Bischof Overbeck: Ökumene soll zum Normalfall werden

Essener Bischof nennt vor den Superintendenten der Evangelischen Kirche im Rheinland gelungene Beispiele für Ökumene und ruft dazu auf, verbleibende Unterschiede als Bereicherung zu erleben.

Für die christlichen Kirchen soll es künftig der Normalfall sein, bei jeder Planung von vornherein die ökumenischen Möglichkeiten mit zu bedenken. „Wo nicht Gründe der größeren Zweckmäßigkeit oder des Glaubens dagegen sprechen, sollten wir ökumenisch handeln“, sagte der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck am Montag, 18. Februar 2019, vor den Superintendenten der Evangelischen Kirche im Rheinland in Wuppertal. Overbeck plädierte dafür, die wirklich kirchentrennenden Unterschiede der Konfessionen zu definieren, Gemeinsamkeiten hervorzuheben und verbleibende Differenzen nicht nur zu ertragen, sondern sie als Bereicherung zu erleben: „Die Einheit der Kirche wird es nicht als Uniformität, sondern nur als versöhnte Verschiedenheit geben.“ Von dem Bemühen, die Anderen im Sinne einer „Rückkehr-Ökumene“ auf die eigene Seite zu ziehen, habe die römisch-katholische Kirche sich im Zweiten Vatikanischen Konzil verabschiedet: „Belassen wir es dabei.“

Overbeck erinnerte an die ökumenische Feier im Essener Dom zum Abschied des Steinkohlebergbaus im vergangenen Dezember als Beispiel dafür, dass die Gesellschaft das Gebet und den Gottesdienst immer dann brauche, wenn es um existentielle Fragen gehe. Säkulare Veranstaltungen gerieten hier an ihre Grenzen: „Bis heute und meines Erachtens auch in Zukunft gibt es neben den Kirchen niemanden, der diesen wichtigen Dienst an der Gesellschaft übernehmen könnte.“ Auch viele weitere Aktivitäten der Kirchen zeigten heute schon gelungene Beispiele für bewährte Ökumene im Alltag. „Wenn in vielen Stadtteilen im Ruhrgebiet nicht mehr die gutsituierte bürgerliche Mitte prägend ist, sollte sich die Kirchengemeinde für ein sozialpastorales Zentrum engagieren, anstatt den traditionellen kirchlichen Gruppen und Vereinen hinterher zu trauern“, sagte Overbeck.

Die Kirchen sieht der Essener Bischof derzeit in einer vielfachen Krisensituation, aktuell bedingt durch den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche, aber auch durch zunehmenden Bedeutungsverlust sowie Spar- und Kürzungspläne bei allen Konfessionen: „Die alte Zeit ist zu Ende.“ Angesichts dessen sollten die Kirchen gemeinsam nach neuen Wegen suchen, wie die Menschen von heute und morgen mit dem Gott Jesu Christi in Berührung kommen könnten: „Die durch Kirchengemeinden territorial gegliederte flächendeckende pastorale Vollversorgung mit einer kompletten konfessionellen Doppelstruktur überfordert unsere Ressourcen und – noch entscheidender: sie entspricht nicht mehr der Lebenswelt der Menschen und den berechtigten Erwartungen an eine zeitgemäße Form der Verkündigung.“

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