Impuls: Beten sie?

Beten Sie?
Betest Du?
Allein?
Gemeinsam mit anderen?

„Sie gingen in das Obergemach, wo sie nun ständig blieben… und verharrten dort einmütig im Gebet!“

Dies wird von einer größeren Gruppe in der Apostelgeschichte berichtet (Apg 1, 13,14)

Das macht mich neugierig: Hat da jede/r still für sich gebetet? Oder wurde gemeinsam laut gebetet? Hat jemand vorgebetet? Waren es Bittgebete – oder Dankgebete? Vorformulierte Gebete – oder spontan formulierte Anliegen?

Wie machen wir es? Mit frei formulierten, spontanen Gebeten in einer Gruppe tuen sich viele schwer. Vorgegebene Gebetstexte werden oft oberflächlich (vor)gelesen, und weniger gebetet. Fehlt uns einfach die Übung, im Gebet unsere Beziehung zu Gott zu pflegen, oder fehlt uns die Zeit? Vielleicht brauchen auch wir ein „Obergemach“, einen Ort der Ruhe und des Rückzugs, um unsere Anliegen und unseren Dank vor Gott zu bringen – aber auch, um ihn zu hören, wie es Sören Kierkegard sagt:

Als mein Gebet
immer andächtiger und innerlicher wurde,
da hatte ich immer weniger und weniger zu sagen.
Zuletzt wurde ich ganz still.

Ich wurde,
was womöglich noch ein größerer Gegensatz
zum Reden ist,
ich wurde ein Hörer.

Ich meinte erst, Beten sei Reden.
Ich lernte aber,
dass Beten nicht bloß Schweigen ist,
sondern hören.

So ist es:
Beten heißt nicht sich selbst reden hören.
Beten heißt:
Still werden und warten,
bis der Betende Gott hört.

Sören Kierkegaard (* 05.05.1813, † 11.11.1855)

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