„Unsere Katechese muss mit dem Leben der Leute zu tun haben!“

Kommunion-, Firm- und Ehevorbereitung – im Interview spricht Bistums-Referent Nicolaus Klimek über aktuelle Trends und Herausforderungen bei der Glaubenskommunikation im Bistum Essen.

Hunderte Frauen und Männer engagieren sich in den Gemeinden des Bistums Essen dafür, den christlichen Glauben weiterzugeben. Gemeinsam mit den hauptamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern bereiten sie Kinder auf die Erstkommunion und Jugendliche auf die Firmung vor, sprechen mit Brautpaaren über die christliche Idee von Liebe und planen mit jungen Eltern die Taufe ihres Kindes. Einige von ihnen haben sich am Wochenende zum „Tag der Katechese“ in der Mülheimer Bistums-Akademie „Die Wolfsburg“ getroffen. Im Interview spricht Bistums-Referent Nicolaus Klimek über aktuelle Trends und Herausforderungen in der Katechese.

Bistum Essen: Viele Familien kommen über die Erstkommunion-Vorbereitung mit Katecheten in Kontakt. Sie sollen ihren Kindern die Grundlagen des katholischen Glaubens beibringen – mit Erfolg?
Klimek: Bei den meist acht oder neun Jahre alten Kindern, die wir auf die Erstkommunion vorbereiten, läuft die Katechese in den meisten unserer Gemeinden wirklich gut. Das hat deutschlandweit auch eine Studie belegt. Da sind ganz viele engagierte Menschen, die den Kindern von Jesus erzählen und ihnen zeigen, dass unser Gott ein treuer Begleiter ist, dem man vertrauen kann. Spannend ist, dass viele Gemeinden nun auch die Eltern stärker in die Kommunionvorbereitung einbeziehen.

Bistum Essen: Und das kann funktionieren, Glaubensunterricht für Kinder und Eltern gleichzeitig?
Klimek: Ja, natürlich mit unterschiedlichen Angeboten – und „Unterricht“ würde ich es nicht nennen. Wichtig ist, dass wir den Eltern, die durch die Kommunionvorbereitung ihrer Kinder manchmal nach vielen Jahren erstmals wieder Kontakt zu uns haben, auf Augenhöhe begegnen und sie nicht gleich als künftige Dauer-Kirchenbesucher rekrutieren wollen. Ich kenne Gemeinden, die haben gute Erfahrungen gemacht, nach einem Kommunion-Elternabend einfach noch kurz in die Kirche zu gehen und die Eltern einzuladen, eine Kerze anzuzünden. Wenn die Eltern merken, wir wollen sie nicht gleich für etwas werben, kann sich auch ein Interesse an Riten und Glaubensfragen entwickeln. Entscheidend für Eltern ist, einen Bezug zum eigenen Leben zu erkennen.

Bistum Essen: Das dürfte bei den Jugendlichen, die sich mit 15 oder 16 auf den Weg zur Firmung machen, kaum anders sein, oder?
Klimek: Auch Jugendliche blockieren, wenn sie merken, dass es uns weniger um sie selbst geht als darum, Nachwuchs für unsere Gemeindearbeit zu gewinnen. Katechese funktioniert, wenn wir ihnen den Ball zuspielen und sie Verantwortung für sich übernehmen – wie sie es in anderen Lebensbereichen ja auch zunehmend tun. Wenn sie sich bei uns Antworten auf die Fragen suchen, die für sie wichtig sind – und sie auch finden – ist das viel nachhaltiger, als wenn wir ihnen Dinge sagen, die sie gar nicht hören möchten. Unsere Katechese muss mit dem Leben der Leute zu tun haben!

Bistum Essen: Aber es gibt doch bestimmte Glaubensinhalte, die die Katechese vermitteln soll!
Klimek: Wir müssen uns von der Vorstellung lösen, wir müssten den Menschen etwas geben, das wir haben – sie aber noch nicht. Heute geht es darum, mit den Menschen gemeinsam zu entdecken, wo Gott längst in ihrem Leben wirkt. Wichtig ist dabei der Blickwinkel: Wenn ich gleich mit Jesus komme, hat das für viele Menschen zunächst wenig mit ihrem Leben zu tun – da muss ich aber ansetzen, damit sie mir überhaupt zuhören.

Bistum Essen: Also Jesus und Gott erstmal verschweigen?
Klimek: Verschweigen würde ich nicht sagen, aber vielleicht nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen. Ich kann unseren christlichen Glauben doch zum Beispiel auch so zusammenfassen: Ich glaube, dass die Liebe die entscheidende Kraft in der Welt ist, dass es sich lohnt, sich für ein Leben in und mit dieser Liebe zu engagieren und dass die Liebe letztlich siegen wird. Wenn ich so einsteige ist das für viele Jugendliche und Erwachsene gut nachvollziehbar. Als Katechet habe ich dann eine gute Basis, um mit dem biblischen Wort „Gott ist Liebe“, darüber zu sprechen, dass der Gott der Christen eben nicht nur eine unpersönliche Macht ist, sondern eine Person, die wir „Du“ und „Vater“ nennen dürfen.

Bistum Essen: Dieser Gott spielt ja auch bei der katholischen Ehe eine besondere Rolle – ist also auch Thema in der Ehevorbereitung?
Klimek: Auf jeden Fall! In der Liebe der Eheleute zueinander wird in der Welt etwas sichtbar von der Liebe Gottes zu uns Menschen. Deswegen feiern wir die Ehe als Sakrament: als Zeichen der Liebe Gottes zu uns. Wenn wir diese Perspektive gewinnen, erfahren wir vielleicht auch eine Hilfe, die schwierigeren Tage einer Ehe mit Geduld und Kreativität zu meistern. Im Segen sagt uns Gott ja zu, uns soll es gut gehen! Für diesen Zuspruch sind viele Brautpaare dankbar, denn sie wissen ja, welchen Gefahren eine dauerhafte Beziehung ausgesetzt ist. Gerade im beginnenden Eheleben, in dem womöglich Kinder, Haus und andere Großprojekte anstehen, hat man so noch einen starken „Partner“ an der Seite. Die Ehevorbereitung ist übrigens auch ein gutes Beispiel dafür, wie vielfältig sich Katechese heute aufstellen muss: Gab es früher in jeder Stadt ziemlich ähnliche Kurse, gibt es heute alle möglichen Angebote – vom individuellen Gespräch bis hin zu gemeinsamen Wochenenden mit anderen Paaren.

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