Christian Gansch sein Publikum mit großem Unterhaltungsfaktor zum Nachdenken: „Vom Solo zur Sinfonie“ hatte der bekannte österreichische Dirigent seinen Vortrag überschrieben, in dem er Einblicke in die Arbeit weltbekannter Orchester mit Führungsprinzipien verknüpfte, die auch für Kirchengemeinden gelten können. Ein Dirigent käme nicht mit Autorität weiter, sondern vor allem mit Offenheit und viel Kommunikation, so Gansch. Kein zeitgenössischer Dirigent würde einem Musiker oder einer Musikerin im Orchester sagen: „Spielen Sie gefälligst leiser!‘, so Gansch: „Die Musiker würden aufstehen und sagen: ,Erklären Sie gefälligst, warum!‘“ Das Wichtigste, was ein Dirigent schaffen könne, sei Atmosphäre, sagte Gansch und zitierte seinen früheren Mentor, den verstorbenen Chefdirigenten der Münchener Philharmoniker, Lorin Maazel: „Ein Orchester klingt so, wie du aussiehst.“ Ganschs Tipp: „Wenn Sie ein Team leiten hilft es, wenn Sie vor einem Meeting mal in den Spiegel schauen. Das gilt auch für die Damen und Herren, die predigen“, sagte Gansch unter dem Applaus seines Publikums. Zudem warb er für Wertschätzung, gerade für die kleineren Rollen: „Der große Claudia Abbado hat einmal einer Triangel-Spielerin gesagt: „Das ganze Orchester spielt jetzt 36 Takte nur für Sie, damit sie wissen, wie sich Ihr Einsatz in das Gesamte einfügt.“ Im Orchester gebe es große Rollen und kleine Rollen, so Gansch, „aber es gibt keine unwichtigen Rollen.“

Wertschätzung, Atmosphäre und Kommunikation

Nicht nur beim Publikum fanden Ganschs mit verschiedenen Musikbeispielen garnierte Ausführungen Anklang, sondern auch bei Führungskräften: Wertschätzung und Atmopshäre seien für ihn die zentralen Begriffe in Ganschs Vortrag gewesen, sagte der kommissarische Diözesan-Caritasdirektor Hans-Georg Liegener. „Das ist eigentlich das einfachste, aber für viele Führungskräfte zugleich das schwierigste. Das kann man nicht lernen, sondern das hat mit Haltung zu tun.“ Und Klaudia Rudersdorf, Vorsitzende des Diözesanrats im Bistum Essen, hob hervor: „Es ist wichtig, mit dem ganzen Herzen dabei sein. Und wenn die Kommunikation nicht funktioniert, funktioniert auch das Zusammenspiel nicht.“ Die Rolle des Dirigenten könne dabei ganz unterschiedlich besetzt werden“, übersetzte Markus Potthoff, Leiter des Ressorts Kirchenentwicklung im Bistum Essen, Ganschs Orchester-Metapher auf die Kirchen-Strukturen. „Bei uns können das Leitungsverantwortliche, aber auch Ehrenamtliche sein.“ Zudem gebe es in der Kirche „kleine Kammerorchester, die sehr selbstgesteuert unterwegs sind“. Ohnehin sei „der beste Dirigent verloren, wenn die Menschen, mit denen er arbeitet, nicht folgen.“

Ehrenamt als tragende Säule der Kirche im Bistum Essen

In jedem Fall ist das kirchliche Ehrenamt heute viel mehr als Hilfs- und Nebentätigkeiten früherer Jahre, sondern eine tragende Säule des Bistums Essen geworden ist. Daran erinnerte der scheidende Pastoraldezernent Michael Dörnemann. Im Dialogprozesses des Bistum vor rund zehn Jahren sei „eine neue, gemeinsam getragene Pastoral“ eine wichtige Zielperspektive gewesen. Ergebnisse dieser Überlegungen seien beispielsweise die ehrenamtlichen Leiterinnen und Leiter von Begräbnisfeiern, die ehrenamtlichen Gemeindeleitungen oder die Ehrenamtskoordinatorinnen und -koordinatoren in vielen Pfarreien, betonte Dörnemann. In den kommenden acht Jahren werde die Zahl der aktiven Priester im Bistum von derzeit rund 140 auf etwa 50 sinken. „Gleichzeitig wird es auch einen Rückgang bei der Zahl der Pastoral- und Gemeindereferentinnen und -referenten geben.“ Angesichts dieser Entwicklung seien Ehrenamtliche „manchmal zum Teil tatsächlich Notstopfen für Hauptamtliche, die wir nicht mehr haben oder nicht mehr bezahlen können“, so der Theologe, der im Herbst die Leitung der Essener Innenstadtpfarrei St. Gertrud übernimmt. „Aber gleichzeitig sind es oft die Ehrenamtlichen, die mit großer Energie unsere Gemeinden weiterentwickeln, um das Evangelium auch heute in die Welt zu tragen.“

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Neue Ehrenamtskoordinatorinnen und -koordinatoren beauftragt

Hier wollen sich auch die Männer und Frauen engagieren, die vor einigen Wochen die mittlerweile sechste, rund ein Jahr dauernde Fortbildung zu Ehrenamtskoordinatorinnen und -koordinatoren absolviert haben, und denen Generalvikar Pfeffer am Ehrenamtstag die Zertifikate überreichte. „Ehrenamt in der Kirche soll Spaß machen“, sagte Pfeffer, wohlwissend um die angespannte Lage des kirchlichen Ehrenamts angesichts von laufenden Umstrukturierungen in Pfarreien, Corona-Nachwirkungen und den Folgen des Missbrauchsskandals. Dennoch sei gerade die aufwendige Qualifizierung von freiwillig Engagierten die Basis dafür, das Ehrenamt wirklich Freude machen könne. Das bestätige Eva Boi aus der Bochumer Pfarrei St. Franziskus, die diesen Job schon seit 2018 macht: „Nach den Corona-Lockdowns geben gerade viele Ältere ihre Ehrenämter ab. Aber es kommen auch neue Menschen, mit ganz neuen Ideen. Diese dabei zu begleiten, wie sie den richtigen Weg einschlagen, das macht Spaß.“

Der Spaß kam beim Ehrenamtstag auch ansonsten nicht zu kurz: Während das Wetter zum Abschluss des Programms kurzfristig von Frühlings-Sonne auf Gewitterschauer umschaltete, sorgte der Duisburger Kabarettist Kai Magnus Sting mit seinen heiteren Ruhrpott-Geschichten für beste Laune im halbwegs trockenen Musik-Pavillon. Als der Tag dann mit Musik der von Pfadfindern gegründeten Rockband „A.T.M.E.“ ausklang, lobten viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer insbesondere die Atmosphäre und die Örtlichkeit des Ehrenamtstags im Grugapark. Ihre Hoffnung: Dass es nach der Premiere vor zwei Jahren möglichst bald eine Neuauflage des großen Ehrenamts-Treffens gibt. 

Ansprechpersonen

Leiter der Abteilung Gemeinschaft und Diakonie

Roman Blaut

Zwölfling 16
45127 Essen

Referentin für ehrenamtliches Engagement

Jutta Lahrmann

Zwölfling 16
45217 Essen

Pressestelle Bistum Essen

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45127 Essen

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