von Thomas Rünker

Ruhrbischof fordert konkrete Lösungen gegen Armut

Tausende Männer und Frauen ziehen mit Bischof Overbeck und Vertretern des Bergbaus von der Bottroper Schachtanlage Haniel den Kreuzweg entlang auf die Bergehalde.

Bischof Overbeck warnte vor „ritualisierter Empörung“ bei Diskussionen über soziale Fragen.

Ruhrbischof Franz-Josef Obverbeck sich im Kampf gegen Armut und Notlagen für weniger Empörungsrhetorik und mehr konkrete Lösungen ausgesprochen. Beim traditionellen Kreuzweg auf der Halde Haniel warnte er am Karfreitag in Bottrop vor der „Gefahr, die Belange der Armen rhetorisch zu missbrauchen“. Konkrete Probleme zu lösen, „mag zwar wenig aufregend klingen, dient aber der Gerechtigkeit“, sagte Overbeck zum Abschluss der traditionellen Karfreitags-Prozession, bei der wieder tausende Gläubige gemeinsam mit dem Bischof und Vertretern des Bergbaus von der Schachtanlage Haniel am Fuß der Halde hinauf auf das Plateau pilgerten. Overbeck warnte vor „Apokalyptikern und Demagogen“, die „lügen, dass sich die Balken biegen“, um ein „finales Unglück anzukündigen, anstatt es abzuwenden“. Es dürfe „nicht um ritualisierte Empörung“ gehen, sondern darum, den Gerechtigkeitsverlieren zu helfen, forderte der Bischof.

Bergwerksleiter Kroker: "Wir sind auf der Zielgeraden einer Ära angekommen."

Jürgen Kroker, Werkleiter des Bergwerks Prosper-Haniel, betonte die enge Verbundenheit von Kirche und Bergbau, die durch den jährlichen Kreuzweg zum Ausdruck gebracht werde. Er verwies auf die Auszubildenden des Bergwerks, die bis vor wenigen Tagen Vandalismus-Schäden an den Kreuzweg-Stationen beseitigt hätten, so dass diese am Karfreitag wieder in frischem Glanz erstrahlten. Und er verwies auf das nahe Ende der Steinkohlenförderung im Ruhrgebiet: „Wir sind auf der Zielgeraden einer Ära angekommen“, so Kroker. „Wir merken, dass wir nun vieles zum letzten Mal machen.“ Ende 2018 wird mit Prosper-Haniel die letzte deutsche Steinkohlen-Zeche schließen.

Hilfen des Sozialstaats erreichen Langzeitarbeitslose nicht

Bischof Overbeck warb für einen differenzierten Blick auf soziale Schwierigkeiten. So bestehe das Problem des Sozialstaats nicht darin, dass er Hilfen verweigere, sondern dass er „nicht wirksam genug ist, das Entstehen von Notlagen zu verhindern“. Konkret kritisierte Overbeck, dass die Arbeitsmarktpolitik – wenngleich für viele Menschen durchaus erfolgreich – die Langzeitarbeitslosen nicht erreiche. Deren „Befähigungen und Talente müssten klarer gefördert werden“, forderte der Bischof. Ein besonderes Augenmerk legte er in seiner Ansprache auf „Menschen am äußersten Rand unserer Gesellschaft“, etwa Obdachlose oder „Menschen ohne Papiere“. Overbeck erwähnt „viele Aufgaben, die hier schon Schritt für Schritt guten Lösungen zugeführt werden“, betonte aber auch: „Wir müssen die Menschen am äußersten Rand im Blick behalten. Gerade hier darf es nicht sonderbar still werden.“

"Aus lähmender Angst muss Kraft zu einer konstruktiven Vernunft wachsen"

Differenziert zu argumentieren und zu handeln, bedeute „nicht spalterisch zu wirken, sondern versöhnend“, sagte der Bischof. Er betonte: „In unseren Zeiten muss aus einer sich möglicherweise verstärkenden, lähmenden Angst Kraft zu einer konstruktiven Vernunft wachsen“. Das sei ein „Bohren dicker Bretter“ – aber es gehe um problemorientierte Lösungen „um der Gerechtigkeit willen und für die Armen, gerade an den Rändern der Gesellschaft“.

Die Predigt von Bischof Overbeck:

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