Bischof Overbeck: „Wir stehen vor einer kirchlichen Zeitenwende“

Wort des Bischofs zum Jahresbeginn 2019 wirbt dafür, mutig und frei über Fragen zu Priesterbild, Frauenamt und Sexualmoral nachzudenken.

Vor einer Zeitenwende sieht der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck die katholische Kirche angesichts der Unruhe und des Zorns vieler Menschen aufgrund grundlegender Missstände in der Kirche. „Die alte Zeit ist zu Ende!“ schreibt Overbeck in seinem „Wort des Bischofs“, das am 12. und 13. Januar 2019 in allen Kirchen des Bistums Essen verlesen wurde. Priesterbild und Weiheamt, Hierarchie, Zölibat, Frauenamt und Sexualmoral ständen auf der Tagesordnung. Eine breite Mehrheit der Gläubigen und der gesellschaftlichen Öffentlichkeit erwarteten angesichts einer schon Jahre andauernden Diskussion nun eine ernsthafte Erneuerung der Kirche. Denn selbst diejenigen erwögen einen Kirchenaustritt, die sich das bislang nie hätten vorstellen können, schreibt der Bischof. Nun gehe es nicht darum, eine bestimmte, vertraute Gestalt der Kirche zu retten, sondern nach neuen Wegen zu suchen, um mit Gott in Berührung zu kommen.

Manche Entwicklung sei bereits angestoßen. Overbeck berichtet von eigenen Begegnungen mit Menschen am Rand oder außerhalb der Kirche, die einerseits großes Interesse an Werten und christlichen Inhalten, andererseits Sehnsucht nach religiöser Erfahrung zeigten. Innerhalb der Kirche wüchsen Offenheit und Ehrlichkeit, Tabus lösten sich auf. Im Bistum Essen werde erfolgreich mit neuen Weisen christlichen Lebens experimentiert – so gebe es hier nun Segensfeiern für Neugeborene, neue sozialpastorale Initiativen sowie Wortgottesdienste und Begräbnisse, die von ehrenamtlichen Frauen und Männern geleitet werden.

Angesichts von Misstrauen und Zerwürfnissen der jüngeren Vergangenheit bittet Overbeck darum, „in diesen schwierigen Zeit achtsam und sehr behutsam miteinander umzugehen und Konflikte auf zivilisierte, christliche angemessene Weise auszutragen“. Weder er selbst als Bischof noch sonst jemand könne ein einfaches Patentrezept für die Zukunft haben.

Das „Wort des Bischofs“ ist auch in leichter Sprache erschienen. Darin wendet Overbeck sich in einfachen Worten und kurzen Sätzen an Menschen mit Lernbehinderung oder auch an Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. „Wir finden einen neuen Weg“, schreibt der Bischof, „den Weg ist noch nie jemand gegangen. Wir sind mutig. Wir werden den neuen Weg gehen.

Behindertenverbände können den Text in leichter Sprache über sekretariat-bischofshaus@bistum-essen.de beziehen.

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