„Mich verbindet mit Bonhoeffer eine suchende Nachdenklichkeit“

Drei Fragen an Generalvikar Klaus Pfeffer zu seinem neuen Buch „Christsein ist keine einfache Angelegenheit“ über den evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer.

Die Aula des Bischöflichen Generalvikariates war mit rund 170 Zuhörern bestens besucht, als der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer dort am Dienstagabend aus seinem neuen Buch las und sich den Fragen der Gäste stellte. In „Christsein ist keine einfache Angelegenheit“ schreibt Pfeffer mit Begeisterung über den evangelischen Theologen und NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer und entwirft eine „Zukunftsvision“ für die Kirche.

Im Interview spricht Pfeffer, der am Montag sein 25-jähriges Priesterjubiläum feiert, über seine Verbindung zu Bonhoeffer, den Prozess des Schreibens und seine Rolle als Christ, Priester und Kirchenmanager:

Welche persönliche Eigenschaft verbindet Sie mit Dietrich Bonhoeffer?
Mich verbindet mit Dietrich Bonhoeffer eine suchende Nachdenklichkeit. Ich setze mich innerlich mit vielem auseinander, denke über das nach, was ich erlebe und erfahre. Und vor allem treibt mich die Suche an, Gott zu verstehen und die Botschaft Jesu Christi möglichst konkret für mein Leben und für unsere Zeit zu übersetzen. Mich fasziniert an Bonhoeffer, wie er in jeder Phase seines Lebens und für jede Situation, in die er gestellt war, nach dem Willen Gottes suchte. Er gab sich nicht zufrieden mit allgemeinen Wahrheiten, die in der konkreten Situation doch nicht helfen – und dachte nach, rang mit sich und Gott. Er lebte eine christliche Spiritualität, die für mich vorbildlich ist. Ich nenne das gerne einen „geerdeten Glauben“, was ich von Bonhoeffer gelernt habe und für mich selbst zu leben versuche.

Ein Buch zu schreiben, braucht Zeit und Konzentration. Hat das Schreiben Ihr Denken verändert? ‚
Das Buch geht zurück auf eine jahrzehntelange Auseinandersetzung mit Dietrich Bonhoeffer, aber auch mit meinen ganz persönlichen Glaubensfragen. Immer wieder habe ich meine Gedanken niedergeschrieben – in Predigten, Radiobeiträgen, Vorträgen. Aus all dem ist im vergangenen Jahr mein Buch entstanden, mit dem ich vieles noch einmal weitergedacht und reflektiert habe. Meditieren, Denken und Schreiben beeinflussen sich dabei gegenseitig – und verändern mich natürlich. Oder besser: Meditation, Denken und Schreiben entwickeln mich weiter.

Geistlicher Gottesdienstleiter und Seelsorger, verantwortlicher Manager der Kirchenzentren, aktiver Christ in Kultur, Wirtschaft oder Politik: Welche Rolle würden Sie in der Kirche der Zukunft am liebsten selbst einnehmen?
Von jeder Rolle etwas: Denn ich sehe mich nach wie vor und gerne auch in Zukunft als Seelsorger, der geistlich lebt und Gottesdienste feiert. Und zugleich gestalte ich gerne verantwortlich in meiner Kirche mit – und übernehme Managementaufgaben, um sie auch geistlich zu vollziehen. Stets verstehe ich mich dabei als Christ, der mitten in der Welt lebt – im Kontakt mit Kultur, Wirtschaft und Politik, so gut ich das zeitlich und von meiner Kompetenz her kann.

Klaus Pfeffer, „Christsein ist keine einfache Angelegenheit“.

Essen: Verlag adson fecit 2017, 140 Seiten, € 16,90.

ISBN 978-3-9816594-5-0.

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