von Thomas Rünker

Viel Potential für die Ökumene

Bei der 5. „Denkbar“-Diskussionsrunde in Lüdenscheid stand die Zusammenarbeit von katholischen und evangelischen Kirchengemeinden auf dem Programm.

Beten, Planen, Gutes tun... In der Zusammenarbeit von katholischen und evangelischen Gemeinden gibt es bereits seit Jahren eine große Vielfalt – doch gleichzeitig gibt es im Ruhrgebiet und im märkischen Sauerland auch ein immenses Potential für eine noch intensivere ökumenische Zusammenarbeit. Das wurde am Donnerstagabend, 21. Juni, bei der 5. „Denkbar“-Diskussion deutlich, zu der das Bistum diesmal in die Markuskirche nach Lüdenscheid eingeladen hatte. Ein Abend, bei dem weniger die Hindernisse der großen Theologie im Fokus standen als das praktische Miteinander der Christen vor Ort.

Und da ist es manchmal schlicht die Not, die nicht nur erfinderisch, sondern auch ökumenisch macht. Die Flüchtlingsarbeit etwa hat in den vergangenen Jahren viele Gemeinden zu neuen Partnern im Engagement für Bedürftige werden lassen. Projekte, die ganz in der ökumenischen Tradition gemeinsamer Sozialarbeit stehen, wie sie schon lange etwa bei der Telefonseelsorge oder der Bahnhofsmission deutlich wird. Neuerdings ist es manchmal zudem die eigene – finanzielle – Not, die Gemeinden zusammenrücken lasse. So präsentierten die katholische Gemeinde St. Paulus und die evangelische Gemeinde Dellwig-Frintrop-Gerschede beim „Denkbar“-Abend ihren Plan, in Essen-Gerschede gemeinsam ein ökumenisches Zentrum zu bauen als hochwertigen Ersatz für in die Jahre gekommene je eigene Gemeindegebäude. „Wir wollen in unserem Stadtteil präsent bleiben“, betonte die evangelische Pfarrerin Anke Augustin das gemeinsame Ziel. Und der stellvertretende Vorsitzende des katholischen Kirchenvorstands, Herbert Fendrich, pochte auf den Aufruf „Ökumenisch Kirche sein“, den das Ruhrbistum im Januar mit den evangelischen Landeskirchen von Rheinland und Westfalen unterzeichnet hat. Dieses Papier empfehle, „wo es sinnvoll und möglich ist, Vereinbarungen über die gemeinsame Nutzung von Kirchen und Gemeindehäusern zu treffen‘“, so Fendrich. Wohl ganz im Geiste des Kölner Priesters Franz Meurer, dessen bekanntes Ökumene-Zitat in Lüdenscheid gleich mehrfach aufgegriffen wurde: „Ökumene ist immer doppelt so gut und halb so teuer.“

Wie sich katholische und evangelische Gemeinden auch inhaltlich einander annähern, stellten die beiden Pfarrer Thomas Vogtmann (evangelisch) und Michael Kemper (katholisch) aus Bochum-Langendreer vor. „Wir haben zum Beginn der Fastenzeit einen gemeinsamen Aschermittwochs-Gottesdienst gefeiert – mit Aschenkreuz für alle“, berichtete Kemper. Das sei für seine Gemeindemitglieder schon „spannend“ gewesen, sagte Vogtmann. Bewusst habe man gesagt, „wir lassen das vorerst mit dem gemeinsamen Abendmahl und machen etwas, das auch schwierig ist, aber das klappen kann“, so Vogtmann. Gemeinsam mit Kemper ist er zuversichtlich, dass das Aschenkreuz in Langendreer eine ökumenische Tradition werden kann – zusammen mit dem ökumenischen Osterfeuer zum Abschluss der Fastenzeit. Kemper sieht diese und ähnliche gemeinsame Projekte dennoch als Übergang: „Mein Ziel ist die Mahlgemeinschaft“, machte er in Lüdenscheid deutlich – und erhält dafür Szenen-Applaus der rund 100 Besucher. Dies sei „ein Thema, wo wir auch katholischerseits noch mal dran müssen“, stellte er klar.

Die besondere Bedeutung der Ökumene im Bistum Essen machte Weihbischof Wilhelm Zimmermann deutlich. „Seit drei Jahren bin ich jetzt Bischofsvikar für die Ökumene – vorher gab es das Amt nicht.“ Neben dem unterschiedlichen Abendmahlsverständnis sieht er „das Kirchturmdenken auf beiden Seiten“ als einen der größten Stolpersteine für die Ökumene. Der Ökumene-Referent des Ruhrbistums, Volker Meißner, betonte, dass gerade durch die Prozesse zur Pfarreientwicklung und die Frage nach der Zukunft von Kirchen-Standorten „vielerorts Bewegung in die Ökumene“ komme. Zudem sei das Thema Ökumene „ein Muss“, wenn die Pfarreien im Bistum Essen bis Ende des Jahres ihre weiteren pastoralen Planungen vorlegen müssen. Meißner warb dafür, das Thema „Ökumene“ nicht gesondert – und damit als zusätzliche Belastung – zu planen, sondern „Gemeindearbeit immer ökumenisch zu denken“.

So kann Ökumene vor Ort ausssehen:

Referent für Ökumene

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45127 Essen

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Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
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