Bischof Overbeck zum Missbrauchsgipfel: „Weltweit gleiche Standards für Prävention, Opferschutz und Priesterausbildung“

Papst eröffnet viertägiges Gipfeltreffen der Bischöfe in Rom. Schweigeminute und Bußakt für die Opfer.

Papst Franziskus: „Konkrete und wirksame Maßnahmen nötig“

Kardinal Reinhard Marx: „In manchen Ländern wird die Tragweite des Problems nicht erkannt.“

Bischof Franz-Josef Overbeck: „Opferschutz mit allen Konsequenzen in den Mittelpunkt stellen.“

Das Bistum Essen arbeitet mit hoher Priorität an Maßnahmen zur Prävention sexualisierter Gewalt.

Mit kritischer Aufmerksamkeit schauen in diesen Tagen Katholiken nach Rom, wo sich von Donnerstag bis Sonntag Bischöfe aus der gesamten Weltkirche unter der Leitung von Papst Franziskus mit Missbrauch und Kinderschutz in der katholischen Kirche auseinandersetzen. Zu konkreten und wirksamen Maßnahmen hat der Papst bei der Eröffnung des Gipfels aufgerufen. Auf dem Weg dahin seien Glaube, Redefreiheit, Mut, Klarheit und Kreativität nötig. An dem viertägigen Gipfeltreffen im Vatikan nehmen die Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen, Vertreter der unierten Ostkirchen, 22 männliche und weibliche Ordensobere sowie Behördenleiter und Experten aus dem Vatikan teil. Missbrauchsopfer sollen mit Berichten von ihrem Leiden bei dem Treffen präsent sein. Das Treffen in der vatikanischen Synodenaula begann am Donnerstagmorgen mit einer Schriftlesung, einem Bußakt, der Verlesung eines Zeugnisses eines Opfers sowie einer langen Schweigeminute.

Kardinal Reinhard Marx, der als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz an dem Treffen teilnimmt, erhofft sich, „dass alle Bischöfe der Weltkirche begreifen, dass wir uns dem stellen müssen“. In manchen Ländern, so Marx, werde die Tragweite des Problems noch nicht ausreichend erkannt.

Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck hält es für vordringlich, das Problembewusstsein in allen Bischofskonferenzen und allen Ländern der Erde zu schärfen. „Wir sind in Deutschland schon sehr weit“, sagte er am Donnerstag im ARD-Morgenmagazin. Nun sollten Ziele benannt werden, die weltweit bindend seien. So müsse vor allem der Opferschutz „mit allen Konsequenzen“ in den Mittelpunkt gestellt werden, sagte Overbeck. Zugleich sei eine klare Haltung in Sachen Prävention und Täterverfolgung notwendig. Den Zölibat könne man nicht ursächlich verantwortlich für sexuellen Missbrauch machen, betonte der Bischof. Das bestätigten alle Wissenschaftler. Vielmehr sei es notwendig, auf sexuelle Reife zu drängen, die für jeden Menschen von Bedeutung sei – „erst recht für Priester“.

Im WDR5-Hörfunk fasste Bischof Overbeck am Donnerstagmorgen die Bemühungen des Bistums Essen im Umgang mit Missbrauchsfällen zusammen. Jeder Fall sei der Staatsanwaltschaft gemeldet worden. Zu den Opfern und ihren Angehörigen wurde Kontakt aufgenommen, um gegebenenfalls therapeutische Hilfe zu vermitteln. Schmerzensgelder wurden entsprechend den Vorgaben gezahlt, auf die man sich innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz verständigt habe. Vom Vatikan erwartet Overbeck, weltweit alle Bistümer auf den gleichen Standard in Fragen der Prävention, des Opferschutzes und der Priesterausbildung zu verpflichten: „Wir sitzen alle in einem Boot“, sagte der Essener Bischof.

Im Bistum Essen hat die Bearbeitung verschiedenster Fragen zur Prävention sexualisierter Gewalt hohe Priorität. Derzeit wird der Umgang mit sexualisierter Gewalt in der Vergangenheit aufgearbeitet, Verfahrensordnungen und Fallmanagement bei Verdacht auf sexuellen Missbrauch werden überarbeitet. Auch Generalvikar Klaus Pfeffer sagte am Donnerstag im Interview mit WDR2, dass die Lebenssituation von Priestern ebenso auf dem Prüfstand stehe wie das Weiheamt, der Umgang mit Macht und Leitung und die bisherige Haltung der katholischen Kirche zur Sexualität und Homosexualität.

Unter dem Titel „Fällt der Zölibat?“ beschäftigt sich auch dieZDF-Themensendung „Sonntags“, die am kommenden Sonntag, 24. Februar, von 9.00 bis 9.30 Uhr ausgestrahlt wird, mit dem sogenannten „Missbrauchsgipfel“. In der Sendung berichtet unter anderem der Essener Hochschulseelsorger Stefan Wiesel (44), wie er sein Priestersein lebt.

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