Essener Karmel gründet neues Kloster in Lettland

Gemeinsam mit dem Essener Weihbischof Schepers hat der Erzbischof von Riga am Samstag das erste kontemplative Kloster in Lettland eingeweiht. 16 Jahre lang hat die aus dem Essener Karmel stammende heute 74-jährige Schwester Elija das Kloster im Baltikum mit viel Unterstützung aus Essen aufgebaut.

Karmelitinnen leben sehr zurückgezogen

Mit der feierlichen Klausur-Schließung wurde das Kloster offiziell eingeweiht

Kloster erfährt viel Unterstützung aus Deutschland

Mit einem feierlichen Gottesdienst haben am Samstag der Erzbischof von Riga, Zbignev Stankevics, und der Essener Weihbischof Ludger Schepers nahe der lettischen Hauptstadt das von Essen aus gegründete Karmel-Kloster „Maria, Mutter des Erlösers“ eingeweiht. Nach einer Messe und einem Fest mit Gemeindemitgliedern, Angehörigen und Freunden segnete Stankevics gemeinsam mit dem Essener Diakon Herwarth Schweres die Räume des Klosters und schloss anschließend das Gitter, das in der Klosterkirche Nonnen und Gläubige voneinander trennt. Damit ist die sogenannte Klausur des Klosters geschlossen: Karmelitinnen leben sehr zurückgezogen, im Mittelpunkt ihres Alltags steht das Gebet. Ihren Karmel verlassen sie nur in wenigen Ausnahmefällen und empfangen auch Besucher nur zu begrenzten Zeiten in einem vergitterten Sprechzimmer.

Auch erster lettischer Bischof kam 1184 aus Deutschland

2002 war die Essener Schwester Elija Nehen (74) ins Baltikum geschickt worden, um dort auf die Bitte lettischer Katholiken hin das erste kontemplative Kloster Lettlands zu gründen. Für Erzbischof Stankevics ist das neue Kloster damit nicht nur ein wichtiger geistlicher Ort in Lettland, sondern auch ein „neuer Abschnitt in den Beziehungen zwischen Deutschland und Lettland“, sagte er am Rande der Eröffnung: „1184 mit Bischof Meinhard der erste christliche Missionar aus Deutschland nach Lettland – und mehr als 800 Jahre später kommt aus Deutschland nun die erste kontemplative Schwester zu uns und gründet hier ein Kloster“, freute sich der Erzbischof. Zumal das Kloster im Rigaer Vorort Ikskile nur wenige hundert Meter entfernt von der historischen Stelle entstanden ist, an der Bischof Meinhard im 12. Jahrhundert die erste Kirche im heutigen Lettland gebaut hat.

Mit Schwester Elija gehören fünf weitere Karmelitinnen zum Kloster

Neben der Priorin Schwester Elija gehören mittlerweile fünf weitere Schwestern zu dem neuen Konvent – vier Letinnen und eine Ukrainerin, die in den vergangenen Jahren zum Teil im Essener Karmel ausgebildet wurden. Drei der vier Lettinnen waren zuvor evangelisch, berichtet Schwester Elija. Das sei nicht untypisch in dem baltischen Land, in dem nach den Unterdrückungen der Sowjetzeit viele Menschen auf der Suche nach Spiritualität seien. Heute sind die Katholiken in Lettland nach der evangelisch-lutherischen Kirche mit einem Bevölkerungsanteil von rund 20 Prozent die zweitgrößte Glaubensgemeinschaft. Schwester Elija hofft denn auch, dass ihren fünf Mitschwestern weitere Frauen folgen, die für sich die Berufung zu einem Leben als Karmelitin entdecken. Erst wenn acht Schwestern zum neuen Konvent gehören, erhält der Karmel in Ikskile seine volle Autonomie vom Essener Mutter-Kloster. Aber „Berufungen kann man nicht machen“, sagt die Ordensfrau, „da ist der liebe Gott gefragt“.

Ausdauer, Organisationstalent – und Hilfe aus Deutschland

Neben Ausdauer und Organisationstalent von Schwester Elija war es vor allem auch die finanzielle Unterstützung aus Deutschland, die die Klostergründung in Lettland möglich gemacht hat. Neben Organisationen wie dem Bonifatiuswerk, das Katholiken in Diaspora-Regionen unterstützt, und dem Osteuropa-Hilfswerk Renovabis haben viele Privatpersonen, vor allem Freunde und Angehörige des Essener Karmels, das Projekt in Ikskile unterstützt. Einige sind am Samstag eigens zur Einweihung nach Lettland gekommen, darunter auch Schwester Renata, die 79-jährige Priorin des Essener Karmel-Klosters. Dabei saßen die Gäste und Gläubigen in der bereits 2011 eingeweihten Klosterkirche auf Bänken aus der früheren Essener Kirche St. Anno. Auch Gegenstände und Kunstwerke aus anderen ehemaligen Gotteshäusern im Bistum Essen finden nun in dem lettischen Kloster eine neue Verwendung.

„Mit ihrem Leben zeigen die Schwestern, dass nicht vergängliche Dinge dem Leben einen Sinn geben, sondern die Ausrichtung auf Gott“, hob der Provinzial der Karmelitinnen in Deutschland, Pater Ulrich Dobhan, den Wert der Ordensfrauen für die Gesellschaft hervor. „Gott allein genügt“, sei die zentrale Orientierung ihrer Ordensgründerin, der Heiligen Teresa von Avila, gewesen.

Balance zwischen Kontemplation und Offenheit für den Nächsten

„Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“, zitierte Weihbischof Ludger Schepers, Bischofsvikar für die Orden und Geistlichen Gemeinschaften im Ruhrbistum, im Gottesdienst ein Psalm-Gebet und verwies auf zahlreiche Hindernisse und Probleme, mit denen insbesondere Schwester Elija in den vergangenen Jahren beim Aufbau des Klosters zu kämpfen hatte. „Aber, liebe Schwestern, Sie können sich sicher sein, dass das Mauern überspringen nicht aufhört“, sagte Schepers. Trotz der abgeschlossenen Klausur würden Kontakte nach Außen bestehen bleiben. Auch Erzbischof Stankevics wünschte sich „eine gute Balance zwischen der Kontemplation und der Offenheit für den Nächsten“.

Wie diese Balance künftig aussieht, werde sich entwickeln, sagte Schwester Elija vor der Schließung der Klausur. Für die genauen Regeln gebe es keinen fertigen Plan. Die Schwestern freuten sich jedenfalls sehr, dass nach der langen Aufbau-Zeit nun das richtige Klosterleben beginnen könne.

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