von Thomas Rünker

Caritas in Altena hilft Flut-Betroffenen im Kino

Gut einen Monat, nachdem das Hochwasser rund 600 Häuser in der Lennestadt beschädigt hat, ist die gröbste Aufräumarbeit erledigt. Beim nun beginnenden Wiederaufbau setzten Caritas und Pfarrei auf unkonventionelle Lösungen.

Wer noch einen Bautrockner benötigt oder Fragen zu Hilfsgeldern oder Versicherungen hat, könnte im Apollo fündig werden. In dem überregional bekannten Traditionskino der vom Hochwasser Mitte Juli so gebeutelten Stadt Altena bietet die Caritas ab Freitag Fluthilfe-Beratungen an. An jedem Werktag stehen hier jetzt mindestens zwei Stunden lang Anke Moll und Cornelia Arndt bereit, wenn vormittags ohnehin noch nichts auf der Leinwand läuft. Dann helfen die beiden Sozialarbeiterinnen bei der Suche nach Antworten auf die nach wie vor vielen offenen Fragen der Flut-Betroffenen.

Im Kino beraten sie nicht deshalb, weil – wie anderswo in den Flutregionen der Eifel – ihre Büros überschwemmt worden wären, sondern, um möglichst nahe bei den Altenaern zu sein, denen die Flut durchs Haus geflossen ist. Das Apollo steht mitten in der Nette, einem Viertel, das selbst für Altenaer Verhältnisse ein vom Hochwasser „sehr gebeutelter Bereich“ sei, sagt Stefan Hesse, Caritasdirektor im Kreisdekanat Altena-Lüdenscheid. Das Kino steht hier wie auf einer Insel zwischen zwei Straßen. In normalen Zeiten fließt links und rechts der Verkehr an dem schlanken Haus vorbei. Mitte Juli war es der reißende Hochwasserstrom. 

Gut vernetzte Kino-Betreiberin hilft bei der niedrigschwelligen Hilfe der Caritas

Kino-Betreiberin Nicole Güldner ist in der Nette fest verwurzelt, hat vom ersten Tag an die Aufräumarbeiten in den Straßen ringsum begleitet und ist nun nicht nur wegen ihrer Räumlichkeiten, sondern auch wegen ihrer Kontakte gefragt. „Unser Angebot soll so niedrigschwellig wie möglich sein“, sagt Hesse. Da hilft es, wenn Güldner ihrerseits den ein oder anderen Nachbarn auf die neuen Hilfs-Möglichkeiten aufmerksam macht.

Etwa 600 Häuser sind in der rund 18.500 Einwohner zählenden Kleinstadt im Lennetal von den Folgen der Flut betroffen. Sperrmüll und Schlamm sind mittlerweile fast überall weggeräumt, „die akute Phase ist vorbei“, beschreibt Sandra Schnell, die Pfarrbeauftragte der Altenaer Kirchengemeinde St. Matthäus. Sie berichtet von der guten Vernetzung in der Kleinstadt. So wie um das Apollo-Kino gebe es in vielen Teilen der Stadt Gruppen und Nachbarschaften, die sich gut umeinander kümmern würden. „Der eine kennt den, der Hilfe braucht, der andere den, der weiß, wo man sie bekommt“, sagt Schnell.

Spendenaufruf

Die Caritas Altena-Lüdenscheid sammelt weiter Spenden für die Hochwasser-Betroffenen im Lenne- und Volmetal:

Caritasverband Altena-Lüdenscheid e.V.
Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis
DE09 4585 1020 0080 0011 91
WELADED 1PLB

Für Sachspenden hat der Caritas-Verband eine eigene Online-Börse eingerichtet.

Diese Solidarität zu stärken, ist aus ihrer Sicht eine wesentlich Aufgabe von Kirche in dieser Situation. So ist das starke Netzwerk der Pfarrei eingebettet in die Bürgergesellschaft der Stadt, um sich zusammen mit der Verwaltung, mit Vereinen und Organisationen für den Wiederaufbau in Altena zu engagieren. Mit Blick auf die lange Wiederaufbauzeit stehe nun für die Pfarrei zudem die Frage im Vordergrund: „Was können wir denen Gutes tun, die vom Hochwasser betroffen sind?“ Noch gebe es keinen festen Plan, aber Schnell möchte neue Angebote gerne ökumenisch aufsetzen – und nicht unbedingt in der Kirche, sondern – wie die Beratung im Kino – nah bei den Betroffenen. Mit Blick auf psychosoziale Unterstützung für Betroffene werde es wohl zudem verschiedene Angebote brauchen: „Die einen werden über die Flut sprechen wollen, um sie zu verarbeiten – und andere brauchen vielleicht Auszeiten von diesem Thema.“

Kinder-Café bietet Kindern Auszeit von den Flut-Erlebnissen

Zumindest für Kinder gibt es diese kleinen Auszeiten bereits: Immer dienstags um 15 Uhr öffnet in Altena nun das „Kinder-Café“ der Caritas, in dem vom Hochwasser betroffene Jungen und Mädchen ab sechs Jahren gemeinsam spielen können. Für die meisten dürfte dies Erholung pur sein. Und die beiden Erzieherinnen haben ein waches Auge darauf, ob nach den Flut-Erfahrungen einzelne Kinder vielleicht weitergehende Hilfe benötigen. Bei Bedarf könnte die Caritas auch dies organisieren.

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