von Thomas Rünker

„Es ist ganz wichtig zu wissen wo unsere Wurzeln sind“

Zum Abschluss ihrer Projektwoche über Rassismus und Fremdenhass sprachen die Schülerinnen und Schüler des Bischöflichen Gymnasiums am Stoppenberg mit der 91-jährigen Maria-Theodora Freifrau von dem Bottlenberg-Landsberg.

Mit Erinnerungen aus ihrer Jugend in der Nazizeit und Einschätzungen zur aktuellen Gesellschaft hat Maria-Theodora Freifrau von dem Bottlenberg-Landsberg am Freitag die Projektwoche am Essener Gymnasium am Stoppenberg beendet. Unter der Überschrift „Wir sind anders!?“ hatten sich die Schülerinnen und Schüler des Bistums-Gymnasiums seit Montag mit verschiedensten Aspekten von Rassismus und Fremdenhass beschäftigt.

„Wir sind anders. Das ist genau das, was schon immer das Problem gewesen ist“, sagte von dem Bottlenberg-Landsberg, deren Vater Karl Ludwig Freiherr von und zu Guttenberg von den Nationalsozialisten 1944 als Widerstandskämpfer inhaftiert und ermordet worden war. „Das, was ich bin, wird durch den anderen in Frage gestellt und dies auszuhalten, dass das, was ich bin, durch den anderen in Frage gestellt wird und dann vielleicht auch nicht mehr gilt, das macht den Menschen Angst“, sagte die 91-Jährige in der Schulaula am Stoppenberg. „Das muss uns klar sein, dass ,anders sein‘ zunächst eine Bedrohung ist – und dann muss ich schauen, wie ich damit umgehe.“

In einer Ausstellung und mit einem Theaterstück hatten die Kinder und Jugendlichen sich selbst, ihren Lehrkräften und ihrem Gast die Ergebnisse ihrer Projektwoche präsentiert. Während sich einige Gruppen in der Woche mit Hass und Hetze in der Nazizeit beschäftigt haben – zum Beispiel mit Filmen oder an Hand der „Stolpersteine“ in der Essener Nachbarschaft – haben andere über „HateSpeech“, Verschwörungsideologien oder rechtsradikale Symbole recherchiert.

Im Gespräch mit den Schülerinnen und Schülern wies von dem Bottlenberg-Landsberg – studierte Historikerin und Germanistin, die über den Widerstand im Dritten Reich geforscht und publiziert hat – immer wieder auf „Entwicklungen“ hin: „Diese Widerständler sind nicht vom Himmel gefallen, die haben sich entwickelt“, sagte sie. Aber auch Hass und Hetze würden sich entwickeln und verstärken – dass hatten die Jugendlichen im Theaterstück gezeigt, auf dass sich von dem Bottlenberg-Landsberg bezog: „Es fängt immer im Kleinen an. Wie sie gespielt haben: Zuerst wird geschimpft, dann ausgegrenzt und dann geschlagen.“ Wer die Geschichte kenne, könne Entwicklungen beurteilen, antwortete sie auf die Frage, warum Kinder und Jugendliche heute noch etwas aus der Nazizeit lernen sollten. „Weil man viele Dinge erklären kann, wenn man weiß wie es früher war.“ Außerdem könne man Mut schöpfen aus der Vergangenheit, „weil man weiß, was möglich ist“.

Nachher sei es immer leicht, schwarz-weiß zu denken. Dabei sei „Geschichte immer grau“, betonte von dem Bottlenberg-Landsberg. Sie erzählte von einem Lehrer aus ihrer Schulzeit während des Nationalsozialismus, der alle Kinder geprügelt hätte, die sich in der Klasse stolz damit gebrüstet hätten, am Vortag nach der Schule jüdische Kinder beschimpft zu haben. Begründung für die Prügel: Schüler hätten nach der Schule gefälligst gleich nach Hause zu gehen. „Ich habe heute eine so große Hochachtung vor diesem Lehrer.“ Es sei bekannt gewesen, dass der Lehrer ein bekennender Christ war, was für einen Lehrer nicht ungefährlich gewesen sei – damals habe er aus seinem christlichen Glauben heraus gehandelt. „Es ist ganz wichtig zu wissen wo unsere Wurzeln sind, aus der wir leben“, rief von dem Bottlenberg-Landsberg den Schülerinnen und Schülern zu – und bezog sich dann noch einmal auf das Theaterstück, in dem die Kinder und Jugendlichen den Beginn des Grundgesetzes zitiert hatten: „Wenn ,Die Würde des Menschen ist unantastbar‘ Ihre Wurzeln sind, dann kann schon nichts mehr schief gehen.“

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