Freude, Bescheidenheit und großer Dank: Rückblick auf ein Jahr im Ausland

Neun junge Erwachsene sind aus ihrem Freiwilligenjahr des Bistums Essen nach Deutschland zurückgekehrt, drei von ihnen aus Peru und Tansania. Mitgebracht haben sie viele Eindrücke, ein neues Selbstbewusstsein und Pläne für die eigene Zukunft.

Ein Boot, mitten auf einem Fluss des Amazonasgebiets. Der Tourguide macht den Motor aus, die vier jungen Erwachsenen schauen nach oben – in einen Sternenhimmel, dicht und hell leuchtend. „Das war einfach der Hammer“, sagt Laura Discher begeistert, wenn sie von diesem Ausflug in Peru erzählt. Wenige Stunden später liegen die Freiwilligen in Hängematten im Regenwald, lauschen dem Regen auf den Planen über ihren Köpfen und den Geräuschen des Dschungels.

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Erinnerungen wie diese sind für Laura Discher noch ganz frisch, seit zwei Wochen ist die 19-Jährige zurück in ihrer Heimat Ramsdorf. Zwölf Monate hat sie in einer Ganztagsschule in San Gabriel, einem Stadtteil Limas, gearbeitet. „Dort habe ich Kinder aus sehr schwierigen familiären Verhältnissen unterrichtet, ihnen bei den Hausaufgaben geholfen“, sagt Laura. Zusammen mit drei anderen Freiwilligen kümmerte sie sich täglich um die rund 25 Kinder. Auch wenn sie sich nach dem Abitur spontan für das Freiwilligenjahr entschied, sagt sie: „Es war schon immer mein Traum, mal ein Jahr was anderes zu sehen, Menschen zu helfen, ihre Kultur und ihr Land kennenzulernen.“

Spuren aus dem Alltag Perus in Deutschland

Ohne bestimmte Erwartungen und Ängste, aber gut vorbereitet durch Seminare, reiste sie dann in das lateinamerikanische Land. „Überwältigt hat mich die große Hauptstadt Lima dann trotzdem“, sagt sie. Auch das Leben in ihrer Gastfamilie prägt sie, vor allem die frühe Verantwortung, die Kinder dort übernehmen müssen. Der Alltag aus Peru hinterlässt auch in ihrem Elternhaus einige Spuren und so manchen Rat an Familie und Freunde: „Wenn ich hier in den Kühlschrank gucke, gibt es so eine große Auswahl. Ich frage mich, warum wir so viel brauchen und viel dann doch wegwerfen.“

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Das deutsche Konsumverhalten – ein Aspekt, den auch die Essenerin Amelie Quincke nach ihrer Rückkehr kritisch sieht. Die 19-Jährige war ein Jahr in einer Grundschule in Tansania, unterrichte in Englisch, half den Lehrern und spielte mit den Kindern nach der Schule. Zweimal die Woche arbeitete sie im benachbarten Kindergarten. Ihre Motivation: „Etwas Neues erleben, Leute, Land und die Kultur Afrikas kennenlernen.“

„Da habe ich gemerkt, es ist wichtig, hier zu sein“

„Wenn die Kinder schon morgens auf mich zu gerannt kamen, meinen Namen riefen – da habe ich gemerkt, dass es wichtig ist, hier zu sein“, erzählt sie. Und doch weiß sie nun: „Es war ein tolles Jahr, das ich wirklich genossen habe, aber ich möchte beruflich nichts mit Kindern machen, keine Lehrerin werden.“

Entscheidende Eindrücke für seine berufliche Zukunft hat auch Tristan Steckelbach aus Witten gewonnen – im San Juan de Lurigancho, Lateinamerikas größtem Männergefängnis mit rund 10.000 Insassen. An der Seite des Essener Priesters Norbert Nikolai kümmerte er sich täglich um die Gefangenen in der Drogentherapie und Resozialisierung, begleitete sie in Workshops, beim Sport und unterrichtete Englisch. „Das Wichtigste ist, sich einfach Zeit zu nehmen, so kann man mit relativ wenig Aufwand viel bewirken“, weiß der 19-Jährige. Er ist beeindruckt von der Seelsorge der Helfer vor Ort, die oft ohne jahrelanges Studium und mit reiner Lebenserfahrung viel erreichen können. Eine Erfahrung, die ihn in seiner Idee, eine handwerkliche Ausbildung zu machen, bestärkt. Ob Dachdecker oder Tischler, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Großer Dank für freiwilligen Einsatz

 „Es gibt an jedem Ort der Welt Menschen, die Fehler machen, aber auch die haben Hilfe verdient“, sagt Tristan. Einsatz, für den er einen großen Dank an seinem Geburtstag, kurz vor Ende des Freiwilligenjahrs, zurückbekommt: Auf Plakaten gratulieren ihm die Häftlinge und Helfer, organisieren mit viel Liebe zum Detail eine kleine Feier und Essen für ihn. Ein Moment, der Tristan noch einmal deutlich macht: „Manchmal kann man schon mit vielen kleinen Dingen die eigene Welt dieser Menschen verändern.“

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