Eine Zukunft für katholische Krankenhäuser

Die wirtschaftliche und rechtliche Entflechtung der katholischen Krankenhäuser von den Kirchengemeinden zu erreichen und zugleich die Verbundbildung der katholischen Träger voranzubringen, dafür sprach sich Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck beim ersten Kongress der Kosmas und Damian GmbH in Essen aus.

Bischof Overbeck beim K+D Kongress in Essen

Die kirchlichen Krankenhäuser und sozialcaritativen Einrichtungen im Bistum Essen stehen nach Ansicht von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck vor großen Herausforderungen. „Jedes Krankenhaus ist heute gezwungen, durch wettbewerbsorientiertes Verhalten bei hoher Qualität seinen Bestand zu sichern. Die Häuser stehen unter Effizienz- und Konkurrenzdruck“, sagte er vor über 170 Teilnehmern auf dem ersten Kongress der Kosmas und Damian GmbH (K+D) im Congress Center Süd in Essen.

Einzelne kirchliche Krankenhäuser seien aufgrund struktureller Probleme in Schwierigkeiten geraten. Deshalb komme es für die kirchlichen Einrichtungen darauf an, „die wirtschaftliche Steuerung wahrzunehmen, die Qualität der Medizin sicherzustellen und die kirchliche und ethische Orientierung in die Kommunikations- und Unternehmenskultur einzubringen und zu verwirklichen“, betonte Overbeck. Er warnte davor, Medizin, Ökonomie und Kirchlichkeit als „unvereinbare Pole“ zu verstehen.

Katholische Häuser, die die Herausforderung einer mehrdimensionalen Entwicklung unter veränderten gesellschaftlichen und kirchlichen Bedingungen nicht annähmen, „verfehlen ihren Auftrag und werden über kurz oder lang durch den Markt bestraft“, so der Bischof. Ohne ausreichende Wirtschaftlichkeit, Finanzierungskraft und höhere Investitionsquoten seien zukünftige Herausforderungen nicht zu bewältigen.

Die derzeitige Organisationsstruktur sei für die Aufsichtspflicht des Bistums und die Steuerung der katholischen Krankenhäuser nicht geeignet. De facto habe das Bistum in der Vergangenheit wenig Einfluss auf die operative Steuerung der Unternehmen genommen, trage aber im Falle drohender Liquiditätsprobleme, einer Insolvenz oder größerer Investitionsvorhaben ein hohes Risiko. „Deshalb möchte ich in  meiner Verantwortung als Bischof die wirtschaftliche und rechtliche Entflechtung der Einrichtungen von den Kirchengemeinden erreichen und zugleich die Verbundbildung der katholischen Träger voranbringen“, betonte Overbeck. Nur auf diesem Wege sehe er eine Chance dafür, auch künftig katholische Krankenhäuser im Bistum Essen zu erhalten.

Mit Blick auf notwendige Anpassungsprozesse habe das Ruhrbistum deshalb im Oktober 2011 die Kosmas und Damian GmbH gegründet, um mit einem „zukunftsorientierten Gestaltungsanspruch dem notwendigen Strukturwandel im Gesundheitswesen zu begegnen. „Diese anspruchsvolle Gestaltungsaufgabe können wir nicht alleine angehen, das geht nur mit Ihnen, das geht nur gemeinsam“, appellierte der Bischof an die Vertreter der Aufsichtsräte, Gesellschafterversammlungen und Geschäftsführungen der katholischen Krankenhäuser. Die K+D habe die Arbeit aufgenommen und sich als Ansprechpartner, Moderator und Projektentwickler bereits etabliert. Jetzt gehe es darum, gemeinsam die Notwendigkeit von Veränderungen zu erörtern sowie Szenarien einer Verbundbildung der katholischen Einrichtungen zu diskutieren und voranzubringen.

Bischof Overbeck betonte, dass das Bistum Essen „den kirchlichen Sendungsauftrag  glaubwürdig in die kirchlichen Einrichtungen einbringen“ wolle. „Deshalb werden wir uns nicht ohne Not aus unserem Engagement im Gesundheitswesen zurückziehen, sondern den Auftrag zur medizinischen Versorgung der Menschen unserer Region fördern“, versicherte er. Das müsse die Offenheit und Sensibilität für ethische Fragen einschließen.
 

Hochwertige Gesundheitsversorgung für alle Menschen

Auch in Zeiten von  Kostendämpfung und Rationalisierung sei es entscheidend, „dass alle Menschen, auch die Armen, die Kranken und die Alten einen Zugang zu einer qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung erhalten“, hob Overbeck hervor. Das sei eine Frage der Gerechtigkeit und Solidarität. Deshalb braucht die Systemdebatte im Gesundheitswesen nach Ansicht des Bischofs immer wieder den „Rückgriff auf das kritische Potenzial sozialethischer Maßstäbe wie der Verteilungsgerechtigkeit, der  Generationengerechtigkeit und der Eigenverantwortung“.

Das christliche Profil der Krankenhäuser stärker und neu in den Mittelpunkt zu rücken, auch dazu rief der Bischof auf. Neben bestehenden Qualitätsnormen  werde deshalb die „Weiterentwicklung einer christlich geprägten Unternehmenskultur und eines christlich fundierten ethischen Qualitätsmanagements“  wesentlich sein.

Ausdrücklich dankte Bischof Overbeck allen, die sich der diakonischen Aufgabe und dem Dienst am Menschen stellen: „Es gilt, bei allem künftigen Wandel die in den katholischen Einrichtungen arbeitenden Menschen mit ihren Charismen, ihrer Professionalität und ihren beruflichen Leistungen Wert zu schätzen. Sie sind die unverzichtbaren Träger des kirchlichen Engagements.“ (ul/do)


Stichwort: Kosmas und Damian GmbH

Aufgabe der Kosmas und Damian GmbH ist es, die katholischen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen zu unterstützen und in eine gute Zukunft zu führen. Dabei liegt ihr Hauptaugenmerk auf den katholischen Krankenhäusern im Bistum Essen. Gesellschafter der GmbH sind das Bistum Essen (75 Prozent) und die St. Elisabeth GmbH, Waldbreitbach (25 Prozent). Mit der gemeinsamen Unternehmensgründung wird die zu Anfang des Jahres 2011 besiegelte „Strategische Partnerschaft“ zwischen dem Bistum Essen und der St. Elisabeth GmbH vertieft. Geschäftsführer der Kosmas und Damian GmbH (K+D) ist Professor Dr. Gunther Lauven, Aufsichtsratsvorsitzender Verwaltungsdirektor Markus Potthoff, Essen.


Rede von Bischof Dr. Franz-Josef Overbeck

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