Dombaumeister zum Brandschutz im Essener Dom

Der Brand der Pariser Kathedrale Notre Dame hat viele Menschen weltweit erschüttert. Ein christliches Wahrzeichen ist zerstört, mit ihm viele wertvolle Kunstschätze. Dombaumeister Ralf Meyers weiß, wie der Essener Dom bei einem Feuer geschützt wäre.

Dass die Pariser Kathedrale Notre Dame brennt, hat Ralf Meyers per Eilmeldung aus dem Nachrichten-Liveticker erfahren. „Ich war erschüttert, das waren erschreckende Bilder, was für ein zerstörerisches Werk das Feuer dort angerichtet hat. Notre Dame hat einfach einen hohen Symbolwert. Als Dombaumeister hängt mein Herz an dieser Kathedrale, auch wenn das erstmal so weit weg erscheint“, sagt Meyers einen Tag nach dem Großbrand. „Natürlich habe ich auch sofort darüber nachgedacht, was in einem solchen Fall mit unserem Dom passieren würde.“

Stahldachgerüst seit dem Zweiten Weltkrieg

Um 12 Uhr Mittags läuteten im Essener Dom die Glocken, so wie deutschlandweit in allen Kathedralen als Zeichen der Solidarität. Genau dort, im Glockenturm, sind bis heute dicke Eichenbalken verbaut. „Auch die Decke des Doms war ursprünglich aus Holz, nach dem zweiten Weltkrieg wurde sie allerdings aus einem Stahldachgerüst wieder aufgebaut“, berichtet Meyers. Sollte das Holz im Glockenturm brennen, wird das Feuer so schnell wie möglich eingedämmt. „In den 1980er-Jahren wurden dort eine Brandmeldeanlange und eine sogenannte trockene Sprinkleranlage verbaut“, erklärt Meyers. Diese Anlage löst nicht sofort mit Wasser aus, sondern nur dann, wenn die Feuerwehr sie mit Wasser befüllt – bei einem Fehlalarm lassen sich so unnötige Wasserschäden vermeiden. Um sicherzustellen, dass alle Brandmelde- und Sprinkleranlagen einwandfrei funktionieren, gibt es laut Meyers regelmäßige Brandschutzbegehungen.

Evakuierungsplan für Kunstschätze

Sollte im Essener Dom ein Feuer ausbrechen, sind auch zahlreiche Kunstschätze in Gefahr. „Um diese Schätze zu retten, gibt es genaue Evakuierungspläne mit Prioritäten und einer festen Reihenfolge. Die Goldene Madonna ist zum Beispiel eines der ersten Kunstwerke, das gerettet werden müsste“, erklärt Meyers. Das Gehäuse um die Figur sei zwar feuerfest, halte bei einem Großfeuer aber nicht stand. „Auch für die Feuerwehr hätten wir im Notfall genaue Anweisungen zur sicheren Rettung der Madonna.“ Doch es gibt auch Kunstwerke, die nicht evakuiert werden können, weil sie fest im Dom verbaut sind, so etwa der siebenarmige Leuchter. Der Brand in Paris ist für Dombaumeister Ralf Meyers ein neuer Anlass, sich Gedanken zu machen, wie auch dieses über 1000 Jahre alte Kunstwerk vor einem Feuer gerettet werden könnte.

Bisher nur Fehlalarm durch Weihrauch

Gebrannt hat es im Essener Dom seit Gründung des Ruhrbistums noch nie. „In den Jahren 946 und 1275 gab es große Brände in der damaligen Stiftskirche, die deswegen zweimal neu wieder aufgebaut werden musste“, weiß Meyers. „In unserem Dom gab es bisher nur Fehlalarme, die durch den unermüdlichen Weihraucheinsatz ausgelöst wurden“, sagt er und lacht. Es sei zumindest eine gute Übung, um zu wissen, wie schnell die Feuerwehr im Ernstfall am Essener Dom sein könnte.

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