von Friederike Frücht (KMBA) und Thomas Rünker

Bischof Overbeck pilgert mit Soldaten zum Essener Dom

Weil die Internationale Soldatenwallfahrt wegen der Corona-Pandemie abgesagt ist, waren einige Soldaten mit Militärbischof Overbeck auf dem Pilgerweg des Bistums Essen unterwegs.

Statt zur Muttergottes von Lourdes sind Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr am Mittwoch gemeinsam mit dem Ruhr- und deutschen Militärbischof Franz-Josef Overbeck zur Goldenen Madonna im Essener Dom gepilgert. Eigentlich wäre Overbeck in diesen Tagen gemeinsam mit tausenden Militärangehörigen bei der internationalen Soldatenwallfahrt in dem südfranzösischen Wallfahrtsort. Doch nachdem das traditionsreiche Treffen von Soldaten aus aller Welt in diesem Jahr erneut pandemiebedingt abgesagt werden musste, hat die katholische Militärseelsorge überall in Deutschland kleine, regionale Wallfahrten organisiert. So führte der aus Essen stammende Militärseelsorger Constantin Rhode die Soldaten gemeinsam mit Bischof Overbeck auf dem Pilgerweg des Bistums Essen vom Kardinal-Hengsbach-Haus zum Essener Dom.

Soldaten sind überrascht vom grünen und hügeligen Ruhrgebiet

„Lourdes ist nicht ersetzbar, aber zumindest ist es ein schönes Zeichen, dass wir mit einigen Soldatinnen und Soldaten unterwegs sind und damit zeigen, dass die Wallfahrt weiterhin eine Bedeutung hat“, sagte Overbeck, bevor es gemeinsam mit elf Pilgern aus Wesel, Hilden, Kalkar und Wulfen durch den Essener Stadtwald Richtung Innenstadt ging. Mancher war dabei schnell erstaunt: Vom unerwartet grünen Ruhrgebiet – und von den plötzlichen Steigungen: „Die alpenähnlichen Verhältnisse hier in Essen überraschen mich ein wenig“, stellte der Leitende Militärdekan Rainer Schnettker aus Köln fest, der angesichts der Organisation der Wallfahrt durch das Militärpfarramt Wesel eher „vom wunderbar überschaubaren und flachen Niederrhein“ ausgegangen war.

Insgesamt ließen die Pilger über 15 Kilometer Strecke hinter und etwas über 100 Höhenmeter unter sich. „Überlegen war keine Option“ für Hauptfeldwebel Sabrina Tietz und Obermaat Anja Biedermann. Beide waren schon mehrmals bei der Soldatenwallfahrt in Lourdes und schätzen dort die Atmosphäre, den internationalen Austausch und die Natur. „Essen ist nicht Lourdes“, stellte Tietz fest, „aber ich habe die Gespräche, auch mit dem Bischof, heute sehr genossen.“

Militärmusik im Bischofsgarten

Der Pilgerweg des Bistums Essen

Auf insgesamt rund 250 Kilometern verbinden seit 2018 fünf verschiedene Strecken des Pilgerwegs im Bistum Essen den Essener Dom mit den verschiedenen Regionen der Diözese. Die Strecken sind in beide Richtungen mit einem eigenen Wegzeichen markiert und so flexibel, dass sie sich für mehrtägige Touren ebenso anbieten wie für kurze Spaziergänge. Digitale und analoge Karten der einzelnen Strecken und weitere Informationen gibt es online auf www.pilgerweg.bistum-essen.de.

Nach vier Stunden Weg begrüßte das Luftwaffenmusikkorps Münster die Pilgernden im Garten des Bischofshauses. Für viele der Teilnehmer war auch das ein Hauch von Lourdes, wo während der Solldatenwallfahrt in jeder Gasse zu jeder Tages- und Nachtzeit Militärmusik und Gesang zu hören ist. Das gemeinsame Gebet beim Abschlussgottesdienst an der Goldenen Madonna im Essener Dom verband die Gruppe mit allen anderen pilgernden Soldaten in Deutschland. Zugleich schlug Bischof Overbeck in seiner Predigt den Bogen von der Innerlichkeit des Pilgerns zum Auftrag der Christen in der Welt. Konkret sprach er die zunehmende Digitalisierung an, von der auch die Bundeswehr betroffen ist. Overbeck betonte: Was immer auch durch die Algorithmen der digitalisierten Welt realisiert werden könne, „bleiben muss die Letztverantwortung durch einen Menschen, der mit personaler Würde ausgestattet ist und bleibt“.

Overbeck betont gemeinsame europäische Verantwortung

Overbeck verwies zudem auf die durch die Coronakrise gestiegene Notwendigkeit „einer europäischen Zusammenarbeit mit der Übernahme von Verantwortung“. Der europäische Wiederaufbaufonds oder die gemeinsame Impfstoffbeschaffung seien Beispiele für diese Solidar- und Verantwortungsgemeinsachaft, „selbst wenn deren praktische Umsetzung nicht immer so geschehen ist, wie es wünschenswert wäre“. Auch bei Themen wie Klimawandel und Artenschutz „sitzen wir alle in einem Bott“, sagte der Bischof und betonte: „Wir müssen das Ziel, die CO2-Emmissionen so zu begrenzen, dass der weitere gefährliche Klimawandel verhindert wird, unbedingt weiter betreiben.“ Zugleich brauchen es „Instrumente der sozialen Kompensation für diejenigen, die durch diese Maßnahmen überproportional und/oder oft jenseits ihrer Leistungsfähigkeit belastet werden.“ 

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