von Thomas Rünker

Die Altfrid-Bruderschaft: Wachen und Beten im Essener Dom

Die Mitglieder der Bruderschaft sind für viele Besucherinnen und Besucher die ersten Ansprechpersonen im Essener Dom. Ihre Mitglieder schwärmen vom Ehrenamt zwischen 1000 Jahre alten Kunstschätzen und Kirchenmauern – und sind auf Nachwuchssuche.

Leise Schritte in der Stille, dazu ein sanftes Klappern im Takt der Bewegung. Von der Sakristei vorn bei der Goldenen Madonna geht Rudolf Verheyen mit einem Karton Teelichter einmal quer durch den Essener Dom. Beim Marienbild am Eingang sind schon wieder die Kerzen leer. Verheyen füllt den Vorrat nach. Viele Besucherinnen und Besucher zünden hier Opferlichter an, wenn sie vor dem Bild mit der Gottesmutter beten. Aber auch vor der Goldenen Madonna brennen ständig Kerzen, so wie vor der steinernen „Grablege Jesu“, an der Figur des Heiligen Rochus und in der Nikolaus-Groß-Kapelle. „St. Altfrid Bruderschaft“ steht auf dem Namensschild, das Verheyen ausweist. Er ist ihr Vorsitzender und zusammen mit 11 Kollegen und einer Kollegin regelmäßig in der Kirche unterwegs, die vor über 1000 Jahren vom Heiligen Altfrid gestiftet wurde. Dort füllt die Altfrid-Bruderschaft nicht nur die Kerzen auf, sondern schaut zwischen den uralten Gemäuern auch sonst überall nach dem Rechten.

Gegründet von Ruhrbischof Hengsbach

Der erste Ruhrbischof Franz Hengsbach gründete die Altfrid-Bruderschaft, die seit 1975 den Wach- und Präsenzdienst im Essener Dom übernimmt. Prälat der Gemeinschaft ist der emeritierte Domkapitular Martin Pischel. Neben den 13 aktiven zählen derzeit 15 passive Mitglieder zur Altfrid-Bruderschaft.

Dienstzeit von 13.30 bis 18 Uhr

„Wachet und Betet!“, zitiert Verheyen aus der Bibel das Motto der Bruderschaft: Während ihrer Dienstzeit von 13.30 bis 18 Uhr gehen Mitglieder meist zu zweit im Dom, in der Anbetungskirche, auf dem Domhof und im Kreuzgang umher, antworten auf Fragen der Besucherinnen und Besucher und sorgen freundlich aber bestimmt dafür, dass sich hier alle an die Regeln halten. Manchmal haben sie auch mit schwierigeren Zeitgenossen zu tun, dann hilft der Kollege vom professionellen Sicherheitsdienst – oder die Polizei. „Viele Besucher fragen uns, warum wir hier einen siebenarmigen Leuchter stehen haben“, sagt Altfrid-Bruder Johannes Vieth, der sieben Jahre lang die Bruderschaft geleitet hat, bevor er das Amt vor gut zwei Jahren an Verheyen übergab. Vieth zeigt auf die vor gut 1000 Jahren gefertigte und heute weltweit älteste erhaltene christliche Nachbildung des jüdischen Tempelleuchters. Dann erzählen die Altfrid-Brüder den Gästen von der langen Geschichte der Äbtissinnen in Essen, zeigen den Weg zur Goldenen Madonna oder zur langen Liste der Namen und Lebensdaten im Kreuzgang – und empfehlen einen Besuch in der benachbarten Domschatzkammer. „Schließlich sind wir ja keine Dom-Führer“, betont Vieth.

Das Altfrid-Gebet ist immer mit dabei

Und das Beten? „Zwischen den Rundgängen setze ich mich immer mal wieder in die Kirchenbank“, sagt Verheyen. Erholung mit Leib und Seele sozusagen. Denn wenn er da so sitzt, geht es dem Rentner nicht nur ums Verschnaufen. „Hier“, Verheyen zeigt auf ein kleines Faltblatt, „da haben wir die Daten aller unserer Mitglieder abgedruckt – und hinten drauf ist gleich das Altfrid-Gebet. Das bete ich in jedem Dienst meist mehrfach.“ Auch Vieth nickt. Werden die viereinhalb Stunden Dienst – Kaffeepause inklusive – nicht trotzdem irgendwann langweilig? „Auf keinen Fall“, die beiden Altfrid-Brüder sind fast entrüstet: „Die Zeit vergeht hier unglaublich schnell“, sagt Vieth, der seinen Dienst im Dom jedes Mal „wie eine Kur“ empfindet. Verheyen stimmt ihm zu: „Die Zeit hier ist für mich echte Erholung.“

Vielleicht liegt das gerade an der Mischung aus Ruhe und Aktivität. Denn neben dem Sitzung und Beten seien es gerade „die vielen schönen und interessanten Gespräche“, die den Dienst zu einem wohltuenden Ehrenamt machten, betont Verheyen. „Hier kommen ja Leute aus ganz Europa hin! Und fast alle sind von unserem Dom begeistert.“ Gerade während des Weihnachtsmarkts sei auf der Dominsel immer viel los.

Feierliches Altfrid-Fest

Bruderschaft würde Dienste im Dom gerne ausweiten

Nur ein paar mehr Leute könnten sie in der Altfrid-Bruderschaft ruhig noch gebrauchen, sagen Verheyen und Vieth. Im Moment können sie nämlich nur von montags bis mittwochs im Dom präsent sein, gerne würden sie den Dienst aber auch auf die anderen Wochentage ausdehnen. Katholisch und ein bisschen kommunikativ sollten Menschen sein, die sich für das Ehrenamt in der Altfrid-Bruderschaft interessieren. Natürlich sind auch Frauen willkommen. Wer mitmachen möchte, könne sofort einsteigen, „die offizielle Aufnahme der Neuen erfolgt dann immer am Altfrid-Fest am 16. August“. Dann sind die Mitglieder der Bruderschaft ohnehin gefragt, wenn sie – bekleidet mit ihren Chormänteln – den Schrein mit den Reliquien des Gründers von Stadt und Stift Essen aus der Krypta zur feierlichen Verehrung in den Dom tragen. In der Krypta, am Altfrid-Grab, feiert die Bruderschaft auch Gottesdienste, wenn sie sich alle zwei Monate für Absprachen und Diensteinteilungen trifft. „Außerdem gibt’s jedes Jahr einen Ausflug – und unseren Kapitelstag mit Bischof Overbeck“, zählt Vieth weitere Höhepunkte im Jahreskalender der Bruderschaft auf. Wer bei der Altfrid-Bruderschaft mitmachen möchte, kann sich per E-Mail unverbindlich an Rudolf Verheyen wenden. 

Pressestelle Bistum Essen

Zwölfling 16
45127 Essen

0201/2204-266

0201/2204-507

presse@bistum-essen.de

Presse