von Thomas Rünker

Nuntius Krebs schaut gelassen auf Unterschiede in der Weltkirche

Der aus Essen stammende Erzbischof ist seit Kurzem päpstlicher Botschafter in Bern. Dass die deutschen Katholiken Themen wie die Segnung homosexueller Paare diskutieren, die anderswo vermeintlich kaum interessierten, sei für die Weltkirche durchaus vorteilhaft, sagt Krebs.

Der aus Essen stammende neue päpstliche Nuntius für die Schweiz und Liechtenstein begrüßt, dass in Deutschland kirchliche Fragen diskutiert werden, die anderswo in der Weltkirche vermeintlich nicht relevant sind. „Wenn einige Ortskirchen die Möglichkeit haben, solche Fragen zu durchdenken und durchzudiskutieren, dann ist das auch ein Dienst an anderen Ländern“, sagte Erzbischof Martin Krebs jetzt in einem Interview mit dem Portal katholisch.de auf die Frage nach Debatten um den Diakonat der Frau oder die Segnung homosexueller Paare. „Was dabei am Ende – auch für ärmere Länder – herauskommt, steht auf einem anderen Blatt“, ergänzte Krebs. Er halte „diese Aufgabenteilung aber durchaus für vorteilhaft“.

Gebürtiger Essener war schon in Japan, Mali und Neuseeland tätig

Der 1956 in Essen geborene Krebs war als Vatikan-Diplomat unter anderem schon in den USA, in Japan, Mali, Neuseeland und zuletzt in Uruguay als päpstlicher Botschafter im Einsatz. Diese weltkirchliche Erfahrung lasse ihn „gelassener akzeptieren, dass wir das, was wir als Weltkirche gemeinsam haben – den Glauben an Jesus, den Christus – in den Ortskirchen jeweils in etwas unterschiedlicher Weise leben müssen“, so Krebs. „Ein Grund für Spannungen in der Kirche ist häufig die Frage, wie die Begegnung zwischen dem Evangelium und der modernen Welt gelebt werden soll.“ Diese Begegnung sei „eine Herausforderung in allen Ortskirchen. Aber in ganz armen Ländern setzt man sich weniger mit theoretischen Fragen auseinander. Da geht es oft um das einfache, nackte Überleben in vielerlei Hinsicht, sodass andere Fragen eher im Hintergrund behandelt werden“, sagte der Nuntius. 

Abitur am Bischöflichen Gymnasium in Essen

Nach seinem Abitur am Bischöflichen Gymnasium am Stoppenberg in Essen, dem Theologie-Studium in Bochum und Rom und seiner Priesterweihe 1983 in Rom war Martin Krebs Mitte der 1980er Jahre zunächst als Kaplan in der Duisburger Pfarrei St. Joseph tätig. Ab 1987 begann er dann sein Studium an der Päpstlichen Diplomatenakademie in Rom und wurde 1991 auf seinen ersten Einsatz an die Nuntiatur im ostafrikanischen Burundi entsandt. Es folgten Stationen in den Vatikan-Botschaften in Japan, Österreich, Tschechien, bei der EU in Brüssel und in den Vereinigten Staaten. 2008 ernannte Papst Benedikt XVI. Krebs zum Erzbischof und sandte ihn zu seinem ersten Einsatz als Nuntius in die westafrikanischen Staaten Guinea und Mali.

Versetzung per Brief oder Telefonanruf

Im Interview sprach Krebs auch über das Leben im diplomatischen Dienst des Vatikan und die häufigen Ortswechsel. In der Regel bleibe ein Nuntius fünf Jahre auf seinem Posten. Aber auch als Nuntius lebe man „mit Überraschungen, wie ich es jetzt nach zweieinhalb Jahren in Uruguay erlebt habe“. Die Prozedur der Ernennung für eine neue Stelle sei dabei denkbar einfach: „Es kommt ein Schreiben, manchmal auch noch ein Telefonanruf, in dem das Staatssekretariat des Heiligen Stuhls dem Nuntius mitteilt: ,Der Heilige Vater hat Sie für den und den Posten ernannt und bittet um Ihre Zustimmung.‘ Die könne man ablehnen, müsse dafür aber „schon sehr gewichtige Einwände haben“. Umgekehrt ist es laut Krebs auch verpönt, den eigenen Weltreise-Plänen auf die Sprünge zu helfen: „Im diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls äußern wir in der Regel keine persönlichen Wünsche.“

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