von Thomas Rünker

Herzliche Gastfreundschaft in Hongkong

Bei Besuchen in Gastfamilien erleben junge Leute aus dem Ruhrbistum den Alltag in der Essener Partnerdiözese im fernen Osten.

Zwischen Touristen-Highlights und der Couch in meist ziemlich kleinen Wohnungen, Frühlingsrollen, „Dim Sum“ und Gesprächen über Alltägliches oder die hohe Politik, haben 25 junge Leute aus dem Ruhrbistum jetzt in Gastfamilien einen Eindruck vom Leben der Menschen im Essener Partnerbistum Hongkong bekommen. Nach Besuchen in Kirchengemeinden, katholischen Schulen und einem Gespräch mit dem neuen Hongkonger Bischof Michael Yeung, stand für die Gruppe auf ihrer insgesamt zehntägigen Reise nun bei dem zweieinhalbtägigen Aufenthalt in Hongkonger Privatwohnungen vor allem das persönliche Kennenlernen im Fokus: Kasthury und Christina „adoptierten“ den 15-monatigen Sohn ihrer Gastgeber, Adriana und Ekaterina freundeten sich in ihrer Gastfamilie mit Hund „Cookie“ an – und Marcel und Fabian wurden gleich zu „Omas neuen Lieblingen“. „Die Gastfreundschaft der Leute hier ist sehr beeindruckend“, schwärmte Johanna.

Touristische und kulinarische Spezialitäten

So bemühten sich die Hongkonger Familien nicht nur, ihren Gästen aus Deutschland die Schönheit der früheren britischen Kronkolonie zu zeigen und führten sie auf den Aussichtspunkt „The Peak“ oder zur abendlichen Lichtshow im Victoria Harbour, sie zeigten ihnen auch die kulinarische Seite der asiatischen Sieben-Millionen-Metropole. Lukas und Julius etwa durften mit ihrem Gastgeber Schlangensuppe kosten. „Für mich war das Abendessen mit der Großfamilie ein echtes Highlight“, erinnert sich Fabian. Er meint damit nicht nur die schmackhaften Spezialitäten auf dem Teller, sondern auch das Miteinander bei Tisch. Dass die Großmutter des Hauses kein Englisch sprach, habe da am Ende fast keine Rolle mehr gespielt – auch mit Händen und Füßen gelang eine herzliche Kommunikation.

Platz zum Wohnen ist Mangelware

So unterschiedlich wie das Essen war auch die Wohnsituation in den einzelnen Familien. Platz ist in der von schwindelerregenden Wolkenkratzern geprägten Metropole Mangelware, entsprechend klein sind die meisten Wohnungen. Manuel und Stanley wohnten allerdings in einem ländlichen Bereich im Norden Hongkongs, „der fast so aussah wie bei uns zu Hause“, beschreibt es Manuel. Und Johannes und Maria verschlug es gar auf eine komplett autofreie Insel des Hongkonger Archipels. „Schwimmen, Wandern, Ausspannen – das war Erholung pur“, sagt Johannes.

Politik ist immer ein Thema

Bei allen Gesprächen in den Gastfamilien kam irgendwann das Thema Politik auf den Tisch. Die besondere Position ihrer Stadt als ehemalige Kolonie und Teil Chinas mit besonderen Autonomie-Rechten beschäftigt die Hongkonger – zumal der Stadt diese exklusiven Freiheiten 20 Jahre nach der Übergabe von Großbritannien an China nur noch weitere 30 Jahre garantiert sind und bereits jetzt nach Ansicht vieler Hongkonger Bürger zunehmend eingeschränkt werden. Manuels und Stanleys Gastgeber Alex – ein Dozent für chinesische Linguistik – berichtete den beiden Deutschen zum Beispiel, dass die chinesische Regierung eigens Leute in seine Vorlesungen schicke, um seine Inhalte zu kontrollieren. Bei einem Grenzübertritt von China nach Hongkong sei ihm von Grenzbeamten sogar ausdrücklich empfohlen worden, dass er aufpassen solle, was er bei Facebook poste. Immer wieder stand bei den Gesprächen in den Familien zudem die „Regenschirm-Revolution“ im Fokus, die Protestbewegung von 2014 für mehr Demokratie und soziale Gerechtigkeit, an der auch viele katholische Christen teilgenommen hatten – und die letztlich erfolglos geblieben ist. Groß ist die Unsicherheit bei vielen Menschen in Hongkong, wie sich künftig der Einfluss Chinas in der Metropole auswirken wird, das ist der Gruppe aus dem Partnerbistum Essen deutlich geworden.

Intensive Beschäftigung mit dem Glauben

Auch der gemeinsame Glaube spielte bei den Gesprächen der jungen Katholiken aus dem Ruhrbistum mit den Christen in Hongkong natürlich eine große Rolle. „Die beschäftigen sich viel intensiver mit ihrem Glauben als bei uns“, hat Manuel festgestellt. Viele Familien nahmen ihre Gäste am Sonntag mit in den Gottesdienst. Oft gab es dann einen herzlichen Applaus für die Besucher aus Deutschland – und das nicht nur in den Kirchen, die einst dank Spenden aus dem Bistum Essen finanziert worden sind.

Noch bis zum Ende der Woche unterwegs

Nach den persönlichen Begegnungen in den Gastfamilien ist die Gruppe aus dem Ruhrgebiet nun noch bis Ende dieser Woche in Hongkong unterwegs. Begleitet von Jugendlichen aus dem Partnerbistum stehen weitere Besuche in katholischen Einrichtungen auf dem Programm, bevor es in der Nacht zu Samstag wieder auf den gut zehnstündigen Flug zurück nach Deutschland geht.

Info: Partnerbistum Hongkong
Bereits seit den 1960er Jahren unterhält das Bistum Essen eine Partnerschaft zum Bistum Hongkong. In der Sieben-Millionen-Metropole sind katholische Christen eine kleine, aber stetig wachsende Minderheit: Nicht nur durch Zuwanderer von den Philippinen wächst die Zahl der derzeit rund 400.000 Katholiken, sondern auch durch jährlich rund 3000 Erwachsenen-Taufen. War die Partnerschaft zwischen Essen und Hongkong in den Anfangsjahren vor allem auf eine finanzielle Unterstützung der Katholiken in Asien ausgelegt, lebt die Partnerschaft heute insbesondere durch einen Jugendaustausch.

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