„Überlasst die digitale Welt nicht den Trollen“

Katholiken aus dem Vatikan und aus Deutschland gestalten Medienkonferenz SXSW in Texas mit. Großes Interesse der Amerikaner an den WhatsApp-Aktionen des Bistums Essen.

Im texanischen Austin macht derzeit das Bistum Essen von sich reden: Auf der „South by Southwest“ (SXSW), einer der größten Medienkonferenzen der Welt, wurde beim Forum der erstmals hier vertretenen katholischen Medienarbeit die WhatsApp-Geschichte des Bistums Essen zu Ostern und Weihnachten als Best-Practice-Modell vorgestellt und erhielt von den amerikanischen Teilnehmern viel Beifall.

Der Vatikan-Medienexperte Bischof Paul Tighe forderte am Sonntag in Austin, Christen sollten die digitale Welt nicht der Hate-Speach und den Trollen überlassen. Tighe rief die Christen auf, Präsenz bei Twitter, Facebook und Co. zu zeigen. Dabei warnte er vor plumpen Bekehrungsversuchen: „In der digitalen Welt ist nicht Mission die erste Christenpflicht, sondern zunächst gilt es, als ein guter Mensch und Staatsbürger zu bestehen. Wer als Christ wahrgenommen werden will, sollte sich nicht so sehr Gedanken darüber machen, was er kommuniziert, sondern wie er kommuniziert.“ Der Bischof ermunterte alle Christen dazu, sich in der digitalen Welt „wie gute Nachbarn“ zu verhalten.

Tighe sprach auf dem ersten katholischen Diskussionsforum einer der international führenden Medienmachermessen. Der irisch-stämmige Bischof diskutierte mit dem Geschäftsführer der Kölner „videodays“, Christoph Krachten, und mit Michael Hertl von der Katholischen Fernseharbeit in Frankfurt.

Rauch als „kommunikatives Moment“

Bischof Tighe bewertet die Sozialen Medien im Grunde als moralisch gut. „In ihrer Essenz sind sie auf Kommunikation angelegt, und damit zielen sie auf den Wesenskern des Menschen.“ Für die Kirche kann das digitale Zeitalter die Rückkehr zu ursprünglichen Kommunikationsformen bedeuten: „Die Sozialen Medien mit ihren Ausdrucksformen sind eine große Chance, zwei fast verlorene gegangene Dimensionen der Glaubenssprache zurück zu gewinnen: die der Bilder und die der Emotionen. Zu lange wurde die Sprache des Glaubens auf das Wort verengt“, bemerkte der Bischof und versprach: „Der Wunsch nach Unterhaltung und Sinnlichkeit in den Sozialen Medien kann uns als Kirche eine wunderbare Welt eröffnen.“

Ein gutes Beispiel hierfür ist in Tighes Augen der Moment der Papstwahl 2013: „Man muss es so sehen: der größte kommunikative Moment der katholischen Kirche in den vergangenen Jahre wurde nicht durch Worte geschaffen, sondern durch Rauch“.

Krachten fordert wertebasierte Algorithmen

Für Christoph Krachten ist es an der Zeit, dass Plattformen wie Youtube und Facebook wertebasierten Inhalten eine größere Auffindbarkeit zuweisen. „Wer die Auswahl nur durch Algorithmen treffen lässt, die auf Zugriffszahlen ausgerichtet sind, der verhindert, dass bestimmte Inhalte überhaupt eine Chance haben, gefunden zu werden.“ Denn im Grunde suchten gerade junge Menschen nach Orientierung und Gemeinschaft, und hier habe die Kirche eine große Chance, ein guter Dialogpartner zu sein. Erfolg verspricht er der Kirche, wenn sie auf die Ausdrucksformen der jungen Nutzer vertraut. Hierbei verweist Krachten darauf, wie der christlich-inspirierte Videowettbewerb „1‘31“‘ zu einer substanziellen Erweiterung der jährlich stattfinden „videodays“ geworden ist.

Wir brauchen keine neue Sprache Michael Hertl von der Katholischen Fernseharbeit machte deutlich, dass die Kirche nicht primär nach einer neuen Sprache suchen müsse, um in den Sozialen Medien wahrgenommen zu werden. Vielmehr sollte sie selbstbewusst mit der Frohen Botschaft wuchern und diese neu mit dem Leben der Nutzer in Beziehung setzen. Die WhatsApp-Aktion des Bistums Essen zur Oster- und Weihnachtszeit, so Hertl, sei ein gutes Beispiel dafür.

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