„Der Glaube gibt Halt – in jeder Situation“

Neun Erwachsene werden am Pfingstsonntag im Essener Dom von Bischof Overbeck gefirmt. Drei von ihnen erzählen, warum ihnen der Glaube heute so wichtig ist, dass sie das eigentlich für Jugendliche vorgesehene Sakrament nun nachholen.

Bei Dustin Miller war es die anstehende Geburt der Tochter, bei Lisa Krachtus der Tod der Ur-Oma – es sind oft die ganz großen Themen, wenn sich Erwachsene wieder mit ihrem Glauben beschäftigen, nachdem dieser jahrelang keine Rolle gespielt hat. Bei Miller, Krachtus, ihrer Freundin Janina Determann und sechs weiteren Männern und Frauen ging diese Beschäftigung so weit, dass sie sich am Sonntag von Bischof Franz-Josef Overbeck im Essener Dom firmen lassen. Damit holen sie das Sakrament nach, das in der katholischen Kirche eigentlich Jugendliche erhalten, die damit zu vollwertigen Kirchenmitgliedern werden.

Warum die jungen Leute diesen Zeitpunkt vor rund zehn Jahren verpasst haben, ist unterschiedlich und doch ähnlich: Mal war es das Programm der örtlichen Firmvorbereitung, mal die anderen Jugendlichen in der Gemeinde, die nicht passten, mal kam nach der Ehescheidung der Eltern ein Umzug dazwischen – oder die Teenager hatten den Glauben, den sie als Kommunionkinder kennen gelernt hatten, zwischenzeitlich verloren. Doch mit 25, 27 oder 30 Jahren sieht man die Welt mit anderen Augen – so wie der Essener Feuerwehrmann Miller oder die angehenden Lehrerinnen Determann aus Neukirchen-Vluyn und Krachtus aus Recklinghausen. „Ich wollte schon seit ein paar Jahren gefirmt werden“, sagt Miller, „aber ich hab das immer wieder aufgeschoben.“ Als dann vor einem Dreivierteljahr klar war, dass seine Frau und er Eltern werden, war dies der Anstoß, sich nun endlich anzumelden. „Ich möchte meine Tochter später im Glauben erziehen. Und da möchte ich, dass bei mir alles ,komplett‘ ist.“ Der Glaube an Gott sei bei ihm immer da gewesen, „aber nach der Kommunion ist das ein bisschen eingeschlafen“. Letztlich habe aber auch sein Dienst als Feuerwehrmann immer wieder die Frage nach Gott wach gehalten. „Gerade im Rettungsdienst gibt es halt immer mal wieder ziemlich heftige Situationen“, erzählt Miller. „Einmal haben wir in einer Wohnung einen Toten gefunden, der aus seiner Sterbeposition durch drei Räume direkt auf ein Kruzifix schauen konnte“, beschreibt der junge Vater einen Eindruck, der ihn bis heute bewegt.

„Im Nachhinein macht es für mich Sinn, dass ich mit der Firmung gewartet habe“, sagt Lisa Krachtus. Als Teenager sei sie „ziemlich pubertär“ gewesen und habe mit dem Thema Firmung nicht viel anfangen können. Erst als ihre geliebte Ur-Oma gestorben ist, sei der Glaube an Gott für sie wieder ein Thema geworden. Geholfen habe dabei auch ihre Oma, die ihre Taufpatin ist und nun auch ihre Firmpatin wird. Ein Wochenende im Kreis der anderen Firmbewerber und Gespräche mit einem Seelsorger gehören zur Vorbereitung auf die Firmung für Erwachsene. Gerade dieses Wochenende habe sie sehr beeindruckt, sagt Krachtus, „weil wir da nicht nur über Gott geredet haben, sondern auch über uns selbst“. Dieses gemeinsame Wochenende voller Ruhe, davon schwärmen auch Miller und Determann. Diese Ruhe, sagen alle drei, sei nötig, wenn man sich über den eigenen Glauben an Gott Gedanken macht.

Janina Determann ist erstaunt, welche Kreise die Tatsache zieht, dass sie am Sonntag gefirmt wird. „Ich dachte, dass ist mein ganz privates Ding – aber jetzt haben sich ganz viele Leute angemeldet“, freut sie sich. Ihre Chefin habe ihr sogar zwei Tage frei gegeben. Und auch ihre Mutter wolle zum ersten Mal seit rund fünf Jahren wieder in eine Kirche gehen. Damals starb ihre Tochter, Janinas Schwester. „Es hat mir sehr geholfen, dass ich über Gott streiten konnte“, sagt sie im Rückblick auf die Zeit seit diesem dramatischen Ereignis. „Der Glaube gibt Halt – in jeder Situation“, hat Determann erlebt und möchte diese Erfahrung gerne weitergeben. Nach Ausbildungen zur System-Gastronomin und Erzieherin studiert sie nun in Essen gemeinsam mit Krachtus mit dem Ziel, Grundschullehrerin zu werden, unter anderem auch für Religion. Nicht nur in der Schule, sondern auch in ihrem Alltag möchte sie künftig ihren Mitmenschen erzählen, was sie selbst erlebt: „dass Glaube etwas Schönes ist.“

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