Bischof Overbeck wirbt für neue Haltung gegenüber Homosexuellen

In einem Gastbeitrag für die „Herder Korrespondenz“ beschreibt Overbeck eine gesellschaftliche „Entpathologisierung“ der Homosexualität. Nun müsse auch die Kirche ihre Sicht ändern.

Bischof Franz-Josef Overbeck wirbt für eine neue Haltung der katholischen Kirche gegenüber Homosexuellen. „Jeder Mensch kann äußerst respekt- und liebevolle zwischenmenschliche Beziehungen eingehen“, betont Overbeck unter der Überschrift „Vorurteile überwinden!“ in einem Beitrag für die aktuelle Ausgabe der „Herder Korrespondenz“. Bestimmte Gruppen von Menschen von dieser Einschätzung auszuschließen, sei „Ausdruck eines Vorurteils, das für Betroffene schwer zu ertragen ist und letztlich zu ihrer Diskriminierung oder gar Kriminalisierung beiträgt“, so der Bischof.

Overbeck wirbt dafür, dass die Theologie bei Fragen der Sexualmoral und insbesondere der Homosexualität „die kulturell zeitbedingten Vorstellungen, die in biblischen Aussagen über gleichgeschlechtliche Sexualität auch transportiert werden“, auch im Licht anderer Disziplinen reflektiert – etwa der Humanwissenschaften. Die kirchliche Lehre dürfe sich „nicht gegenüber der Geschichtlichkeit der menschlichen Existenz und ihrer vertieften Erkenntnis abschotten“.

Die katholische Kirche könne „im Grunde nur froh sein, wenn aufgrund vertiefter Erkenntnisse über die menschliche Sexualität Vorurteile vergangener Zeiten, die bis heute fatal nachwirken, überwunden werden“, schreibt Overbeck. Diese „Entpathologisierung“ der Homosexualität bedeute für die Betroffenen „eine überfällige Befreiung aus teilweise immensen Leidensgeschichten in Vergangenheit und Gegenwart. Nun sei es Zeit, „die kirchliche Debatte über die Wahrnehmung und Bewertung von Homosexualität so zu führen, dass die kaum vernarbten Wunden vergangener Verletzungen nicht erneut aufgerissen werden“.

Energisch wendet sich Overbeck gegen eine Verbindung dieser Diskussion mit der Missbrauchsdebatte: „Weder die hetero- noch die homosexuelle Orientierung eines Menschen als solche kann und darf als Ursache für sexuellen Missbrauch betrachtet werden.“ Es sei daher „geradezu abwegig“ zu behaupten, das Problem sexuellen Missbrauchs ließe sich etwa dadurch lösen, den Zugang zum Priestertum nur auf heterosexuelle Männer zu beschränken.

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