von Michael Kreuzfelder

Caritas startet Kneipentour gegen Stammtischparolen

Projekt „Sach wat!“: Mit Workshops, Trainings und Vorträgen wirbt die Caritas um mehr „Tacheles für Toleranz“. Angebot für Zivilcourage läuft bis Ende Januar

Kneipentour, Fachvortrag und Argumentationstrainings

Eine Kneipentour gegen Stammtischparolen, Workshops gegen Hass im Netz, Argumentationstrainings gegen Vorurteile: Mit dem Projekt „Sach wat! Tacheles für Toleranz“ fördert die Caritas im Bistum Essen Zivilcourage im Ruhrgebiet.

Wie reagieren, wenn der eigentlich nette Arbeitskollege, eine gute Freundin oder der Typ am Tresen über Migranten oder Flüchtlinge herzieht? Viele sind nicht gewohnt, in solchen Situationen angemessen zu reagieren, sondern versuchen angestrengt wegzuhören. Dieser Herausforderung begegnet die Caritas im Bistum Essen mit dem Projekt „Sach wat! Tacheles für Toleranz“. Die Caritas schult Mitarbeitende sozialer Einrichtungen, Ehrenamtliche und Schüler. „Wir wollen ihnen helfen, in solchen Situationen reaktionsfähig zu werden. In Zeiten, wo rechtspopulistische Parolen Hochkonjunktur haben, brauchen wir noch mehr Menschen, die sich im Alltag für Demokratie, Freiheit und Toleranz stark machen“, so Michael Kreuzfelder von der Caritas. Dazu hat der katholische Wohlfahrtsverband ein Programm mit vier Modulen und insgesamt 27 Veranstaltungen gestartet.

Vier Module, ein Ziel: Sach wat!

Mit einer Kneipentour will die Caritas in Ruhrgebietskneipen an fünf Abenden unterhaltsam gegen gängige Vorurteile angehen. Ein Schauspieler-Duo stellt Stammtischgespräche nach und entwickelt mit den Gästen Gegenstrategien. Den Start macht am 18. November – in der NRW-Woche des Respektes – der Caritasverband Gelsenkirchen in der Kneipe „Rosi“, Weberstraße 18. Ein weiterer Tourtermin steht mit dem 21. Januar 2017 in Bochum fest. Weitere Veranstaltungen wird es in Essen, Gladbeck und Schwelm geben. Die Termine sind öffentlich. Anmeldungen sind aus Sicherheitsgründen erforderlich.

Den Auftakt der Gesamtaktion bildet am Mittwoch, 2. November, ein Fachtag zur Integration unter dem Motto „Voneinander lernen - Miteinander leben“. Um 17 Uhr spricht der bekannte Migrationsexperte Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani über die Situation von Flüchtlingen und über Diskriminierung im Ruhrgebiet. Der Vortrag im Essener Haus der Caritas, Am Porscheplatz 1, ist öffentlich. Zuvor setzen sich Caritas-Profis für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen mit Themen wie Rassismus, Diskriminierung, Radikalisierung und Integrationskonzepten auseinander.

Argumentationstraining gegen Stammtischparolen

Den Kern des Programms bilden 16 ganztägige Trainings, bei denen Vorurteile aufgedeckt und konkrete Situationen geübt werden. Die interaktiven Seminare vermitteln das Mundwerkzeug, um sachlich, rhetorisch geschickt und entschieden auf menschenverachtendes Gerede zu reagieren. Dazu gibt es Fakten über die aktuellen Asylzahlen und die damit verbundenen gesellschaftlichen Wirkungen. Eine Übung in Zivilcourage.

Die Trainings werden in Essen, Gladbeck, Oberhausen, Gelsenkirchen, Bochum, Mülheim und Schwelm jeweils in Zusammenarbeit mit den örtlichen Caritasverbänden organisiert. Sie schulen vor allem ihre Mitarbeitenden. Vier Termine finden in den Caritas-Berufsschulen für Pflegeschüler/-innen und angehende Erzieher/-innen statt. Zwei Trainings werden öffentlich und kostenlos sein, die Teilnehmerzahl ist auf jeweils 15 Personen begrenzt. Anmeldungen nimmt die Caritas ab sofort entgegen (kirsten.werner@caritas-essen.de).

Workshop gegen Hate Speech

Ein Modul richtet sich gezielt an junge Leute. Dissen, Hetzen, Posten: „youngcaritas im ruhrbistum“ und das Projekt „Flüchtlinge mitnehmen“ bieten fünf Workshops für Schülerinnen, Azubis und Studenteninnen zum Umgang mit Hasskommentaren in sozialen Medien (Hate Speech) an.

„Viele tausend Menschen sind in den vergangenen Monaten, nach oft lebensgefährlicher Flucht, zu uns gekommen. Für Viele ist das Ruhrgebiet neues Zuhause. Leider steigt die Zahl fremdenfeindlicher Gewalttaten und Anfeindungen auch gegen Helferinnen und Helfer massiv an“, begründet Dara Franjic, Migrationsexpertin bei der Caritas im Bistum Essen die Initiative. „Die Parolen und hinterhältigen Angriffe rechter Populisten werden zunehmend zur Herausforderung für unsere Demokratie und damit für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft“, so Franjic. Hier wolle die Caritas ein Zeichen für Toleranz und gesellschaftliche Solidarität setzen.

Die Aktivitäten werden zum größten Teil aus dem Programm „KOMM-AN NRW“ der Landesregierung finanziert. Das Land fördert damit die Integration von Geflüchteten und leistet Prävention vor Rassismus und Diskriminierung.

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