von Thomas Rünker

Ein Zaun, eine Mauer – und viele spannenden Erfahrungen

Zehn Jugendliche aus der Berufsvorbereitung der Duisburger „Werkkiste“ waren elf Tage lang im rumänischen Radeln. Ein Einsatz, der nicht nur den dortigen Kinderclub, sondern auch die Jugendlichen aus dem Ruhrgebiet verändert hat.

Für Laura, Tim, Vivien, Christopher und die sechs anderen jungen Erwachsenen aus der Berufsvorbereitung der Duisburger „Werkkiste“ war es das ganz große Abenteuer: Eigentlich absolvieren die Männer und Frauen derzeit einen Kurs, der sie fit für eine Berufsausbildung machen soll, und fahren höchstens zum Urlaub in andere Länder. Doch jetzt waren sie zum Arbeiten elf Tage lang in dem kleinen rumänischen Dorf Radeln/Roades im Einsatz. Im Programm „Young Workers for Romania“ konnten sie zum einen erste handwerkliche Fähigkeiten ausprobieren, die sie bei der „Werkkiste“ kennengelernt hatten. Zum anderen ging es darum, Land und Leute kennenzulernen – und damit ein gänzlich anderes Leben als im Ruhrgebiet. „Da gab es erst seit ein paar Monaten eine geteerte Straße“, erzählt Christopher vom Alltag in dem 300-Seelen-Dorf rund 100 Kilometer nordwestlich von Brasov. Und statt fließendem Wasser hätten sich viele Bewohner aus dem zentralen Dorfbrunnen bedient, erzählt Tim.

Im Rahmen des von der EU und dem Land NRW geförderten und vom „Aktuellen Forum“ in Gelsenkirchen organisierten Projekts haben die zehn jungen Leute im Außengelände des örtlichen Kinder- und Jugendclubs gearbeitet. Dank des Teams der „Werkkiste“ gibt es jetzt einen stabilen Holzzaun und eine Mauer, hinter denen die Kinder gefahrlos spielen können. „Das tollste war, als wir die Mauer fertig hatten, und dann am nächsten Tag die Kinder gekommen sind“, schwärmt Christopher. Der Jubel der Kleinen wirkt bei den jungen Duisburgern bis heute nach.

„Für die Bürger von Radeln etwas schaffen, das bleibt“, beschreibt „Werkkiste“-Geschäftsführer Norbert Geier eine Motivation des Projekts. „Jeder von euch hat aber auch etwas mitgenommen“, nennt Geier bei einem Treffen mit den „Young Workers“ eine zweite. Der Stolz auf das Erarbeitete, die Erfahrung, an einem fremden Ort zu leben, in einem Team tätig zu sein… – all das sei bei einem solchen realen Arbeitseinsatz im Ausland viel eher zu erleben als in noch so gut organisierten Berufsförderungsangeboten daheim. „Schon beeindruckend zu sehen, mit wie wenig man im Leben auskommen kann“, schildert Vivien ihren Eindruck vom einfachen Leben der Menschen in Radeln. Neben den Erfahrungen im Arbeitsleben sei auch die die kulturelle Komponente eines solchen Austauschs wichtig, betont Geier: „Wir schaffen Erinnerungen, Erfahrungen und bleibende Geschichten.“

Und die haben zumindest in diesem Projekt wieder ganz konkrete Bezüge nach Duisburg: Denn nachdem die ursprünglich in Radeln heimischen Siebenbürger Sachsen fortgezogen sind, leben heute viele Roma in dem Dorf – eine Bevölkerungsgruppe, gegenüber der gerade Menschen aus dem Duisburger Norden oft Vorurteile hätten, so Geier. Er setzt nun darauf, dass die zehn jungen Leute ihre positiven Erfahrungen aus Rumänien als Botschafter im Ruhrgebiet unter die Leute bringen: „Viele Vorurteile sind vor Ort revidiert worden. Tragt dies in eure Freundeskreise, in die ,Werkkiste‘ und in eure Stadtteile“.

Mit Blick auf die Landespolitik betont Geier: „Das Thema ,internationale Jugendarbeit‘ muss deutlich nach vorn gebracht werden!“ Künftig müsse es ein festes Programm des Landes geben, damit Träger wie die „Werkkiste“ solche Formen des Jugendaustauschs fest in ihre Angebote integrieren könnten. Bislang sei internationaler Jugendaustausch vor allem auf Oberstufenschüler ausgerichtet oder im Rahmen der Gesellenausbildung möglich. Hier wirbt Geier dafür, auch Jugendliche in Berufsförderangeboten oder –Ausbildungen stärker in den Blick zu nehmen.

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